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Der Israelit · 1932-04-07 · Heft 15 (7.4.1932) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 15 (7.4.1932)
Date
1932-04-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Die Woche. Trauerkundgebung um Rabbi Jos. Chajim Sonnenseld Die Exekutive der Weltorganisation „Agudas Jisroel" und der Vorstand der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" hatten auf Samstag Abend nach der Aula der Realschule zu einer Trauerkundgebung eingeladen, die viele Hunderte von Verehrern? des Heimgegangenen Thorafürsten zu einer weihevollen Stunde des Gedenkens vereinigte. Nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden, Herrn Jacob R o s e n h e i m, ergriff Herr Gemeinderabbiner Jos. I. Horov itz das Wort zu einer Ansprache, in der er, anknüpfend an den Tod von mmam nna in der Stunde der höchsten nationalen Freude, den Heimgang Rabbi Jos. Chajim Sonnenselds mitten in den Tagen der Erinnerung an die Miluim-Tage als schwersten Schlag für die jüdische Gesamtheit auf dem Erdenrunde kennzeichnete. Man dürfte den verstorbenen Gaon schlechtweg als den des thoratreuen jüdischen Volkes bezeichnen, denn alle Bothe-Dinim jüdischer Gemeinden leiteten ja die eigentliche Vollmacht zur Ausübung ihrer Tätigkeit von den Männern her, die auf dem heiligen Boden Erez Jisroels als Verwalter der Thoralehre ein Leben der Hingebung und Entsagung führen. Es fei eine besondere Fügung, daß wir in unserer Mitte in Rabbiner Jonathan Horovicz einen Mann hätten, der das Glück genoß, jahrelang in der Nähe Rabbiner Sonnenfelds zu leben und der deshalb am besten geeignet sei, ein Bild seiner Persönlichkeit zu zeichnen. Rabbiner Jonathan Horovicz verstand es, in einem meisterhaften Hesped die ganze Größe und Heiligkeit des Lebens zu schildern, das Rabbi Chajim Sonnenfeld mehr als 6 Jahrzehnte gewissermaßen im Angesichte der Schechina auf dem heiligen Boden führte. Bedürfnislos wie Rabbi Chanina bar Dosa, führte er das Dasein eines Asketen und war dabei doch von einer bis in das späteste Alter hinein bewunderungswürdigen, nicht nur geistigen, sondern auch physischen Frische und Jugendlichkeit. Die längsten und beschwerlichsten Wege bewältigte er bis ins hohe Alter mit Leichtigkeit, wenn es galt, eine Mizwoh zu erfüllen oder einem armen Juden zu helfen. Redner stellte die erschütternde Szene dar, die sich abspielte, als vor 10 Jahren den Thoralehranstalten der Amsterdamer Pekidim der Untergang drohte und der Heimgegangene seinen ganzen Besitz, 4 mal Lst. 2.— zur Verfügung stellte mit der Erklärung, mehr besitze er leider nicht, sonst hätte er ohne jedes Zögern das tiin» i>2ai restlos auch mit höheren Summen erfüllt, um die Thora vom Untergang zu retten. Im Sinne seiner an der Spitze des „Israelit" veröffentlichten Ausführungen skizzierte der Redner alsdann die Bedeutung Rabbiner Sonnenfelds für die Aufrichtung und Erhaltung einer gesicherten Heimstätte des Thorajudentums im neuen Jerusalem und die bewunderungswürdige Selbstverleugnung, mit der er sich den neuen Aufgaben, die ihm hier gestellt wurden, unterzog. Der Heimgang Rabbiner Sonnenfelds sei, so schloß der Redner, für das ganze thoratreue Judentum ein Aufruf, zur Tschuwo, zur Sammlung aller Kräfte insbesondere, um die Lücke, die das Hinscheiden des ivrfi pm gerissen, wenigstens einigermaßen zu schließen. Mit einigen im gleichen Sinne gehaltenen Schlußworten des