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Der Israelit · 1932-03-17 · Heft 12 (17.3.1932) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 12 (17.3.1932)
Date
1932-03-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 12 Der Israelit 17. März 1932 Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat April Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit 6. m. b. H., Frankfurt a.M, West-östlicher Divan. jüdische Betrachtungen zum Goethe-Jahr. Von Dr. Hugo Spiegler in Wien. Als der Oestcrreicher Haminer-Purgstall die orientalistjsche Wissenschaft schuf und u. a. die Dichtungen des Werfers in öcutfdje Verse übertrug, geriet Goethe so sehr in den Bann dieser alten, aber dein 2lbendlande eben erst erschlossenen Poesie, daß ec seine eigene, urdeutsche Gefühlswelt im exotischen Gewände des Orients zu dichterischem lieben erstehen ließ. Die Frau, die ihm damals seelisch nahestand, die Linzerin Marianne Willemer, wurde zur „Suieika", er selbst tritt unter einem mohammedanischen Namen auf, Karawanen beleben das Lilö, orientalische Kulissen bilden den Hintergrund des Geschehens — aber das Geschehen selbst, soweit man bei einem vorwiegend lyrischen Werke überhaupt von Handlung sprechen kann, ist weder spezifisch morgen-, noch rein abendländisch, sondern allgemein menschlich. „Orient und Occident sind nicht mehr zu trennen". Der große Weltbürger Goethe erschließt Hiersein Innerstes in asiatischer Maske und wie wohl er sich in dieser Tracht suhlt, das spüren wir aus denr warmen Behagen, das jede Zeile dieser Dichtung atmet, die er, bezeichnend genug, „west-östlicher Divan" benannte. Im Goethe-Jahr 1952 herrscht in deutschen Landen die e n t g e g e n g e s c tz t e Tendenz. Auch heure sehen wir phantasiebegabte Federhclden behaglich damit beschäftigt, deutsche Männer und Frauen als „Orientalen" cinzukleidcn und deren gesamtes Tun und Lassen, vom äußeren Gehaben bis zur geheimsten Geelenregung als „asiatisch" zu kennzeichnen. Sie sprecheir aber dabei nicht von einer Maskierung, sondern im Gegenteil von einer „Entlarvung". Das Motiv, das sie beherrscht, ist nicht die schöpferische Freude an neuen Nuancierungsmöglichkeiten der künstlerischen Farbenpalette, sondern die Vernichtungswut geistig unproduktiver Herostratosnaturen, die sich als Politiker aufspielen. Geplant ist nicht eine üulturbereicherung des Deutschtums, sondern dessen Verödung durch willkürliche Ausscheidung kulturfreudiger Elemente. Wertvolle Staatsbürger, die seit unzähligen Generationen in deutscher Heimaterde verwurzelt sind, sollen plötzlich als „wüstensöhne" entrechtet werden, weil ihre Urahnen in grauer Vorzeit in der wüste einer g'ttlichen Offenbarung gewürdigt worden sind, zu einer Zeit, da die Urahnen ihrer jetzigen Cntlarver-„hier stock' ich schon": Fa, wo waren damals die Urgermanen? Die seriöse Wissenschaft vermag diese Frage noch imnrer nicht zu beantworten. Dabei waren die Gelehrten keineswegs müßig. Sie haben die Ruinen von Troja und Mykena ausgegraben und bei der Zutageförderung der j ü d i s ch e n Urheimat gerade in der letzten Zeit ganz Erstaunliches geleistet. Die V a t e rst a d t A b r a h a m s wurde bloßgelegt und vor kurzen: ging die Meldung durch die Weltpresse, daß die genaue Datierung des Auszugs der Kinder Israels aus Aegypten durch neue Ausgrabungen ermöglicht wurde. Das alte Kanaan ersteht Stein um Stein vor den Augen der gesamten Kulturwelt aus dem Grabe versunkener Jahrtausende. Immer neue Funde legen beredtes Zeugnis für die historische Wahrheit der biblischen Geschichte ab, sogar solcher Partien, die von „Aufgeklärten" gern als Sagen und Mythen gedeutet wurden. Um so grotesker wirkt das Fiasko, das in diesen Tagen der Kvffhänserbund mit einer Ausgrabung auf deutschem Boden erlebte. Diese deutschnationale Vereinigung hätte gar zu gern das historische Schlachtfeld im Teutoburger Walde eruiert. 