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Der Israelit · 1932-05-04 · Heft 19 (4.5.1932) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 19 (4.5.1932)
Date
1932-05-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I Nr. 19 .*> 1 ■ - cwa;. fc-..- ... UJIU.1 JL27U4 Frankfurt cr. M., deu 2%. Mßan 5692 fRß]] Ein Cenfralorgart für das orfhodcxe Judentum (((SSt V^IhBBV/// Begründet von Dr. Lehmann in Mainz, I fcssÖ Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.30 Mark monatttch: Ausland: Vterteljahrpreise. (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.37. Belga6. Holland 3 fl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Ingo, flavien 53 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 160 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 35 Kronen; Ungar» Pengo 5 ab 1. Juli 1837; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.60 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint teden Donnerstags Inserate 50 Goldpf. für die fiebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzetgen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textfette 3.- Mk., vorletzte Textsette 8.50 Mk.; Ehiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufende« Jnserataufträgen tarifm. t ' "" ' " - ' ' ~ ' " ' *■ > Verlag des Jsrae'" " kow. durch fämtl. I. - ___ Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendftratze 83 Tel. 45866. Platzvorschr. - .„_;t direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19803. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79603. — Postsparkassen rart Budapest Nr. 18434. —Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VlU 7334. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 84889 — Postscheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl- Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Zurück zur eigenen Wunschwelt! Am Erez-Zisroel. An alle, die es angeht. Don Dr. Nathan Birnbaum in Berlin. Lei der großen Untreue um Euch herum und bei Eurem eigenen Sichentschiedenhaben für die Treue sollte man erwarten dürfen, daß Ihr von nichts mehr erfüllt seid als von dem Verlangen, die Thora in ihrer ganzen Breite und Tiefe zur Herrscherin in Israel zu machen, daß Ihr alle anderen Wünsche diesem einen höchsten Verlangen unterorönet, daß Ihr alle jüdischen Notwendigkeiten aus diesem Verlangen heraus begreifen lernet und danach zu gestalten strebt, daß Ihr zu den unerhörtesten Kraftanstrengungen bereit seid, um das gesamte jüdische Volk zu seinein G'tte und zu dessen Lehre zurückzuführen. Doch wie weit seid Ihr in Wirklichkeit davon entfernt, diese Erwartung zu rechtfertigen! Auch nicht einer, unter Euch, der es als unerträglich empfände, daß sich die Mehrheit unseres Volkes von dem, was ihm noch heilig ist, schon lange losgesagt hat und der nach Angriff, nach Expansion, nach Sieg, nach Rückgewinnung der verlorenen lechzte. Vicht einer, dem es auffiele, daß auch innerhalb des kargen Restes der Treugebliebenen, ihn selber eingerechnet, die letzte Innigkeit in der Hingabe an den Allmächtigen, das inbrünstige Hinhorchen auf die Stimme der Ewigkeit, das diese Welt vergoldende Licht aus jener Welt fehlen. Vicht einer, der sich aus den Viederungen nachlässiger Gewohnheit höher als zur Hügelhöhe religiöser Beflissenheit erheben würde. Und daher auch nicht einer, der davor sicher wäre, daß die Thoratreue in den Hintergrund und irgendein Lieblingswunsch seiner Seele oder ein Lieblingsgedanke seines Hirns in den Vordergrund, in die Tatenlinie seines Lebens trete. , So erklärt sich ja auch die Art Eurer Beziehung zu Crez Iisroel, insbesondere der Taumel, in den Ihr unter der Gewalt der beispielhaften zionistischen Energie und schlimmer privat- und Volkserlebnisse in größeren oder kleineren Zeitabschnitten, wie gerade jetzt auch, geratet. Redet Euch nicht auf Cure Liebe zu Crez Iisroel aus! Denn was Ihr so nennt, ist, wenn überhaupt irgendeine Art von Liebe, jedenfalls > nicht die Liebe zu Crez Iisroel, die aus den tiefsten 1 Tiefen des Indeseins quillt, nicht das heiße Erschauern i vor der G'ttverheißenheit des. Landes, nicht das schmerzliche Sichschnen des Kinövolkes nach der Muttererde, nicht die Hingerissenheit von den jüdischen Menschen und Schicksalen, die der Erwähler Israels über diesen heiligen Boden hingeführt hat, nicht das bebende Lauschen auf den Flützelschlag künftigen Geschehens in seinen Lüften, nicht das zur Heiligung drängende Ersehnen dessen, der da kommen wird, „am Ende der Tage", um sein Volk und die Menschheipin Gerechtigkeit und zur Gerechtigkeit zu erlösen, und daher auch kein Heranreifen zu Crez Iisroel-Taten, die uns Crez Iisroel als ewigen Besitz in seiner ewigen Unverlierbarkeit, in seiner symbolhaften Wirklichkeit sichern. - Vichts von' alledem. Und übrigens: Selbst wenn noch ein letztes Etwas von tieferen Gefühlen für