Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 4 (21.1.1932)
- Date
- 1932-01-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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*Bf aller der Landesorganisation der Agudas-Iisroei in Deuifcfiland. 8. Jahrgang Hamburg, 21. Januar 1932 / 13. Schebat 5692 Nummer 1 Schriftleitung: Wolf S. Iacoöson in Kamöurg. Siedlungen für Erwerbslose. Rundschreiben an die Agudas Iisroel-Orts- und Iugendgruppen in Deutschland. Bekanntlich sieht die Notverordnung eine Reihe von Maßnahmen vor, die daraus gerichtet sind, die Lage der Erwerbslosen durch Kleingartenbau, Kleinsiedlung und Randsiedlung an der Peripherie der Großstädte zu erleichtern. Während ans gesetzestreuen Kreisen wohl wenig Interessenten vorhanden sein werden, die für die hauptberufliche Kleinsiedlung als Kleinbauern in Betracht kommen, dürfte es zahlreiche, insbesondere jüngere gesetzestreue Erwerbslose geben, für die die Beteiligung am Kleingartenbau, insbesondere aber an den vorstädtischen Siedlungen, eine fühlbare Erleichterung der Wirtschaftslage bedeuten würde. Bei diesen Randsiedlungen werden den Erwerbslosen Häuschen mit je einem Wohnzimmer, zwei Schlafzimmer und Stall gebaut, bei denen der Mietpreis.etwa Mk. 180.— jährlich beträgt. Die Form, in welcher die Siedlungen von den einzelnen Städten durchgeführt werden, ist nicht überall gleich. Von unserem Standpunkte aus kommt es darauf an, daß bei den Randsiedlungen möglichst eine geschlossene Gruppe von religiösen jüdischen Siedlern gebildet wird, so daß sich ein gewisses religiöses Gemeinschaftsleben entfalten kann und ferner daß, soweit dies nicht möglich ist, gesetzestreue Siedler wenigstens an solchen Stellen angesiedelt werden, von denen aus sie nicht allzu entfernt von einer nahegelegenen jüdischen Kleingemeinde sind. An den meisten Orten haben sich die Ortsgruppen des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten der Vertretung der jüdischen Interessenten angenommen, und wir möchten, um eine Zersplitterung oder Gegeneinanderarbeiten zu verhüten, empfehlen, sich mit diesen Gruppen in Verbindung zu setzen und in Beratung mit ihnen die Interessen der religiösen jüdischen Bewerber zu wahren. Auch würde es Aufgabe der am Orte befindlichen sabbattreuen Stellenvermittlungen sein, die von ihnen betreuten Erwerbslosen auf die Vorteile, die ihnen die Siedlungsverordnung bietet, aufmerksam zu machen und ihnen die nötigen Instruktionen zu erteilen. Da es in vielen Fällen notwendig sein wird, von einer zentralen Stellemus die religiösen Interessen gegenüber dem Reichsbund und sonstigen Verbänden, die sich mit der Sache befassen, zu vertreten, so bitten wir Sie, alle Bewerber und Interessenten zu veranlassen, entweder direkt oder durch Ihre Vermittlung ihre Adressen gleichzeitig auch Herrn Dr. Nathan B i r n b a u m in Berlin - Charlotten bürg, Sybelst r a h e 3 5, aufzugeben, den wir beauftragt haben, die nötigen Verhandlungen mit den zentralen Stellen der Verbände zu führen. Da die Angelegenheit aber in vielen Städten bereits ziem? lich weit gediehen ist, so soll gleichzeitig mit der Meldung an Herrn Dr. Birnbaum auch die lokale Rücksprache mit dem Reichsbund erfolgen und evtl, die sofortige Meldung bei den in Betracht kommenden städtischen Stellen. Soweit den Orts- und Jugendgruppen eine direkte Information über die technischen Voraussetzungen des ganzen Siedlungswerkes erwünscht sind, so können sie die erforderlichen Drucksachen zweifellos ohne weiteres von dem für sie zuständigen städtischen Siedlungsamt oder einer ähnlichen städtischen Stelle erlangen. Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland. Oberrabbiner Dr. S p i tz e r Die Leitung der Agudas Iisroel- 3 ugendorganisation: S. S. Heckscher. wußtsein keine leere Phrase, sondern eine heilig empfundene Verpflichtung ist. Die Tagung war von 45 Delegierten besucht; von außerhalb waren 21 Herren gekommen, darunter Vertreter unserer gesetzestreuen Organisationen, auch „Ort" und Zentralwohlfahrtsstelle waren auf der Tagung vertreten. Der Vorsitzende, Oberrabbiner Dr. S p i tz e r, Hamburg, eröffnete um 4 Uhr 15 Min. die Tagung mit einer kurzen, eindrucksvollen Ansprache. Nach Begrüßung der Anwesenden kennzeichnete er die gegenwärtige Lage, der eine Verelendung der Massen in gewaltigem, nie gekanntem Ausmaß das Gepräge gäbe. Diese soziale Not habe bei Vielen eine tiefe Seelennot ausgelöst, eine innere Zerrüttung, die zum Glaubensgweifel, ja bei manchen bis zum H:'-h alles Religiösen sich steigerte. Das Judentum Westeuropas befindet sich in schwerster Gefährdung. Bis vor kurzem trösteten wir uns in dem Bewußtsein, daß wir im Osten Reserven haben, aus denen uns neue Kräfte zufließen würden, durch die