Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1932)
- Date
- 1932-02-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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18. Februar 1932 Der Israelit Nr. 8 Seite 7 ~öie auch der Sekretär, Herr Waldmann, hätte erfahren können, wenn er sich die Mühe genommen hätte, sich wirklich von allen Seiten Informationen zu sammeln, statt sich parteiischen Einflüssen zu überlassen. Gegen diese seine parteiische Darstellungen erheben wir den ernstesten Protest. Jedenfalls wären wir Ihrem geehrten Komitee sehr dankbar, wenn es in dem Bemühen um die Verbesserung der Lage der polnischen Juden sich vor allem mit unserer Organisation verständigen wollte, die nicht eine kleine Gruppe darstellt, sondern welche d i e Organsation der orthodoxen Juden Polens ist und welche die Sympathie der Mehrheit aller polnischen Juden genießt. Wir hoffen, daß diesem unserem Wunsche für die Zukunft Rechnung getragen werden wird." Man darf erwarten, daß eine Persönlichkeit, wie Cyrus Adler, nicht verfehlen wird, auf die Korrektur des Waldmann'fchen Mißgriffs hinzuwirken. Milderung der Zrvangssonntaasruhe in Dolen? Warschau, 12. Febr. Die agudistischen Deputierten, Overrabbiner L e w i n - Rzeszow und Minzberg -Lodz, hatten im Innenministerium eine Reihe wichtiger Konferenzen in Angelegenheit der Zwangssonntagsruhe. Wie man hört, soll es den Deputierten gelungen sein, die Regierung zu dem Entschlüsse zu veranlassen, in Kürze ein Gesetz zur teilweisen Milderung der Zwangssonntagsruhe für sabbattreue Juden einzubringen. Tieftet die Telscher Iefchirva? K o w n o , 11. Febr. In einem Aufruf, der von sämtlichen Rabbinern Litauens unterschrieben ist, wird die litauische und die Weltjudenheit zur Rettung der altehrwürdigen Telscher I e s ch i w a aufgerufen. Der Aufruf ist auf einer Rabbiner-Konferenz die vor kurzem hier zur Beratung über die Hilfswege für Telsch getagt hat, beschlossen worden. Eine große Sammelaktion wird demnächst einsetzen, und man darf hoffen, daß Litauen die Quelle seiner Kraft nicht im Stiche läßt. (Ein Artikel zum fünfzigsten Jubiläum der Telscher Jeschiwa wird in unserem Blatt demnächst erscheinen. D. Red.). Don der Beth Iakow-Bewegung in kowno. K o w n o; 8. Febr. Im großen Saale des Jabne-Gymnasiums versammelte sich nach Sabbatausgang ein großes Auditorium non Frauen und Mädchen, mit dem Zwecke, eine Beth Jakow-Schule in Kowno zu gründen und der Beth Jakow- Bewegung in Litauen den Weg zu ebnen. Frau Rabbiner S ch a p i r o eröffnet die Versammlung und Herr I. Schmuelowitz hielt ein Referat über „Die Aufgaben der jüdischen Töchter in unserer Zeit". Er bespricht all die Gefahren, die aus den neuen Strömungen für die jüdische Tochter drohen. Retten könne nur die Beth Jakow-Schule, die mit den Waffen des Wissens gegen die Auswüchse des Wissens ankämpfe. Noch mehrere Reden und Ansprachen wurden gehalten und so die Atmosphäre für Beth Jakon> bestens vorbereitet. Tfchecho Slowakei. Tagung des orthodoxen Verwaltungsausschusses. Bratislava, 12. Febr. Vom 1. bis 3. Adar tagte unter dem Vorsitz des Herrn Oberrabbiner Schreiber und des Vizepräses Ehrenfeld der Verwaltungsausschuß der orthodoxen Lande organisation in der Slovakei. Hauptgegenstand der Beratungen war die Entgegennahme der Abrechnung für das verflossene Jahr und die Aufstellung des Budgets der Landeskanzlei für das Jahr 1932. Außerdem wurde der feit langem in Beratung befindliche Entwurf eines neuen Organisationsstatutes in endgültiger