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Der Israelit · 1932-03-10 · Heft 11 (10.3.1932) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 11 (10.3.1932)
Date
1932-03-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 11 Der Israelit 10. März 1932 Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf der „Israelit“ für den Monat April Wird dies versäumt, so tritt eint Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davor erhalten. Für verspätete Bestellungen rechne; die Post einen Aufschlag von 20 Pfg Verlag des IsraelitG.m.b.H., Frankfurt a.M. Fünfzig Jahre Telfcher Jefchiwa. Von S—b. In diesem Winter darf die Tclschcr Ieschiwa aus 50 Jahre ihres Bestehens zurückblicken. Cs ist eine besondere Pflicht all derer, die auch in Deutschland direkt oder indirekt sich als Beeinflußte und Erzogene dieser Anstalt fühlen, in Dankbarkeit ihr ein treues Gedenken zu widmen. Die ersten zagen Anfänge dieser für die Entwicklung des litauischen Judentums und somit auch des weltjudentunrs so überaus beeinflussend wirkendurch hat er mir einer beispiellosen Treue diesem Amte vorgestanden. Ulan kann sich heute kaum mehr einen rechten Begriff davon machen,was damals an mTDa L>2l-Bereitschast für die innere und äußere Ansgestaltmlg der Ieschiwa von Rabbi Elieser „Telscher" ausgebracht worden ist. Seine persönliche Bedürfnislosigkeit war sprichwörtlich. (Einmal gab er einem armen wen scheu seinen silbernen Sabbatleuchter, damit dieser einen Wertgegenstand besitze, gegen dessen Verpfändung er sich ein Darlehen zu verschaffen vermochte.) Seine halachische Gelehrsamkeit, die von ganz eigenartiger methodischer Bedeutung und Größe war, hat ihren Riederschlag in einem groß angelegten uinfasscnden Responsenwerk gesunden, das nach seinem Ableben unter dem Rainen •htt rmwn« erschienen ist. Hniciseiner unermüdlichen, hingebungsvollen Führung wurden ganze Geschlechter von jüdischen Führern herangebildet, wuchs das Ansehen dieser Anstalt von Jahr zu Jahr. Im Jahre 1910 übernahm der Schwiegersohn des Rabbi Elieser, Rabbi Josef L. Bloch s. 21. als dessen Rachfolger Rabbinat und Führung der Ieschiwa. Rabbi Bloch hatte sich schon früher jahremaschigen Gewebe mit einer öenkerischen Helle, die staunen läßt. Rabbi Elieser Gordon hatte nach heftigem Widerstand den 7N u s s a r in die Ieschiwa eingesührr. Dieser Telscher Rlussar bekam unter Rabbi Josef Löb Bloch seine eigene kabbalistisch gefärbte Rote, wurde philosophisch fundiert und ausgebaut zu einem immensen Riesenbau jüdischer Lebensanschauung und Weltweiöhcit. viele Tausende von Schülern sind im Laufe der Jahrzehnte von der Ieschiwa herangebildet worden zu Thoragelehrten besonderer Prägung, zu Führerpersönlichkeiten von eigenen! Wert. Einer der bedeutendsten Gestalten, die auch für die jüdische Erziehung in Deutschland von nachhaltigstem beispielgebendem Eindruck blieb,-war Rabbi 21. C. Kaplan s. A., der vor etwa 7 Jahren mitten aus seinem Wirkungskreis als Talmuddozent des Berliner Rabbinerseminares dem deutschen orthodoxen Judentum durch den Tod entrissen ward. Die beiden Führer der Ieschiwa waren bis vor zwei Jahren: Rabbi Josef Löb und Rabbi Ehaim. Beide Gaonim alten Schlages und doch beide von ganz. Kng beratend und lehrend unter der Leitung seines ^rsckiedenarligem riaturell, TeiNperameut, verschiede. Schwiegervaler« als zweiter,-in'»-'VN-, betätigt, setzt „„ Geisteshat,nng und Forf-bungsmetbode, Jeder in wurde er ihr cigcnttichcr Rektor, AK Zweiter LtN-i in er Art eine gewaltiges weitausbolende rabbin-i'---wirk,- auch an der ^eschiwa Rabb, Schimon Nische Persönlichkeit, Der erste abgeklärt und grübelnd, vchkop n-°'^.der heule der b-ruhm en Grodnoer Philosoph -und Musikalität, und dei Iesmiwa vorsteht, bis zum Jahre 1904. von dann - J - ' - ' - ' ' ’ an übernahm Rabbi Ebaim Rabbinowitz s. 21. dessen Amt. Es ist unschwer zu begreifen, daß die Telscher den rn'izp sehen bis in das Jahr 1875 zurück. Einer Ieschiwa unter all' diesen gefeierten Eorx'phäen des jener großen opferwilligen Persönlichkeiten, an denen ja das vergangene Jahrhundert so reich war, der Millionär O. Lach mann aus Berlin, legte den Grundstein