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Der Israelit · 1932-04-20 · Heft 17-18 (20.4.1932) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 17-18 (20.4.1932)
Date
1932-04-20
Page
– (sequence 23)
Language
German
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£rziel?ümj| und Lei; Organ -es Km-es gesetzrstrrnrr Msther Kehrer DeMjchlan-s. wm WM Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach). Die vier Menschengestalten in der Hagada. Von Lehrer Schloß in Diersburg. Sehr viel Vergnüge» und Spatz machen unseren Bindern in den illustrierten Hagadas die vier gezeichneten Knabengestalten. An dieser Stelle verweilen unsere lieben Kleinen recht gerne und hier beginnt ein reges Fragespiel. Und dieses suche ich gar nicht zu hemmen, denn es bereitet selbst dem ernstesten Lehrer recht viel Vergnügen, wenn seine Schüler viel fragen und ein reges Interesse an der Materie bekunden z^a iVssr '2 nm Und es wird sein wenn dein Sohn dich fragen wird. Dein Sohn soll dich recht viel fragen, er mutz dich recht viel fragen, wenn Jüdisches und Judentum sein Inneres erwärmen und begeistern soll. -au mm nrvwt Schärfe sie ein deinen Kindern und rede von ihr, von der jüdischen Lehre, wenn du sitzest in deinem Hause, rvenn du gehest auf dem Wege, wenn du dich niederlegst, und wenn du aufstehst. Denn nur das Elternhaus kann das Geinüt des Kindes bilden, es formen und veredeln, damit die im Lehrhause ausgestreute Saat sich im Elternhause zur reifen Frucht entwickle und gedeihe. Die Schule soll die Lehe vermitteln, dem Kinde überliefern und das jüdische Haus mutz sic in die Tat umsetzen und das mt?yVv das Halten und Neben dieser Lehre ln die Seele des Kindes verankern. llnd hier beginnt die heilige Pflicht der Eltern. Dort müssen Vater und Mutter miteinander wetteifern, um Hand in Hand mit dem Religionslehrer den Grundstein für ein späteres jüdisches Leben und Halten dauernd in ihm aufzurichten. Der Lehrer darf in einem Unterrichte nicht das Geringste was im Elternhause geübt werden soll, dem Kinde vorenthalten, selbst auf die Gefahr hin. bei nicht religiösen Eltern Anstotz und Aergernis zu erregen. Das Kind soll und mutz jeden Segensspruch kennen und in die Gewohnheit umsetzen. Es mutz auf Kiddusch und Havdoloh hingewiesen werden. Es soll aber auch seine Eltern nach dem Grunde ihrer Unterlassunng fragen, denn es hat das Recht von seinen Eltern zu verlangen, das jüdische Haus in jüdisch-reilgiöfem Gepräge zu sehen. Und unter solchen Umständen und aus solche 'Art wird es dem jüdischen Religionslehrer gelingen na^anai^ -\nvb lehren, lernen, behüten und halten in die wahre Tat umzusetzen. Diese jüdisch wahre Tat, die Erfüllung seiner jüdischen Pflichten wird dem Kinde zur täglichen Uebung und Gewohnheit werden. Und hier beginnt das. Fragespiel des Schülers, er möchte alles wissen, alles kennen, um unter keinen kkmständen etwas zu unterlassen, zu veräumen. Der Pessach mit seinen vielen Vorbereitungen, die bilder- und inhaltsreiche Hagada gibt dem guten und fleitzigen Schüler so viel Gesprächstoff mit seinem Lehrer, so viele Ursachen, um seine Fragen an diesen zu stellen. Ich sage dem guten rlnd fleitzigen Lehrer, denn es ist Sache des aufmerksamen Lehrers, individuell das Innere seines Schülers zu erforschen, ab das Motiv „echt" ist. Der fragende Schüler bleibt immer noch der beste, wie auch unter den 4 wähnen unserer Hagada in dem stp inw das fragwürdigste wchülermaterial für die Religionsschule 311 finden ist. Doch vererst will ich diese vier Figuren noch etwas zurückstellen und meinen Kindern die pan npma und den Sed erlisch, einzeln jeden Gegenstand derselben zu ererklüren suchen. Hier wird am meisten der gute fragende wchüler sich Geltung zu verschaffen wissen. 