Fassung zur Vorlage an die Landesrepräsentanz festgestellt. Personalien. London, 9. Febr. Chacham Dr. Moses Ga st er, der hervorragende jüdische Gelehrte und frühere Rabbiner der spanisch-portugiesischen Gemeinde in London, vollendete in diesen Tagen sein 7 5. Lebensjahr und war aus diesem Anlaß Gegenstand herzlicher Ehrungen seitens zahlreicher jüdifcker Organisationen Englands und des Auslandes. Chacham Dr. Moses Gaster wurde 1856 in Bukarest geboren, studierte in Breslau an der Universität und dem Jüdischen Theologischen Seminar und wurde 1882 Lektor für rumänische Sprache und Literatur an der.Universität Bukarest. 1885 aus politischen Gründen, insbesondere wegen seines Auftretens gegen die Behandlung der Juden, aus Rumänien ausgewiesen, ging er nach England, wo er zunächst als Lektor für stavische Sprachen an der Universität Oxford wirkte. 1887 wurde er zum Chacham der spanisch-portugiesischen Gemeinde in London gewählt, die er bis zu seiner Pensionierung (1923) leitete. Gasters wissenschaftlich-literarische Tätigkeit ist außerordentlich vielseitig. Er schrieb zahlreiche historische und philologische Werke, insbesondere zur Geschichte Rumäniens, seiner Sprache und Literatur. Aus dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums hat sich Gaster besonders als Folklorist betätigt. Gaster, der im öffentlich-jüdischen Leben in England eine hervorragende Stellung einnimmt, schloß sich frühzeitig der Chibbath Zion-Bewegung und später unter Herzl dem politischen Zionismus an. Seit einigen Jahren aber übt Gaster, der fast erblindet ist, keine öffentliche Tätigkeit mehr aus. Vermischtes. Neutra, 12. Febr. Oberrabbiner Ungar in Tyr - n a u hat sich nun endgültig zur Annahme seiner Berufung als Oberrabbiner von Neutra bereit erklärt. Die Jnftellation soll am 21. Adar II stattfinden. Breslau, 12 Febr. Am 24. Januar fand bei sehr starker Beteiligung die 12. Generalversammlung der „Chewraß Gmilus Chefsed Uinischan Aweilim" e. B. Krankenunterstützung und Minjanverein der Lessingloge statt. Der 1. Vorsitzende, Herr Isidor Lichtenberg, begrüßte die erschienenen Damen und Herren und gibt seinen ausführlichen Tätigkeitsbericht. Aus diesem geht hervor, in welch großzügiger Weise auch im verflossenen Jahre der Verein seine edlen Ziele und Zwecke erfüllen konnte. Er erwähnt dabei, daß der Verein einen Etat von Mk. 18.226.— trotz der Schwere der Zeit ausstellen konnte, und dankt bei dieser Gelegenheit allen edlen Spendern, die durch Beiträge und freiwillige Gaben, den Verein diese hervorragende Leistung ermöglicheil ließen. Der Verein benutzte das Geld, um bei verarmten, würdigen Glaubensgenossen nach Möglichkeit Not und Elnd zu lindern, um Kranke durch ärztliche Behandlung, Medikamente und Kurbeihilfen zu heilen, kleine Existenzerl durch Beihilfen und Darlehen zu stützen, um kranke Herzen und Gemüter aufzurichten. Neben großen Barunterstützungen wurden 621 Lebensmittelpakete und ca. 400 Ztr. Kohlen ausgegeben. Ferner erwähnte der erste Vorsitzende, daß in 101 Trauerfällen durch Mitglieder des Vereins ehrenamtlich das Minjan gestellt wurde, um auf diese Weise den Trauernden die Möglichkeit zu geben, getreu der Ueberlieferung, die Trauerwoche abzuhalten. Die Herren Wilhelm Kober und Elias Freund dankten namens der Versammlung dem Vorstände für seine Tätigkeit. Dei Herren Jakobowitz und L e w e k berichten, daß sie als Kassenrevisoren die Kasse geprüft und diese in bester Ordnung befunden haben. Sodann wird dem Kassenführer sowie