Vorsitzenden fand die Versammlung um 10.15 Uhr ihr Ende. hoffentlich in absehbarer Zeit und nach vielen feierlichen Sitzungen der Jugendkommission der Israelitischen Religionsgesellschaft auch in dieser Gemeinde geschehen wird). Der Heimausschuß hat nun dem Verein „Geserd" weitere Tagungen im Gemeindehause untersagt. Was den Zionisten recht sei, meinte nun der Interpellant, sei dem Geserd, über den er sehr genau unterrichtet sei, billig, das Verbot müsse aufgehoben werden. Der Vertreter der Volkspartei, Dr. Arnsberg, parierte den Angriff geschickt. Zionistische Tagungen hätten niemals dort stattgesunden, der Geserd aber sei eine ausgesprochen kommunistische und antijüdische Organisation mit politischen Zielen, über die er verhandle. Das Material soll vom Vorstand der Gemeindevertretung unterbreitet werden. Wichtiger als diese beiden Dinge waren Mitteilungen über die Religionsschule. Daß ihre Subvention von NM. 5000 nicht reiche, war zu erwarten. Daß die Gemeinde sie nicht ohne Einräumung weitgehender Rechts- und Machtbefugnisse, die das beiderseitige Verhältnis kitten, klären und sicherstellen sollen, diese Subvention in irgend einer Form namhaft erhöhen werde, war dem Kundigen auch gewiß. Beides'ist nun geschehen. Detailliert festgelegte Kontrollrechte der Gemeinde, scharfe Abgrenzung der drei Abteilungen der unter dem Namen Gedenket des Pessach- Aufrufes der Fürsorgekasse der Israelitischen Religions- Gesellschaft aut Postscti.-Kenlo Frankfurt a. M. Nr: 49792 „Religionsschule" gusammengefaßten Institution in Religionsschule Hermesweg, Synagoge Hermesweg und Synagoge Unterlindau behufs besseren Ueberblicks von Einnahmen und Ausgaben, Satzungsänderung lassen den Schluß zu, daß die Religionsschule nunmehr in ein noch näheres und unmittelbares Verhältnis zur Gemeinde getreten ist. Die Gegenleistung? Die Gemeinde hat eine Bürgschaft für RM. 10.000 Darlehen übernommen, das der Religionsschule von einer hiesigen Bank gegeben wird, rückzahlbar in fünf Jahren. Der im Finanzausschuß noch nicht ganz fertig beratene Etat wirft seine Schatten voraus. Einstweilen wird das übliche Etat-Zwölftel bewilligt. Ein Achtzigjähriger. Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde-Sitzung vom 31. März. Das Wesentlichste, womit man sich befaßte, war die Festsetzung des Kultussteuersatzes für das Rechnungsjahr vom 1. April 1932 bis 31. März 1933. Man nahm zunächst das Mindestmaß, das unbedingt notwendig sein wird, 16 Proz. Zuschla g,z u r Reichseinkommensteuer, behielt sich aber angesichts der völlig undurchsichtigen Lage, die auch keinen annähernd klaren Ueberblick gestattet, Erhöhung und ganz besonders die Erschließung neuer Einnahmequellen vor (Vermögenssteuer, sobald das Material vorliegt). Einsprüche gegen die Veranlagung müssen innerhalb vier Wochen erfolgen, für nicht rechtzeitig geleistete Zahlungen werden Verzugszinsen erhoben. Ein Herr erhebt lebhafte Klage über einen tragischen Vorfall. Das frühere Liebmann Bär'sche Minjan ist jetzt in dem Gemeindehause Gervinusstraße untergebracht. Zu seinem Obmann wurde — ein ausschließliches Mitglied der Israelitischen Religionsgesellschaft gewählt. Darob Interpellation. Bei einigem guten Willen sollte man meinen, daß es nicht gerade erforderlich sei, künstlich Reibungen und Reizungen hervorzurusen, daß man weltanschauliche Meinungsverschiedenheiten und Gegensätze religiös-politischer Art lieber auf geistigem und nicht