im Laufe der Zeit auch unsere eigenen Verhältnisse gesunden könnten. Diese Hoffnung des reichen Mannes, der sich im Hinblick auf seine Reserven Ausgaben erlauben kann, ist aber vorbei. Wir sehen, daß auch im Osten die Reihen der Getreuen sich lockern, sehen, wie die vom Osten zu uns nach Deutschland Gekommenen mehr und mehr den hiesigen Verhältnissen sich assimilieren. Es ist höchste Zeit, darüber nachzudenken, wie wir die letzten Reserven, die uns noch geblieben, erhalten und bestmöglichst fördern können. Die Mittel zur Behandlung der Jugend, die Westeuropa entstammt und seinem Milieu verwurzelt ist, mögen zwar auch manchem recht problematisch erscheinen, sie sind aber geschichtlich bereits erprobt. Die heutige Konferenz gelte vor allem der Untersuchung der Frage, ob und wie weit diese Mittel auch bei der ostjüdischen Jugend, sei es daß sie im Osten geboren, sei es daß sie in ostjüdischen Elternhäusern aufgewachsen sei, angewandt werden können, oder ob für diese anders geartete, ihrer besonderen Struktur entsprechende pädagogische, organisatorische und wirtschaftliche Methoden notwendig seien. In das Präsidium wurden gewählt, außer dem Vorsitzenden: die Herren Rabbiner Dr. Auerbach-Halberstadt, Rabbiner Horowitz-Düsseldorf, Rabbiner Dr. Esra Munk-Berlin, Jacob Rosenheim-Frankfurt a. M. Namens der Gesamtleitung der Agudas Jisroel begrüßte Jacob Rosenheim die Tagung. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß ganz im Sinne der agudistifchen Idee bedeutende Führer auf Ä eutschem Boden Zusammenkommen, um über o st j ü d i s ch e Fragen zu beraten. Besonders freue ihn, daß diese Zusammenkunft einen Tag nach dem 60. Geburtstag des Vorsitzenden stattfinde, so daß er Gelegenheit habe, Herrn Oberrabbiner Dr. Spitzer gerade während seines Wirkens für die jüdische Gesamtheit diesen Dank der Gesamtheit zum Ausdruck zu bringen. Er kenne Oberrabbiner Dr. Spitzer schon seit vier Jahrzehnten; damals war Oberrabbiner Dr. Spitzer ein jugendlicher Greis im Sinne desm jpr n»Dn njpW' möge Oberrabbiner Dr. Spitzer auch im andern Sinne als jugendlicher Greis noch lange der Gesamtheit in segensvollem Wirken erhalten bleiben. Die Grüße der Keren Hatorah-Zentrale und ihrer großen rabbinischen Führer übermittelte Direktor Dr. Leo Deuts chländer-Wien. Gesellschafksreise nach Crez Zisroel. In anderthalb Monaten, im Anfang des zweiten Adar-Monats, beginnt die von der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel inaugurierte Gesellschaftsreise nach E r e z I i s r o e l, nachdem sich bereits eine genügende Anzahl von Teilnehmern aus Deutschland, Polen, Rumänien, Schweiz und Ungarn gemeldet haben. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel trägt einem von verschiedenen Seiten an sie herangetretenen Wunsche Rechnung, wenn sie die r'm Rahmen der A d a r - A k t i o n jährlich stattfindende Verlosung schon jetzt insoweit in Kraft treten läßt, als es sich um den e r st e n Preis, einer Freikarte für die Schiffahrt Triest, Jaffa und zurüF handelt. An dieser Verlosung können alle diejenigen Sammler und Sammlerinnen sich beteiligen, welche in der Zeit vom 14. Schwat 5692/22. Januar 1932 bis 15. Adar rifchon 5692/22. Februar 1932 mindestens RM. 100.— für unser Schulwerk in Erez Jisroel tn die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel direkt (Postscheckkonto Frankfurt a. M. 53 900) oder durch Vermittlung der für den Sammler zuständigen Gruppe überweisen. Sammler, welche Mk. 200.— einsenden, werden bei der Verlosung mit 2 Punkten und dementsprechend mit mehreren Punkten jeweils bei einem Vielfachen von Mk. 100.— berücksichtigt. Auch Teilbeträge können eingefandt werden und erhält jeder Sammler eine numerierte Empfangsbestätigung, die ihn berechtigt, sich an der unter Aufsicht eines Notars stattfindenden Verlosung zur Palästinareise zu beteiligen. Auf Wunsch kann die Reise auch später angetreten werden. Palästina-Zentrale der Aguda§ Jisroel, Frankfurt a. M., HanauerlaNdstraße 15 Die Berliner Konferenz. Bericht über die Berliner Konferenz am 3. u. 4. Jan. 1932 (24. und 25. Teweth 5692.) Die von der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel und dem deutschen Keren Hathora-Landesdirektorium einberufene Konferenz zur Beratung über die religiöse Zukunft des o st j ü d i s ch e n Nachwuchses in Deutschland trug das Gepräge einer Arbeitstagung; sie verzichtete absichtlich auf jeden demonstrativen Charakter, auf jedes zunl-Fenster-hinaus-re'den. Und wenn sie eine Kundgebung war, so war sie es nur in dem Sinne, daß sie den in Deutschland lebenden ostjüdischen Charedim aufs neue von der selbstverständlichen, oft aber durch äußere Umstände verschleierten Tatsache Kunde gab, daß den deutschen Agudisten ihr Klall Jisroel-Be-