Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1932)
- Date
- 1932-03-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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24. März 1932 Der Israelit Nr. 13 Seite 3 den Kern eines künftigen bäuerlichen Kibbuz agudistifchen Charakters bilden könnten? Lines muß dabei leider gesagt werden: auf Geld aus dem Westen ist vorerst nicht zu rechnen. 'Alles, was geschieht, muß die aus Groschen zusammenaddierte Selbsthilfe der Waffen finanzieren. Inzwischen aber dürfte der auch materiell schwer ringende „Brith Lhaluzim Dathiim" im westen seinem Schicksal nicht überlassen werden. Wehr als hundert neue Bewerber suchen — n a ch dem uns vorliegenden Bericht — bis Lnde Februar als Lehrlinge Einlaß in den Bund — darunter nach unsrer Schätzung mindestens 30 proz. Agudisten, ebensoviel „Unorganisierte", der Rest Wisrachisten. Sind unter diesen 5V proz. Agudisten nicht ein oder zwei kräftige, weltanschaulich gereifte und zur Führung befähigte Wenschen, die sich im „Bunde" geistig durchsetzen und zum Besten des Ganzen den positiv religiösen Tendenzen im Sinne der agudistischen Weltanschauung das Uebergewicht verschaffen können? Line organisatorische Bindung an den Zionismus liegt ja hier — zum Unterschied vom Wisrachi — nicht vor; es ist ähnlich wie beim „Lsra", dessen Geist ebenfalls von dem größeren oder geringeren Einfluß' des einzelnen Führers bestimmt wird. Wöchten sich die jugendlichen Wenschen finden, die es ohne feindselige oder auch nur aufdringliche Tendenz verstehen, ihren Lhawerim den tiefsten religiösen Ginn, den metaphysischen Kern aller Lrez Isroel-Sehnsucht zu erschließen. Ohne diesen Kern bleibt ja ihr ganzes Vorhaben, bleibt die ganze moderne Lrez Isroel-Bewegung ein vom gesunden Wenschenverstanö zum sicheren Untergang verurteiltes „Zreat adventure“: ♦d'jiy1? mp' “>m p'2 Vas M2N wm Wochenrundschau. Aoundakionskredike für Osteuropa. Durch die Presse geht die Uachricht, daß die bekanntlich von Joint und Ica gemeinsam geschaffene sogenannte „Foundation", die sich die Förderung des Genossenschaftswesens, insbesondere der Kreditgenossenschaften in den osteuropäischen Wassensiedlungen zur Ausgabe gemacht hat und die auf diesem Gebiete eine für die Rettung der ostjüdischen Wirtschaft gar nicht hoch genug einzuschätzende Hilfsarbeit geleistet hat, neuerdings einen Betrag von nahezu Willion Dollar flüssig machen und den Betrag den Darlehenskassen in Polen, Rumänien, Litauen, Lettland und der Tschechoslowakei zur Verfügung stellen wird. So erfreulich diese Tatsache ist, so ruft sie doch ein den eingeweihten Kreisen seit langem bekanntes schweres Unrecht in Crinnerung, das die Foundation, mangels ausreichender Würdigung des wirklichen Sachverhaltes, den um ihr Dasein schwer genug ringenden, getreulich am Sabbat f e st h a l t e nd e n Waffen Polens zufügt. Die Schärfe der Parteigegensätze, die insbesondere in den Zeiten der zionistischen Hochflut in Polen einen beängstigenden Grad angenommen hatte, führte dazu, daß der ganz unter zionistischem Cinfluß stehende Gcnossenschaftsverband durch unausgesetzte Schikanen bis in die mittleren und kleinsten Städte hinein die orthodoxen Kaufleute aus den verbänden heraustrieb und sie insbesondere jedes Cinflusses und jedes Kontrollrechtes in den Kooperativen beraubte. Erst auf Grund dieser bitteren Erfahrungen schloß sich die organisierte (Orthodoxie zur Gegenwehr zusammen und bildete vor einer Reihe von Jahren einen eigenen Revistonsverband, dem Tausende von Genossenschaften angehören und der von der Regierung legal!