dem Vorstände Entlastung erteilt. Da der bisher sehr bewährte erste Vorsitzende, Herr Isidor Lichtenberg, infolge anderweitig starker Inanspruchnahme zum größten Bedauern, trotz besten Zuredens sein Amt als 1. Vorsitzender niedergelegt hat, wird Herr Ludwig Neumann / der sehr geschätzte Führer und Mitbegründer des Vereins, als 1. Vorsitzender per Akklamation einstimmig gewählt. Die anderen Vorstandsmitglieder werden per Akklamation wiedergewählt. Demnach setzt sich der Vorstand wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender Herr Ludwig Reumann, Herr Adler, Ehrlich, Dr. Gluskinos, Lichtenberg, Lichtenstein, Ludnowsky. Seidman, Sichel, Schuftan, Unikower. Nach diesem Wahlgange entspann sich eine längere Debatte über das Wohl des Vereins. Zum Schluß der Generalversammlung wünscht Herr Reumann, daß sich auch in Zukunft unter den Mitgliedern, sowie unter allen Glaubensgenossen der Synagogengemeinde Breslaus reges Interesse für den Verein entwickeln möge. =========_ Familiennachrichten. Barmizwoh: Alexander, Sohn des Herrn Baruch Messerer, Frankfurt a. M., Baumweg 211, 27. Februar avn ’s'mü, Synagoge Friedberger Anlage. — Philipp, Sohn des Herrn Eli Posen, Frankfurt a. M., FIchtestr. 8II, 27. Februar, nvn '3 nav, Synagoge Friedberger Anlage. Briefkasten. Zr. N. in Al., Ihrem Wunsche gemäß weisen wir erne auf die allgemein gültige religionsgesttzliche Vorhrift hin, am Margen nach dem Erwachen keine 4 Ellen ieit vom Bette aus zu gehen, ohne vorher des vorschriftsräßige 3malige Begießen der Hände vorgenommen zu aben. Diejenigen, die es mit den Religionsvorschriften ewissenhaft nehmen, treffen daher stes Vorkehrungen, daß e unmittelbar an ihrem Lager die entsprechende Wasch. elegenheit vorfinden. . r , . Prediger A. t« <$., über Bezirksoersammlungen des I V. gehen uns offizielle Berichte vom Büro des C. V. u, die von Zeit zu Zeit erscheinen , _ „ _ .. W. in A. K., Wir verweisen auf Wolf Heideneim vwrvn 'vsva (Rödelheim 1808). A. ZS. in Sir., Fr. 150.— empfangen. Kikdesyeim, Die Barmizwoh ist am 26. Aug., n^sus» 's. Anfrage: In den meisten wvwn, auch z. B. in M. Hirschs fvnusn, steht unter: i3in»3 pa 31-23 p3 /O'UBüKn anwa pps -btt ■>3lpsi> l’TBB»?N '33 o'i-pv 'S mbH OK 33 K (d. h. lli-vri) i>vj?'i 'S i>v „m»n V2'1". Hiernach würde o^vni niemals gesagt, wäre also zwecklos abgedruckt. Denn i3in»3 ist mps i>vp'i immer ms 'b oder vinn 's, und msn ist mps entweder O'i-pv 'b bzw. vinn 'b (in Jahren von: Typ K"vn), oder es ist npoon, nachdem wi-pv -b auf 3np’i gefallen ist. A. Fraenkel, Kiel. Die Woche. Der siebente Adar in Frankfurt. Der Bekanntmachung der Rabbinerverbände gemäß wurde am Sonntag, den siebenten Adar, in allen hiesigen gesetzestreuen Synagogen, wie auch in den ostjüdi- Ichen Bethäusern der Taanis zumeist mit und Vm abgehalten Die Zahl der Fastenden war überall sehr groß. In der Synagoge der Israelitischen R e l i g i o n s g e s e l l s ch a f t, Friedberger Anlage, fand sich am Sonntag nachmittag um 5 Uhr eine andächtige Gemeinde zusammen, die den gewaltigen Raum, wie an hohen Feiertagen, überfüllte. Nachdem das Minchogebet mit i-mi verrichtet war, betrat Herr Rabbiner Josef Ho ro witz die Kanzel, um mit einem Hejped auf die im letzten Jahre Heimgegangenen bekannten Rabbinen eine M u s s a r p r e d j g t zu verbinden, die tiefen Eindruck hinterließ. Die Nachrufe im ersten Teile galten Oberrabb. Kalman Weber in Pistjan, Präses der orthodoxen Landeskanzlei in der Tschechoslowakei, und Oberrabb. Schlomo Salman U l l m a n n , dem Landespräsidenten von Siebenbürgen. In ergreifenden Worten gedachte er dann Rabbiner Rafael Breuers?"xr. Das 'im Talmud Rabbi Serah gewidmete Klagewort: ->32 pK mn inv p« flmnn 'ba mns '3 npi m?.