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Der Israelit · 1931-11-12 · Heft 46 (12.11.1931) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 46 (12.11.1931)
Date
1931-11-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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12. November 1931 Der Israelit Nr. 46 Seite 7 In den gefaßten Beschlüssen wird zunächst festgestellt, daß die neue Verordnung nach Ansicht aller Parteien das jüdische Kehillaleben auf das sch wer st trifft. Spätestens im Januar kommenden Jahres soll eine Konferenz sämtlicher jüdischer Gemeinden in Polen zur Beratung der Angelegehneit einberusen wer den. Eine Kommission, bestehend aus acht Mitgliedern, wird mit der Einberufung der Konferenz betraut. Italien. Das Dekret über die jüdischen Gemeinden Italiens offiziell veröffentlicht. Rom, 7. Nov. „Gazzetta Ufficiale", das Amtsblatt der italienischen Regierung, veröffentlicht soeben das Dekret über die neue territoriale Zusammenfassung der jüdischen Gemein den Italiens. Gemäß dem Dekret wird das italienische Judentum in 26 Hauptgemeinden, die territorial auf ganz Italien verteilt sind, eingeteilt; jeder in Italien wohnende Jude wird einer bestimmten Gemeinde zuge wiesen. Die demnächst endende Verwaltungsperiode der jüdischen Gemeinden wird um acht Monate verlängert bis dahin werden die Gemeinden, wie bisher, durch vom Kultusministerium bestellte Regierungskommissare verwaltet. In Rom fand in den letzten Tagen eine Zusammenkunft der Rabbiner der größten jüdischen Gemeinden Italiens und der die Gemeinden verwaltenden Regierungskommissare statt. Einberuser war der Regierungskommisfar des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens, Adv. Felice Ravenna. Die Tagung befaßte sich hauptsächlich mit Budgetfragen und den zukünftigen Verwaltungsmethoden des Verbandes und der Gemeinden. (ITA.)' Palästina. Volkszählung und Lhillul Schabbos. Jerusalem, 9. Nov. Die zionistische Presse zieht natürlich in allen Tonarten gegen die im „Kol Jisroel"-veröffentlichte Anregung zu Feld, die Orthodoxie möge als Antwort auf die provokatorischen öffentlichen Sabbatentweihungen der zionistischen Jugend bei der Volkszählung sich zum Jiddischen bekennen und damit gegen den religionslosen Nationalismus, der die hebräische Sprache zum Götzen gemacht hat, demonstrieren. So sehr die Anregung des „Kol Jisroel" als Symptom für die Stimmung in orthodoxen Kreisen zu werten ist, muß doch darauf hingewiesen werden, daß Oberrabbiner Chajim Sonnen feld sowohl als auch der bekannte Leiter der palästinensischen Agudas Jisroel, Rabbi Mosche Blau, in den Volkszählungsbogen Hebräisch als ihre Muttersprache angegeben haben. Im übrigen ist der Liste des immer mehr um sich greifende öffentlichen Chillul-Schabbos leider ein neues flagrantes Beispiel hinzuzufügen: Zum ersten Male haben etwa 40 jung-jüdische Arbeiter am letzten Schabbos öffentlich an einem Vau gearbeitet und diese ihre öffentliche Loslösung vom Judentum durch Polizei gegen die Demonstrationen der Zeire Agudas Jisroel schützen lassen. Unter diesen Umständen darf man sich nicht wundern, daß die inneren Spannungen immer größer werden und schließlich auch die Gefahr von Explosionen nicht ausgeschlossen ist. . Personalien. Lübeck. 