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Der Israelit · 1932-04-07 · Heft 15 (7.4.1932) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 15 (7.4.1932)
Date
1932-04-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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ui. Nachdruck, auch auszugsweise, verboten! . Zwischen Menschenzähnen. : Ein Gdessaer Film aus den Jahren 1919/20l -Bon Avigdor Hameiri. . Ich, gehe auf öer Straße;: m Rä.he-des R)aifenhaus.es. ,, :: Die. Fenster.sind offen und auf den Brettern kleine/Kinder enggedrängt. .Lin.Tuinult. / Hötzlichq höre ich einige .Gtimmen rufen:! „Oiitel! He! Onkel! Gibt es einen G'ttz oder gibt es keinen?!"^ , , ... - --. ',/Ich<. wurde für .einen Augenblick verwirrt Nnd fand keine Jlntwort. '? Ciner ,von Ihnen ^nützte,Meine ,Nerlegenhmt', ans. und sagte zu seinem Freunde: ' „^Siehst? -Siehst du? Ln.sagt auch, daß es keinen G'tt gibt!" V „Lüge! Cr sagt, es gibt einen." n: „Füge!" sagte der erste, - und wendet sich wieder an mich, „nicht wahr? Ls:gibt keinen G'tt." '-,ü .Reugierde packte mich; ich wollte die Ursache dieses Streites ergründen.;<•* Ich schüttelte den Kopf und sagte:; . „Cs gibt einen G'tt!" „Ah!" triumphierte der zweite, „ab, es gibt einen G'tt!" Da sich der erste besiegt sah, sagte er: „Auch er weiß nichts; es gibt keinen G'tt; die Lehrerin weiß es besser als er!" , „Die Lehrerin weiß," erwiderte der zweite, „aber auch mein Vater weiß, mehr noch als die. Lehrerin;: und mein Vater sagt, es gibt einen G'tt!" > „So," sagte der erste und stieg zornig vom Fenster herunter, „so, dann gehe ich es der Lehrerin erzählen! Ich gehe hin und erzähle es!"' Cr sprach , es,, machte einige Schritte, drehte sich dann um und sagte: „Ich erzähle es der Lehrerin und du bekommst: heute kein. Uachtmahl!" Der zweite erschrak ein wenig, sein Gesicht erblasste, ec schaute dem wcggehenden Freunde nach und. als er verschwunden, war, wandte er sich - an ein Fl.einps Mädel, das rreben ihm: saß^.hob die^Schulteriv sund, sagte, gleichgültig:,':, v/> •* - r, *•: . „Soll^r gehyn. Soll, .er^erzählen. - «Ich .habe: keine: Angst. Rjorgei-i, ist ^pchjedenfalls:Iaunti Kippur und-- heut.e,, abends. barstMan,: kein. Uachtmahl nessen! Soll .er gehen und erzählen!. Dicht wahr, Deborah?' Cs gibt .d,o"ch...einen G'tt?!" - Cin Z u d e. Bewegung in der Gasse. Revision in Bialiks Druckerei. ..... Das Papier , wird Konfisziert. . , Die Tür in die Druckerei steht weit offen; inmitten des Zimmers steht Bialik, der versucht, auf-die. Regierüngsbeamten' einzuwirken, die alles als.ihr Cigentum betrachten. , Aber seine Worte fruchten nichts. In der Druckerei — ein Chaos. . . -.u . . Die Revisoren suchen, stöbern, befehlen, ordnen, notieren und vernichten. ■;;.!> Vicht alle tun das: nur einer von ihnen.'- Istsgcfamt sind sie, vier einfache Soldaten und ein ^jüdischer Kommissär. : Und dieser jüdische Kommissär ist es, der all öäs treibt. - Cr registriert das Papier in der Druckerei, mit Energie, Lust, Tempo— nnd mit ganz besonderem Vergnügen. plötzlich geht er auf'einen Stoß'feinsten Papiers; zu, schaut es an und bemerkt, daß es schon bedruckt ist. Bedruckte Bogen: D i e G e d i ch t e d e s Sch l om oh IbnG a b i r ö l.*) Der Kommissär betrachtet die bedruckten Bogen und wendet sich an die gewöhnlichen . Soldaten, die still und einfach dastehen. „Genossen, seht her, wie die das Papier besudelt haben! Schade! G l Ü Cf. - i "' Cin schöner Tag. ' -Späziergänger auf dem Gehsteig. Größtenteils Iüdvn!'Mitten in der Sttaße bummeln Kosaken. In Gruppest "und einzeln; Erster hinter dem andern.-Run. ist''auch'die letzte' Schar vorüber? Die Spaziergänger schauen ihnen nach. ‘ Und da — noch cin.Kosak,'ganz, allein, .sprengt, zu pferd heran. -; ’!;; ' . ' 'v plötzlich bleibt er stehest.' Winkt einem der'Spaziergänger: v-,;,KoMm' her!" ' " ‘ . 