Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 17-18 (20.4.1932)
- Date
- 1932-04-20
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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20l April 1932 Der Israelit Dir. 17/13 Sette 19 Ainderecke. Verderben und Rettung der kleinen Knäblein. 'Auf goldenem Thron saß Pharao in seinem prunkvollen Saale. Ls nahten sich ihm alle Diener des Palastes, die Weisen, die Ratgeber, die Zauberer, die Zeichcndeuter zum feierlichen Worgengruße. Mit wohlgefälligem Lächeln sah der stolze Pharao die Huldigung all seiner Diener. Doch plötzlich erschrak er und sein Antlitz verfinsterte sich. Denn mit entsetzten Alienen näherten sich die Sterndeuter und warfen sich schweigend nieder auf den Stufen des Thrones. „Ihr bringt mir schlechte Kunde!" rief der Pharao voll Angst. Da hob der älteste der Sterndeuter den Kopf und sprach: „verzeihe es, Herr, und lasse es uns nicht büßen, daß wir dir nicht bessere Rachricht verkünden können. Schreckliches haben wir heute Rächt aus den Sternen gelesen: Ls wird in diesen Tagen dein schlimmster Feind geboren werden, der Befreier der Söhne Israels! Doch sei getrost! Wir haben auch in den Sternen gesehen, daß er nicht ganz zu seinem Ziele gelangen kann, daß ihm das Wasser zum Verhängnis wird!" „L)b durch Wasser oder durch Feuer, vernichtet muß er werden," rief Pharao, bleich vor Entsetzen. „Aber wie ihn finden unter den Tausenden von Knaben, die in Israel geboren werden? Helft Ihr mir, meine Ratgeber, ratet mir, Bileam, Hiob und Iithro!" Da sprach der böse Bileam: „Gut will ich Dir raten, Pharao! Durch Wasser vernichte die Söhne Israels. Denn ihr G'tt straft durch das Gleiche die Feinde seines Volkes, wodurch sie gegen es wüteten. Aber mit Wasser wird er uns nicht züchtigen, da er dem Roah geschworen hat, nie mehr soll das Wasser die Lrde bedecken. Lasse sie im Wasser zu Grunde gehen, die Söhne des Volkes Israel, allesamt ohne Ausnahme lasse sie werfen in die Fluten des Rils!" „ Und was meint Ihr," wandte sich Pharao an Hiob und Iithro. Hiob schwieg; Iithro aber sprach: „Warnen lasse Dich, Pharao; vernichte nicht die Kinder dieses Stammes, denn ihr G'tt läßt es nicht ungestraft geschehen und es wird Dir doch nicht gelingen!" Aber seine warnenden Worte wurden nicht gehört; sie gingen unter im Geschrei all der Diener um Pharao, die mit Bileam einstimmten in den Ruf: „vernichte die Söhne Israels, in den Fluß lasse die Knaben werfen!" ' Und Pharao sprach: „So sei es." Bileam aber freute sich über den grausamen Befehl und ahnte nicht, daß er seinen bösen Rat noch büßen müßte. Hiob sprach nicht für das Volk und mußte große Schmerzen dafür erleiden, Iithro aber mußte fliehen vor dem Zorne Pharaos, sein Rame jedoch ward zum Guten eingeschrieben. n. Lin furchtbarer Schrecken erfaßte alle Juden im Lande Goschen, als sie von dem grausamen Befehle vernahmen. Ihre kleinen Kinder sollten in den Strom geworfen werden? Ihr Liebstes und ihr Kostbarstes sollten die jüdischen Eltern hecgeben müssen? Jammern und Wehklagen ertönten in jedem Hause. Zitternd vor Angst suchten die Rlütter ihre kleinen Knäblein zu verstecken. Aber schon kamen die herzlosen Aeg^pter und entrissen ihnen die Kinder und