Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 10 (3.3.1932)
- Date
- 1932-03-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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3. März 1932 Der Israelit Nr. 10 Seite 7 zu fragen ist, warum man sich fast, nirgends danach richtet. B. St. Weiter wird uns geschrieben: In den Jahren rreri wo der erste Tag naan auf nsv fällt, man also am naran nam schon die Brrmw'i W'i rntjan, gesagt hat, sagt man ’iipa 'a die moan- Demnach ist es richtig, wenn die oWnivan in den -no nr-ieann ausgenommen ist. Die maiyn nx^ap. die für das laufende Jahr gilt, tritt nur selten ein. In diesem Jahrhundert nur noch zweimal. David Ginsberger. Gleiche oder ähnliche Mitteilungen gingen uns zu von den Herren: I. S., B. Wolff, Ruhelehrer in Aurich, Samuel Joffelowski, Memel. - Die wirtschaftliche Lage in Erez Jisroel. Eine Warnung. Die Ausführungen des Herrn Meanchem Lewinski in Nr. 5 dürften in ihrem Ton zu optimistisch gehalten sein. Ich möchte sehr wünschen, daß besonders gebildete orthodoxe Familien kämen; denn solche Familien sind für den jüdischen Aufbau des Landes die dringendste Notwendigkeit. Es dürfen aber keine Illusionen erweckt werden, die nachher Enttäuschungen erfahren. Man kennt hier nicht den Blick auf den lieben Nächsten und stellt daher, wenn es notwendig ist, seine Ansprüche an Wohnung, Kleidung und Lebensführung auf ein Minimum ein. Nur auf dieser Grundlage existiert die überwiegende Mehrheit der Juden Palästinas. Aber es gibt unter diesen auch noch genug, die trotz aller Bemühungen auch das Minimum nicht erreichen. Die meisten Existenzen sind Zwergexistenzen, bei denen das geringste Unvorhergesehene das Gleichgewicht zu stören vermag. Die meisten Berufe sind überfüllt. Man muß etwas Neues bringen oder besondere Tricks verstehen oder Glück haben, wenn man als Neuer auf dem Gebiete des Gefchäftslebens Beachtung erzwingen will. Die gegenwärtige lebhafte Bauperiode — wohl veranlaßt durch das Fallen des englischen Pfundes gegenüber dem Dollar — kann wie vor sieben Jahren plötzlich aufhören, und dann sind die vom Baufach lebenden heutigen Existenzen schon in Not. Wer kommen will, bringe keine Möbel mit und richte sich proletarisch und nicht bürgerlich ein. In allem haben hier die aus Rußland Stammenden den Vorrang, sie beherrschen den Beamtenapparat und bevorzugen ihre Kreise. Dann macht sich der überwiegende Einfluß der Arbeiterpartei geltend. Das geht so weit, daß z. B. die Zionistische Organisation und sogar die bürgerlich verwaltete Stadt Tel-Awiw einen Teil der Beamtengehälter in Gutscheinen der Konsumgenossenschaft der Arbeiter bezahlt und dadurch hunderte schwache Existenzen noch schwächer macht. Noch im vorigen Jahre sind im Rahmen der Jewish Agency, d. h. der zionistischen Organisation, Spitzengehälter bis zu zweihundertfünfzig Pfund monatlieb gezahlt worden. Es ist eine Tatsache, daß die palästinensische Judenheit bisher nicht das Glück hatte, wirklich sozial empfindende Führer für die Leitung ihrer wirtschaftlichen Angelegenheiten zu besitzen, sonst hätte niemand dieser teilweise' nur durch die Protektion der Parteimaschinerie emporgehobenen Führer mehr als fünfzig Pfund Monatsgehalt nehmen dürfen. Ist doch z. V. das Durchschnittsgehalt der achthundert Lehrer etwa zehn Pfund. Sozial empfindende Führer hätten sich auch nie zu dem von Anfang an geübten System hergegeben, gering besoldete Beamte, z. B. die Lehrer, monatelang auf ihr Gehalt warten zu lassen. Ohne die hoben Spitzengehälter hätte sich ein solches System wahrscheinlich vermeiden lassen. Männliche Personen — ohne oder mit Familien — können sich unter Umständen hier noch wirtschaftlich durchsetzen. Darin stimme ich im Prinzip