3. Nov. Zu einer Festlichkeit, die weit über den Rahmen einer sonst üblichen Feier geht, — zu einer Gememdefeier — gestaltete sich die goldene Hochzeit der Eheleute Abe Frankenthal und Frau Fanny geb. Mannheim. Beide, noch selten rüstig, sind Kinder des einstigen Lübecker Ghetto in Moisling und erfreuen sich einer ungewöhnlichen Beliebtheit in allen Kreisen unserer Gemeinde. Herr Fr. ist Vorsitzender der Chewroh Kadischo; Frau Fr. 2. Vorsitzende der Frauen-Chewroh. Schlicht und bescheiden im Leben, haben sie seit Jahrzehnten dieses schwere und hohe Amt in echt jüdischer, vorbildlicher und hingebungsvoller Weise verwaltet. Es war kein Wunder, daß sich der Tag ihrer goldenen Hochzeit zu einer Ehren- und Freundschaftskundgebung gestaltete, wie ihn , bisher wohl noch kein Gemeindemitglied erfahren. Schon morgens gleich nach dem Frühg'ttesdienst, zu dessen regelmäßigen Besuchern Herr Fr. gehört, versammelte sich die ganze Chewroh mit Herrn Rabbiner Dr. Winter an der Spitze im Hause des Jubilars, um die Glückwünsche der Chewroh zu überbringen. Tagsüber ward das Haus nicht leer von Gratulanten, die von nah und fern kamen und in Aufmerksamkeitsbezeugungen ihre Liebe und Freundschaft bekundeten. - Zum Abend hatte die Chewroh in einen großen, festlich hergerichteten Saal die ganze Gemeinde zu einem Ehrenabend geladen, der über alle Erwartungen glänzend verlief und von annähernd 170 Personen besucht war. Rabbiner, Vorstand und Verwaltung der Gemeinde, sowie die einzelnen Korporationen waren vollzählig erschienen. Unter Gesang eines Boruch haboh, vorgetragen in ergreifender Weife von Herrn Kantor Lasowski, begleitet von einem Knaben-Chor, wurde das Jubelpaar — gefolgt von seinen Kindern — zu den geschmückten Ehrenplätzen geleitet. Es sprachen der Herr Rabbiner, der Präses der Gemeinde, der Präsident der Chewro Kadischo und viele Freunde. Der Jubilar dankte für alle Ehrungen und Glückwünsche. Sie mögen in Erfüllung gehen. v~vtqj Jerusalem. 7. Nov. Rabbi Elieser S ch u l o w i tz hat die ewige Ruhe in der heiligen Erde gefunden. Rabbi Elieser Schulowitz war der Begründer der L o m s ch a e r I e s ch i w o, ein Gaon und Mussarlehrer von großem Rufe. Jeder Stein im Lomschaer Jeschiwobau legt Zeugnis für den Mann ab, der mit der Entwicklung der Thoraschulen in Litauen eng verwachsen ist. Seine Schüler zählen zu Tausenden. Ein Lieblingsschüler von Rabbi Israel Salanter hatte er dessen Geist in die von ihm gegründeten Schulen verpflanzt. In den letzten Jahren ging er, schon ein Greis, nach dem heiligen Lande und gründete eine Jeschiwa*in Petach Tikwah. Das Thorajudentum in Erez Israel wie in der Gola wird ihm. ein treues Angedenken bewahren. Meerholz. 8. Nov. Am Freitag, den 6. November, haben wir in Niedermittlau Siegmund.Josef zu Grabe getragen. Grohgezogen nm’m n-nnn -o-ia ■??, war er sein ganzes Leben hindurch bemüht, die Traditionen seiner Ahnen inner- und außerhalb seines Hauses treu zu hüten. Durch sein bescheidenes, anspruchsloses Auftreten und sein streng korrektes Verhalten erfreute er sich in allen Kreisen großer Beliebtheit. Sein Hauptaugenmerk richtete et auf die Erziehung seines einzigen Kindes. Leider mußte er die so viel Erfolg versprechende Erziehungsarbeit so frühzeitig, mit 52 Jahren, abschließen. Möge es der Gattin gelingen, diese ebenso erfolgreich weiterzuführen. Herr Prov.-Rabbiner Dr. Gradenwitz, Hanau, gedachte in warmen Worten des seltenen Mannes.. Es wurden damals zahlreiche neue Mitglieder gewonnen. Ein besonderer Erfolg war der Vortrag des Herrn Moses Wa l d m a n n, Redakteur der „Jüdischen ' Rundschau", Berlin, über das aktuelle Thema „Was wird aus den Ostjuden in Deutschland?" Bei der vor einigen Wochen stattgefundenen ersten Generalversammlung wurde folgender Vorstand gewählt: 1. Vors. D. Drenger, 2. Vors. Vary; ferner noch die Herren Drillmann, Friedmann, Kazimirski, Merin, Rudoller, Schwarzbart und Weinreich. Die Woche. Vermischtes Berlin. 