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Der Israelit · 1931-12-10 · Heft 50 (10.12.1931) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 50 (10.12.1931)
Date
1931-12-10
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite L Nr. ßO D - r, I L ,r ^e l i .t ly.MezeMtzr 1931 eingedrungen . ^schumche- Besatzung überwältigt . und der 'Der'Kampfe geg«r.^W,' Juden wird ÜM'fd -härter..wieder, ausgenommen,; Wr Baruch kgnnnicht mehr mitmachen. In seiner Stiche findet ihn der Leiter. .„Du willst nicht umkehren?.! Sag', Aber im Mittelpunkt der Handlung steht das;jüdische Milieu, der Kampf der Juden und des ChassidiMabbis für die Religion der Ahnen und den . Glauben überhaupt. Denn in der Distriktsverwaltung - in :Groditfcheff ich:-, beitet zusammen mit dem Kammissar Grusin Baruch geh. Iljltsch' Oktjabrinoff, der Sohn des Rabbi Jehuda Mendel, und ist Führer, ja geistgebend für die antireligiöse Propaganda, die ihn in die Mhe dieses Kommissars und. zu angesehener Stellung geführt hat. Jetzt aber, da es gegen Saklikoff gehen soll, versagt sein Mut und seine Kraft, er sucht den Kommissar .von dem Plane, die Saklikoffer Juden in die Krim gewaltsam zu senden, abzubringen, denn er weiß, sein Vater, Rabbi Jehuda Men-- del,. würde in Saklikasf den Kampf gegen die Gottlosen aüfnehmtn und siegreich zu 'Ende führen. Hatte er doch in Saklikoff 900 nichtchassidische Juden, die sich schon für die Krimkolonisation gemeldet, an einem Abend umgestimmt. Umsonst ist das Bemühen des nichtchässidischen Rabbi Katz und seiner beiden Gemeindevorsteher Schmelke Abramowitsch und Jizchak Perzes, Rabbi Mendels Meinung zu ändern. Rabbi Jehuda verteidigt auch dem Kommissar gegenüber, als er vorgeladen wird, seinen Standpunkt: „Ohne G'tt? Es gibt nichts ohne G'tt! . . . Es 'gibt keine Gottlosen! Auch im niedersten ist der g'ttliche Funke verborgen! Der römische Kaiser Titus hat auch so.gesprochen und hat geschrieen: G'tt, der Juden, komm' herunter und kämpf' mit mir . . . Eine ganz kleine Mücke hat sich de/n Kaiser Titus in die Nase gefetzt! Immer höher ist sie gekrochen ... in das Gehirn hinein . . . bis er geschrieen hat! 'So elendiglich ist er daran zugrunde gegangen! Und das' war der große Kaiser Titus!" Und aus dem Munde dieses Kommissars muß Rabbi Jehuda Mendel erfahren, daß sein Sohn, den er seit Unruhen im Städtchen vermißt, Führer der Gottlosen ist. Und so spricht Grusin „Ein sonderbares Spiel der Natur: der Vater noch in ärgster Dummheit befangen . . . und der Sohn . . .! Bürger, wie kommst du zu einem so modernen Sohn . . Seine überzeugenden Worte gewinnen ihm das Gefolge seiner Chassidrm: „Und bleibt alle unerschütterlich! Unerschütterlich bleibt! Es heißt, die Luft des heiligen Landes macht stark! Sollen wir diese Luft nicht atmen, so wollen wir hier weiterleben — aber ohne fturdjt. Fragt doch nicht nach Brennen und Plündern. Der Ewige hat ein Heer von Seraphim und Cherubim? Nicht auszudenken ist ihre Zahl! Ein einziger .davon ist stärker als die Kommissare aller Welten! Stärker als alle Maschinengewehre und alle Giftgase." Und auch gegenüber den Nichtchassidim, die ihn'wenigstens veranlassen wollen, dem Kommissar, der eine letzte Frist für Saklikoff gestellt hat, zu antworten, daß er die konterrevolutionäre Agitation aufgebe, weiß er seinen Standpunkt zu verteidigen. Ihrem Wunsche „demütigt euch" erwidert er: „Ja, das will ich tun! Und noch mehr. Aber nur, wenn der Allmächtige es von mir verlangt! Dann will ich auch seinen Namen heiligen, wie es getan hat unser Erzvater Abraham ..." Aus dem Buche Sohar sucht er Beruhigung und Festigung zu schöpfen. Aber in Klarheit muß er auch mit dem eigenen Sohne kommen. Er schickt seinen Lieblingsi-büler aus, um Baruch zu ihm zu bringen. Baruch hat indes selbst seinen Führerposten verlassen und das Hyus seines Vaters aufgesucht. Hier wird ihm als erste traurige Kunde der Tod der Mutter gemeldet, um deretwillen er nicht vermochte, seine antireligiöse Propaganda in Saklikoff fortzuführen . . - Ein