'An ein paar sogenannte Hünengräber in Westfalen klammerte sich schon lange die Phantasie und Hoffnung der Hüter altdeutscher Tradition und so ließ man jetzt diese „Gräber" öffnen, um die erhofften Zeugnisse der Schlacht in Form von Rüstungen und Kriegerfkcletten zu bergen. Aber o Schrecken! was man für Grabhügel gehalten hatte, entpuppte sieb als geologische Formation natürlichen Ursprungs und ihr Inneres war leer — keine Waffen, keine Skelette wurden zutage gefördert, die Frage, wo eigentlich die Herinannsschlacht stattgefunden hat, bleibt'vorläufig noch ungeklärt. Zum Glück ist wenigstens die historische Realität dieser Schlacht allem Zweifel entrückt. Was sich im Jahre 9 n. d. gcw. Zeitr. abgespielt hat, kann doch nicht so leicht ins Gebiet des Mythus verwiesen werden, wie Ereignisse, die noch um einige Jahrtausende älter sind. Und selbst wenn alle anderen historisch glaubwürdigen Berichte über die Hermannsschlacht fehlen würden, so müßte doch die bloße Ueberlieferung, wie stch die Germanen damals durch die Uneinigkeit ihrer Fürsten um die politischen Früchte ihres gewaltigen Schlachtenfleges bringen ließen und wie sie schließlich trotz der unerhörten Erfolge ihrer Waffen durch das versage:: ihrer geistigen Führung unterlagen, jede Skepsis über die Wirklichkeit dieser Geschichte verscheuchen. Der Vorgang ist denn doch zu typisch deutsch, entspricht viel zu sehr den Erfahrungen aller deutschen Generationen einschließlich derjenigen, die den Weltkrieg miterlebt hat, als daß man sich auch nur einen Woment der Ueberzeugung verschließen könnte, hier liegt nicht Dichtung vor, sondern Wahrheit, Wahrheit, Wahrheit ... Aber wenn schon die unzweifelhafte Wahrheit im historischen Teil der deutschen Vergangenheit dokumentarisch so mangelhaft belegt erscheint, wo soll man einwandfreie Zeugnisse zur Aufklärung der prähistorischen Zeit des Germanentums hernebmen? während die I u ö e n ihre Geschichte beinahe bis zu den Pforten des Paradieses auf historisch beglaubigten Spuren zurückverfolgen können, was sicherlich nicht dem Charakter eines seelisch „heimatlosen Romaöenvolks" entspricht, gibt es noch immer nicht den kleinsten, historisch einwandfreien Fingerzeig für den Weg, den die germanischen Stämme zurückgelegt haben, bis sie sich, um die wende des Altertums zum Rlittelalter, in den Gegenden niederließen, die sie heute innehaben. Vor. allem ist die Frage nach ihrem Woher? noch ein großes Rätsel. Nachdem Friedrich Schlegel die indogermanische Sprachwurzelgemcinschaft entdeckt hatte, galt lange Zeit Indien als Urheimat der Arier. Die Germanen wurden als ein nach dem kalten Norden versprengter Splitter dieser ursprünglich im sonnigen Süden heimischen Rasse — bedauert. Die Germanencinfälle in Italien von den Goten bis zu den Hohenstaufen und Habsburgern, ja sogar Goethes „Wignon"-Sehnsucht nach den: „Land, wo die Zitronen blühn", und seine überhastete Reise nach Italien wurden auf die von den arischen Urahnen der Vorzeit her zutiefst in der germanischen Seele wurzelnde Sehnsucht nach der verlorenen südlichen Heimat zurückgeführt. Ganz im Geiste dieser Auffassung schrieb Heinrich Heine jene bekannten Verse, in denen er die schönen an: Ganges wohnenden wenfchen den häßlichen, die den hohen Norden bevölkern, gegenüberstellt. Heine wäre heute nicht wenig erstaunt über den Wechsel, der inzwischen in der ästhetischen und ethischen Wertung der nördlichen und südlichen Rassen eingetrcten ist. Jetzt gilt ja der „nordische" Riensch als das Prototyp des Edlen und Guten, dem die Beherrschung aller anderen, weil minder wert- Wie wollen wir in diesem Jahre Petzach vorbereifen? Von B. C. Haftarath Vajikra Jes. 43,21 ff.: Dieses Volk, das ich mir geschaffen, daß es inein Tatenlob künde, —' nicht mich mühtest du rufen, Jakob, nicht etwa um mich dich mühen, Israel, nicht mir das Lamm deines Brandopfers bringen, mit deinen Teilopfern mich nicht ehren..., nur mit deinen Fehlern machtest du mich dienstbar; mit deinen krümmen bemühtest du mich. Ich aber, ich lösche deine Sünden um meinetwegen, — gedenke deiner Fehler nicht." Eine Zeit ohne Herz und Gemüt mußte kommen, un: diese Verse zu Reden gegen die Opfergesetze zu erklären. Sie sagen nicht mehr und nicht weniger