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Der Israelit · 1932-05-12 · Heft 20 (12.5.1932) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 20 (12.5.1932)
Date
1932-05-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 20 Der Israeli! 12. Mai 1932 senplatze diesen Platz passierte. Hunderte waren es, die höchst angeregt — nicht vom Referate Dr. Grünbecgs sprachen, sondern von einer ersten und zweiten Runde und von Helden, die heute mit Hand und Fuß siegten. Das sei nicht Y'n zur Abschwächung der Bestrebungen registriert, sondern lediglich zur Ehre der Wahrheit und zur Verhütung weitgehender Illusionen, denen man, je ehrlicher und heißer man das gute Ende erwünscht, um so eher zu verfallen droht. Diese Begegnung könnte von einigen dem Rl i s r a ch i sehr nahe stehenden Freunden (auf Wunsch können Namen genannt werden), die mich ins Buchacenviertc! begleiteten, bestätigt werden. Ihrer einer, Beamter eines Wisrachibüros, ließ sich die Sieger nennen und begleitete jeden Namen mit einem kräftigen n»'!"- Auch an den kommenden Sabbaten wurde, wie im Korrespondenzenteile der jüngsten Nummer mitgeteilt, trotz der ausgemachten vorläufigen Sabbatkampf ruhe, überall — a n sieben (Orten in Lrez Israel — tüch - t i g gespielt. Das alles bestätigt die in jener Korrespondenz ausgesprochene Vermutung, daß die Führer des Rlakkabi über mehr guten Willen verfügen, als über die Wacht und Wittel, ihre Iungens im Zaume zu halten. Im übrigen spricht der Bericht — gewiß. nicht übertrieben — von den erfolgreichen großen Versammlungen, weniger aber über den Gang der Verhandlungen mit den eigentlichen Kontrahenten. Wir wollen uns des Waffenbesuches und des Echos, die die großen Versammlungen hervorriefen, aufrichtig freuen, obwohl es auf der anderen Seite tief betrübt, daß wir im Lande des Sabbat für den naw unp erst auf diese Weise propagieren müssen. Aber wie stehen die Verhandlungen? Zwei Fragen stehen zur Diskussion, die die Führer des Wakkabi und die hinter ihnen spielende Jugend beantwortet haben wollen: l. Wann sollen wir spielen, wenn nicht am freien Sabbatnachmittag? 2. Was sangen wir mit dem Sabbat an, wenn wir ihn nicht mit Sport und Spiel ausfüllen können? Die erste Frage könnte vielleicht ihre Beantwortung finden, etwa durch die Freigabe eines freien Wochentagsnachmittags, die nach Rücksprache mit Unternehmern im Bereiche der Wöglichkeiten erscheint, — wobei wir aber a priori sagen müssen, daß die von einigen Seiten geplante Wahl des Freitagnachmittags, besonders im Winter, die Sache nicht besser macht und den Sabbat, ohne Heiligung des Vorabends, erst recht aus der höheren Welt des Religiösen in die menschliche Sphäre des von Worgen bis Worgen dauernden sozialen Ruhetages versetzt. Immerhin, über diese Frage wäre hinwegzukommen. An der zweiten Frage scheitern aber die Bemühungen. Solange Söhne so erzogen werden, daß sie auf die Frage: Was machen wir am Sabbat? nicht aus Eigenem, aus tiefem jüdischen Empfinden die Antwort geben können, solange eine gewisse Jugend — G. s. D. nicht die gesamte — im Sabbat nicht das vierte- Wort im Zehngebot der heiligen Thora steht, sondern nur ein Statut der Tel-Awiwer „Iria", sehen wir überhaupt keine Basis zu Verhandlungen. Hier, in der Schule und der volkserzieh u n g , müßten die Hebel angesetzt werden. Wochenrundschau. Die Gottlosigkeit als Parteiparole. Wit einer neuen Notverordnung des Reichspräsidenten und der deutschen Reichsregierung wurden einige Wochen nach Auflösung der nationalsozialistischen S. A. die Gottlosen Organisationen in Deutschland aufgehoben. Die Notwendigkeit dieser Verordnung wird mit dem provozierenden Auftreten der Gottlosenklubs begründet und mit der Notwendigkeit, der Gottlosenpropaganda der Kommunisten als Vorbereitung zur bolschewistischen Revolution den Boden zu entziehen. Geboten sei die Waßnahme auch zum Schutzedervon derReichsverfassung garantierten Glaubensu n d Gewissensfreiheit. Bei diesem letzten punkte der Begründung wird der kommunistische Protest, wie zu erwarten, einsetzen. Die Führer werden natürlich