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Der Israelit · 1932-04-20 · Heft 17-18 (20.4.1932) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 17-18 (20.4.1932)
Date
1932-04-20
Page
– (sequence 27)
Language
German
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20. April 1932 Der Israelit Nr. 17/18 Seile 15 , nichts äußerlich gekennzeichnet, gehört zum Heim. Damit ist schon das Prinzip gewahrt, nach dem dieses ganze Erziehungswerk geführt wird: es soll keine „Anstalt" sein, die die jungen Menschen in weiten Sälen leben läßt, sondern eine familienhafte Gemeinschaft, die sie aufnimmt, um ihnen einen möglichst natürlichen Boden für eine gedeihliche Entwicklung zu geben. So ist auch das „Haus 1", das wir zuerst betreten,, ein kleinbürgerliches Wohnhaus, dessen Erdgeschoß einfach und gemütlich eingerichtete Wohnräume enthält. Als ersten betritt man das Büro, gleichzeitig Empfangsraum und Aufenthaltszimmer der Leiterin, von dem' man leicht die angrenzenden Wohn- und Speiseräume übersehen kann. In diesen Hellen, schlichten Zimmern versammeln sich sämtliche Heiminsassen, Beamtinnen und Schülerinnen (mit Ausnahme der Kleinkinder) 51t allen Mahlzeiten. Eilig wird hier am friihen Morgen das erste Frühstück verzehrt und feierlich und festlich am Freitag Abend Kiddusch gemacht und das Schabbosefsen genossen. Hier wird auch von einer fachkundigen Beamtin der Näh- und Schneiderunterricht erteilt und nach Feierabend den Berichten und Konzerten, die das Radio übermittelt, zugehört. Außer diesem gemeinsamen Wohnraum, der baulich leicht eine Gruppenbildung gestattet, enthält das Erdgeschoß von „Haus 1" - die Küche, in der für alle Heimbewohner ein kräftiges Essen bereitet wird, über das sich die prüfende städtische Behörde schon des öfteren lobend ausgesprochen hat. Im ersten Stock sind die Schlafzimmer der Schulentlassenen, der Leiterin und noch einer aussichtsührenden Helferin. Das Souterräin wurde zu einem neuzeitlich ausgestatteten großen Baderaum ausgebaut, der mit Duschen, Bäder und Fußbäder versehen ist und auch für die Eymnaslilstundeu der Mädchen den geeigneten Raum Da der pädagogische Grundsatz von vornherein maßgebend ist, daß alle Hausarbeit als wichtiges Lehr- und Erziehungsmittel anzusehen ist, werden die Arbeiten in diesem Haus sowie in allen übrigen von den schulentlassenen Mädchen unter Leitung der Beamtinnen besorgt. In der Küche und bei der Zimmerarbeit, in der Waschküche und bei den Säuglingen, überall werden die Mädchen tunlichst so lange beschäftigt, daß sie sich genügende Kenntnisse in den hier verrichteten häuslichen Arbeiten erwerben können. Es ist nicht leicht, diese schwierigen, nicht zu systematischer Arbeit gewillten Zöglinge zur sorgfältigen Verrichtung der ihnen aufgetrageneu Pflichten zu bewegen, trotzdem gerade diese Ausbildung nach Art und Zusammenstellung gewiß die geeignetste für ihre Anlagen ist. Bleiben sie aber lange genug im Heim, und ist die Erziehbarkeit nicht zu gering, so körmen die erworbenen Kenntnisse als Grundlage für ein selbständiges, rechtschaffenes Berusleben völlig ausreichen. Von der Straße aus nicht sichtbar, mitten in dem großen Heimgarten, wohnne im „Haus 2" hauptsächlich Kleinkinder, Mütter und Schwangere. Es ist im Laufe der Jahre unter ständigen finanziellen Opfern gelungen, gerade dieses Haus besonders hübsch und zweckmäßig auszugestalten. Nach Süden liegt der große Ausenthaltsraum mit der geschützten Veranda, bestimmt, die Dettchen der Säuglinge auszunehmen, sobald sie, wenn es die Witterung nur irgend erlaubt, aus ihrein sonnigen Zimmer herausgebracht und im Freien gebettet werden Der Kinderschwester, die die Kleinsten betreut, helfen die stillenden Mütter und die Schwangeren tunlichst bei der