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Der Israelit · 1932-11-10 · Heft 46 (10.11.1932) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 46 (10.11.1932)
Date
1932-11-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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10. November 1932 Der Israelit Nr. 46 Seite 11 Personalien. Neustadl (Oberschlesien), 8. Nov. Am 1. November fand die feierliche Beisetzung unseres entschlafenen Predigers und Kantors i. R>, Louis Löwenstein, nach mehr als 40jähriger Wirksamkeit in unserer Gemeinde, statt. Bon der großen Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich der Verstorbene in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen erfreute, zeugte die ungemein große Beteiligung unserer Stadteinwohner, der Freunde und Schüler des Toten von nah und fern. In der Synagoge, wo der Tote aufgebahrt war, begann die Feier mit innigen Abschiedsworten, gesprochen von Prediger Falkenstein und Rabbiner Ellguther, Neiße, der auch namens der Nachbargemeinde und des Bezirksrabbiners mit warmen Worten die Verdienste des Verstorbenen hervorhob. Dann folgte die Ueberführung zur Leichenhalle, welche bald bis auf den letzten Platz gefüllt war. Hier hielt Prediger F a l k e n st e i n die Trauerrede. In ergreifenden tiefempfundenen Worten gab er der großen Trauergemeinde ein Lebensbild des entschlafenen edlen Menschen, des nimmermüden Versorgers seiner Familie, des auf hoher sittlicher Stufe stehenden Seelsorgers seiner Gemeinde und des begeisterten, mit reichem Wissen ausgestatteten Lehrers und Führers der Jugend. -frasm London. 31. Oft. Chief-Rabbi Dr. Hertz hat dieser Tage seinen 6 0. Geburtstag gefeiert. Man merkt dem energischen, für seine individuellen Ueberzeugungen jederzeit mit seltener Unerschrockenheit eintretenden Manne nicht an, daß er die Grenze des Greisenalters überschritten f>at; Nach außen und innen hat er alle Zeit seinen Mann gestanden, wenn es galt, jüdische Gesamtinteressen gegenüber politischen Instanzen zu vertreten oder das überlieferte Judentum gegen die Reform und den Liberalismus zu verteidigen. Der Pentateuch-Kommentar von Dr. Hertz hat sich in England reiche Sympathien erobert und viel zur Würdigung der Tradition auch in halbentsremdeten Kreisen beigetragen. Auch die unabhängige Orthodoxie, die mit der misrachistischen Gesinnung des Chief-Rabbi und mit mancher seiner Amtshandlungen nicht immer einverstanden sein konnte, wünscht dem Jubilar eine weitere erfolgreiche Wirksarnkeit. mrt pirnV- Vermischtes. Berlin, 7. Nov. Das Elternkomitee des Schulwerks der Adaß Jisroel-Gemeinde, Berlin NW. 87, Siegmundshof 11 (Realgymnasium, Oberlyzeum, Volksschule) veranstaltet zugunsten bedürftiger Kinder eine Matinee am Sonntag, den 27. November ds. Js., vorm. 11.30 Uhr im Mozartsaal, Nollendorfplatz 5. In den Dienst der guten Sache haben sich gestellt: Herr Paul Bildt vom Staatstheater (Rezitationen), Herr Wilhelm Guttmann von der Städtischen Oper (Löwe-Balladen und Kinderlieder von Dr. Groß) und der Schriftsteller. Herr Karl Schnog (Rezitationen aus eigenen Werken), ferner werden Schüler, darunter ein 9 jähriger hochbegabter angehender Klavierkünstler Proben ihres Könnens darbieten. Außerdem werden 2—3 Kulturkurzfilme gezeigt werden. Als Conferencier wird der bekannte Dr. S. Hildesheimer Mitwirken. Karten (unter C. 9, Tiergarten 6913 und 6457). Neustadt (Saale), 8. Nov. Unsere Gemeinde hatte das Glück, ein selten schönes Fest zu feiern. Selten, weil die ältesten Mitglieder sich nicht erinnern können, ein solches hier erlebt zu haben; schön, Weil die Feier, lichwaud hamokom welichwaud