mit allen Künsten juristischer Deutelei den Begriff der Glaubensfreiheit auch auf die Unglaubens freiheit auszudehnen suchen und aus ihrer Gottlosigkeit eine G ew i s s e n s f a ch e machen, für die der Schutz gerade des Paragraphen zu beanspruchen sei, der gegen sie angewendet wird. Für den tiefer Denkenden liegt die Sache aber anders. Unglauben in der passiven Form der Negation der religiösen Inhalte oder in der aktiven des Sichaufbäumens gegen Tradition und religiös fundierte (Ordnung hat es immer schon in der Geschichte der Völker gegeben, wie auch den Kampf der öffentlichen Gewalten gegen solche die Gesellschaft bedrohende Strömungen. In alter Zeit, bis zmü späten Wittelalter, besaß die Kirche alle Machtmittel, um Abtrünnige zur Raison zu bringen und wandte sie in rigorosester Weise an, oft genug gegen Unschuldige (Inquisition in Spanien und Portugal), deren heiligste Ueberzeugung man als Treubruch wertete und mit dem Scheiterhaufen ahndete. In der neueren Zeit, die in der reinlichen Scheidung zwischen G'tt und Wensch (eine Scheidung, die dem Judentum seinem ganzen Wesen nach fremd war und bleiben muß) bis zur Trennung von Staat und Kirche gegangen ist, verschwanden die religiösen Delikte aus dem Bürgerlichen und Strafgesetzbuch so gut wie ganz. Nicht durfte sich ferner, nach moderner Anschauung, der Wensch ein Richteramt anmaßen in Dingen, die der' Wensch selbst mit seinem G'tte und seinem Gewissen auszumachen hatte. Diese neuzeitliche Anschauung gibt aber den Gottlosen keinen Freibrief, ihre Gottlosigkeit zu einer politischen Partei-Angelegenheit zu machen, mit dem Glauben des Unglaubens und der Besessenheit der fanatischen G'ttverneinung ihre Netze nach der Seele der Jugend auszuwerfen und mit einer aufdringlichen Zurschaustellung ihres Atheismus all diejenigen gröblich zu verletzen und herauszufordern, denen der G'ttesgedanke Inhalt und Voraussetzung ihres Lebens ist. Diesem in die Rechtssphäre der großen Wehrheit tief eingreifenden Treiben ein Ende zu machen, dies und nichts anderes, will die neue Notverordnung, indem sie von dem „provozierenden Auftreten der (öottlofenorganifationen" und von „der Notwendigkeit, die Glaubens- und Gewissensfreiheit im Volke zu schützen" spricht. Für uns Juden bekommt die Sache ihre eigene, fast jüdische Note, wenn man über die sowjetrusstsche Grenze hinüberschaut, wo sich die Gottlosigkeit als Weltanschauung und Regierungspolitik hemmungslos austobt und unsere unglücklichen Brüder es sind, die die Kosten dieses Systems, gegen welches sich heute ganz Europa (notabene, soweit die Geschäftsinteressen es gestatten) zur Wehr setzt, vorwiegend zu tragerr haben. Nur eines noch: Wir möchten hinter der Tatsache, daß kurz nach der nationalsozialistischen Sturmabteilung gegen den Wenschheitsgeöanken nunmehr die linkscaöikalen Himmelsstürmer heimgeschickt werden, einen kausalen Zusammenhang erblicken. Geht es, woran wir nicht zweifeln, dem Reichspräsidenten und der Reichsregierung wirklich um den Schutz de r Glaubens- und Gewissensfreiheit, so kann es nach diesem Verbote nicht ausbleiben, öaßman auch denjenigen auf der rechten Seite mehr auf die Finger sieht, die, mit S. A. oder ohne sie, sich in Wort und Schrift der gröblichsten G'tteslästerung, der wildesten Attacken gegen den G'tt Israels und feine Lehre schuldig machen. Die Herren sind bisher vor Gericht immer noch glimpflich davongekommen, weil sich „Sachverständige" fanden, die- Seftrohgedanken. Von Rabbiner 2r. 211. Cettnn in Hamburg. I. Wenn die Natur zu neuem Leben und Glänzen erwacht und befreit von den Banden der winterlichen Starre die Erdenkinder sangesfroh stimmt und zu freudigem Tummeln in Wald und Flur einlädt, dann ziehen sich Israels Kinder zu ernstem, nachdenklichen Sinnen zurück. Sie zählen vom nrw zum nwai? die Tage und Wochen und lassen sich mahnen an die Wandelbarkeit alles Irdischen und die Flüchtigkeit alles Erdenlebens. Gibt dieser durch unser Judentum bewirkte Kontrast nicht denen Recht, die da behaupten, daß unser Bekenntnis zur Weltflucht führe, zum Meiden alles dessen, was