10. Nov. Der Reichsoerband der Schomre Schabbos - Stellenvermittlungen, Berlin N 54, Gormannstr. 27, teilt mit, daß er folgende sabbatfreie Stellen zu besetzen hat: 1 Chemiker zur Leitung des chemischen Labora toriums eines größeren kaufmännischen Unterneh mens, 1 chemischer Laborant oder Labo rantin für das Warenprüfungslaborator i u m des gleichen Unternehmens. Ausführliche Bewerbungen (Lebenslauf und Zeugnisabschriften) sabbattreuer Interessenten sind umgehend an die Adresse des Verbandes zu richten. Beuchen, 9. Nov. Die hier lebenden Ostjuden entfalten in den letzten Monaten eine sehr lebhafte und segensreiche Tätigkeit. Den Anstoß hierzu gab ein am 16. Februar ds. Js. stattgefundener Aussprache-Abend „Ueber das Verhältnis 'zwischen Ost- und Westjuden in der Gemeinde". Den westjüdisch-liberalen Standpunkt vertrat Herr Kurt Fröhlich, den ostjüdischen Herr. David Drenger. Anschließend hieran entwickelte sich eine sehr lebhafte' D'lskussion, an der sich u. a. die Herren Rabbiner Dr. Melchior, Dr. Jacabowitz, Vr»u.ner, Schwarzbart und Fritz Tau beteiligten. Dieser Abend hat sicherlich dazu beigetragen, so manche Mißverständnisse zwischen Ost- und Westjuden aufzuklären. Am 14. März wurde dann die „Ostjüdische Arbeitsgemeinschaft" nach einer vielstündigen Debatte gegründet. Zum-Vorsitzenden wurde Herr David Drenger gewählt. Die O. A. stellte ihre Arbeit unter die Devise „Wahrung sämtlicher ostjüdischer Interessen". Die starke Inanspruchnahme der O. A. zeigte bald, wie berechtigt die Gründung einer derartigen Organisation war. Infolge einer Grenzlage ist Beuthen auch ein lebhafter Durchgangspunkt für auswärtige Ostjuden. Auch dieser Durchwanderer hat sich die O. A., soweit erforderlich, nach besten Kräften angenommen. Ein wichtiges Ziel der ostjüdischen Arbeitsgemeinschaft war das Herbeiführen eines nnigeren Konnexes mit allen Gemeindeinstitutionen und onstigen offiziellen Behörden. Es ist dies in allen Fällen gelungen und kann die O. Ä. mit Stolz darauf Hinweisen, daß sie bei all ihren Interventionen vollen Erfolg hatte. Die O. A. hat sich der hiesigen Zentralwohlsahrtsstelle angeschlossen und dokumentiert so nach außen hin, daß die hier lebenden Ostjuden nicht nur Rechte erwerben wollen, sondern auch gewillt sind, Pflichten zu übernehmen und in der Gemeinde tatkräftig mitzuarbeiten. In zahlreichen Polizei- und Paßangelegenheiten wurde ebennlls erfolgreich interveniert. Sämtliche Arbeiten werden ehrenamtlich erledigt. Die O. A. war aber auch bemüht, durch Veranstaltung von Vorträgen ein engeres Band um die hier lebenden Ostjuden zu knüpfen. Am 6. April hielt Herr Zucker-Holländer, Schriftsteller aus Karlsruhe, Mitglied der Exekutive des Verbandes ostjüdischer Organisationen, einen Vortrag über „Ostjüdische Probleme". ächüleraufnahmen. Die Aufnahme von Schülern und Schülerinnen für das zu Ostern beginnende neue Schuljahr an der Samson Raphael Hirsch-Schule (Realschule und Lyzeum) findet in der am 29. November beginnenden Woche im Schulgebäude Am Tiergarten 8 statt. Die Ausnahmetermine für die Israelitische Volksschule werden in Kürze in der üblichen Weise von den städtischen Schulbehörden durch Anschlag bekannt gegeben; voraussichtlich wird die gleiche Woche festgesetzt werden. Meier Strauß Vor etwas mehr als einem Jahve verlegte Meier Strauß seinen Wohnsitz aus Leipzig nach Frankfurt, und nun wurde er allzufrüh seiner Familie, einem großen Kreise