Herrn Lewinski bei. Alleinstehenden weiblichen Personen ist aber das Hierherkommen unter keinen Umständen zu empfehlen. Nur die dünne Oberschicht der Beamten,'Akademiker und begüterter Plantagenbesitzer, Fabrikanten usw. kennt Hausgehilfinnen, — und die Mehrzahl dieser Kreise führt einen nichtrituellen Haushalt. Krankenschwestern und dergl. sind überfüllte, überanstrengende und schlecht bezahlte Berufe. Auch hier schöpfen im allgemeinen die Oberen in jeder Hinsicht den Rahm ab. Eines. Vermischtes. Köln, 28. Febr. Am Sonntag, den 21. Februar, fand im großen Saale der Rheinlandloge.ein Unterhaltungsabend zugunsten der Lehranstalt Talmud Thora e. B. (Hohenstaufenring) statt. Der Abend begann mit einigen einleitenden Worten des Herrn Rabbiner Dr. Wolf an die zu Hunderten erschienenen Gäste. Die ersten Nummern des Programms waren mit einigen biblischen Szenen ausgefüllt. Diese von Schülern und Schülerinnen der Anstalt vorgetragen und von Frl. Rosenbaum und Herrn Bayer einstudiert, gefielen sehr gut. Nichtsdestoweniger fanden die darausfolgenden Gesänge des Herrn Max Gurfinkel viel Beifall. Um der Stimmung des Abends gerecht zu werden, hatte man eine „Tönende Wochenschau" angesetzt, der jeder mit Spannung entgegensah. Es handelte sich hierbei um photographierte Köpfe, die durch sinnvolle Zeichnungen des Herrn Lamm und durch passenden Text und Melodien des Herrn A. Wolff zu einem humorvollen Ganzen ergänzt wurden. Der treffende Humor dieser Bilderreihe wurde mit Freude und Heiterkeit begrüßt. Auf diesen ersten Teil des Programms folgte eine Kaffeepause. Indessen wurde das Publikum durch eine Lautsprecheranlage der Firina „Radio Franken" (die sich gleich der Fa. Photo Brenner uneigennütziger Weise am Gelingen der Feier beteiligte) unterhalten. Das künstlerische Spiel des jungen Milton Wohl im zweiten Teile des Programms entlockte jedermanns Bewunderung. Nun folgte das Hauptstück „Moschiach kommt", das mit prächtigem Humor die Gemeindeverhältnisse bekrittelte, aber trotzdem ein Beifallssturm hervorrief. Es sei hier erwähnt, daß die gesamte Bühnenausstattung von Herrn Hermann Gurfinkel gestellt und gefertigt wurde. So endete die Veranstaltung zur allgemeinen Befriedigung. Es bliebe für das verantwortliche Aktionskomitee das Gleiche zu hoffen übrig. Mannheim, 28. Febr. Es hat sich merlmürdigerweise ergeben, daß gerade am Ausgang des Jubiläumssabbat für Herrn Rabb. Dr. Unna ein Lijum aus 'oa gehalten werden konnte. Rabb. Dr. Unna gestaltete diesen Sijum zu einer kleinen Familienfeier, die durch min nn des Raws, Herrn Rabb. Dr. Lauer, Prof. Dr. Leoi, Dr. Joseph Unna, Frankfurt und eines der Schiurteilnehmer, Herrn Lehrer Schottland aus Frankenthal, zur wahren mxa bv miyo gekrönt wurde. Es war eine Feier, wie sie sich ein Talmid Chochom zu seinem 60. Geburtstage nicht schöner und sinniger wünschen konnte. Bad Ems, 23. Febr. Das Erholungs- und Altersheim für jüdische Lehrer und Kantoren wird unter neuer Leitung, die Gewähr für Erfüllung aller berechtigten Ansprüche zu bieten scheint, zum Peßachfeste neu eröffnet. Anmeldungen werden sofort erbeten an I. B. Levy, Frankfurt a. M., Ravensteinstr. 5, 1. Mayen, 29. Febr. Unsere Gemeinde zählt 13 jüdische Bürger bezw. Bürgerinnen im Alter von 70 bis 86 Jahren. Personalien. Maier Allmann Karlsruhe, 28. Febr. Am Mittwoch, den 24. Februar, wurde nach kurzer Krankheit Maier Altmann abberufen. Maier Altmann, der langjährige Vorsitzende der A d a ß Jisroel in Karlsruhe, war eine markante Persönlichkeit mit unermeßlich großen Verdiensten für seine Gemeinde und sein engeres Heimatland. Karlsruhe, wie das gesetzestreue Judentum. in Baden, haben einen ihrer tätigsten und erfolgreichsten Führer verloren, was sich in der