Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 4 (21.1.1932)
- Date
- 1932-01-21
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 1 Der Israelit Blätter 21. Januar 1932 fragen mit dem Weltverband Schomre Schabbos' auch diese Tagung ein Markstein sein wird aus und gibt bekannt, daß Hugo Heinemann, Fürth, dem Wege des Wiederaufstieges der gesetzestreuen der -in der Wirtschaftskommission durch seine be- Judenheit in Deutschland, sondere Sachkenntnis außerordentlich wertvolles Als festlicher Abschluß der Tagung fand am Anregungen gegeben hat, in der Lage sei, in Abend in der Turnhalle der Adaß-Schule, deren Bayern Lehrstätten für Handwerkerlehrlinge Räume für die Gesamttagung von der Adaß Jisnachzuweisen. roel,Gemeinde liebenswürdigerweise zur Verfü- Dr. Julius Möller-Altona regt an,! gung gestellt waren. mit den großen Konzernen (z. B. Produzenten von Pflanzenbutter usw.) in Verhandlungen zu treten, daß diese im Hinblick aus ihre große jüdische (gesetzestreue) Käuferschicht eine gewisse Anzahl jüdischer sabbathaltender Angestellten aufnehmen. Die Richtlinien bezw. Beschlüsse der Wirtschaftskommission, deren Durchführung der Sozialen Kommission der deutschen Landesorganisation, die sich durch geeignete Kräfte ergänzen soll, übertragen wird, werden in folgendem Wortlaut angenommen: 1. Schaffung der psychologischen Voraussetzungen für die Anpassung an die veränderten Wirtschaftsverhältnisse, d. h. planmäßige Aufklärung der ostjüdischen Bevölkerung durch Rabbiner, Lehrer, Wirtschaftsorganisationen, insbesondere Schomre Schabbos-Organisation. Es muß allen klar gemacht werden, daß Armut keine Schande, und daß es andererseits unter den jetzigen Verhältnissen Pflicht eines Jeden ist, feine Aufwendung für den Lebensbedarf soweit als möglich einzuschränken. 2. Es muß mit allem Nachdruck der Scheu vor einzelnen Berufen entgegengewirkt werden, soweit sie lediglich auf Vorurteilen, Z. B. Standesrücksichten beruht, etwa der Abneigung gegen den Beruf des weiblichen Hausangestellten. 3. Erhaltung der jüdischen Zentren bezw. Schaffung neuer Zentren mit billigen Lebensverhältnissen und günstigen Erwerbsbedingungen, z. B. an der Peripherie der Großstädte, in Siedlungen und Landgemeinden, evtl, unter Verwertung der verlassenen Ritualeinrichtungen. Da, wo für den landwirtschaftlichen, insbesondere den gärtnerischen Berus geeign-te Kräfte vorhanden sind, wird die Errichtung von gemeinschaftlichen Siedlerstellen, insbesondere der seldmäßige Gemüsebau zu empfehlen sein; auf Pachtland, wo nicht genügende Mittel zum Ankauf zur Verfügung stehen. Es muß jedoch auf das dringendste vor kostspieligen Experimenten gewarnt werden. Siedlungen sind möglichst an bereits auf bewährter Grundlage bestehende, sich rentierende Einrichtungen anzuschließen. eine große öffentliche Versammlung statt, die sehr starken Besuch aufwies und äußerst harmonisch verlief. Nach Begrüßung durch 'den Versammlungsleiter Rabbiner Dr. Moses Auerbach- Berlin sprach Wolf S. Jacobson-Hamburg einige Worte über den Sinn der Agudas Jisroel, über ihren doppelt gesegneten Sinn, ihre doppelt dringende Notwendigkeit in dieser schweren Zeit. Schwache Menschen läßt diese Zeit verzagen, auf den Menschen mit jüdischem Verantwortungsbewußtsein legt sie doppelte Pflichten. Postscheck - Konto Landesorganisation: Landesorganisafion der „Agudas Jisroel“ in Deutschland, Hainburg: No. 50204 Hamburg. Hierauf berichtete 4. Der Berufsberatung, sowohl für die Schulentlassenen als auch für Erwerbslose, ist mehr Gewicht als bisher beizulegen. Den Leitern der jüdischen Schulen und Talmud Thoras wird engste Fühlungnahme mit den össentlichen Berufsberatungen und den Schomre Schabbos-Stellenvermittlungen empfohlen. Der Beratung der Erwerbslosen ist besonderen Augenmerk zuzuwenden. Das Netz der Vertrauensleute ist zu diesem Zwecke durch in ostjüdischen Kreisen angesehene Persönlichkeiten zu erweitern. 5. Der Arewuth-Gedanke muß von allen leitenden Persönlichkeiten immer wieder eingeschärft und vertieft werden. Es müßte Ehrenpflicht eines Jeden sein, jede Möglichkeit, durch die er den Bruder irgendwie stützen kann, zu ergreifen. Dies gilt insbesondere beim Einkauf aller Arten von Waren und'bei allen Beschäftigungsmöglichkeiten. Den sozialen Ausgaben muß die ganze Sorge aller führenden Persönlichkeiten gewidmet werden. 