von Freunden, die er sich in dieser kurzen Zeit erworben hatte und der Gemeinde, als deren treues und anhängliches Mitglied er sich bereits gefühlt hatte, durch einen plötzlichen Tod mitten aus tätigem Leben entrissen. Lange Jahre hatte er in Leipzig als Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde an der Spitze gestanden, wenn es galt, den Anspruch der thoratreuen Gemeindemitglieder aus Unterhaltung religiöser Institutionen und aus Berücksichtigung der Thorainteressen zu vertreten, und allgemein empfand man darum dort seinen Weggang nach Frankfurt als großen Verlust. Hiev in Frankfurt fand er mit seiner gleichgesinnten Gattin und im Kreise von Kindern und Enkeln frohe Stunden der Zufriedenheit, und oft hat er es ausgesprochen, wie wohltuend er es empfand, im Schoße der Religionsgesellschaft ein thoragemäßes Milieu zu finden und mitzuleben. Beruflich in hohem Maße geachtet und viel beschäftigt — so als Vorstandsmitglied der Berliner Metallbörse — fand er immer auch die Zeit zur Vertiefung seiner echtjüdischen Lebensanschauung, und zutreffend wies Gemeinderabbiner Josef I. Horovitz aus Anlaß der unter großer Beteiligung stattfindenden Beerdigung darauf hin, daß noch weit mehr als die bekannten Verdienste des Verewigten die Opfer wiegen, die er im Stillen im Laufe enes langjährigen und erfolgreichen Geschäftslebens seiner religiösen Ueberzeugung zu bringen wußte, und die Festigkeit, mit der seine Kinder zu gleichgesinnten Mitgliedern der jüdischen Gemeinschaft zu erziehen und ihnen echtjüdische Häuser zu bauen verstand. rraxw Frau Sofie Tayer n"ST- Plötzlich und unerwartet verstarb am 3. November in noch jungen Jahren Frau Sofie, die Gattin des als rrn hier bekannten Herrn Jakob Tayer. mnti nsrnpa ging sie von dannen, und die Kunde ihres Ablebens daheim warteten vier kleine Kinder auf die Heimkehr der Mutter — wirkte wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Abgesehen von der Tragik des Falles, gilt der Schmerz dem Verluste eines wertvollen Menschen. Der Gatte beweint die wackere Lebensgenossin, die ihm beim Broterwerb und bei der Kindererziehung tapfer zur Seue jvano. ine 'nerehrteu, in tbr. jüdische Frau von tiefer Frömmigkeit und großer Bescheidenheit. Mögen die Kinder, an denen die Mutter mit zärtlicher, Siehe hing, ganz in ihrem Geiste aufwachsen und möge in ihnen auch dem gebeugten Gatten Trost erblühen. rrassn Vortrag über eine Erez Jisroel-Reise. Die Jüdische Frauen-VereiNigung in Gemeinschaft mit der Agudistischen Frauengruppe weist darauf hin, daß der Palästina-Vortrag von Frl. Jetta Rosenheim am Mittwoch Abend (Buß- und Bettag) 8.30 Uhr im Hörsaal Friedberger Anlage stattfindet. Tatmud-Thora-Verein. Im Talmud Thora-Verein, Vereinslokal Synagoge Börneplatz, Büro Theobaldstr. 6, findet Freitag, den 13. November, nach dem Abendg°ttesdienst im Hörsaal der Synagoge Börneplatz ein Vortrag des Herrn Kantor M. H e s statt. .Am Samstag, den 14. November nach Mincho (4 Uhr), wird der Lehrvortrag für junge Leute „Die Ethik des Judentums nach Pirke Äboth" von Herrn Rabb. Dr. Hoffmann fortgesetzt. Sonntag, den 15. November um . 6 Uhr abends, hält in der Synagoge Börneplatz Herr Rabbiner Dr. Hoffmann einen Thillim-Vortrag. Der Umbau des historischen Rothschildhauses in Frankfurt. zu einem großen Verwaltungshaus der Jüdischen Gemeinde. Wie schon mitgeteilt, soll jetzt der Umbau des ehemaligen Geschäftshauses der Bankfirma Rothschild in der Fahrgasse 146 zu Frankfurt a. M., in dem sich seit 1921

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