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Der Israelit · 1931-11-12 · Heft 46 (12.11.1931) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 46 (12.11.1931)
Date
1931-11-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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- l '.--in i hr. 46 J65I Von Galt) Geis in Tel-AÄiw. Jüdische Seeley /4 (Fortsetzung.);»*; i'Die letzte Aeußerung/ bot Simon Blum die günstige GelegenhÄt, dem Sohne indirekt eine . .Antwort .zu geben,indem er sagte: "; / „Dieses Gemilüs-Ehessed rvird^ aber-nstt äst itklemen Plätzen-'geübt, rbö der eine 'E'ayh>eren .kennt und, dadurch eine Verpflichtung für-i!den "Wachsten empfindet. In einem größeren.Orte . .jhleiben sich aber sogar'Leute seines gemeinsamen ' Dauses fremd. Für die EchaUng des JüöWen -ist die große Stadt kein günstiger Boden. Dort hat auch aller Abfall seinen Anfang genommen." Jizchok, der die Absicht des Vaters wohl Merkte, kreuzte die Kliyge, mit den. Worten: „Auch: in der Stadt wohnen die Juden in der Regel nahe beieinander." Der Vater parierte: „Aber in dem hastigen Treiben der Stadt findet selten jemand Zeit, sich um den anderen zu kümmern. Die Not und das Elend müssen sich schon selber bemühen, und sie pochen an viele Türen vergeblich. In der Stadt wird gewöhnlich zu einem entwürdigenden Almosen, was an einem kleinen Orte wie ein Freundesdienst - empfunden wird." , FrauRiwkah nickte bestätigend: „Ja, ja, die .Stadt . dann setzte sie fort: „Das erinnert mich an Fräulein Katz. Sie hatte sich infolge Mer großen Erregung verspätet. Wie du weißte bekommt sie eine Rente von ihrem Bruder, dem frommen Naftali Katz. Heute nach Hawdoloh macht sie einen Brief von ihm auf — es ist doch gut, nicht wie viele Leute feine Briefe am Schabbos öffnen zu lassen, wie leicht kann man sich dann den Schabbos oder Jaumtauw verstören —; ba schreibt nun ihr Bruder, er habe bankrottiert, und er wisse nicht, ob er ihr das Geld weiterhin schicken könne. Fräulein Katz sagte in ihrer Aufregung ein um das andere Mal: Wie kann so etwas einem solch frommen Mann passieren?" „Da hast du, liebe Riwkah, wohl gesagt: Warum mußte er in die Stadt ziehen?" „Natürlich habe ich es gesagt.!, Hier genügten ihnen zwei Schlafkammern'Und ein Wohnzimmer, dagegen in der Stadt, wo die Mieten doppelt so teuer sind, mußte Frau Katz.durchaus poch ejn KmderzimMr, ein Cßzimmep und einen Sa- Mr haben." ' - „Uüd die "Lina hat' bei. einem Musiker und bei einem Maler noch teuere Stunden bekommen," steuerte nun auch Hannah bei. Jizchok aber wandte mit verächtlichem Achselzucken ein: „Was darf das alles, wenn das Geschäft gut geht, bedeuten? Hat. man jedoch geschäftlich große Verluste, dann rettet auch die private Sparsamkeit nicht." „Oho, mein Sohn, du treibst es aber sehr groß!" rief jetzt der Vater. „Bei dem Umfang des Katz'schen Geschäftes fiel jedenfalls die bedeutende Vermehrung des Haushaltskontos sehr ins Gewicht! Wenn Katz jetzt nur die Pflichten gegen seine Schwester weiter hätte erfüllen können, wäre das schon ein Segen einer solchen Sparsamkeit gewesen." Das jüngste Familienmitglied, Hannah, die wie ihre Mutter, ein gesundes Urteil hatte, bemerkte: . „In der heute verlesenen Tauroh steht, daß G'tt den Awrohom segnete, damit sich Äe, ganze Welt mit ihm und seinen Nachkommen segne. Das heißt, daß wir