schleppten sie weg, und vergebens wehrten sich die verzweifelten Alütter. Ein großes und furchtbares Weinen war im ganzen Lande. Aber auch im Himmel oben weinten die Lngel und verhüllten ihre Gesichter, um das Leid des armen Volkes nicht zu sehen. Da sprach G'tt zu den Lngeln des Dienstes: „warum steht Ihr und weinet? Steigt doch hinab auf die Lrde und seht Luch um nach den Kindern meiner Freunde Abraham, Isaak und Jakob, die man in den Strom werfen will!" Da stiegen die Lngel eiligst herab in die Fluten des Nils, standen bis zu den Knieen im Wasser und fingen die Kinder auf und retteten sie an das Land. 'Arm und bloß lagen sie am Ufer. Da tat G'tt Felsenhöhlen auf, welche die Kinder vor den Augen der Aegypter verbargen und täglich sandte G'tt einen Lngel zu jedem Kinde, der badete es und pflegte es. Aus den Felsen ließ G'tt Rlilch und Honig rieseln und die Kinder tranken davon und wurden stark und groß. Und G'tt selbst kam zu ihnen und lehrte sie und schenkte ihnen Klugheit und Einsicht. So blieben sie in den Höhlen, bis die Stunde der Befreiung kam und sie zu ihren überglücklichen Eltern zurückkehren konnten. -nvs und rmön an Habt Ihr schon einmal darüber nachgedacht, warum wir das Fest, das wir heute feiern, eigentlich nva nennen? Die Thanrv spricht von nva pnp, natürlich auch von nva nw, das Fest aber trägt den Namen nixvn an- Wacum aber nennen wir es dann Pesachfest? Eine schwere Frage' Will ich Euch eine schöne Antwort daraus sagen, die von Rabbi Levi Jizchok von Berditschew stammt. Der Berditschewer erklärt es an einem Beispiel: Der Midrasch sagt, das; auch G'tt selbst Tefillin legt. Was mag aber in G'ttes Tefillin enthalten sein? Es kann doch dort nicht stehen ins 'rt ii'plm m' G'tt wird doch nicht sein Lob, die Verkündung seiner Einzigkeit in seinen Tefillin tragen! Nein, in G'ttes Tefillin steht denn auch nicht, daß G'tt einzig ist, sondern vielmehr, daß sein Volk Israel einzig sei: nns 'ia Vtn&v dieser Vers ist in G'ttes Tefillin enthalten. Nun seht, so ähnlich ist es auch bei dem Namen nva- Wrr sagen, wir feiern das Wunder und die große Wohltat, die G'tt uns erwiesen hat, indem er die Häuser überschritt — und nennen den Tag der Erinnerung an dieses Wunder noa, das Ueberschreitungsfest. G'tt aber in seiner Thauro, er lobt und feiert die Tat Israels, seines Volkes, das in eifriger Eile und in großem Vertrauen ihm nacheilte in die Wüste; das den Teig nicht einmal mehr säuern lieh, das mit tto» vorlieb nahm, um nur nicht zu zögern beim Rufe seines G'ttes. Versteht Ihr nun? Darum nennt G'tt das Fest nixvnmzum Gedenken an Israels Gehorsam, wir aber, die wir G'ttes uns an Wunder erinnern wollen, nennen das Fest noa- Der schönste Seder. Von Heinrich Einstädter. Der Winter 18. . ist manchem Juden auf dem Lande als ein besonders schwerer in Erinnerung geblieben. Im Sommer hatte eine außergewöhnliche Trockenheit Dürre und Mitzwachs erzeugt, so daß die Bauern aus Mangel an Futter ihr Vieh zu jedem Preise verkaufen mußten. Unter ihrer Armut litten zunächst diejenigen ani meisten, die mit ihnen Handel trieben, also ihre jüdischen Mitbürger, zumal diese zum größten Teile nicht nur Händler waren, sondern selbst kleine landwirtschaftliche Betriebe besaßen. So