Pflege. Kindergärtnerinnen versorgen die Kleinkinder, beschäftigen sie oder ziehen mit der ganz kleinen Schar in den nahen Wald. Die Aufsicht über das ganze Haus liegt in den Händen einer in jahrelanger Tätigkeit bewährten Hausmutter. Die Mahlzeiten nehmen die Kleinkinder hier in ihrem eigenen Reich ein. Das Mittagessen liefert die Hauptlüche. Milch und Breie für die anderen Mahlzeiten werden in einer eigenen Milküche mit der für die Kleinsten so notwendigen Sorgfalt aus der besonders guten koscheren Milch, die man uns liefert, hergestellt. Gute Luft, reichliches, nahrhaftes Essen und zweckmäßige Pflege, unterstützt durch Höhensonnenbestrahlung, lassen die zum Teil zarten Kleinen sich im Heim prächtig entwickeln. Die sorgfältig geführten Kurven über die Entwicklung der Kinder, ihr gutes Aussehen und ihre Fröhlichkeit beweisen, daß ihnen hier eine gesunde Basis für ihr zukünftiges Leben gegeben ist. Es besteht augenblicklich aus verschiedenen Gründen bei den Behörden die begreifliche Tendenz, die Kinder aus den Heimen in Famrlienpflege überzuführen, doch versucht die Heimkommission dies selbst unter größten Opfern möglichst dort zu verhindern, wo die begründete Ueberzeugung besteht, daß für ein gegebenes Kind das Heim, das ihnr bekömmlichere ist, um. sich körperlich und geistig gut entwiyeln zu können. Selbstverständlich begrüßen wir es aber außerordentlich, wenn Kinder der Familie ihrer Mutter, als der natürlich gegebenen Erziehungsstätte, zugeführt werden können. Ebenso beglückt sind wir, wenn es der Adoptionszentrale des I. F. B. in Elberfeld gelingt, eines unserer Kleinen durch Adoption in echte Familienatmosphäre zu bringen, für die ein Erziehungsheim ja immer nur ein Surrogat sein kann. Manchmal auch ist es möglich, ein kleines Mädchen, das in Haus 2 heranwuchs, bis zum schulpflichtigen Alter in dessen Obhut zu lassen und dann nach „Haus 3" zu den Schulkindern überzuleiten. Diese Schulkinder haben in ihrem eigenen Häuschen („Haus 3") ihre Schlafzimmer, in denen sie zu 3 oder 4 in einem geräumigen Zimmer schlafen, beaufsichtigt von den nebenan wohnenden Beamtinnen. In einem schönen Schulzimmer werden die Aufgaben gemacht. Den normalen Schulunterricht genießen die Heimkinder vom Tage der Gründung an in der Städtischen Volksschule m Isenburg. Es besteht somit kein Unterschied zwischen ihnen und ihren Altersgenossen, mit denen sie durch die Schule in lebendiger Fühlung bleiben. Nach Beendigung der Schulaufgaben bleibt den Kinder immer noch reichlich Zeit zum Spielen und allerlei nützlicher Beschäftigung. Regelmäßig zweimal in der Woche erhalten sie von dem jüdischen Lehrer einer Nachbargemeinde Religionsunterricht. Es ist tief bedauerlich, zu beobachten, welche Unkenntnis in allen jüdischen Dingen bei den meisten der jungen Menschen, die zu uns kommen, herrscht. Viele wissen fast nichts vom Sabbath und den Feiertagen, den Speisegesetzen, den Pflichten und Freuden, die das Judentum uns gibt. Von der innigsten und schönsten Seite lernen sie das alles nun im Heim kennen. Unvergleichlich versteht es die mütterliche Leiterin, einen Freitag Abend zu gestalten, an dem die Lichter auf dem festlicher Tisch glänzen, und eines der Kinder feierlich ein Gebet spricht, das, für diese Weihestuude versaßt, aller Verständnis angepaßt ist. Auch Ehanukah und Purim werden fröhlich begangen, und an den Jomim Nauroim findet im Heim ein Gottesdienst statt, bei dem die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Isenburg das Minjan bilden. So erleben diese jungen Mädchen zum großen Teil zum ersten Mm 'die Schönheit des jüdischen Jahres. Aber auch die Schönheit der Jahreszeiten erfahreii diese Großstadtlinder in Isenburg zum ersten Mal. Jede freie Stunde verbringen sie in der guten Jahreszeit in