1 ' Der Gerufene eilt raschen Schrittes her. Cs ist ein Jude, in Winterkleider gehüllt, eine teure Astrachaner-pelzmützö üstf dejn Kopf.F' . >r- Cr tritt mnMn^Kvfak heran, ^der sich zu ihm vom Pferde niederMAt.F'^ : ■*? Der Mstttk^eiß^'die teure Mütze vom Kopf des Juden,' spornt^das Pferd —- und. jagt davon. ’ Der IudeMickt khm uni aufgerissenen Augen nach — und nachher'-'^— lächelst er. 1 Cr ist glücklich, daß ihm der Kosak den Kopf nicht abgeschlagen hat. ' ' Cin R u s s e. Auf dem Gehsteig. Juden, alte und junge, verkaufen Zigaretten-. - - Die Stadt — ein Kessel. Vor kaum einigen Stunden wurde die Stadt erobert —Kund sie verkaufen Zigaretten. Außerhalb der Stadst und auch in der Stadt selbst, sind noch lange ustd kurze, schwere und leichte Schüsse.zu hören — und sie verkaufen Zigaretten. ■ Das Regiment, das die Stadt erobert hat, jagte einen Schrecken ein durch eine ganze Reihe von fürchterlichen Pogromen — und sie verkaufen Zigaretten. Cin' Soldat geht vorüber, will kaufen. „was kosten sie? Zehn Stück?" „Hundert Rubel; sie sind sehr gut." „Hundert Rubel?! Saujud! Da hast du zebn Rubel!" . Der Jude lächelt gezwustgen: „Unmöglich". -j-'.: . Sie^ handeln. ni' . ’ . Schreien, Fluchest, Schimpfest'. Der Jude .steckt die Zigaretten Wiedelk^kii die-Schachtel ein. '' -. /- lcDeri:Soldat ziebK dest-RepolW — 'und 'schießt.^ ,j Der Jude fällt tdt^tzu Boden?'"' 's.,. > oDw-Soldat zieht" zehn'" Rubel aus der. Tasche, -legt sie 'ttuf die Schachtel, nimmt die Zigaretten und — geht. (Autorisierte Uebertragüng ' aus 'dem Hebräischen von S. D. in Wien. Erinnerungen an Rabbi Zosef Ehaim Sonnenfeld 7"^:. . Jrn Warschauer Togblatt veröffentlicht einer der Führer der P o a l e A g u d a s I i s r o e l, Herr Mordechäi Aruchai, der der Führung der Organisation in Jerusalem angehörte, einige interessante 'persönliche Erinnerungen an den Heimgegangenen großen Zaddik, aus denen hier einiges wiedergegeben sei: ' Rabbi Ehajim Sonnenfeld hatte heiße Sympathie für die Poale Agudas Iisroel-Bewegung und wir kamen oft zu ihm, um ihm unsere Sorg'en anzuvertrauen: ' „Nur kein Jiusch", war sein ständiges Wort. Er sei, so erzählte er uns eines Tages, vor einem halben Jahrhundert auf einem Segelschiff nach Erez Jisroel gekommen, wobei Neben Jehuda Halevi der bedeutendste hebräische Dichter des Mittelalters. Manche seiner religiösen Gesänge sind im ii™ und mm» ausgenommen. D. Uebers. er 6 Wochen unterwegs und oft in Lebensgefahr gewesen sei. „Als ich nach Erez Jisroel kam," sagte der Greis, „habe ich die ersten Tage nicht einmal ein Plätzchen gehabt, wo ich schlafest konnte. Meine Frau überhäufte mich mit Vorwürfen, daß wir das Wagnis der Auswanderung nach Erez Jisroel unternommen hätten. Aber ich antwortete ihr, daß wir ja gerade u.m d e r Leiden für Erez Jisroel willen diesen Weg beschvitten hätten." Sein milder Blick wurde, als er diese Worte an uns richtete, plötzlich ernst. Er stand auf und sagte zu uns: >,Sagt euren Genossen, den Poale Agudas Jisroel, daß der L o h n für ihr Wirken unendlich groß ist.' Ihre Arbeit im heiligen Lande ist so wichtig wie die Jeschiwos und sie werden der Grundstein für das orthodoxe Judentum in Erez Jisroel sein. Sagt euren Freunden in meinem Namen, ich bäte sie, um G'ttes Willen, jeden Gedanken an ein Weggehen von Erez Jisroel zu unterlassen, G'tt wird schon Helsen.- Mag darf das -Vitochaun nicht'verlieren: Der Hauptfehler der'heutigen Welt! ist, daß die Menschen: an ein aUM gutes Leben gewöhnt sind! unhzu vievBedi'wfnisse haben. Da kam jüngst ein jünger Mensch zu, mir und :sagte,! er .müsse von Ärez- Jisröbl 'wegfahrest,' weil;^ex. nicht .inehr; wie ein Pfund in det' Woch^'verdient. Düs'ist das Traurige, daß.man sich nicht einschränkep will. Ich selbst bekomme nur. 60 Piaster in der Woche und bin g'ttlob zufrieden und komme damit aus. Er verdient ein ganzes Pfund und will deshalb wegfahren! Es sind bei mir schon Menschen gewesen und hahen mir vorgeschlagen, .daß