als Jirmias (2,2): „Ich gedenke dir der Tage deiner Jugend, deiner hingebenden Liebe, deines Gehens, mir nach, in die Wüste, ins unbesäte Land." Nur sagen sie dasselbe in umgekehrter Richtung. Von sich sagt G'tt: Ich habe am Tage des Auszug aus Aegypten dich, Israel nicht um Opfer und Gaben gebeten. Erst solltest du, wenngleich verdienstlos, befreit sein. Jer. 7,22/3: Am Auszugstage verlangte ich nur Gehorsam und Vertrauen. Erst nach der Erlösung, erst am Sinaj wurde Israel endgültig auf das Gesetz verpflichtet. So hat auch Israel den Weg ins Ungewisse ohne Fragen nach Wohin und Wie angetreten und ist G'tt aus dem gleichen reinen Vertrauen gefolgt, das auch G'tt dem Volke bewies, das er ohne vorherige Gesetzesbefolgung erlöste. Auch die Gemeinden und Thoralehrer der Gegenwert müssen in diese Harmonie des Vertrauens einstimmen, deren Lied Israels Geburt umllang. Wir müssen helfen, helfen, helfen. Wenn schon vor dem Kriege die Regel galt: „Fragt nicht den Nehmer sondern den Geber nach seinem Arbakanfoth", — so um so mehr in der schweren Gegenwart. Das Vertrauen des Volkes, der Bedürftigsten ist auch in Israel zu seinen Führern erschüttert. Immer beargwöhnt der vom Schicksal Getroffene den Sachwalter des Wohltuns, ob er nicht Religion sagt und Kattun meint. Da gibt es für den, der im Namen der Thora hilft, nur das höchste Gebot sachlichster Gerechtigkeit. Jeder Thorabefolger hat ein Kapital an — Selbstbescheidung, das ihn zum Helfer befähigt. Um des g'ttlichen Namens willen sei in solcher Zeit ernst gemacht mit den Worten pDvnFv v,”» das nicht heißt: Am Seder werde Hausmission für Antiquitätenliebhaber getrieben, die in sorgloser Schrulle auch einmal für angestammte Bräuche schwärmen wollen. Sondern: der arme und dürftige Bruder habe seinen Platz am Tisch des Bruders, der noch eine Mazzo übrig hat, und da mag den Nehmenden die Nachprüfung seiner bisherigen „Opfer" erspart bleiben. Die Gebenden dürfen im Sinne Jesajas Vertrauen zu den Kindern Abrahams, Isaaks und Jakobs haben, daß ihnen brüderliche Gemeinde- und Privathilfe im Gemüt und im G e i st e wohltun und ihren mit G'tt, dem Gerechten, hadernden Sinn umstimmen wird. Um des g'ttlichen Namens willen, seien wir in Gemeindestuben, Vereinskomitees und Familienhäusern zur Linderung aller diesjährigen Not bereit. Das Vertrauen wird uns gelohnt werden. Das Vertrauen zu den Wortführern des G'ttes der Väter wird wieder aufblühen und alle Sünde und Krümmen der Gegenwart um des g'ttlichen Namens willen schwinden. G'tt mag Pessach das „Mazzothfest" nennen, an dem wir einst aus Mstrajim vertrauend mit unfertigem Teige zogen. W i r müssen den Festesnamen der Thora demütig ungebraucht lassen und das Fest Pessach, gnadenvolle U e b e r s ch r e i t u n g , nennen, denn wir bedürfen alle der Gnade, damit das Herbe der Zeit an uns vorbeischreite. Möge sie bald an uns vorbeigeschritten sein — Einst und jetzt. Von Rabbiner Dr. Michalskt in Karlsruhe i. B. Nacht war gebreitet über Israel, Todesnacht ihm angedroht. Homon hatte den Untergang der Juden beschlossen, Verzweiflung hatte ihrer Herzen sich bemächtigt. Mordechai suchte nach einem Rettungsanker. Die Furcht in den Herzen erschien ihm als Sünde. Hat doch nur dort, wo das G'ttesvertrauen entwichen, lähmende Furcht sich ins Herz geschlichen. „Nur Sünder beben." (Jes. 33, 4) Da tönte ihm Beruhigung aus Kindermund, als ein Kind er befragte, welchen Vers es in der Schule gelernt? „Fürchte Dich nicht vor plötzlichem Beben, vor dem nahenden Ansturm der Frevler." (Mischle 3,25) Das Menschenherz ist nicht immer so stark, das Beben ist noch Grund nicht zum Fürchten?) Mordechai sah, daß noch nicht alles verloren, er suchte nach Mitteln zur Rettung. Und er ging hinaus in die Stadt und er schrie laut und bitterlich." Was rief er? „Höher steht Homon als Achafchveraufch"(i"v nl"rv). er unternimmt, woran der König niemals denkt (vv ’"sn) Nicht suchte Mordechar Audienz beim König, Homons Einfluß war zu stark, er beherrschte i) Vgl- ’J* om»-

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