-K ni> Kl 'irr wyivvv nim diente ihm als treffende Unterlage für die Charakterisierung des Mannes, der, im Lande des klassischen Thorastudiums, Ungarn, Gin i?av prr) geboren, sodann inps im Lande und im Geiste von Samson Rafael Hirsch, seine Vervollkommnung, die Harmonie seiner Persönlichkeit und seines Thora- und Weltkultur umschließenden Wesens erhielt. Unsere Stadt, seine Gemeinde und die orthodoxe Judenheit Deutschlands klagt an der Bahre dieses Frühvollendeten Pi rpn mns ni> K3 "irr- Daran knüpften sich die eindringlichen Mahnungen, nach dem Thora geböte ncn kVi Dipn «i, alle Gefühle des Grolles und Nachtragens verstummen zu lassen und einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen, um mit Aufj bietung gemeinsamer Kraft, in echter a->yi narK für die heute mehr denn je bedrohten Interessen von Gemeinde und Gemeinschaft zu arbeiten. Auf den zweiten Teil seiner Rede, der allgemein dem Mussar gewidmet war, übergehend, nahm der Herr Rabbiner die Talmudstelle zum Ausgangspunkte, wonach jede Generation einen Funken der Egelsünde in sich trägt und gut zu machen hat. Die Kardinalsünden jener Zeit und aller Zeiten heißen mvi ma-Bv »nrn? iba >i"v- Unter mr mias? hätten wir heute alle fremden Einflüsse der Umwelt, die Tagesschlagworte aller Art zu verstehen, denen schwächlich zu unterliegen, ein Vergehen gegen den jüdischen Geist bedeutet. Ins Kapitel von r-wisr iVs gehört jedes Vergehen gegen Znius, wobei Redner auch Gelegenheit nahm, die bekannten Verstöße der liberalen Rabbiner gegen die nnsv»a nivv zu geißeln, o'vi ma'Bv wird heute begangen durch Verbrechen gegen das ungeborene Leben. Auch die öffentliche Beschämung des Räch st en stellt die jüdische Religion dem Blutvergießen gleich. Jede Art von Zwischenträgerei und Uebelreden fällt in dieses Gebiet. Die Leiden und die Schickungen, die das Fasten nötig machten, sind da, daß wir G'tt suchen und finden, sie suchen uns, damit wir uns wieder finden tiks3'isa, bann wird uns der Todestag von Moses zu einem Geburtstag, zu einem Tage neuer Verjüngung, zu ipn pvv nrwvi nurr- Eine ernste Feierstunde, besinnlich und zur Einkehr anregend, schloß mit dem Maariwgebete ab. IKazzokhbestellung. Die Synagogengemeinde Israelitische Religions-Gesellschaft Frankfurt a. M. schreibt uns: Wir haben mit Rücksicht auf die allgemeine Wirtschaftslage die'Preise für Mazzoh dieses Jahr außerordentlich niedrig festgesetzt. Es kosten: Mazzos in 5 und 10 Pfund-Packungen 50 Pfg. per Pfd., Mazzos in 1 Pfund-Packungen 53 Pfg. per Pfd., Mazgomehl 57 Pfg. per Pfd., Schmuroh 95 Pfg. per Pfd. Bestellungen bis 5. März, Zahlungen bis äußerst 20. März 1932 an Friedberger Anlage 6 erbeten. Jüdischer Turnerbund E. V. Wir weisen nochmals darauf hin, daß Sonntag, den 21. Februar, das Kinderschauturnen zu Gunsten der Jüdischen Notstandsküche in der Aula der Herderschule, Wittelsbacher Allee stattfindet. Karten find, soweit sie noch nicht gelöst sind, an der Tageskasse zu haben. Wir bitten um zahlreiches Erscheinen. Helfet der Novarodoker Jeschiwolh! Die Novarodoker Jeschiwoth stellen einen ganz besonderen Typ jüdischen Geisteslebens dar. Sie haben während des Krieges durch ihre Sendboten in den furchtbarsten Nöten und Verfolgungen die sittliche Stärke und religiöse Treue des Volkes im Innern Rußlands