auf persönlichem Gebiete ausfechten solle, daß der Würde und Weihe des Minjan kein Abbruch geschehe, wenn ein Mitglied der Religionsgesellschaft dort fungiert, und daß das Gemeindehaus deshalb nicht tn_ seinen Grundfesten erzittern werde. Die Gemeindevertretung nahm denn auch die Beschwerde in gelassener Kühle und ohne innere Anteilnahme entgegen; um dem Opponenten zu willen zu sein, bat sie schließlich den Vorstand, sich mit der Angelegenheit zu befassen. Auch noch mit einer zweiten, gleichfalls nicht sehr bedeutungsvollen. Im vorerwähnten Gemeindehaufe sind bekanntlich auch der Jugend Räume überlassen, die dort ein recht reges und vielseitiges Leben entfaltet (Was ja Herr Michael Rapp, hier, begeht am 10. April in erfreulicher Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag. Michael Rapp, ein Sprößling der Alt-Frankfurter Familien Rapp Kulp, war viele Jahrzehnte Inhaber der bekannten großen Rapp'schen Kolonialwaren-Engros-Handlung, die er 1918 liquidierte. Michael Rapp ist Alterspräsident der Chewro Kadischo, deren heiligen Aufgaben er sein Leben lang eifriges Bemühen zugewandt hat. Wir wünschen dem beliebten Manne einen frohen befriedigten Lebensabend. Jahresbericht der Jüdischen Frauenvereinigung e. 93. (Schluß.) Wie alljährlich hatten wir neben den Sorgen um seine finanzielle Unterhaltung viel Freude an unserem M ä d ch e n h o r t, der 80—100 Kindern am Nachmittag Unterkunft gewährt. Sie bekommen dort ein kräftiges Vesper und werden von unseren Hortnerinnen im Spiel arbeitend beschäftigt: sie lernen aus wertlosen Dingen nette Gebrauchsgegenstände herzustellen, ihr Sinn für Akkuratesse und Sparsamkeit wird geweckt, sie werden an Ordnung und Reinlichkeit gewöhnt. Tagtäglich werden die Schulausgaben unter Aufsicht gemacht, und es werden zur körperlichen Ertüchtigung Turn- und Bewegungsspiele geübt. In den großen Ferien waren über 100 Kinder im Tivoligarten, wo sie sich von morgens bis abends bei guter Verpflegung in frischer Waldluft turnmeln konnten. Wie alljährlich war an einem Chanukkahtage ein Fest, das die Hortnerinnen mit den Kindern vorbereiteten und an dem sie mit Kuchen und Schokolade bewirtet und mit nützlichen Gegenständen beschenkt wurden. Unseren treuen aufopfernden Hortnerinnen, wie auch den Damen, die sich mit sovieler Mühe für die Erhaltung des Hortes bemühen, sei auch an dieser Stelle herzlichst gedankt, ganz bejoikoers aber einer alten Freundin dieses Hortes, die es sich trotz ihrer 70 Jahre nicht nehmen läßt, das ganze Jahr hindurch warme Jäckchen, Mützchen und Pullover für unsere Hortkinder zu häkeln und zu stricken. Ebenso ausrichtig danken wir den Damen der Nähstube, die in ganz hervorragender Weise ihren Aufgaben gerecht wird. Die Israelitische Suppenanstalt hat uns schon viele Jahre einen Saal zur Verfügung gestellt, wofür wir ihr herzlichst dankbar sind, und jeden Dienstag nachmittag versammeln sich dort zirka 15 Damen, um eifrigst an diesem Werk der Nächstenliebe mitzuarbeiten. In früheren Jahren bekamen wir von. Geschäften reichlich Stoff zum Verarbeiten geschenkt, auch Geldspenden zur Anschaffung von Stoffen, beides ist jetzt selten geworden, sodaß wir viel Mühe haben, das Notwendigste herbeizuschaffen. Wir bitten unsere Gönner, gerade diesem Zweig unserer Arbeit durch Zuwendung von Stoffen Interesse zu beweisen, da die Erzeugnisse der Nühstube zum größten Teil dem Mittelstand zugute kommen. Unsere Stellenvermittlung