Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 5 (28.1.1932)
- Date
- 1932-01-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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28. Januar 1932 20. Schebat 5692 Frankfurt a. M., den Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. S® Abonnement ab Juli 1929: Deutschland ILO Mark monatlich; Ausland: Bierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutfch-Ssterretch: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 23 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 3. Holland 3 fl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Jugo» slavien 65 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27, 160 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowakei 35 Kronen; Ungarn Pengo 6 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.60 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Famtlienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 3.— Mk., vorletzte Textsette 350 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dovv. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit D. m. b. H., Frankfurt a. M , Rechneiarabenstratze 7, Tel. Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In- und Auslands. Alleinige Inferatenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt. Ostendstratze 83 Tel. 45868. Platzoorschr. ohne Verbindlichk. iahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19802. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79605. — Portsparkaifenimt Budapest Nr. 18431. — Postscheckkonto öarschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VIII7351. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 — Postscheckamt Prag Nr. 79.060 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. BR Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Februar Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Wer soll und wer kann in Palästina einwandern? Von Menachem Lewinski in Tel-Awiw. Die heutigen katastrophalen Verhältnisse, sowohl in Deutschland, als auch in anderen Ländern, lassen manchen die Frage stellen: ps» max na» Wohin kann ich gehen, wo gibt es noch eine Existenzmöglichkeit? Gar Viele richten ihre Blicke auf pH* Doch da taucht die Frage auf, we r soll und wer kann px*? sein? Welche Existenzmöglichkeiten kann v,x bieten? Existenzmöglichkeiten! Mit Recht wird man fragen, gibt es denn in neu aufzubauende Existenzmöglichkeiten? Heute, wo in der ganzen Welt ein so großer Ueberschuß in allen Berufen vorhanden ist? Heute, wo alle Länder — ihrer eigenen Sorgen wegen — ihre Eingangstore versperren? Als Kenner der palästinensischen Verhältnisse will ich versuchen, einige Anregungen zu geben, insoweit das heutige Palästina für einen Existenz suchenden Menschen aufnahmefähig ist. Ich möchte zunächst mit dem — leider am meisten begehrten Beruf, — dem kaufmännischen, beginnen. Hier muß ich gleich so manchem Hoffenden eine Enttäuschung bereiten und ihm sagen, daß für stellungssuchende Kaufleute die Verhältnisse hier nicht besser liegen, als in Deutschland. Obwohl es hier eigentlich nicht viel stellungslose Angestellte gibt, so ist es doch fast unmöglich für einen Angestellten, auf Grund von Zeugnissen, und seien es die besten, einen Posten zu finden, da immerhin bei Vakanzen genügend Bewerber vorhanden sind und unbedingt persönliche Vorstellung verlangt wird, so daß man nicht auf noch in pH5? mrin befindliche Bewerber zurückgreifen braucht. Etwas anderes ist es, wenn Jemand auf „gute Hoffnung bauend" herkommt. Es wird ihm dann fast immer gelingen, nach kürzerer oder auch etwas längerer Zeit unterzukommen. Die Altersgrenze spielt hier im Lande n"n noch keine Rolle. Man wird mit 28 Jahren noch nicht, wie man zu sagen pflegt, „zum alten Eisen geworfen". Aeltere Leute werden mit Vorliebe angestellt, da man zu ihnen größeres Vertrauen hat. Bedingung ist jedoch.in allen Stellungen die Beherrschung der hebräischen Umgangssprache. Günstigere Aussichten als für den Angestellten bieten