gewaltigen Beteiligung und der allgemeinen Trauer bei der Bestattung am Donnerstag, der eine unvergeßliche Gedenkfeier in dSr Synagoge vorausging, mächtig kundgab. Eine eingehende Würdigung Maier Altmanns und seines Wirkens für das Judentum der Thora folgt in nächster Nummer. Darmstadt, 29. Febr. Am 17. Febr. konnte Herr Nathan Schack ans Georgenhausen in körperlicher und geistiger Frische seinen 8 8. Geburtstag feiern. Der Jutalar war Kriegsteilnehmer in den Jahren 1866 bis 1870/71 und ist Inhaber verschiedener Kriegsauszeichnungen. Der Herr Reichspräsident von Hindenburg ehrte ihn "durch ein Glückwunschschreiben und Uebersendung seines Bildes mit eigenhändiger Unterschrift. Die Ortsgruppe Darmstadt des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten ernannte den alten Kameraden zu feinem Ehrenmitglieds und ließ ihm durch eine Abordnung des Vorstandes eine künstlerisch ausgeführte Ehrenurkunde mit den herzl. Glückwünschen für einen frohen Lebensabend überreichen. Auch der Bundesvorsitzende des R. j. F., Kamerad Dr. L ö w e n st e i n , sandte im Namen des Bundes ein in herzlichen Worten gehaltenes Glückwunschschreiben. Kattowih, 25. Febr. Am mpa #a nas?, den 12. März, vollendet Herr Josef W o l k o w s k i, seit 33 Jahren Kantor, Schochet, Mohel und Lehrer der Synagogengemeinde in Kattowitz, sein 70. Lebensjahr in voller geistiger und körperlicher Frische. Am gleichen Tage begeht Herr Kantor Wolkowski sein 50jähriges Amtsjubiläum, welches dadurch eine besondere Bedeutung erhält, daß der Jubilar bis zu diesem Tage rund 1000 Kinder in den Bund Abrahams ausgenommen hat. — Nur selten ist es einem Beamten gelungen, in einer großen Gemeinde sich so ungeteilte Verehrung zu erwerben wie Josef Wolkowski. Sein aufrechter Sinn, seine hohe Auffassung der Berufspflichten und nicht zuletzt eine geradezu sprichwörtlich gewordene Vielseitigkeit haben seinen Ruf seit Jahrzehnten begründet und weit über die Grenzen seiner Gemeinde hinausgetragen. Keine Aufgabe, welche er nicht löste, keine Lücke, die er nicht ausfüllte. — Welche Aufgabe auch an ihn herantrat, Josef Wolkowski hat sie stets gelöst und damit auch seiner Gemeinde oft Verlegenheit erspart. In Würdigung seiner hervorragenden Amtsfähigkeiten und seines Wissens ist ihm vor etwa 8 Jahren der Ehrentitel U'm» verliehen worden. — Aber auch der Mensch Josef Wolkowski hat hervorragenden Anteil an der Ehrenstellung, welche der Jubilar in seiner Gemeinde einnimmt. Ein stets bescheidenes und konziliantes Auftreten, unbedingte Gerechtigkeitsliebe und eine nie erlahmende Hilfsbereitschaft für Arme und Bedrückte zeichnen seinen Weg, von dem wir wünschen. daß der Jubilar ihn in gleicher Kraft und Gesundheit des Körpers und Geistes zum Segen seiner Gemeinde und zur Freude seiner Angehörigen gehen möge! ra? cmoyi nsa tv Schällkcippen (Untersranken), 2. März. Große Trauer hat der Tod der Frau Therese Maier bei uns wachgerufen. Was dieser Verlust uns allen, die ihr in diesem Leben nahestanden, bedeutet, ist schwer in Worten auszudrücken. Klein war die Gemeinde, in der sie lebte, aber groß mar ihr Wirken. Wer Rat wollte, wußte, wo Therese Maier zu finden war und er kam nicht vergebens. Ihr jüdisches Haus war ihr Heiligtum und doch lebte sie mit der Welt und alle modernen Fragen des Lebens waren ihr nicht fremd. Oft konnte man die Worte aus ihrem Munde hören: „Leider konnte ich nicht alles lernen, was ich wollte, aber meine Söhne und Enkelkinder sollen es tun." Und sie hatte das Glück, Söhne zu haben, die ihrer würdig sind, auf deren Arbeit sie vertrauen kann, so daß einst ihre Enkelkinder in derselben Weise jüdische Häuser bauen werden, wie sie es in so vorbildlicher Weise tat und wird dann der Geist des Judentums