erschütterndes religiöses Zwiegespräch setzt ein, der Vater ringt um die.Seele seines Sohnes und weiß ihm in eindringlichen Worten seine Kleinheit vorzutragen: „Du bist nur ein Sandkorn in seinem Gebäude! Woher kommt dir denn der Mut?! Du Menschlein, du willst mit dem Baumeister!Kommissar an der Spitze kommt zurück und findet die rechten? . . . Weißt du denr> wie die Firmamente auf- Leiche Baruchs und den Vater gebeugt über sie. Der einanderstehen? Weißt du das? . . . Weißt du, wer den Kampf gegen Saklikoff wird aufgegeben. „Der Kader . Mit Liehe.sind d.re.'Wischt Personen des" Dramas gezeichnet.; Ugruch, ^der ^iüW'sJude ^itnte^M Dottlosen, er.gewinnt Müh.' den Zug Wr Wildpng mjch da« Gudula Rothschild geb. Schnapper Nach einem Oeigemätve von Moritz Oppenhelm jetzt noch nicht?! . . . Sag' ja oder nein . . . wirst du gegen die Synagoge gehen...? Und auf die bejahende Antwort des Sohnes vernimmt man die Worte des Vaters: Im Namen Abrahams, Isaaks und Jakobs . . . du wirst es nicht tun . . .!" und sieht, wie Rabbi Jehuda seinen Sohn ersticht. Das Aufklärung« kader mit oem dibM. HampW ^Dgen'die Relitzirm MäMe- Sein ehrlsch.ep und so wie man gern das Löo des BaüerüsührerS'über Schmelke Abramowitsch.härenivird: „1,0 Jahre arbeiten wir zu-, sammen! ,Jede Bürgschüft leiste ich für Schmelke!" Und gewiß ist Rabbi .Jehuda. Mendel, ein Mann, für den wir mitleben und kämpfen: Die Darstellung ist so gegeben, daß..der ..an. sich schwer verständliche. Mord des Vaters seinen Chässidim, uchdr. up^.'v.^riWttdLiD-tviW da der Vatex den Sohn dem Gstte ppser^bon öettr er'abgefallen ist. Oie Aufführung, wurde i.m allgemeinen den .Anforderungen bestens. gerecht. Weder in der Sprechärt 'noch im A,süßeren wurden die jüdischen Gestalten übertrieben dargestellt, der CHaWimrabbi. ist vielleicht, dadurch in seiner Gewandung, zu einfach gegeben worden. Rolf Salberg, ein beliebter jüdischer Schauspieler,, gab gut den Schmelke Abramowitsch. Der Gesamteindruck des Stückes war ganz gewaltig, der Beifall wollte , kein Ende nehmen, der Oberspielleiter Tügel, der Dichter und die Darsteller wurden oft vor die Rampe gerufen. Der ewige Kampf für den Glauben wird hier geführt, die Siegespalme wird dem alten Gefchlechte der Gutgläubigen gereicht. So in Rußland! Nur in Rußland? Auch bei uns fallen Söhne von den. Vätern und vom väterlichen Glauben ab! Und doch! „Wer wollte mit dem Baumeister rechten"? Rabbiner Dr. Pösner, Kiel. Oberrabbiner Lhajim Sonnenfeld gibt einem Lhaluzimpaar üidufchim Engeln ihre Wohnstätten geschaffen hat? Und das Licht in der obersten Sphäre?! So wunderbar strahlend ist fein Glanz, daß nur die reinsten Geister darin fein können!" Aber er muß vernehmen: „Vater, ich kann nicht mehr zurück!" Und das um fo weniger, als feine jetzigen Anhänger ihn seinem schwankenden Verhalten entreißen und ihn wieder fortführen zum Kampf gegen die Glaubensgenosien in der eigenen Geburtsstadt. Die chaffidifche Lehre von der immer wiederkehrenden Seele und die treue Anhängerschaft, deren Rabbi Jehuda Mendel sich erfreut, machen seine ungeheure Standhaftigkeit erklärlich, sie, die der Kommissar „Tollkühnheit" nennt. So wird er auch nicht aus seiner Ruhe gebracht, als die Miliz ihn gefesselt fortführt, nachdem die Frist abgelaufen und eine Sinnesänderung nicht erfolgt ist. Baruch, der Sohn, wagt es —es ist ein Wagnis in Sowjetrußland — den Kommissar auch jetzt noch umzustimmen. Das Gespräch mit dem Later wirkt nach: „Gestern beim Vater in der Stube . . . zuerst ... die Mutter nicht mehr da . . . dieses Gräßliche zu hören . . . dann der Kampf mit meinem Vater ... er hat mich angefallen wie ein Rasender! ... Ja, Kommissar ... ich hatte einen Augenblick . . . gestern . . . Kommissar, ich kann das nicht mehr los werden! Das Herz . . . hier liegt es mir wie ein Felsblock! Und da hier im Hals ... da sitzt etwas Entsetzliches . . .!" Während nach dem Spottg'ttesdienst in der Kirche ein solcher für die Synagoge vorbereitet wird, verbreitet sich die Kunde, daß Rabbi Jehuda Mendel aus dem