sich für den selbständigen Kaufmann, der einiges Vermögen mitbringen kann. Die Errichtung von Fabriken (Tozeret haarez) dürfte jedoch von vornherein ausfcheiden, da heute schon fast alles Erdenkliche in ausreichender Menge im Lande fabriziert wird. Ich will nur einiges nennen: Strumpfwaren und Trikotagen (allein in Tel-Awiw ca. 20 Fabriken), Wäsche, Krawatten, Teppiche, Schuhwaren, Damenhüte, Mützen, Möbel, Maschinen, Lederwaren, Kämme, Spiegel, Korken, Keramik, Radio, Streichhölzer, Zement, chem. Präparate usw. Von diesen Fabriken entsprechen eine Anzahl europäischen Maßstöben, viele andere bestehen aber nur aus ein oder zwei Maschinen, nennen sich aber auch Fabriken, da sich jeder Besitzer einer Maschine „Fabrikant" zu nennen pflegt. Noch auszunützende Möglichkeiten bieten sich im Einzelhandel, wo es noch viele Lücken auszufüllen gibt, und man kann bei einiger Intelligenz fein Auskommen finden. Es lassen sich im Rahmen dieses Artikels natürlich nicht alle Detail- und Engros-Branchen besprechen, da auch das vorhandene Kapital hierbei eine Rolle spielt. Palästina ist noch das Land des Kleinhandels, da es dort noch keine Warenhäuser gibt, die den Mittelstand oder den Kleinhandel vernichten. Hier blüht der Kleinhandel, wobei man schon mit ganz geringem Kapital ein sehr bescheidenes, aber sorgloses Durchkommen finden kann. Dringend erforderlich wäre im ganzen Lande . die Errichtung von koscheren! Fleischereien und Bäckereien auf deutsche Art. Diese Berufe sind natürlich auch hier ausreichend vertreten. Was jedoch fehlt, das sind aufs modernste einzurichtende hygienische Fleischereien, Bäckereien und Konditoreien, nach deutschem Muster, von Fachleuten geleitet. Diese Unternehmungen würden durchaus erfolgversprechend sein, da hier, namentlich von den aus p*6 mrin Eingewanderten, großer Wert auf Hygiene und Sauberkeit gelegt wird, (an Haifa, auf Hadar-Hacarmel, existiert bereits seit einigen Jahren eine solche deutsche Bäckerei, die sich des besten Zuspruches erfreut). In Jerusalem und in Jaffa gibt es je eine deutsche Fleischerei, in nichtjüdischen Händen. Leider erfreuen sich diese eines guten Zuspruches von — Juden! Für Kapitalisten, die nicht mehr arbeiten wollen oder können, ist jetzt die Zeit günstig, ihr Kapital in Wohngrundstücken anzulegen. Diese bringen heute ein Ueberschuß von 10—15 Proz. Da das palästinensische Pfund denselben Kurs wie das englische hat, die Grundstückpreise aber vorläufig nicht gestiegen sind, bietet sich zur Zeit Kapitalisten aus valutastarken Ländern die Gelegenheit zu billigem Ankauf. Steuern sind ein ziemlich unbekannter Begriff. Es gibt keine Kapital- Einkommen-Vermögen-Umsatz-Erbfchaft- oder wie diese schönen Steuern sonst heißen. Man zahlt nur an die „Jria" (Stadtverwaltung) eine kleine, nicht nennenswerte Steuer, nach Anzahl der bewohnten Zimmer. Nun einiges über den landwirtschaftlichen Beruf, über den Beruf, von dem der Aufbau des Landes abhängig ist. Die Zahl der deutschen Chaluzim ist, auch prozentual gerechnet, nur gering im Vergleich zu denen aus Osteuropa, denn der osteuropäische Jude ist viel eher den Strapazen, die diese Arbeit mit sich bringt, gewachsen. Hier gilt es, bei tropischer Sonnenglut tagaus tagein diese schwere Arbeit, meist nur als Tagelöhner, zu verrichten, denn die hierfür berufenen Organisationen haben nur in den allerwenigsten Fällen die Mittel, die Siedler auf eigenem Boden anzusiedeln. Direkt zu bewundern sind diese Zehntausende von Chaluzim, die hier schon jahrelang durchhalten, ohne eine bessere Aussicht vor Augen zu haben. Ich weiß wohl, wie schwer die Mizwah: p»n pn wiegt, ich möchte aber jedoch ausdrücklich betonen, daß nur für den die Landwirtschaft in Betracht kommt, der die nötige Körperkraft besitzt und zu 75 Proz. nur Idealist ist. Bessere Aussichten hat der Handwerker. Wer eine gute Ausbildung als Handwerker mitbringt, kann damit rechnen, bald Arbeit zu finden. Deutsche Ausbildung wird bevorzugt. Die Bautätigkeit ist momentan sehr rege.