ich,mein>Einkommen dlirch Annaymb von diesem oder jenem (Aehalt . vergrößern, könnte. Aber zu was brauche ich noch mehr Geld? Ich bekomme genug mit meinen 60 Piastern in der Woche, die mir der ungarische Kolel zahlt. Einige Menschen haben mir vorgelegt, sie wollten für mich einen Palast als Wohnung hinstellen. Wie konnte ich dem zustimmen? Die Schechina ist im Golus und ich soll in einem Palast wohnen?" (Tatsächlich hat der Heimgegangene Oberrabbiner des Waad hair Aschkenasi in 2 oder 3 kleinen Stübchen auf dem Deutschen Platz gewohnt und alle Angebote des Zentralkomitees der Bothe Machse, .ihm eine würdige Amtswohnung zur Verfügung zu stellen, beharrlich abgelehnt Red.). Einmal kamen wir zu ihm Und er nahm uns' wie immer freundlich-auf. Wir sagten: Rabbi, wir sind gekommen, um eine ns? zu fragen. Sein durchdringender kluger Blick verstand bald, daß man zu dieser nsy auch — Geld braucht und er antwortete sofort: ~nsy hat denselben Zahlenwert wie qcnn und in dieser letzteren Hinsicht kann ich euch leider gar nicht helfen." > Am Lag beomer 5686 fand die zweite Landeskonferenz der Poale Agudas Jisroel in Erez Jisroel statt. Bei dieser Gelegenheit haben wir einen Blumentag für den Keren Hajischuw veranstaltet. Zufällig stellte der Drucker die Reklamezettelchen, die wir zu diesem Zwecke ausgaben, mit blauer Farbe auf weißem Papier her. Einige Jerusalemer Gesinnungsgenossen gerieten, als sie diese „Schandtat" der Pvalim, blauweiße Zettel zu drucken, vor sich sahen, in größte Aufregung und forderten, daß inan alle Blumenverkäufer schleunigst heimberufen solle. Es war aber in der Schnelligkeit nicht mehr möglich, andere Zettel herzustellen, und die ganze Saminelaktion einfach einzustellen, dazu konnten wir uns auch nicht entschließen. Wir sagten also, daß Rabbi Ehajim Sonnenfeld entscheiden solle und,daß! wir uns seiner Entscheidung unbedingt unterwerfen würden.. Wir gin- : gen zu Rabbi Ehäjtm stnd einer "der 'Eiferer zeigte ihm einen-der! blauweißen Zettel Mit den Wörten! ,^Seht, Rabbi, wie die Poalim uns blamiert haben, wir werden unser Gesicht nicht mehr aufßeben können." Rabbi Ehajim Sonnenfeld b'esdh fick)' den Zettel und sagte lächelnd: :y'7ri m rbK : G'tt tvird Euer Gesicht schon wieder aufheben." -Er, betrachtete!den Zettel n'ochmals und sagte: „Bor einer halben Stunde-,sind zwei Ehaluzim bei mir gewesen, um für den Keren Kajemeth zu sannneln und haben a u ch solche Zettel gehabt, fast genau dieselben. Run — bei der Awaudo am JomKppu.r finden wir ja auch,' daß die beiden' Opfertiere, auf welche die Lose gelegt wurden, .g cr n z gl e.i ch s ein in u ß t e n , gleich an Große, an'Farbe,' an Aussehen nur mi.t dem Unterschied, daß der eine; G'tt gecheiht mar, der andere Damir wandte sickp Rabbi Ehajim Sonnenfeld zu uns und sagte ganz still: „Wißt Ihr, wann ich böse ans Euch sein werde? Wenn Ihr nicht daran arbeitet, daß d i e A k t i o n Erfolg haben soll, wenn Ihr nicht eine große Summe znsammenbringt, dann werde ich Euch ganz böse sein." Als ich mit noch zwei Kollegen nach Ehuzo loorez fuhr, um als Delegierte der Poale Agudas Jisroel Mittel für die Organisation aufzubringen, verbrachte Rabbiner Sonneufeld lange Zeit zum Abschied mit uns und prägte uns mit großem Nachdruck die Verpflichtung ein, dafür zu sorgen, daß I i s ch u w Erez I i s r o e l d n r ch g e - s e tz e s t r e u e Menschen a u s g e ü b t werde. Er redete sich in eine solche Begeisterung hinein,-daß wir zitternd vor ihm standen. .Bei dieser Gelegenheit erzählte er uns folgestdes: „Oft komnit man zu mir mit Vorschlägen. ich solle nach Ehuzo loorez in Klall-Angelegenhekten fahren. Mau hat gesagt, daß ich, wenn ich dem Vorschlag folge, viel erreichen könnte. Aber ich habe mich trotz alledem nie entschließen können, Erez Jisroel auch nur auf kurze Zeit zu verlassen. Wer weiß, es wird

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