'Wir kommen an das nm-72 na: Mutz das Kind fragen? Ja, warum mutz es fragen? Weil die Speisen und Gegenstände auf dem Tisch anders als sonst im Jahre geordnet und gestellt sind. Weil ferner selbst der Sitz des Vaters Veränderungen gegen die anderen Tage im Jahre aufweist. Was heißt rno? Tischordnung. Hier, meine lieben Kinder, mützt Ihr fragen, sonst seid Ihr nicht fleitzig und auch nicht religiös, es sei denn, datz euer Vater es euch schon gesagt hätte und ihr somit es kennet und wisset. So kommen wir an den Inhalt des nanvn na- Sehr leicht wird der Schüler dann den Uebergang dazu finden. Die Hagada ist tatsächlich in vielen ihren Auslassungen und Bemerkungen für das Kind geschrieben und sie weist an vielen Stellen darauf hin: ,na*6 awn nvi mini Du sollst cm jenem Tage deinem Sohne von dem Auszug aus Aegypten — aus der Hagada erzählen. llnd was kannst du nicht alles ihm erzählen? Die Antwort auf die Fragen des nmva na, das Lernen und Erzählen der Gelehrten in Bne Brak, wo die Gelehrten und Rabbiner so lange „angelehnt" und in den Inhalt des ncw vertieft sich miteinander unterhielten, bis die „Jungen" die Alten an ihre Schemapflicht erinnerten. Und so „unterhält" sich der Lehrer mit seinen immer inehr aufmerksam horchenden Kindern, bis er an die vier Figuren des yen .cm VixpV jnr> irscn oan gelangt Dan ist der kluge Schüler. ysm der böse, sündige, der gar nichts mehr halten will und der^noch seine Kameraden, seine Mitschüler zum Böse», zur Sünde verleiten will. emn ist der' „Alltagsschüler" der „unschuldige" Schüler, dessen Eltern selbst nichts voin Jüdischen inehc wußten und es ihrem .Kinde nicht überliefern toimten. Somit ist dieser «chüler nicht bösartig, sondern ein unschuldiges Opfer seiner Umgebung Der snv 12?«» abec in einem jüdischen Hause ausgewachsen, wo man Jüdisches und Judentum von Seiten der Eltern auszurotten sucht. Man sucht dort dem Kinde alles Jüdische vorzuenthalten, bis es nichts mehr davon zu sehen Verlangen hat, alles Interesse. an ihm verliert und demgemätz auch keine Fragen in dieser Hinsicht mehr stellt. Und so erkläre ich meinen Schülern die einzelnen Grundideen an diesen vier Schülerarten: 1. Es ist lobenswert und schön, wenn der kluge Schüler, der van sich bestreben will, die Lehre auch zu „halten" und seinen Nächsten zu unterweisen, denn nur dadur ch kann er segensreich wirken. 2. Dem Sünder, dem ssn mützt ihr scharfe Antworten geben. Er ist euer Feind, der Feind aller Juden und alles Jüdischen. Wenn nur solche: böse Juden seiner Zeit in Aegypten gewesen wären, müßten mir heute noch Häuser bauen und Frondienste in Aegypten leisten: solche böse Menschen hätte G'tt nicht erlöst. 3. Emern Mitschüler, der zu Hause nichts Frommes und Religiöses gesehen hat. mützt ihr in euere Mitte nehmen und aufklären. Führt ihn ins. Haus und zeigt, ihm, wie schön es in einem echt jüdischen Hause nussieht! 