hatauroh so ganz der Zeit angepaßt, einen schlichten, abr sehr würdigen Charakter trug. Unser voreheliches Gemeindemitglied, Herr Sigmund W e i n st o ck, hier, und feine Gattin Rosa geb. Stein aus Efchwege haben vor kurzem durch den Sofer, Herrn Kormann, Frankfurt a. M., ein wunderbares Sefer, ein wahres Prachtstück jüdischer Schreibkunst, anfertigen lassen und unserer Kultusgemeinde zur Verfügung gestellt. Anläßlich der Bar Mizwoh ihres jüngsten Sohnes Norbert übergaben die Stifter am na 's rav ihr heiliges Gut zur Einweihung. Freitag nachmittag, vor Beginn des G'ttesdienstes, wurde das Sefer feierlich im Haufe der Stifter abgeholt. Nach dem Gesänge des Vajehi binsoa trug Herr Weinstock, begleitet von seinen drei Söhnen, seinen Verwandten. der gesamten Kultusverwaltung und vielen Gemeindemitgliedern, aus blumengeschmücktem Wege sein Kleinod zur Synagoge. Dort sang zur Begrüßung unser Herr Kantor einen schönen Ma towu und rezitierte die Psalmen 19, 111, 112 und 149. — Die Hauptfeier fanb am darauffolgenden Morgen statt. Unser herrliches G'tteshaus war bis auf,den letzten Platz besetzt. Andächtig folgten die Beter dem weihevollen G'ttesdienste. Den Glanzpunkt der stimmungsvollen Feier bildete die Festpredigt unseres Kantors, Herrn Oberlehrer Wähler. Ausgehend von dem Satze: 5. V. M. 31. 19 oab 1202 nnvi nxm mvn mu begründete 4>er gewandte Redner in tiefgründiger Weise die allgemeine Verpflichtung der nama rro wünschte den Stiftern für die Erfüllung dieser großen Mizwoh G'ttes reichsten Segen, dankte im Aufträge der Kultusverwaltung namens der Gemeinde für das kostbare Geschenk und gab seiner großen Freude Ausdruck, nun aus einem so schönen Sefer minn ns’ip vornehmen zu können. Innigen Dank sprach der Redner ferner aus für die Männer, die von den Stiftern eingeladen waren, auch ihrerseits an der Mizwoh durch einfchreiben eines Buchstabens teilnehmen zu können. Herr Wähler dankte der Familie Weinstock und schloß' mit einer herzlichen Ansprache an den Barmizwoh. 1 Warschau, 9. Nov. In Polen macht zur Zeit ein siebenjähriger Knabe aus Lodz, Herschele Sochatschewski, viel von sich reden. Der kleine Junge soll, wie polnische Zeitungen berichten, der größte Rechenkünstler sein, der in letzterer Zeit in Polen aufgetreten ist. Er rechnet zehnstellige Zahlen aus und löst noch schwerere Aufgaben spielend, merkt sich ganze Zahlenkolonnen, die an die Tafel geschrieben und wieder ausgewischt werden, sagt sie auswendig her und rechnet sie aus mit einer Sicherheit, die die Bewunderung der größten Mathematiker erregt. Professoern behandeln ihn als Phänomen. Der Wunderknabe wird jetzt nach Warschau gebracht, wo er in spezielle fachmännische Erziehung kommt. Schon haben sich „Direktoren" gemeldet, die mit dem Jungen Weltreisen antreten wollen, was aber die frommen Eltern strikte ablehnen. Es ist dafür gesorgt, daß der auch auf anderen Gebieten ungemein begabte Knabe wohl eine fachmännische Ausbildung, bei letzter Ausnutzung all seiner Gaben, erhält, zugleich aber in die jüdische Lehre eingeführt wird und ein frommer Jude bleibt. Zürich, 1. Nov. Das antisemitische Blatt „Eiserne Besen", dessen Verbot durch den Regierungsrat des Kantons St. Gallen kürzlich vor dem Bundesgericht, dem Obersten schweizerischen Gericht, bestätigt wurde, war in diesen Tagen Gegenstand einer Verhandlung vor dem Züricher Bezirksgericht. Der „Eiserne Besen" hatte den jüdischen Kaufmann L. in Zürich als „Konjunkturjäger" bezeichnet unty sagte ihm unlauteres Geschäftsgebahren nach. Der empörte L. schrieb an die anonyme Redaktion, sie bestünde aus Volksvergiftern; es sei höchste Zeit, daß