- siert und als vollkommen gleichberechtigt anerkannt ist. Alle Lenrühungen nun dieses Verbandes, auch von der jüdischen Institution der Foundation die gleiche gerechte Anerkennung zu erlangen, wie von Seiten der Staatsbehörde, sind, wenn unsere Informationen nicht etwa durch neuere Ereignisse überholt sind, bisher vollkommen gescheitert und begegneten der stereotypen Ablehnungsformel, es sei „aus wirtschaftlichen Gründen" nicht möglich, mehr als einen Revisionsverband anzuerkennen, dagegen sei man bereit, die einzelnen Ortskaffen auf ihre Anschlußs ä h i g k e i t an den das Unterstützungsmonopol der Foundation besitzenden zionistischen Hauptverbanö zu prüfen! Wan braucht diese Tatsache nur festzustellen, um zu erkennen, daß hier objektiv eine geradezu ungeheuerliche Parteinahme einer ausschließlich zum Helfen und Retten bestimmten sozialen Institution gegen dieOrt h o d o x i e vorliegt. Ueber die eigentlichen Wotivc des an sich rätselhaften Verhaltens der Foundation können wir uns keinerlei Wutmaßungen gestatten. Ls genügt uns hier auszusprechen, daß diese parteiische Handhabung der Geschäfte auf die Dauer unerträglich ist und daß es schließlich in der Welt eine öffentliche Weinung gibt, die es niemals begreifen wird, warum Wenschen dafür bestraft werden sollen, daß ihr Gewissen ihnen verbietet, sich der zionistischen Gewaltherrschaft zu unterordnen und ihre Gesinnungen zu verkaufen. Wir sind überzeugt, daß.dies nicht im Sinne der Wänner und Frauen in Amerika liegt, aus deren Taschen das Geld der Foundation geflossen ist. „Apirjon". Unter diesem klassischen Namen, der reiche Gedankenassoziationen mit dem Hohenlied wachruft, ist in Lodz unter Führung agudistischer Kreise eine neue Gesellschaft gegründet worden, die zwar in ihrem Grundgedanken und in ihren Zwecken in den spezifischen sozialen Bedingungen der polnisch-chassiöischen Gesellschaft wurzelt, die aber doch darüber hinaus ein starkes allgemeines Interesse besitzt. Cs handelt sich darum, den Wißständen entgegenzulrcten, die sich bei der Gründung jüdischer Chen ergeben haben und die geeignet sind, das Familienleben auf die Dauer schwer zu beeinträchtigen. Je weniger im ganzen Osten für junge Wenschen beiderlei Geschlechts eine Wöglichkeit besteht, sich irgendwo auf gesellschaftlichem Boden vor der Che kennen zu lernen, desto ausschließlicher sind es die professionellen Eheveemittler, die sich dieser — darüber darf kein Zweifel bestehen — für den Einzelnen wie für die Gemeinschaft religiös und ethisch geradezu bedeutungsvollsten Aufgabe widmen, obgleich sic doch zum allergrößten Teile kein anderes IntereLe als ihr eigenes wirtschaftliches an der Art und W'eise der Lösung dieser Aufgabe besitzen. Die Folge sind dann nicht selten unglückliche oder für die Weiterpflanzung jüdischen Geistes gänzlich ungeeignete Chen. Dem will die Gesellschaft „Apirjo n" entgegenwirken. In der Zusammenkunft, die sich zunächst auf einen engeren Kreis beschränkte, wurden die Probleme, um die es sich hier handelt, in gründlicher Weise von allen Seiten beleuchtet und mit Schärfe das falsche Schamgefühl bekämpft, das bisher verhindert habe, etwas Durchgreifendes auf diesem Gebiete jüdischen Pflichtlebens zu leisten. Heute, so wurde ausgeführt, wo die polnische Orthodoxie das Glück habe, auf der einen Seite in den Zeirei Agudas Iisroel eine gut organisierte, viele Tausende umfassende Gruppe von bewußt religiösen und an ihrer sittlichen Fortbildung arbeitenden jungen Wännern zu besitzen und auf der anderen Seite in den BnosAgudas Iisroel eine analoge Zusammenfassung jüdischer Töchter, die sich von Anbeginn an ihrer Aufgaben als künftige j ü - d i s ch e Frauen bewußt sind, seien erstrecht die Voraussetzungen gegeben, um in ganz systematischer Weise dafür zu sorgen, daß die Eheschließung weder dem Zufall, noch dem Geschäftsinstinkt der Schadchonim überlassen wird, sondern daß die zukünftige Ganzheit und Harmonie