4. Suchet auch den yiKE^/snv arat? aufzuklären und saget ihm. datz seine Eltern sündigen, wenn sie ihre Kinder dem Judentum entfremden. Begeistert diesen euren Mitschüler für alles Religiöse bis er das „Fragen" erlernen wird. Das sind Typen aus dem jüdischen Leben der Gegenwart und sowohl den Jnngen als auch den Alten nicht fremd. Religionsunterricht nach methodisch-didaktischen Prinzipien. Ein Tätigkeits- und Erfahrungbericht von L. Warhaftig. Darmstadt. (Fortsetzung) Die öffentlichen Volksschulen haben durch das zierbewutzte Jneinandergreifen aller Unterrichtsgegenstäilde, durch das Beleben des echt religiösen Geistes in allen Unterrichtsstunden einen ganz bedeutenden Vorteil zu Gunsten der Ziele des Religionsunterrichts vor den isolierten Religioiisschulen voraus. Durch die unserer Darmstädter Religionsschule zugrunde liegenden Verhältnisse — die ich anfangs geschildert habe — konnte ich von vornherein meine Ziele nur auf ein MittelmaUaus das Normale beschränken. Die Hauptfächer waren in meinem Religionsunterricht Pentateuch, Gebete, Geschichte und Eesetzeskunde, wozu als Hilfswissenschaften noch Grammatik, Geographie und hebräisch Schreiben hinzutraten. Ich hatte mir folgende Unterrichtsstoffe als meine Aufgabe in den einzelnen Fächern festgesetzt: Im P e n t a t e u ch u n t e r r i ch t: Die bedeutsamen geschichtlichen und gesetzlichen Teile. Im G e b e tu n t e r r ich t: Alle eigentlichen Gebete und die Fähigkeit, sich auch in den nicht übersetzten Teilen des Gebetbuches zurechtzufinden. Im Geschichtsunterricht: a) Alle biblischen Erzählungen, b) Aus der nachbiblischen Geschichte: Die für das Geschick- und Geistesleben Israels bedeutendsten Perioden und Persönlichkeiten. Im g e l e"tz estu n'd tichen Unterricht: Eingehende Kenntnis des praktisch auszuübenden jüdischen Geleges und feiner ethischen und geschichtlichen Begründung. Ich sah mich von Anfang meiner Tätigtest an vor die Aufgabe gestellt, durch Uebcrwindung aller der im Wesen der Religionsschulc begründeten Schwierigkeiten und durch zielbewutztc, methodisch-didaktisch begründete Arbeitsweise meine Schüler zu religiös-starken nnd sittlich-freren (nach jüdischer 'Auffassung ist beides durch das Religiöse gewährleistet) Persönlichkeiten zu erflehen. Es ist die Erfüllung dieser, Aufgabe schon deshalb schwierig, weil das Gebiet der jüdischen Pädagogik nicht sehr reich ist an grundlegenden theoretischen Werken. So muhte ich mich stets bei der. Methodik und Didaktik des Rcl. U. an den Fortschritten und Ergebnissen der allgemeinen Pädagogik orientieren, um alsdann das wertvolle Neue — so weit möglich — für den jüdischen Rcl. U. zu verwerten. Wenn ich nun im folgenden über meine Erfahrungen in der Unterrichts- und Erziehungsarbeit schreiben will, so ziehe ich es, im Interesse einer klaren Uebersicht vor, erst über die Unterrichtsarbeit nnd dann über die Erfahrungen auf dem Erziehungsgebict zu berichten, obwohl der Unterricht gleichzeitig Erziehung sein soll nnd somit eine Nebeneinanderbehandlnng sinngemäß wäre. D r'd a k t 1 k und Ai e t h 0 d i k des R e l i g i 0 n s - u n t e r r i ch t <c s. Ich legte meiner gesanrten Unterrichtstätigkeit folgende Prinzipien zu Grunde, die durch Kennwvrte einstweilen bezeichnet und alsdann ausführlich behandelt seien. Diese Prinzipien waren: ' a) Geistige Selbsttätigkcit der Schüler, b) Manuelle Betätigung, c) Konzentration der Unterrichtsfächer, d) Erlebnisgestaltung. A) Die Forderung nach arbeitsbetontem Unterricht hat auch für den jüdischen Religionsunterricht ihre Geltung. Ja, hier ist sie unbedingte Notwendigkeit, wenn auch einige innere Schwierigkeiten sich der Verwirklichung entgegen stellen. Gewiß, das Verständnis religiöser Stoffe ist oft sehr schwer für die Selbstarbeit der Kinder, aber nicht z u schwer, um auch in dieser Arbeitsweise^ und ge-

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