kam es, daß die Rinder des Dauern und Händlers Selig Meisei schon in früher Jugend viel von Not und Sorgen hörten. Damals waren doch schon Schulkinder sozusagen „in der Lehre". Die Familien bewohnten 'auf dem Lande nur wenige Stuben, in denen' sich fast das ganze Leben abspielte. Die Rinder waren dabei, wenn Geschäfte abgeschlossen wurden, sie hörten die Unterhaltungen von Eltern und Nachbarn mit an und fühlten schon früh, wie Erfolge und Mißerfolge oft tief in das Leben eingreifen. Das hatte gewiß große erziehliche Vorzüge. Die Rinder wurden früh reif, und das Leben wob starke Bande um sie und ihre Eltern. Wer schon in 'früher Jugend sieht, wie schwer sich der Pfennig zur Mark verwandelt, der wird nicht zum Verschwender, und wer schon als Rind empfindet, was die Eltern für es leisten und leiden, dem braucht Elternverehrung nicht erst gepredigt zu werden. Als darum im Hause Meisel Rnecht und Magd abgeschafst wurden, da wäre es übersiüssig gewesen, mit den Rindern darüber zu verhandeln, daß für sie neue Pflichten erwuchsen. Ganz selbstverständlich half zunächst der älteste Junge seinem Vater beim Füttern des Viehs, und als eines Tages der Vater ihm sagte, er könne es ihm jetzt allein überlassen, da war er so stolz, als ob ihm das größte Lob gespendet worden wäre. Er bat die Eltern, ihn ja frühzeitig zu wecken, damit er noch vor der Schule seine neue Aufgabe ausführen konnte, und kaum war er heimgekehrt, so zog er schon seine Arbeitsschürze an und begab sich in Stall und Scheune. Die älteste Tochter erlernte bald das Melken und die mannigfaltigen Hausarbeiten, die früher die Magd besorgt hatte, und die klemm Mädchen halfen schon beim Spülen des Geschirres und erledigten allerlei Gänge. Die Verrichtungen vermehrten sich wesentlich, als der Pesfach nahte, und sie brachten den Rindern eine Menge neuer Freuden. Die Mädchen folgten der Mutter durch alle Räume des Hauses und lauschten aufmerksam den liebevollen Anweisungen, die ihnen erteilt wurden. Mit welchem Stolz übernahmen sie ihre Aufgaben, und mit welche Gewissenhaftigkeit führten sie diese aus! Und wenn sie gar in den Augen ihrer Mutter, die mit Worten des Lobes gewiß nicht verschwenderisch war, einen Strahl der Befriedigung und des Glückes erkennen konnten, dann waren sie wirklich restlos zufrieden. Indessen halfen die Rnaben besonders dem Vater. Botengänge für ihn waren reizvoller als ziellose Wanderungen. Die älteren übernahmen die Bestellung des Gartens. Freundliche Nachbarn gaben ihnen gern gelegentlich Anleitungen und Winke beim Graben und beim Beschneiden der Bäume und Büsche, und als Vater und Mutter an einem Sonntag ihr Werk besichtigten, da mußten sie zugeben, daß der Garten noch in keinem Jahre besser in Stande gewesen sei als diesmal. So kam der Pessach heran. Wie sich der Himmel aufheiterte und die Sonne ihre wärmenden Strahlen sandte, so hatte eine gütige Schickung auch die Wolken am Glückshimmel der Eheleute Meisel weggenonnnen. Die Saaten hatten den Winter gut überstanden, die Wiesen zeigten neues frisches Grün, die Baumblüte versprach reichen Ertrag, und die hierdurch hervorgerufene bessere allgemeine Stimmung hatte den Handel belebt. Einige Außenstände, die gefährdet schienen, waren