Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1932)
- Date
- 1932-11-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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10. November 1932 Nr. 46 11. Marcheschwan 569; Gegründet von Dr. Lehmann in Mainz, Abonnernenl ab Juli 1923: Deutschland 1.30 Mar! monatlich; Ausland: Bterteljährpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Koste« des Streifband-Versandes) Deutsch-Lsterretch: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 23 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5. Holland 3 fl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Ingo» llavien 55 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab l. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Gold» mark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowaket 35 Kronen; Ungarn Pengo 5 ab 1. Juli 1837; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. . Einzelnummer vierzig Goldpfennige. . Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Eoldof. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 wm breite Reklamezeile: letzte Textseitc 3.— Mk., vorletzte Textsette 350 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufende« Inserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch de» Verlag des Israelit G. m. v. H., Frankfurt a. M, Rechneigrabenstraße 7. Tel. Hansa 31084 ' '■; sow. durch sämtl. Annoncen-Txped. d. In» und Auslands. Alleinige Jnseraienann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendstraße 83 Tel. 45886. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. Sahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19802. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79505. — Postsparkassen«-nt Budapest Nr. 18434.— Postscheckkonto larschau Nr. 180757. — Postscheckamt Zürich Nr. VIII7251. — Postscheckamt Amsterdam Nr.34889 — Postscheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sic sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat Dezember Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst- Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg, Verlag des Israelit G.m.b.H», Frankfurt a.M, kann Palästina die neue AlijaH aufnehmen? Mrlschaftsberichl von Menachem Lewinski in Tel-Awiw. Mein Artikel im „Israelit" vom 28. Januar d. I. „Wer soll und wer kann in Palästina einwandern?" hat in weitesten Kreisen, auch des Auslandes, soviel Beachtung gesunden, auch praktische Erfolge gezeitigt, daß ich mich gern der kleinen Mühe unterziehe, den Lesern des „Israelit" einen weiteren gedrängten Wirtschaftsbericht über Palästina zu geben. Die D'X-m tra*» und D’:m die uns unsere Alltagssorgen vergessen ließen, sind nun vorüber und mit banger Sorge sehen nunmehr zehntausende unserer Brüder in pxb nmn der absterbenden Ralur und einem langen, vielleicht harten Winter entgegen. Anders bei uns in Vn-W» px. Auch hier sind rrn die D'XIU D'»', die zu Einkehr und Reue ermahnenden Tage vorüber, die D'niv B'»* jedoch, wenigstens die Ratuc betreffend, bleiben uns täglich., Wir gehen keinem trüben, rauhen Winter entgegen, vier stirbt die-Ratur niemals ab. Frisches Laub bedeckt die Bäume, saftiges Grün die Wiesen und täglich erblüht ein neuer Blumenflor, ein solches Gesicht trägt der palästinensische Winter, daher sind unsere v'2lv tra' nicht vorüber, jeder Tag, den wir in Palästina durch G'ttes Gnade erleben, ist ein ans dt». Aber auch die Alltagssorgen lasten auf uns nicht so schwer, wie auf den meisten unserer Brüder in . Tttnfi wie schon unser erster Bürgermeister, Dizengoff bei seinem Aufenthalt vor einigen Wochen in Berlin erklärte, sind wir bis jetzt n"n von der Weltkrise verschont geblieben. Arbeitslosigkeit ist hier so gut wie unbekannt, wer arbeiten will, findet jederzeit Beschäftigung. Tin besonders großer Mangel herrscht an weiblichen Hausangestellten, es werden infolgedessen Ansprüche an erhöhtem Gehalt und geringerer Arbeitszeit gestellt — und bewilligt. Tine längere Arbeitszeit als bis fünf Uhr nachmittags wird von den Haushaltsangestellten nicht zugeflanden, in Ausnahmefüllen, gegen extra Honorar, wird bis sieben Uhr gearbeitet. Tin weiterer größer Ulangel herrscht hier an gut ausgebildeten Facharbeitern fast aller Kategorien. Leider braucht hier kein Handwerker einen Lehr- oder Gesellennachwcis zu erbringen, so kommt es gar nicht selten vor, daß sich junge, auch ältere Leute, in einem