Gefängnis entwichen sei. „Die Chässidim sind in das Gefängnis nach Groditfcheff ... einrücken!" sind des Kommissars und des Schauspiels letzte Worte.! Bei der Darstellung hat der jüdische Zug des Stückes Rabbinerversammlung in üowno gewaltig gewonnen. Erschütternd und erhebend zugleich wirken die religiösen Auseinandersetzungen und der .Erfolg des Rabbis, dem auch der machtlüsterne und gottlose Kommissar sich fügt. Das ist der endliche Sieg der Religion, der hier gefeiert wird, gegen die schließlich nichts erreicht wird. Die Judenheit in Algier und Tunis. Dr. Maurice L a s e r s o n, Bevollmächtigter des Verbandes Ort, der längere Zeit in Algier und Tunis verbrachte, und dort die doppelte Mission durchsührte: für die Mitarbeit der nordafrikanischen Juden am Aufbauwerk von Ort in Osteuropa zu werben und sie für die Idee der konstruktiven Selbsthilfe zu interessieren, hielt vor kurzem im Klub Schalem Aleichem einen Vortrag über die Judenheit in A l gier und Tunis. Er gab ein eindrucksvolles Bild von der Geschichte, dem religiösen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben dieses nicht unwichtigen Teiles der Weltjudenheit und schilderte deren häusliche und öffentliche Sitten und ihre Beziehungen einerseits zu dem herrschenden Franzosentum, andererseits zu der örtlichen Moslem-Bevölkerung. In Algerien leben etwa 74.000 Juden, die 1,3 Proz. der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die Jüdische Gemeinde der Stadt Algier zählt 16.000 Seelen (7,7 Proz.). Ein Ghetto existiert nicht mehr. Die Intellektuellen sprechen nur französisch, die Masse der Bevölkerung spricht judävi-arabisch. Von Antisemitismus ist heute wenig zu merken. Tunesien, wo jüdische Ansiedler noch vor der christlichen Aera gelebt haben, ist vom jüdischen Gesichtspunkte interessanter als Algerien. Das Selbstbewußtsein der Juden ist ein gesteigerteres. Der Zionismus ist stark verbreitet. In der Stadt Tunis leben schätzungsweise 50.000 Juden, die amtliche Ziffer: 24.000 wird von allen Juden als unzutreffend bezeichnet. Hier leben die Juden im Ghetto, der sogen. Hara. Die besser situierten Schichten leben außerhalb der Hara. Es gibt zwei Gemeinden: Tunst, die Nachkommen der eingeborenen Juden, und Grana, die Nachkommen der Einwanderer aus Spanien, Portugal und Livorno. Die beiden Gemeinden sind aber organisatorisch verbunden. Es existiert ein vom Staate anerkanntes und erhaltenes Tribunal Rabbiniqutz, für das der Talmud geltender Gesetzeskodex ist. Die hauptsächlich zu entscheidenden Fälle sind: Feststellung der Volljährigkeit, Regelung von Erbfolgefragen, Rechtsgültigkeit von Ehe, die Regelung der Hinterlassenschaft u. a. m. Es gibt auch jüdische Notare, die vom Tribunal kontrolliert werden. - (Zweieinhalb Millionen Juden sprechen englisch, eine Million deutsch.) Nach in Newyork aufgestellten Statistiken ist die englische Sprache nächst der jiddischen die am meisten unter den Juden verbreitete, sie hat der deutschen Sprache, die früher die jüdische Welt beherrscht hat, schon längst den Rang abgelaufen. Von den über 15 Millionen Juden in der Welt haben 8 Millionen jiddisch, 2% Millionen englisch und 1 Million deutsch zur Muttersprache. Die Zahl der englischsprechenden Juden hat sich von 100.000 i. I. 1875 auf 1.100.000 i. I. 1900 und 2.500.000 i. I. 1930 er« höht. Zieht manin Betracht, daß in englisch' sprachigen Ländern mehr als 6 Millionen Juden leben, deren Kinder später englisch als ihre Umgangssprache haben werden, so sei anzunehmen, daß das Englische in Zukunst die jüdische Wett beherrschen wird. Der Rückgang der deutschen Sprache unter den Juden sei auf den Verlust Elsaß- Lothringens im Westen und einer Anzahl Provinzen un Osten, sowie auf den Zerfall der österreichischen Monarchie zurückzuführen, durch den die deutschsprechende Iudenschaft der Tschechoslowakei, der Bukowina und anderer Länder, durch die Verhältnisse gezwungen, allmähua) die deutsche Sprache als Umgangssprache aufgebe.

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