solchen Hintertreppenredakteuren das Handwerk gelegt werde. Durch diese Feststellungen fühlte sich der Musikdirigent Alfred Glarner, der damit als Redakteur aus dem Dunkel der Anonymität auftauchte, beleidigt und strengte gegen L. einen Beleidigungsprozeß an. Das Bezirksgericht Zürich erklärte L. als straffrei und führte in der Begründung des Urteils ungefähr aus: den Publikationen es „Eisernen Besen" gehe jede vornehme Kampfesweise ab. Die immer wiederkehrnden Angriffe seien als Hetze gegenüber Angehörigen einer Rasse und Religionsgemeinschaft. die nach der geltenden Bundesverfassung als gleichberechtigte Staatsbürger anerkannt sind, zu charakterisieren. Die Art dieser Hetze verdiene durchaus die Bezeichnung „Vergiftung". Wenn man noch in Betracht zieht, daß weder die Einsender noch die Redakteure des „Eisernen Besen" mit ihrem Namen offen zur Sache stehen, kann sich der Kläger Garner nicht beklagen, wenn er als „Volksvergifter" bezeichnet wird. Auch die Bezeichnung „Hintertreppenredakteure" könne in diesem Falle nicht als Beleidigung angesehen werden, da „Redakteuren, die für eine Schreibweise verantwortlich sind, wie sie in den vorstehenden Erwägungen charakterisiert worden ist . . . mit der Bezeichnung „Hintertreppenredakteure" nicht zu nahe getreten wird." — Das sollten deutsche Richter lesen! Azhorod (Slov.), 31. Okt. Bor dem Uzhoroder L.andesgericht spielte sich dieser Tage ein Chrenbeleidigungsprozeß ab, der das Recht der jüdischen K a n z e l f r e i - heit betrifft und daher für weitere Kreise des In- und Auslandes besonderes Interesse haben dürste. In Berezna hatte die zionistische Ortsgruppe am letzten Purim einen Teeabend veranstaltet, bei dem nach dem Berichte zahlreicher Anwesenden skandalöse Szenen sich abspielten. Der Ortsrabbiner, Rabbiner Schreiber, macht für diese Ausschreitungen in einer Kanzelrede die Zionisten verantwortlich und gebrauchte dabei recht scharfe Ausdrücke. Die Bereznaer Zionistische Ortsgruppe fühlte sich beleidigt und strengte Klage beim Kreisgericht an. Dieses wies die Klage mit der Begründung ab, daß es Aufgabe des Gemeinderabbiners sei. sittlich tadelnswerte Vorgänge in seiner Gemeinde öffentlich zu rügen, wobei ihm die -gleiche Freiheit der Zurechtweisung zugestanden werden müsse, wie einem Vater gegenüber seinen Kindern. Am letzten Mittwoch fand die Berufungsverhandlung vor dem Uzhoroder Landesgericht statt. Dieses schloß sich den Ausführungen der ersten Instanz nicht an, sondern hielt die Grenze des Erlaubten für überschritten und verhängte über den beklagten Rabbiner eine Strafe von Kc. 550. Gegen dieses Urteil hat Rabbiner Schreiber Berufung an die oberste Instanz, eingelegt, auf deren Entscheidung man gespannt sein darf. Frankfurter Vereinskalender. Verein Vlekor Chajim. Freitag abend nach Schul im Hörsaal: Mikrovortrag, Herr Rektor Carl Ochsemann — abends 8 Uhr bei Herrn I. Lewin, Uhlandstr. 58 III, Chumisch mit Raschi. Samstag morgen nach Schul im Hörsaal: Dinim, Herr Dr. E. Posen — nachmittags 3/4 Stunde vor Mincho im Verelnslokal iwr» Herr Dr. W. Hofmann. — 4 Uhr im Bereinslokal (ebenso Sonntag morg. 8 Uhr) Gemoro, Herr I. Soffer. — 8V2 Uhr abends Herr Dr. M' Lange. Sonntag morgens nach Schul im Hörsaal (ebenso Mitt' woch), 01» "v, Herr S. Schachnowitz. Sonntag abends 6 Uhr im Vereinslokal.Herr Dr. Ehrmann über: „Wann kommt Moschiach?" (Eine schwierige Agadastelle). Montag morgen nach Schul (auch Donnerstag): Mischna- Mitgliederlernen, abends 7 Uhr im Vereinslokal (auch Mittwoch) Gemoro Herr Rabb. Dr. I. Breuer, abends 8y4 Uhr irn Vereinslokal (auch Donnerstag) Gemoro, Herr Dr. 'E. Posen. Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mischna. Herr Dr. E. Posen. Jeden Morgen nach Schul im Sitzungszimmer, Gemoro Herr Dr. S. Ehrmann. Sonntag, Dienstag und Mittwoch abends 8.15 Uhr, im Vereinslokal Schaßlernen. Herr Herz Holpern. Jahrzeiksstiflungen. Donnerstag, den 10. November: Gretel Gottlieb geb- Mayer-Stiftung. Schabbos, den lz. Novembxr: Isaac Hesdörffer-Stistung. Dienstag, den 15. November: Eva Lob-Stiftung. Freitag, den 18. November: Erich Hofmann-Siiftung. Agudas Iisroel-Orlsgruppe. Schiurim des Herrn Herz Halpern: Täglich von 9—12 Uhr: Lernen jegleicher Art. 12-1 Uhr: Das Jomi — Am anschließend am Das Jomi agadischer Vortrag. Jüdische Frauenvereinigung E. V. Sonntag, den 13. November, nachm. 6 Uhr im Hörsaal, Friedberger Anlage, Vortrag des Herrn Redakteurs <5. Schachn 0 witz: „Der wahre Jud Süß und was die Dichter aus ihm machten". Agudistifche Schülergemeinschaft (A. S. G.). Am Mauzoe Schabbos, dem 12. November, um 8.30 Uhr, findet im Heim Schwanenstraße 12 der nächste Vortrag statt. Es spricht Herr Manfred Neuberger über „Wert und Bedeutung der Agada". Liwjalh Chen. Samstag nach Mincho, 4.15 Uhr, im Hörsaale Friedberger Anlage, Vortrag des Herrn S. S ch a ch n 0 w i tz „Abrahams Wundererde". hebräische Arbeitsgemeinschaft der Agudas Iisroel- Iugendgruppe. Am Mauzoe Schabbos, den 12. November, 20 Uhr pünktlich spricht im Heim Schwanenstraße 12 Herr S. Schwarz, Kfar-Saba (Palästina) über das Thema „Zum Problem der Erziehung in Erez Israel". Gäste willkommen. n a y i d V» tmpn nxan1? pisn •Vk-ip’ mijsa 'pW -V -73 20 NM2 "f? "J1? 'D '82182 •?8W> p82 *]Unn 71^82^ : Ktmn *71/ ('"8) 82v 122 .2121 ll'N118 Der Geschichtskurs unter Leitung des Herrn Red. S. Schachnowitz beginnt s. G. w. am Sonntag, den 20. November, 8.30 Uhr im Heim. Jüdischer Turnerbund E. V. Herr Rechtsanwalt Dr. I. Frank sprach am vergangenen Samstag in unserem Heim, Langestr. 55, 1. über „Die rote Assimilation", woran sich eine anregende Diskussion schloß. Wir werden in kürzester Zeit die Diskussion über dieses Thema fortsetzen und Näheres noch bekanntgeben. Am Buß- und Bettag (Mittwoch, den 16. Nov.) findet eine Wanderung statt mit dem Motto „Fahrt ins Blaue". Fahrtkosten betragen ca. Mk. 1.20. Treffpunkt 8 Uhr Hauptportal Hauptbhf. Führung: Hugo Hermann und Arno Katz. Wir machen nochmals auf unsere Heimabende Mittwoch und Samstag abend, 8.30 Uhr, Langestraße 55, 1. aufmerksam. Winterprogramm 1932 — 33 Herren: Sonntag 8.30 — 10 Uhr vorm. Schwimmen (Städt. Schwimmbad). Montag 8.30 — 10 Uhr abends Turnen und Sport (Annaschule Rechneigrabenstraße). Donnerstag 8.30 — 10 Uhr abends Turnen und Sport (Annafchule). Jugend: Montag 8.30 — 10 Uhr Turnen und Sport (Annaschule). Knaben: Dienstag 5 — 7 Uhr nachm. Gymnastik und Turnen (Annaschule). Damen: Donnerstag 8.30 — 10 Uhr abends Gymnastik und Spiel (Liebsrauenschule Schäfergasse). Mädchen: Mittwoch Gymnastik und Turnen (Annaschule) Abteilung I. (bis 8 Jahre) 4 — 5 Uhr nachm. Abteilung II. (8 — 11 Jahre) 5 — 6.16 Uhr nachm. Abteilung III. (über 11 Jahre) 6.15 — 7.30 Uhr nachm. Heimabende: ab 1. Oktober Mittwoch»und Samstag ab 8.30 Uhr abends im Heim Langestr. 551. Gelegenheit zu Ping-Pong, Schach und sonstigen Gesellschaftsspielen. Frauen: Mittwoch 7.30 — 9 Uhr abends Gesundheitsgymnastik (S. R. Hirschschule Am Tiergarten 8). Gebetzeilen. 7l2L> Freitag abend 4.20 Samstag .i»2v.l 6.45 Samstag morg. 8.00 Samstag nachm. 1.00 und 4.00 Samstag abend 5.35 Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Nachmittags 4.30 Hörsaal 1.15 Tefillin-Legen am Morgen 6.25

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