zu einer Thoraschule in Telsche, übernahm die Verpflichtung für alle geldlichen Belange der Ieschiwa' fürs erste zu sorgen. Die beiden Führer der jungen 2lnstalt waren damals: Rabbi Weier 2ltlas s. 21. (später berühmter Raw in Schaulen) und Rabbi Zwi Jakob Oppenheim s. 21., der dann später zum Rabbiner von Keime gewählt wurde. Beide waren in der gesamten jüdischen Welt als Thoragelchrte gefeierte und anerkannte Persönlichkeiten. Ein viel jüngerer Talmudgelehrter, der zur damaligen Zeit unentgeltlich an der Ieschiwa unterrichtete, sei noch genannt: Rabbi Salmon 2lbel s. A.; als einem jüdischen Gelehrten großen Formates, der leider ganz jung verstarb und der von der jüdischen Oeffentlichkeit längst vergessen ist, wird ihm in der Telscher Ieschiwa ein dankbares Gedenken bewahrt. Der „offizielle" Beginn der Ieschiwa datiert vom Jahre 1882, als der Gaon Rabbi Elieser Gordon s. 21. mit dem Rabbineramte in Telsche auch die Leitung der Ieschiwa übernahm. Fast 30 Jahre hintalmuöischen Forschens immer mehr und mehr zu einem Institut von hoher, heiliger Bedeutung für die jüdische Welt sich entwickelte, die ihm niemals ihre Hochachtung und 2lnerkennung versagen konnte. Eine 21tmosphäre besonderer Eigenart lagerte über dieser Ieschiwa, etwas was sie heraushob aus dem herkömmlichen Rahmen des litauischen sogen. Ieschiwamilieus. Sie ist bis heute noch die einzige unter den großen litauischen Lehranstalten, die in einem streng durchgeführten Vier-Klasscns^stem unterrichtet, die einzige Ieschiwa aber auch, die dem Zwang der Regierung und der Verhältnisse nachgebend für die unteren vorbereitenden „Rlechina" oder müf? N2'D'-Klassen einen profanen Lehrplan in ihr Unterrichtsprogramm mireinbezogen hat. Vornehmlich jedoch kam der eigenartige Telscher „Stil" in der Lehr- und Lernmethodc zum Ausdruck. Cs ist schwer, dem Außenstehenden einen verständlichen Begriff von diesein 7Y7 zu vermitteln. Ein Eindringen und ein Ringen um das innerste Wesen der talmuöischcn Begriffe und Axiome, ein großzügiges Analysieren verfchlungenster talmudischer Rleinungskämpfe, ein nuanciertes Fixieren all' jener zahlreichen halachischen feinandere sprühend, begeisternd von mitreißender Unkompliziertheit. Dies zeigte sich auch in der Art ihres Auftretens; dieselbe Gegensätzlichkeit, die beileibe keinen Widerstreit bedeutete, sondern nur Crgän - z u n g, die von den Talmidim heilsam und aufregend zugleich empfunden wurde. Der Heimgang dieser beiden Großen bedeutete einen tiefempfundenen Schlag für die Ieschiwa, den zu überwinden, ein ganz großes Aiaß von Ursprünglichkeit und geistiger Zähigkeit erforderte. Die beiden „Häupter der Ieschiwa", die fast in einem Jahre davon gegangen waren, hatten damit keinesfalls zu wirken aufgehört; ihre Söhne haben die geistige und ökonomische Führung in die Hand genommen und widmen sich dieser entsagungsvollen Verpflichtung mit Hingebung und Treue sondergleichen. Rabbi Awrohom I. Bloch und Rabbi Csriel Rabbinowitz, beide noch jugendliche Männer, beide von derselben demütigen Unerbittlichkeit beseelt, die sie von ihren heiligen Eltern geerbt haben, verwalten sie das ihnen überantwortete 2lmt mit Hincinbezichung all dessen, was ihre großen Väter gewirkt und geforscht hatten, das ihrer eigenen Initiative und ihrem eigenen produktivsein innig wesensverwanöt ist. Wer heute nach Telsch kommt, diesem verkrümmten Städtchen mit echt litauisch-jüdischem Gesicht, an einem jener baltischen Seen gelegen, die entstanden sind aus einer Verquickung glücklicher Unkultiviert- Von Oberrabbiner Josef I. Deutsch in Balassa-Gyarmat.