dem großen Garten. Er ist im Frühling voll vom Blühen seiner Obstbüuine und Stauden, im Herbst von reisen Früchten; ein von Künftlerhand geschaffener Märchenbrnnnen zeigt lustige Tiergestalten.' Im Nutzgarten gibt es Arbeit nach den Kräften für Groß und Klein, die besonders während der Ernte beliebt ist. An der schönsten Stelle des Gartens liegt „Haus 5", ein Geschenk, das dem Heim erst im Jahre 1928' gemacht wurde, und das später zu einer vorbildlichen Kranken- und Jsolierstation ausgebaut wurde. Seine kleinen weißgestrichenen Räume mit den gläsernen Wänden sind sonnendurchflutete, ideale Krankenzimmer, die nach den modernsten Prinzipien ausgestattet find. Leider mußte oiefe so notwendige Abteilung im letzten Winter geschlossen werden als Folge unerbittlicher Sparmaßnahmen, die die ungenügende Belegung des Heims notwendig machten. Mit größter Sorgfalt hat die Heimkommission versucht, solche Sparmaßnahmen im ganzen Betrieb durchzuführcn, um der finanziellen Not der Gegenwart zu begegnen. Da. aber äußerste Einfachheit von jeher, schon aus pädagogischen Gründen, eine kennzeichnende Tendenz des Jsenburger Heiins war, so konnten die Unkosten in der letzten Zeit nicht wesentlich verringert werden, und die Selbstkosten blieben größer, als der von den meisten einweifenden Steilen bewilligte Pflegesatz. So steht die Heimleitung vor der traurigen Tatsache einer drohenden baldigen Unterbilanz und hofft nur, daß die Einsicht der gesamten Judenschaft die Erhaltung des Heims in Isenburg ermöglichst. Denn dieses Erziehungswerk hat heute, nach 25 Jahren, durch die Zeitverhältnisse bedingt, eine noch größere jüdisch-erzieherische Aufgabe zu ersiUIen, als zur Zeit seiner Gründung, und die ganze jüdische Gemeinschaft ist für sein Bestehcnblciben mitverantwortlich. Lrez Iisroel-Vorlrag. Die Palästina-Zentrale und Jugendgruppe der Agudas Jisroel verweisen noch einmal auf den Vortrag des Herrn S. Schachnowitz am Montag, den 25. April, 8.30 Uhr abends in der Frankfurt-Loge über „Zwischen Ruinen und Aufbau in Erez Israel", zu dem Mitglieder und Gäste (Herren und Damen) eingeladen find. Konzert von Nathan Milstein. Nathan Milstein, der berühmte jüdische und schnell zu Weltruhm gelangte Geiger, gab am letzten Samstag 1 Für streng rituellen Haushalt wird etn anständiges solides Mädchen per 1. oder 15. 5. 32 gesucht, welches an selbständiges Arbeiten gewöhnt ist, im Kochen, sowie Waschen und Plätten bestens Bescheid weiß und ähnliche Stellung schon inne hatte. Angebote mit Zeugnisabschr., Lichtbild und Gehaltsansprüchen erbeten unter H. K. 380 an OTf a ßnAfattPfoIn fllnnfot* fPftAmnlh /Standard Rasier-Mittel Victor's Rasierpaste KB Vicfor’s »Tagtäglich« (tägliche Rasur) \Victor Victor, Ffm.-Fechenheim Herr Sparsam kommt bedrückt nach Haus £ Ist wohl die Puljerei jetzt aus? B Kaum tritt er ein, kriegt er ne Wut: „Nein Frau, daß tut bestimmt nicht gut? Die Malerrechnung zahl ich nicht, i Suche für meine Metzgerei j und Wurstfabrik ein Lehrmädoließ aus nur guter Familie Metzgerei u. Wurstfabrik Hch. Block). ^Frankfurt-M Mii Mk. 5000.- evtl, auch mehr sucht religiös, junger Mann tätige Teilhaberschaft an solidem ^Unternehmen. Ausführl. Angeb. mit Ref. erbeten unt. 3574c an Exp. Und geht die Sach' vor Gericht!“ Sein Frauchen lacht: „Ist Dir nicht wohl? Ich holt mir heute „Jenisol“ Und reines gutes Bohnerwachs Dann ging es an die Arbeit stracks - Schau, heute gilt das alte Wort: Inhaber gutgehender Metallwarenfabrik, Großstadt Ostdeutschlands, Schabbos und Jomtef geschloffen, selbst vermögend, Anfang 30, wünscht Dame aus erster religiöser Familie zwecks ßdvaf kennen zu lernen. Off. unter 3575c an die Expedition. Ein schönes Heim, das sei Dein Hort! 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