Handwerk selbständig machen, von dem sie nicht viel mehr als den Damen kennen. Die Leistungen solcher sogen. Handwerker sind natürlich mehr.als minderwertig. Ts herrscht großer Mangel an soliden Facharbeitern, es ist daher ganz natürlich, daß aus Deutschland eingewanderte Facharbeiter sofort bei guten Löhnen eingestellt werden. Aber auch gut geschultes kaufmännisches Personal ist nur selten anzutreffen. Das in Amerika, Deutschland und anderen Kulturstaaten selbstverständliche oberste Prinzip „Dienst am Kunden" ist hier, sowohl beim Personal, als auch beim Geschäftsinhaber ein noch sehr unbekannter Begriff. Die noch wenigen hier ansässigen deutschen Kanfleutc versuchen das Prinzip des „Kundendienstes" einzuführen, stoßen aber bei dem ungeschulten Personal auf widerstand. wir erhoffen jedoch von der jetzt stark einsetzenden Einwanderung deutscher Kaufleute einen wohltuenden Einfluß auf die hiesige Kaufmannschaft. Ls mangelt an entgegenkommender freundlicher Bedienung und guter Beratung des Kunden, während es in allen Kulturstaaten heute Prinzip ist, jeden gekauften Artikel — mit Ausnahme bestimmter Artikel — bereitwilligst umzutauschen, hängen in hiesigen. Geschäften Plakate aus, die besagen, daß ein Umtausch gekaufter waren niemals stattfindet. „Kundendienst"!!! Wie ich bereits oben bemerkte, findet jetzt eine starke Einwanderung aus Deutschland statt, aber leider noch nicht stark genug, um einen genügenden Einfluß auf hiesige Verhältnisse, soweit sie verbesserungsbedürftig sind, ausüben zu können. Für Kaufleute mit etwas Kapital sind die Aussichten immer noch sehr günstig. Ich nenne nur einige Branchen, die, wenn modern aufgebaut, Erfolg versprechend sind. Es sind dieses: Schokoladen- und Konfitürengeschäfte, Zigarren- und Zigaretten-Spezialgeschäfte (noch keines Im Lande vorhanden), Damcnputzgeschäfte, Abzahlungsgeschäfte, Sportartikel, Spezialgeschäfte, Wirtschafts- und Haushaltsartikel, Bäckereien, Fleischereien, Delikateß-Kolonialwaren, elektrotechnische Artikel u. v. a. Ich wiederhole aber ausdrücklich, alles nur in moderner Aufmachung. Auch in der Fabrikation gilt es noch Lücken auszufüllen. Cs bestehen gute Aussichten für eine Vriefumschlägefabrik. Ls existiert bereits eine solche in Tel-Awiw, die Tag und Rächt arbeitet, aber den Bedarf nicht decken kann. Ts ist ferner Bedarf an Markisen- und Ialoustefabriken, Tischlereien, die (Qualitätsarbeit Herstellen, sowie in der Autobranchc vorhanden. Auch in vielen anderen Erzeugnissen wird (Qualitätsarbeit gesucht. Einige streng koschere, modern geführte Hotels und Restaurants wären aussichtsreich. In akademischen Berufen sind die Aussichten nicht ganz so günstig, einige gute Chirurgen und Spezialärzte würden gute Praxis finden, ebenso einige deutsche Rechtsanwälte, die sich allerdings erst mit der hierzulande geltenden Rechtsprechung (altes türkisches Recht, engl., hebr. und röm. Recht) vertraut machen müßten. Ein- bis zweijähriges Studium im Lande erforderlich. Cs herrscht hier Mangel an streng religiös geleiteten Kindergärten, auch privatschulen, auf westeuropäischer Höhe stehend (Unterrichtssprache hebr.) hätten eine gute Zukunft. Sehr gute Voraussetzungen sind für die Errichtung von Bienenkulturen vorhanden. Die bisherige' Erzeugung an Honig deckt noch kaum die Hälfte des Inlandverbrauches, vorliegende Auslandsbestcllungen müssen unausgeführt bleiben. Vorherige Fachkenntnisse sind nicht erforderlich, diese werden hier in ganz kurzer Zeit erworben. Für diesen Beruf sind jugendlichere Kräfte, mit einigen tausend Mark erforderlich. Rach einer Arbeitszeit von einigen Monaten kann schon mit einer Existenz ge-' rechnet werden. Das Baugewerbe bietet immer noch sehr gute Kapitalsanlage. In Tel-Awiw, auch in anderen Städten, wurden im vergangenen Frühjahr soviele neue Straßenzüge und leerstehende D'wn^v-Plätze gebaut, daß man sich fragte, ob es denn möglich sei, alle, diese Wohnungen zu besetzen. Heute gibt es in ganz Tel-Awiw weder eine Wohnung, noch ein Geschäftslokal zu mieten, obwohl ununterbrochen fieberhaft gebaut wird. In Jerusalem und Haifa liegen die Verhältnisse nicht besser. Die Preise der Bauplätze sind seit einem Jahre um ca. 50 proz. gestiegen. Leider führt sich durch die wohnungs- und Lädcnknappheit deraus Deutschland hcrübcrgekommene Unfug ein, für Geschäftslokalitätcn in guter Gegend hohe Abstandssummen zu zahlen. Hunderte von Fa-