zurückgezahlt worden, und als' am Erev Pessach just während des Ehomez-Verbrennens noch ein größerer Posten einging, den Meisel bereits verloren gegeben hatte, da konnte er seiner Familie die frohe Nachricht mit den Worten überbringen: „Mit dem Ehomez ist jetzt auch die letzte Sorge fort". Damit war die richtige Stimmung für den Sederabend geschaffen. Welch frohes Leben, welch freudige Geschäftigkeit herrschte in allen Räumen, um alles recht gut und schön für die ersehnte Feier zu richten! Unausgesprochen war den Eltern der Vorsatz anzumerkcn, ihre Rinder für die Wochen angestrengter Arbeit zu belohnen. Und dabei hätte es gar keines Lohnes bedurft, da den Rmdern die Arbeit ja selbst so viel Befriedigung gebracht hatte. Es war ein glücklicher Rreis, der bei Meisels ain Abend den Sedertisch -umgab. Leuchtende Augen, liebevolle Blicke bezeugten die Gefühle der eng verbundenen Herzen. Der herrliche Inhalt des Festes offenbarte sich auch den Rindern. Die Worte der Hagada: „Nicht allein unsre Väter hat der Heilige, gelobt sei er, erlöst, sondern auch uns" brauchten ihnen nicht erklärt zu werden. Sie fühlten die Wahrheit. Die kindlichen Ausführungen und Lobsprüche, die alten Sänge und Bräuche hoben ihre Begeisterung, und sie wußten die Vorzüge des Lichtes zu schätzen, nachdem sie auch das Dunkel zuvor erlebt hatten. Beim heiteren Mahle tauschten die glücklichen Eltern immer wieder leise ihre Beobachtungen aus. „Wie groß und stark unser Eli geworden ist!" „Wie gut unserer Rlara das weiße Rleidchen steht zu den roten Backen, den hellen Augen?" Als ob sie dies alles heute zum ersten Male gesehen hätten! Ein wahres Fest der Erlösung! Wer waren die beiden? (Lösung der Aufgabe aus der Purim-Nummer.) Die beiden Personen waren natürlich Mordechai — und Goethe! Daß Ihr aber das nicht herausgebracht habt! Von beiden wurde am Dienstag, den 22. März, überall gesprochen, von Mordechai, weil Purim war, von Goethe, weil sein 100. Todestag begangen wurde. Beide waren Dichter, wenn auch die „Rollen" in . Goethes Werken etwas anderes bedeuten, als Mordechais „Rolle"; beide waren Minister, das wißt Ihr doch, und wenn A frägt: Bist Du auch aus Frankfurt a. M. — na, dann mußte man doch erraten, daß das Goethe war! (Es ging aber nur eine richtige Lösung ein und zwar von Rarl Rosenthal, Berlin.) RAselgleichung. A — B + C--D + E — 6 x F — G + H+ G y A — Öel B -- Erhebung C — Gefäß D - Armer E — Zeichen F —~ Ffüssigkeit G — Auch etwas Wässeriges H — Feind Wißt Ihr, wie diese Gleichung zu lösen ist? Ihr müßt die Wörter nach ihrer Bedeutung suchen (natürlich auf hebräisch) und nacheinander zusammenschreiben oder abziehen bis ein neues Wort entsteht. Die beiden neuen Wörter (x -st y) zusammen ergeben ein wichtiges - Ereignis in der jüdischen Geschichte. An alle Leser und Leserinnen der Kinderecke, die in Frankfurt a. M. wohnen. Heute gibts mal eine feine Ueberraschung für Euch zu Pesach! Ihr bekommt einen Vortrag über Erez- Jisroel gehalten, nur für Euch allein! Herr Redakteur Schachnowitz wird Euch von seiner Palästinareise erzählen. Alle Rinder zwischen 6 und 14 Jahren dürfen kommen! Ort: Lokal des Mekor Ehajim, Langestraße 18. Zeit: Donnerstag, den 3. Tag Pesach, um 5 Uhr.