6. Schaffung von billigen Verpflegungs-Wohngelegenheiten sowie Aufenthaltsräumen für Lehrlinge und Erwerbslose, evtl, unter Verwendung bestehender Heime. Schaffung von Beschäftigungs- und Fortbildungsmöglichkeiten. Für Kinder derjenigen Ellern, die durch starke Berufsinanspruchnahme, Abwesenheit vom Hause, Krankheit oder aus irgendwelchen sonstigen Gründen nicht in der Lage sind, die Erziehung ihrer Kinder selbst zu leiten, sollen ehrenamtliche Pflegerinnen aus dem Kreise der Agudo-Frauen- und Mädchengruppen die Betreuung und die häusliche Erziehung übernehmen. Darüber hinaus ist soweit möglich, eine wirtschaftliche Stützung anzustreben. Die Errichtung von Kindergärten, Jugendhorten ist nachdrücklich zu betreiben. 7. Die Konferenz befürwortet die Begründung von Handwerkergenossenschaften, wie solche vom Wettverband Schomre Schabbos vorgenommen wurde. 8. Die Konferenz richtet an die Ort-Organisätion, die große Summen aus Deutschland zieht, den Appell, für die Gründung zunächst einer Lehrwerkstätte im Industriegebiet für den sabbattreuen ostjüdischen Nachwuchs ihre Geldmittel und ihre Erfahrungen zur Verfügung zu stellen. Jacob Rosenheim schließt um 2.15 Uhr mit Dankesworten die Tagung. Wenn alle Faktoren ihre Pflicht tun, dann dürfen wir hoffen, daß Dr. Leo D e u t f ch l ä n d e r - W i e n über die Ostfahrt, die die Keren Hatorah-Zentrale jüngst veranstaltet hatte. Jede Etappe war nicht nur ein Zeugnis unverwüstlicher Lebenskraft, sie wurde auch zu einem rühmenden Denkmal der Leistungen der agudiftifchen Organisation imd> ihrer Abteilungen Keren Hatorah und Beth Jakob. Als Kind Berlins forderte der Redner die Berliner Orthodoxie auf, sich viel stärker, freudiger und rückhaltloser zur Agudas Jisroel zu bekennen, weniger nach den Mängeln zu suchen — Niemand bestreitet sie — als sich der Erfolge zu freuen und durch eigene Mithilfe immer größere Erfolge zu ermöglichen. Das Hauptreferat des Abends hielt, stürmisch begrüßt, der Präsident unserer Organisation, Jacob Rosen he im, über die Ausgabe d e r A g u d a s I i s r o e l i n h e u t i g e r Z e i t. Es ist unsere große Aufgabe, den Sinn des gegenwärtigen Weltgeschehens zu begreifen: das, was man gewöhnlich als Weltwirtschaftskrise bezeichnet, set letzten Endes eine religiös-sittliche Krise gewaltigsten Umfanges. Sich in ihr zu bewähren, aus dem Chaos den Weg zur Höhe zu G'tt zu suchen und zu finden, das ist der große Ruf der Stunde. Ihn jedem Ohr vernehmbar zu machen, die Sendung der Agudas Jisroel. Zum Schluß sprach der Referent von der Gesamtheitsverpflichtung jedes Einzelnen, von der heiligen Pflicht, über der Familie mit ihrer Not, über der Gemeinde mit ihren Sorgen die Gesamtheitsanliegen nicht zu vergessen. Möge, das war der Wunsch, 'mit dem der Vorsitzende den Abend beschloß, das Echo der Rofenheim'fchen Rede noch lange in unfern Herzen nachklingen, daß wir über der Not des Tages unsere ewigen Aufgaben, die Aufgaben an uns und für uns, die Aufgaben der Gesamtheit nicht vergessen. Erklärung. Der Esra-Berlin bittet uns, mttzuteilen, daß die Notiz in der Jüdischen Rundschau, nach der der Esra-Berlin für den Keren Kajemeth gesammelt hätte, ein Versehen der Redaktion der „Rundschau" war. Es hat sich bei den Sammlern um eine Reihe einzelner Esräer gehandelt, die sich für eine Aktion des K. K. L. zur Verfügung gestellt hatten; aus diesen hat die „Rundschau" eigenmächtig den „Esra-Berlin" gemacht. Demgemäß ist der betreffende Vorwurf in der vorigen Nummer der „Blätter" gegenstandslos. Im übrigen möchten wir bitten, daß man sich wegen Anklagen oder Vorschlägen, die den Esra betreffen, mit der Bundesleitung in Verbindung fetzt, bevor man sich an die Oeffentlichkeit wendet. Aus der Bewegung. Wien. Das Zentralinstitut für Beth Jakob Mitteleuropa, Sitz in Wien, veranstaltet, wie bereits gemeldet, worden ist, einen vierwöchigen Beth Jakob- Winterkurs 1932, der auf Wunsch vieler Teilnehmer pünktlich