Licht und Frohsinn verbreitet? Was ist es aber in Wirklichkeit, was wir uns mit dem von unserer Lehre gebotenen Zählen zu Bewußtsein bringen? Doch nur das, was jeder Tag und jede Stunde immer wieder dem Bedächtigen, der nicht gedankenlos in den Tag hineinleben will, einschärft, daß nicht für die Ewigkeit unser Sein auf Erden ist. Diese Wahrheit, die so leicht vergessen wird und ganz andere Maßstäbe für die Bedeutung des Erdenlebens uns reicht, gilt es in unferm religiösen Bewußtsein zu verankern, daß wir gefügig werden, die mahnenden Stimmen des G'tteswortes zu vernehmen und zu beherzigen; daß wir nicht blindlings denen folgen, die da sprechen und ihren Worten gemäß sich zum Dasein einstellen: mm in» •o inrm io« „Lasset uns essen, lasset uns trinken, denn morgen müssen wir sterben!" Die Sprache dieser aus Resignation zu Genießern werdenden Menschen, die schließlich der Wollust fröhnen und im Sinnenrausch der Wahrheit Stimmen zum Schweigen zu bringen suchen, darf nimmer die Parole derer werden, die alljährlich mit ihren Gedanken und ihren Empfindungen den Weg von Mizrajim zum Sinai durchmessen, sich vom Feste der körperlichen Befreiung und Volkswerüung Israels zum Tage vom Sinai, zur Höhe seiner Erwählung und sittlichen Bindung und geistigen Erlösung leiten lassen. Wir hören vielmehr auf das Schriftwort: anisvi „Zählet euch, für euch". Sonst mögen die Menschen nur zählen und wägen, was ihnen von Wert und Bedeutung erscheint, womit sie sich des Lebens Güter erkaufen und des Daseins Bedürfnisse befriedigen können. Das ist menschlich zu verstehen und zu begreifen. „Wenn nur nicht das Mittel für das Ziel genommen würde und der Schein für das Wesen!" Wie schnell Gold und Gut zerrinnen kann, wie häufig all' unser Mühen und Jagen nach diesen Werten erfolglos bleibt oder doch nicht volle Befriedigung, wahre innere Ruhe bringt, das hat wahrlich mehr denn je unsere Zeit gelehrt. Was wir aber uns an inneren Werten sichern, das ist wertbeständig und vor jeder Erschütterung geschützt, das zählen wir in Wahrheit für uns, das bleibt unser Schatz, dessen Glanz sortleuchtet, auch dann wenn die Hülle der Sinnlichkeit fällt. Das Gleichnis unserer Alten von den drei Freunden, die ein jeder Mensch sich erwerben kann, wird immer in den Tagen der nmvv in uns lebendig. Hab und Gut, um die wir uns mühen — häufig über Gebühr — verlassen uns am lehesten am Tage der Not, in der Stunde, die uns vor G'ttes Richterstuhl ruft. Auch unsere Umgebung, unsere Angehörigen und Freunde vermögen nur uns noch bis zur Ruhestätte zu geleiten. Die frommen guten Werke jedoch,- das sind bleibende Werte, die wiv für uns erworben, die für uns zeugen und uns die Pforte des g'ttlichen Erbarmens öffnen. Zu dieser Erkenntnis will uns die ernste Zeit des „Zählens" leiten. Wir bringen nicht mehr die Gaben unserer Ernte ins Heiligtum. Daß wir aber unser Leben und alles was wir sind und was wir haben zu Lehen, aus G'ttes Hand tragen, das kündet uns alljährlich die Omerzeit, nicht um uns niederzubeugen, sondern um uns zu weihen und zu läutern, damit wir uns würdig rüsten für mrin pa pr für das erhabene Fest der Thoraspende — aber auch für das Leben der Ewigkeit im Strahlenglanze des himmlischen Vaters. Belehrende Vergleiche. Von A. Mannheimer in Dettelbach. (Schluß.) 5. In der städtischen Anlage begegnet Herr Joseph Simon seinem Freunde David Weih. Händedruck, warme Begrüßungsworte, Frage nach dem Wohlbefinden usw. „Ah, ich gratuliere Herr Weiß; Sie haben sich einen neuen Anzug geleistet. Tadellos! Sitzt wie angegossen!" — „Kommt mich auf 93 Mark einschließlich Macherlohn. Wissen Sie, Herr Simon, man muß doch auf sein Aeußeres was geben. Welchen Eindruck muß es machen, wenn man in abgegriffenem, schäbigen Anzug in bessere Kreise kommt. Das geht doch nicht." — „Ganz meine Ansicht, Herr Weiß! Sehen Sie, diesen Paletot muß ich auch kassieren. Ich trage ihn nunmehr den fünften Winter. An allem nagt schließlich der Zahn der Zeit. Meine Frau hat zufällig heute den Tünchner in Wohn- und

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