nicht zu viel an uns denken dürfen, denn aller Segen, den üns G'tt gM hat nur den Zweck, für andere zum Segen zu werden." „Fein, mein Töchterchen, an dir ist ein Raw verloren gegangen," lobte sie, freudig erglänzend, der, Vater. n u- : „Du siehst, daß Hannah im Gegensatz zu den anderen jungen Mädchen sogar beim Leienen aufpäßt," lobte auch die Mütter ihr. fleißiges Haustöchterchen.' ■* :<■■;ni. Nur Jizchok war wieder unzufrieden' „Mädels brauchen keine Lamdonim zü fein. Aus solcher Chochmoh wird keine Schabboskugel hergestellt!" .... . - 1Simön Blum schaute seinsn. Sohn prüfend^ ap, als wolle er erkennen, ob während der MilitärzM seine! Seele Aenderungen erfahren habe.. Ein tiefer, - klarer Blicks non.. Seele zu Seele ist selten, denn der Mensch sieht Albst seine Allernächsten in der NeM nur mit dem körperlichen Auge. „Hm, hm," begann er langsam, „der Soldat Jizchok Blum hat vielleicht manches vergessen, was der Talmid Jizchok Blum wußte. Wer nicht . zuNMMt,.nimmt ab, sagen unsere Ehachörnnn. — Erinnerst du dich, daß in unserm Tenach der erste Mensch, der als Prophet bezeichnet wurde, eine Frau war, nämlich Mirjam, die Prophetin, die Schwester Aharons?" „Ich weiß den Sinn der Stelle! Me das von G'tt an Mofcheh gerichtete Wort durch Aharon den Männern mitgeteilt wurde, so durch Mirjam den Frauen. Die Tauroh ist dem ganzen Volke gegeben worden." „Na also, jetzt brauchst du nur die Tatsache, daß die Tauroh auch den Frauen gegeben wurde, durchzudenken. Die Frau als Gattin und Mutter hat die Leitung des Hauses und die Erziehung der Kinder in Händen, und darum muß. sie die Tauroh kennen. Der Mann, der Verdiener und der Bürger, ist aber gleichfalls für Haus und Kinder mitverantwortlich; daher soll sein Taurohwissen noch umfassender und tiefer sein als das der Frau. Dieser Unterschied sagt nicht, daß die Frau kein Lamdon sein dürfe." „Wir Frauen sind aber von einer Anzahl Gebote ausgeschlossen! Demnach haben wir weniger Rechte als der Mann!" meinte jetzt Frau Riwkah. „Das ist nicht der Fall!" ereiferte sich Simon Blum. „Ihr habt dagegen andere Gebote zu erfüllen, die speziell euch obliegen. Die männliche und die weibliche RätUr sind, nicht gleich. Rur dieser;<©runt> ergibt eine Verschiedenartigkeit in manchen Aufgaben." „Nun Haben wir lang genug gesprochen," ließ sich Frau,Riwkah vernehmen. „Noch eine Frage, Mütterchen!" bat Hannah. „Warum sagt man „der froMme Katz"? Sonst sprechen die Leute nur von körperlichen Merkmalen, wie z. B. „der lange Leiser, der dicke Kahn, das krumme Schmulchen." „Katz steht von jeher die ganze Woche vor der Morgendämmerung auf, geht nach der Synagoge, schließt sie auf und sagt Tehillim und dann Schacharis. Meistens stand er hier allein in der Synagoge, denn es gab nur selten Minjon. Er fastet auch alle Tanesim und tat viel Gemilus Chessed." „Da muß man sich doch wirklich wundern, daß er jetzt vom Unglück so sehr betroffen worden ist." „Ich weH dir nicht zu antworten. — Hören mir, was der Vater sagt!" „Der kann auch einmal die Antwort schuldig bleiben. — Aus Hannahs Bemerkung vermag ich nur Folgendes zu erwidern: Wenn auf das gute Tun stets sichtbar der Lohn folgen würde, dann wäre das Gute nicht gut. Gut bleiben auch im Unglück, erst das heißt gut fein. Vielleicht treffen den Guten auch deshalb Schicksalsschläge, damit er seine Sünden, ohne