*) Die Krone der Thora _ Vorliegendes posthumes und umfangreiches (es umfaßt 332 Seiten Quart) Magidus-Werk des vor einigen Jahren verstorbenen Oberrabbiners zu Balassa-Gyarmat, R. Josef I. Deutsch s. 21., der zu den hervorragendsten orthodoxen Rabbinen in Ungarn zählte, verdient die größte Beachtung seitens interessierter Kreise. Zahlreiche Stellen haben wohl einen chassidisch-kabbalistischen Einschlag, auch wird an vielen Stellen mit Zahlendeutungen operiert, doch kommt auch der Freund vom einfachen schönen Magiduth aus seine Rechnung. Als Beispiel hierfür wollen wir folgende schöne Erklärung zum heutigen Wochenabschnitt anführen: Es heißt: vnsn r-v o’-an ns ao’i ynsn i-rr nnyn ns irw npi rmn by nnsan nrr ]n’i „Er nahm und gab das Zeugnis in die Lade, gab die Stangen an die Lade und gab den Deckel oberhalb auf die Lade." Die Reihenfolge scheint etwas auffallend zu *) Aus dem Magidus-Werk n-u p des Heimgegangenen Verfassers. Das schön ausgestattete Werk ist erhältlich beim Sohne und Amtsnachfolger des Verfassers: Herrn Oberrabbiner Deutsch in Balasfa-Gyarmat, Ungarn, Preis: 4 Pengö. sein. Gehört doch der Deckel selber zur Lade, während die Stangen nur ein äußerliches, zum Forttragen der Lade notwendiges Mittel waren. Und so hätten wir erwartet, daß man z u e r st den Deckel auf die Lade, und nachher erst die Stangen an die Lade geben soll. Dieselbe Frage taucht auch in der vorigen Sidroh (Kap. 37, V. 1 u.» f.) auf. Auch hier wird zuerst von der Bereitung der Lade und den Stangen, und daß man diese Stangen an ihren Platz brachte, und dann erst von der Bereitung des Deckels berichtet. Schon der bemerkte, daß die in den Ringen an der Lade sich befindenden Tragstangen ^nsn vn pnsn nwatsa aus diejenigen Hinweisen, die wohl selber ihr ganzes Leben nicht dem Studium der g'ttlichen Lehre weihen können, sich aber bestreben, die materiellen Lasten und «argen der Lomde Thora, der Thorabeflissenen auf sich zu nehmen, damit diese sich ungestört ihrer heiligen Lebensaufgabe widmen können. Nun, auch diese „Tragstangen", diese Träger der materiellen Existenz der Thoraforschung, haben ihren Anteil unmittelbar neben der Lade, den eigentlichen Trägern des Thorawissens. Sie sind unzertrennbar mit denselben verbunden und haben auch ihren Anteil an dem ewigen Leben derselben. Wie wir eine solche „Arbeits"- aber auch „Lohn"-Teilung nach der Ueberlieferung von den beiden Stämmen Jssachar und Sebulun wissen. Und wie im Talmud der große Lehrer Simeon mit der Bezeichnung „der Bruder des Asarjah" erwähnt wird, weil letzterer es mit seiner materiellen Unterstützung ermöglichte, daß aus seinem Bruder ein großer Thoralehrer geworden ist. Im Gegensatz zu letzterwähntem Falle wird aber im Traktat Sotah, Fol. 21, berichtet, daß der reiche' Bruder Schabna des großen Tannaiten Hillel, denselben solange derselbe noch unbekannt war und in größter Not und Bedürftigkeit lebte, nicht unterstützte. Erst als er hochgefeiert und Nassi, Oberhaupt des Sanhedrin geworden ist, wollte auch der Bruder Schabna ihn materiell unterstützen, um einen Anteil an der einstigen Belohnung für das Thorastudium des Bruders zu haben. Da aber ertönte eine himmlische Stimme, ein Bath-Kol: „Und wenn jemand auch das ganze Vermögen seines Hauses für die Liebe geben will, so wird er verschmäht!" Schabnas Selbstbesinnung kam zu spät. Denn schon prangte der „Kesser tauroh", die Krone der Thora über Hillels Haupt und er war nicht mehr auf die materielle Förderung seines Bruders angewiesen. Nun hatte Bezalel auf Anordnung G'ttes auch einen am nt, einen goldenen Kranz oberhalb der Bnndeslade zu machen. Dieser Kranz war ein Hinweis auf die „Krone der Thora". Dieser goldene Kranz war aber erst dann als ein Kranz, als eine die Lade überragende Einfassung zu bemerken, da man schon den Deckel auf die Lade gelegt hatte, und die äußere goldene Bedeckung der hölzernen Bundeslade auch über den Deckel hervorragt. (Siehe Raschi II, 25, 11). Die Thora befiehlt aber, daß man die Stangen in die Ringe an der Lade setzen soll, bevor noch der Kesser Tauroh, der goldene Kranz über der Lade der Thora als an: nr erkenntlich war. O, Ihr Begüterten und mit irdischen Gütern Reichgesegneten handelt nicht nach dem Beispiel des Schabna; wartet nicht, bis „die Krone der Thora" über dem Haupte des Thoragelehrten strahlt, bis er sich bereits einen großen Ruf erworben hat und ohnedies vor dem Hunger geschützt ist! Sondern fördert und unterstützt auch den nach der „Krone der Thora" erst Strebenden, damit er nicht auf dem steilen Aufpfade vereinsame und sein Ziel nicht erreichen könne! Damit es nicht zu spät für ihn und für Euch sei! ... Rabb. Ph. F. in S.

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