ist durch die Ungunst der Zeit ganz besonders in Mitleidenschaft gezogen. Hoffentlich bessern sich die Zeiten bald, damit wir auch in diesein Zweig unserer Tätigkeit wieder Erfolge verzeichnen können. Trotz vielfacher Bemühungen, das Interesse der Elternschaft der die Hermann Lehmann-Schule besuchenden Kinder wachzurusen, ist es nicht gelungen, den Schulbesuch zu heben, sodaß wir uns schweren Herzens entschlossen haben, die Schule vorübergehend zu schließen. Wir möchten hoffen und wünschen, daß das Interesse für diese aus edlen Motiven von Hermann Lehmann gegründete Schule wieder auflebt, dann wollen wir gerne mit dem Keren Hatorah die Mittel zu ihrer Unterhaltung wieder zur Verfügung stellen. Gute Erfolge konnten wir auch in unserem unentgeltlichen Nachhilfe-Unterricht an Kinder, die der Nachhilfe bedurften, erzielen. Den Damen und Herren, die freundlicherweise sich hierzu erboten und betätigt haben, sei bestens für ihre Bemühungen gedankt. Wir wenden uns nun unserem Ausgabenkreis auf geistigem und geselligem Gebiete zu, wie er in unseren Statuten niedergelegt ist und von uns alljährlich nach bestem Können erfüllt wird. Auf besonders hohem Niveau standen wiederum unsere Vorträge, und wir sind unseren Rednern von Herzen dankbar für die vieseitigen Anregungen, die sie unserem Mitgliederkreis gegeben haben. Wir hörten Frl. Jetta R o s e n h e i m , die in überaus lebendiger Darstellung die Eindrücke wiedergab, die sie aus einer Reise in Erez Jisroel empfangen hat. Herr Rektor Ochsenm a n n sprach aus reicher pädagogischer Erfahrung über „Psychologische Typen". Ein zweiter fesselnder Vortrag behandelte die Wichtigkeit, die in der jüdischen Erziehung dem Schabbos gebührt und wie er dem Kinde wert zu machen ist. Herr Redakteur S ch a ch n o w i tz gab uns in überaus anregender Form Ueberblicke über die Dichter und den poetischen Gehalt unserer Semiroth wie über die Würdigung des Sabbaths in der jüdischen Dichtung und in der Weltliteratur. Dem Goethe-Jahr entsprechend führte UNS sein letzter Vortrag die Beziehungen vor Augen, die der Altmeister Goethe in jungen Und reiferen Jahren zum Ghetto und zum Judentum hatte. Herr Dr. 'E h r m a n n zeichnete in trefflicher Weise Frauengestallen in Bibel und Talmud. Ein zweiter Vortrag von ihm brachte iirteressante Randbenrerkungen zu Äiegillath Esther. Herr Direktor Dr. Elias führte'uns mit kundiger Hand in großen Zügen durch die Geschichte des jüdischen Volkes und zeigte uns unsere Verbundenheit mit ihr durch unsere nii-wn auf. Herr Dr. Arnold M e r z b a ch behandelte in interessanter Weise das uns Frauen besonders nahe liegende Thema der kindlichen Konflikte, die so oft zur Entfremdung von Mittler resp. Eltern und Kind führen. Allen Rednern, die uns, jeder in seiner Art, soviel Interessantes aus ihrem Wissensgebiete geboten haben, sei nochmals an dieser Stelle unser innigster Dank ausgesprochen. Auch unsere geselligen Diestags-Nachmittags-Zusaylmenkünfte erfreuten sich regen Zuspruchs und wir hörten an ihnen recht interessante Referate, die .uns mit allgemein modernen Probleinen bekannt machten. Frau Dr. Gro'ß sprach über die „Sondertagung beim Völkerbund in Genf für internationale Erziehung der Jugend", Frl. Dr. Wertheim er über Bernhard Shaw, Frau'Dr. Dora Ed in g er behandelte „Freds Einfluß m 'der Literatur", Frau Martha B a m b e r g e r „Die 6010

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