des jüdischen Hauses als einziger Gesichtspunkt denen vorschwebe, die sich als „Genossen G'ttes" in den Dienst des Aufbaus jüdischer Häuser stellen. In verpesteten Fabriken Du, Ich auf der staubigen Gatz' Wir beide drohen zu ersticken Beim kümmerlich verdienten Fratz. Der Hammer ist Dein Werkzeug Die Mustertasche ist's bei mir! Du klopfst aus Stahl und Eisen Ich klopfe an die Tür! — — Du schaffst mit Hammer und Zange Dir Arnr und Hände wund. Ich mit Herz und Lungen Spreche mir trocken den Mund. Du irrst, Bruder, begreife mich recht, Höre doch meinem Herzschlage zu. Auch ich bin ein Proletarier Und leide nicht weniger als Du. Moses Latz. (Franz Werfel über G'ttesglauben.) In der Hofburg in Wien hielt der Dichter Franz Werfel als Gast des Kulturbundes unter dem Titel „Können wir ohne G^ttesglauben leben?" einen Vortrag, in dem er diese Frage energisch verneinte und sich als überzeugter Gegner des Materialismus unserer Zeit bekannte. Er bewies dies an dem Beispiel eines Durchschnittsmenschen, dessen erste Kindheitseindrücke im Religiösen wurzeln, der aber im späteren Verlauf seines Lebens zum Materialismus bekehrt wird und die Religion nur mehr bei kirchlichen Zeremonien kennen lernt. Erst im Alter, wenn die Todesfurcht an den Menschen herantritt, bekehrt er sich wieder zur Religiosität. Vorher hat er sich verschiedene Ersatzreligionen zu verschaffen versucht, die aber eigentlich nur politische Theorien sind und keineswegs den G'ttesglauben ersetzen können. Auch die Technik und die Wissenschaft haben sich, obwohl sie bis vor kurzem noch dem Materialismus verfallen waren, dennoch in letzter Zeit transzendentalen Gedanken zugänglich gezeigt. Wenn das Leben des Menschen wieder Platz für Kunst haben soll, so mutz er sich vom Nihilismus unserer Zeit wieder zum Glauben bekehren. Zu dem Vortrag hatte sich ein sehr zahlreiches Publikum eingesunden, das dem Dichter für seine Ausführungen viel Beifall zollte. (Neue rabbinische Zeitschriften.) Aus dem Kreise der Alerandrer Ehassidim erscheint, herausgegeben von I- Mainacht in Piotrkow, soeben eine neue rabbinische Zeitschrift unter dem Namen i>rri»v m di> 3cbc Nummer soll, wie cs scheint, in regelmätziger Reihenfolge zunächst halachische o'vinn aus Manuskripten heimgegangener Grützen bringen, dann halachische Abhandlungen von Zeitgenossen, auch von Jeschiwo-Bachurim, endlich agadisches. historisches und auch belletristisches Material. Mit größerer Ausschließlichkeit der strengen Halacha gewidmet ist die rabbinische Zeitschrift o-nsn» herausgegeben von Schmuei Gutwein in Neu-Saudez. Auch sie hat erst im Jahre 5691 ihr Erscheinen begonnen, bedarf also noch, wenn sie sich erhallen soll, der wohlwollenden Förderung. Der Inhalt des uns vorliegenden Aw-Elul- Heftes (4 und 5) ist äußerst reichhaltig. (Mendelssohn-Jubiläumsausgabe.) Von der großen Mendelssohn-Ausgabe der Akademie für die Wissenschaft des Judentums ist jetzt der interessante 2. Band erschienen, der die von Bruno Strauß herausgegebene Reihe der deutschen Vriefbände eröffnet. Er umfaßt den Briefwechsel mit Lessing und einigeir Mitgliedern des Lessingkreiscs und enthält reiches kulturhistorisch überaus bedeutungsvolles Material. Wir kommen auf den Band, nachdem er uns vorliegen und durchgearbeitet sein wird, ausführlicher zurück. Briefkasten. H. S. D. Die fs. 30.— sind am 3. 3, hier eingegangen. Bl. in Str. Mk. 10.— der angegebenen Nummer ausgezahlt. ' Ploni. Betrag erhalten und weitergeleitel. Wochenkalender. com 26. März bis 2. April 1982 » vom 18. — 25. Weadar 5692 > I ’ÖI’ t]*T “ niv 'S IS Samstag 26 18 Sonntag 27 19 Montag 28 20 ns Dienstag 29 ™ 21 22 OS Mittwoch 30 p Donnerstag 31 23 «P ennn panan wnv Stauleb: Mittwoch früh Freitag l 24 3P Samstag § 2 125 ap 8 Uhr 23',e Min.