die kein Mensch ist, schon auf Erden sühne und bei seinem Tode seine Seele rein zu ihrem himmlischen Vater zurückkehre." Nach zwei Jahren. ■ Jizchok hatte sein Wort wahr gemacht. Der Umsatz des väterlichen Geschäftes hatte sich mehr als verdreifacht. Dies bedeutete hei dem zur Verfügung stehenden bescheidenen Kapital, das dem früheren Umsatz vollauf genügtes mitunter schwere Sorge, freilich nicht für den unlernehmungslustigen Sohn, sondern für den überaus.gewissenhaften Vater. i Ey ging nicht, wie der Hohn es. sich gedacht hatte/mit den Zahlungen nach einem festen Schema,! es''wurden mstMter aus drei sechs Monate, Md man silußte','Um depKunden nicht zu vertiert, die Augen züdrücken. So. stauden denn indem HauptbüM zahlreiche Beträge, die schon wieder im Betrieb hätten zur Verfügung stehen müssen. Jizchok war Wochen hindurch unterwegs. Sein Baker. jedoch blieb jetzt meist zu Hause, wo ihm nunmehr noch ein Gehilfe zur Seite stand. Doch die finanziellen Dispositionen oblagen, ihm allein, und sie gruben in sein Gesicht manche Falte. . Die Uhr schlug im Blum'schen Büro acht. Der früher schmucklose Raum hatte sich so verändert, daß er nicht wiederzuerkennen war. Die weiß gekalkten Wände hatten Tapeten bekommen. Grüpe Drahteinsätze, mit der weißen Inschrift „Simon Blum" verwehrten jetzt dem Blick, von der Straße hineinzusihen. Das Stehpult behauptete wohl noch seinen alten Platz, aber über ihm hing eine Cisenbahnkarte von Deutschland und neben ihm erhob sich in voller Schwere ein eiserner Geldschrank, dessen Inneres Geschäftsbüchern und Dokumenten Schutz bot. Ein Doppelschreibtisch mit zwei bequemen Strohsesseln beanspruchte den meisten übrigen Raum. Jizchok faß schon emsig bei den Büchern, während der Gehilfe im Lager arbeitete. Jizchok energische Züge verdunkelten sich. Was war denn das? Fünfhundert Mark an Naftali Katz, den frommen Katz! So viel Maaßer war doch für ein ganzes Jahr nicht zu geben, und überdies war das Maaßerkonto sowieso schon überschritten. Er schüttelte den Kopf, stützte ihn dann auf seiner Hand und sann nach. Der Vater war ihm ein Ideal. Aber Jizchok gehörte zu jenen Menschen, die von vornherein nicht glauben, daß sie ihr Ideal erreichen, da ihr praktischer Sinn sie hindert. Der'Fall lag für Jizchok doch so, daß fünfhundert Mark für die Firma Simon Blum auch bei der jetzigen Geschästsausdehnung noch eine Summe war, deren Fehlen sich vielleicht schon bei der nächsten Zahlung fühlbar machen konnte. Hat man ein Geschäft, so muß man kaufmännisch rechnen und es zu vermeiden suchen, daß private Angelegenheiten die Harmonie dieser Rechenkunst stören, dekretierte Jizchoks Denkweise. Doch wie ließ es sich ermöglichen, sich mit dem Vater ohne Verletzung der Ehrfurcht auseinanderzusetzen? Jizchok, mutig wie er war, dachte, sich auf die Gunst des Augenblickes zu verlassen. Der Augenblick kam sehr schnell. Jizchok hatte im Hauptbuch noch nicht weitergeblättert, da trat sein Vater ein. „Gut Jaumtauw! Die heutige Welt arbeitet am Chaulhamoed, als ob er ein Wochentag fei," begrüßte er den Sohn. „Ich möchte gleich nach Jaumtauw auf die Reise gehen. Darum mache ich mir den Satz zu Nutze: Was nicht verboten ist, ist erlaubt. Dringliche Arbeit ist am Chaulhamoed immerhin nicht verboten." k ■4 t ■j? 1

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