von Therese Maier unter uns fortleben. Wie angesehen Therese Maier am Orte selbst war, das bewies das Leichenbegängnis am 7. Adar, an dem sich nicht nur die Gemeinde, sondern auch fast die ganze nichtjüdische Bevölkerung beteiligte. Möge G'tt den Trauernden Trost spenden inmitten der Trauernden um Zion und Jerusalem. masm- Amsterdam, 27. Febr. Am 1. März schied der in- und außerhalb seiner Gemeinde wohlbekannte Herr Willy Birnbaum aus dem Vorstande der Ainsterdamer Gemeinde aus. Nach einer jahrzehntelangen Tätigkeit in Gemeinderepräsentanz und Vorstand, in der Zentralverwaltung der jüdischen Gemeinden des Landes und der Chewra Kadischa, sowie in unzähligen Institutionen, die Einzelgebieten van crion mb’aai nnay m n, geweiht sind, hält er es für richtig, seinen verantwortungsvollsten Posten, die tägliche Beschäftigung mit den wichtigsten Zibbur-Angelegenheiten, jüngeren (nicht: jugendlicheren) Kräften zu überlassen. Auch dieser Entschluß dürfte als Ausfluß seiner beispiellosen Gewissenhaftigkeit zu deuten sein, welche ihn in allen seinen Betätigunegn im öffentlichen Leben und als Privatmann auszeichnet, und die in ihm unschwer die Erziehung, welcher er persönlich bei Rabbiner S. R. Hirsch Wr, teilhaftig geworden, erkennen älßt. Die Abschiedsworte seines Wt ’m» deren er wiederholt gedenkt, und welche die Mahnung enthalten, daß das Verhalten des Schülers, Lehrer und Schule zur Ehre gereichen solle, hat er sich voll und ganz zu Herzen genommen. Als beispielgebender man bya und m-n na'*»* als ua-i mpia und non bau» als Förderer und Vertreter der Erziehungsideale und des Zibburgedankens, wie sie für den „Hirschianer" charakteristisch" sind, hat er sich unzählige Verdienste erworben. Als ona im wahren Sinne "des Wortes, bei dem Verwaltungstätigkeit als Mittel zu höheren Zwecken und im Dienste ewiger Ideale zur Thoraverwirklichung auswächst, wird man nicht leicht einen ebenbürtigen und gleich begeisterten Ersatz finden. Möge er «"',6 in ungestörter Rüstigkeit auf seine mit vam nvaa geleistete Arbeit im Deinste des bbz zurückblicken können. e^snay. Briefkasten. Abonnenten in Angarn. Unseren verehrt. Abonnenten in Ungarn teilen wir hierdurch mit, daß Einzahlungen für Abonnement auf Postsparkassenkonto Budapest uns ohne weiteres gut'geschrieben werden, falls die Zahlung P. 20.— nicht überschreitet. Bei Zahlungen über P. 20.— ist dem Postspalkassenamt eine stüherc Abcmnementsguittung oder die Abonnementsrechnung vorzulegen, woraus die Gutschrift ebenfalls ohne weiteres erfolgt. u ... Familiennachrichten. Barmizwoh: Alfred, Sohn des Herrn Max Warteljki, Königsberg i. Ostpr. Alte Snnagoge a'bpv -a. — Awraham-Erwin, Sohn des Herrn Menachem E. Lewinski, Tel-Aviv, Nachlath-Benjamim 28. mpa rav, 12. März, nem 11.45 Uhr, Hotel Sfath-Hayam. Die Woche. Abschiedsfeier für die Palästinareisegesellschaft. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe veranstaltet am Samstag abend 9 Uhr im Bereinslokale, Schwanenstr., eine A b s ch i e d s f e i e r für die Palästinareisegesellschaft der P. Z. der Agudas Jisroel. Die Mitglieder, auch Damen, sind eingeladen. Rabbiner Iehofchua Izchok Temkin in Frankfurt. Gegenwärtig weilt auf der Durchreise in Frankfurt a. M. Herr Rabb. Jehoschua Jzchok Temkin, Mitglied des Zentralrats der Agudas Jisroel in Polen, Sohn des berühmten Piotrkower Oberrabbiners Rabbi rabbinischen Welt. Rabbi Temkin Wr war Vorsitzender des Rabbinerverbandcs im österreichischen Okkupationsgebiete, Ehrenvorsitzender (naanrr'vH des ersten Rabbineroerbandes in Polen, Mitglied der nunn 'i>vu nxznn, sowie Vorkämpfer der Agudas Jisroel in Polen. Er verschied im Jahre a"a->n und hinterlieh zahlreiche Werke auf halachischem Gebiete wie wichtige gniairm mW