Crez Iisroel in Euch ist, — es ist ohne wirkende Kraft. Cs ist durch die ansteckende Arroganz der Woderne und im besonderen durch eine verhältnismäßig neue Losung, die in den Landen umgeht, und die Euch auch gepackt hat, paralysiert — durch eine Losung, die nicht von der Liebe geprägt ist, sondern von Erwägung und Phantasie, zuweilen auch von Angst um seelische oder gar um materielle Existenz. Und nur das unterscheidet Euch von Euren Lehrmeistern, daß diese ihre heroische Epoche,, als sie die nachmaligen widrigen Erfahrungen noch nicht ahnen mußten, für stch sprechen lassen können, während Ihr Euch die heroische Epoche erspartet und mit stacker Verspätung die Losung erst jetzt aufnehmet, — jetzt, da die widrigen Erfahrungen schon gemacht sind, da die ganze tragische Problematik der modernen Palästinabestrebungen offen zu Tage liegt, ohne daß nur ein Fünkchen Hoffnung vorhanden ist, daß gerade Ihr dem Problem beikominen werdet. •. - Allerdings seid Ihr im Ausdruck dessen, was Euch Crez Iisroel nicht nur in die erste, sondern auch in die einzige Linie Eures Interesses stellen läßt, begreiflicherweise von allem Anfang an bedenklich und behutsam. Und seit selbst die Zionisten — abgesehen von den gedanklich konsequenteren, dafür aber auch in Ansehung der Wirklichkeit durchaus verstiegenen Revisionisten — in ihren. Ansprüchen und damit auch in deren Begründung vorsichtiger und maßvoller geworden sind, klingt das, was Ihr vorzubringen pflegt, wenn man danach forscht, warum Euer Eifer fast ausschließlich Crez Iisroel zugewenöet ist, jetzt noch weit verschämter, man möchte fast sagen, noch unschuldiger als je'zuvor. Es gehe Euch, sagt Ihr, um nichts anderes als um das Glück, auf dem Bodenvon. Crez Iisroel wohnen zu. dürfen. Aber, wenn. Ihr das Glück der unbestreitbaren Heimaterde meinte ifo habt Ihr Euch nur ein klingenderes Wort aus dem Wortschatz der auf Erwägung und Phantasie allein gegründeten modernen. Palästinabewegung .gewählt. Und wenn Ihr unter Glück so etwas wie das. Glück ununterbrochenen religiösen Erlebens verständen wissen wollt, dann mißbraucht Ihr" das schöne Wort,' weil Ihr, von seltenen Ausnahmen abgesehen, nach allem, was man von Euch sieht, nicht die Eignung milbringt, um aus dem Boden und der Luft Crez Iisroels religiöses Erleben zu gewinnen. Und dann: Bedenket doch, daß der jüdischen Einwanderung in Crez Iisroel, und zwar nicht nur verordnungsgemäß, sehr enge Schranken gezogen sind und daß diese Schranken in absehbarer Zeit nicht so weit fallen werden, daß sie mehr als einen kleinen Teil des jüdischen Volkes-durchlassen werden, wenn dem nun aber so ist, dann dürft Ihr es nicht jedermann, sozusagen, zur Pflicht machen, sich das Glück in Trez Iisroel zu begründen, dann dürft Ihr nicht einer allgemeinen orthodoxen Mentalität zustreben, die kein anderes Interesse kennt, als nur das für palästinensische Dinge und doch von wahrer Liebe zu Crez Iisroel und von ihrer Betätigung weit entfernt ist. Dann dürft Ihr nicht beifällig nicken, ja ganz erfreut Euch zeigen, wenn jetzt in Gst-Cucopa wieder eine' sogenannte Alijo einsetzt, — ein Massenaufbruch, der, wenn er nicht eingedämmt wird, wenn die von leichtfertigen Schönfärbern animierten Massen nicht rechtzeitig zur Vernunft gebracht werden, mit dem Ruin tausender Juden und mit einem, unübersehbaren Schaden für Crez Iisroel enden muß. Dann dürft Ihr nicht Hilfe nur für einen im besten Fall kleinen Bruchteil Cures Volkes erhoffen und die ungeheure Mehrheit derjenigen vergessen, für die in Crez Iisroel'kein Platz mehr sein wird, kein Platz mehr sein kann. Ihr müßt, vielmehr - endlich einmal in der Frage des materiellen Wohls Cures Volkes Euren Blick vor Verengung und Cure Pläne von Zuspitzung — von Verengung und Zuspitzung, die stch als Allheilmittel ausgeben — befreien. Ihr müßt, über die ganze Welt spähend, an allen Orten und zu allen Zeiten das Werk bauen, das zu bauen ist. Und müßt, statt beqckemerweife die. Wiedergeburt Eurer religiösen und sittlichen Kraft von der ungewissen politischen Zukunft paläftiiras abhängig zu machen, selber sofort und überall, wo Ihr seid, an dieser Wiedergeburt arbeiten. Dann..werden die weite Cures Gesichtsfeldes und der Schwung Eurer Seelen dem heiligen Laude ebenso wie den andern jüdischen Gütern, nicht etwa'bloß zu entsprechenden Teilen, sondern' in ihrer Ganzheit zugute kommen. Dann wird es Euch tausendfach soviel von seinem Glücke bieten, als wenn Ihr Euch ihm, wie jetzt, wider sein inneres Gesetz, nur als einem vom Ganzen losgelösten Teile widmet. Verfallet. .nicht in den Irrtum der. Bagatellisicruiig oder gar der großsprecherischen „Verneinung" des Golus!-Dem Golus imponiert Ihr damit gar Nicht. Es''bleibt für absehbare Zeiten unser Schicksal, — auch in Crez Iisroel. Erschwert dieses Schicksal

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