am 1. Februar beginnt. Einige Plätze sind noch frei. — Die Wiener Beth Jakob-Leitung hat sich zu dieser Einrichtung entschlossen, auf Grund zahlreicher an sie ergangener Bitten aus Elternkreisen, welche in Erinnerung des segensreichen Einflusses der Soborer Wochen aus ihre Kinder, wünschen, daß diese auch den Winter im Kreise Gleichgesinnter und unter Leitung bewährter Lehrpersönlichkeiten verbringen sollen. Wie in Sobor sollen auch bei diesen Winterkursen Chumesch, Tehillim, Tenach, Dinim und Geschichte betrieben werden, um vor allem so die Weltanschauung und das jüdische Bewußtsein zu kräftigen und zu festigen. — Standen die Soborer Wochen neben dem eben erwähnten Hauptzweck im Zeichen körperlicher Erholung, so sollen die Wiener Wochen den Teilnehmerinnen zugleich auch allgemeine geistige Anregung unter sachkundiger Leitung vermitteln. Sie sollen die wichtigsten Wiener Sammlungen und Museen kennenlernen, vor allem aber das jüdische Milieu Wiens, dessen Einrichtungen und Gründungen eine außerordentlich charakteristische Note aufweisen. Es ist zu erwarten, daß diese zweimalige Zusammenkunft im Jahre für alle Teilnehmerinnen von segensreicher und nachhaltiger Wirkung fein wird, und daß ebenso wie der Soborer Sommer, der Wiener Winter sich als eine Kraftwelle jüdischen Erlebens erweisen wird. — Alle weiteren Auskünfte erteilt die Leitung des Kurses: Wien II, Leopoldsgasse 26. Bratislava. Am Chanuka wurde in Senica eine neue Orts- und Jugendgruppe der Agudas Jisroel gegründet und es soll in der nächsten Zeit auch eine Frauen- und Mädchengruppe dort erstehen. Zum Cröffnungsabend war als Vertreter der Agudas Jisroel-Organisation der Slowakei Herr Jacob Joel Braun erschienen, für die Jugendorganisation Herr G. König. In einer herzlichen Eröffnungsrede gab der Gemeindepräses, Herr Schönfeld, der Erwartung Ausdruck, daß die Idee der Agudas Jisroel auch in der alten Senicaer Gemeinde zur Stärkung der Treue zum überlieferten Judentum beitragen werde. In seiner Festrede ging Herr Braun von den Hasmonäer-Zeiten aus und schilderte daran anknüpfend die geistigen und religiösen Aufgaben der Gegenwart. Das thoratreue Judentum müsse das Hauptgewicht bei seinen organisatorischen Bestrebungen aus die Heranziehung einer gefestigten Jugend legen. Diese Jugend müsse lernen die leider berghoch aufgehäuften Trümmer wegzuräumen und dem Lichte der Thora den Weg zu den Herzen und Gemütern zu wahren. Hierauf ergriff Herr Oberrabbiner W e i s z das Wort, indem er dem Redner für feine Ausführungen dankte und sich bereitwilligst in den Dienst der agudiftifchen Bestrebungen stellte. Antwerpen. K. A. Der im Osten gut bekannte jüdische Dichter und Schriftsteller Elieser Schindler aus München, der sich auf einer Tournee über Belgien, Frankreich und England befindet, besuchte auch die Jefchiwa in Heide bei Antwerpen. Herr Schindler wurde vom Rosch-Jeschrwah, Herrn F. S ch a p i r a , sowie von der Leitung der Jeschiwah in Anerkennung seiner schöpferischen Leistungen für das orthodoxe Judentum im Osten freundlichst ausgenommen und aufs herzlichste begrüßt. Der Gast verlebte den 'wi 'a naw im Kreise der Jeschiwah, und trug viel zur Hebung der frohen Stimmung bei. Am tpsi» hielt Herr Schindler einen Vortrag in der dortigen Aulim-Gruppe „Lmaan Hoemes". Breit und tief entwickelte er den Grundgedanken der Aulimidee und zeichnete klar und deutlich ihre Bestrebungen und Ziele. Der Aulimgedanke, führte der Redner aus, fei ein besonders geeignetse Mittel zur Selbsterziehung und zur Erneuerung der schöpferischen Kraft des Judentums selbst in der heutigen von Unglaube und Unmoral vergifteten Zeit. Die Ausführungen haben bei den jungen Aulim einen tiefen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen, die dem Redner dadurch dankten, daß sie das herrliche von ihm verfaßte Aulimlied anstimmten. — Am Sonntag, den 17. Tewes, hielt Herr Schindler einen Vortrag in der Bnos-Agudas Jisroel- Gruppe in Antwerpen. Auch dieser Vortrag, in dem der Redner klar und eindeutig die großen Aufgaben der jüdischen Tochter in der heutigen Zeit zeichnete/ würde mit großer Begeisterung ausgenommen.