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Der Israelit · 1931-11-12 · Heft 46 (12.11.1931) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 46 (12.11.1931)
Date
1931-11-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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12, November 1931 iü;2. Äisletö 5692 Nr. 46 Begründet von Dr. Lehmarm in Mainz. iiüE -S Abonnement ab Juli 1939: D^akiHläno 1.30 Mark «snaclth; Aast aas: Älerceljahrpreise (entsprechend vr-n dentscheq Jnlanvsprets zuzäilkch Konten des Stretsbanv-Bsrsckndes) Dentsch-Lrterretch: »tzttUng 6—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 tzirtt FrankreichW Fr.; Belgien ab 1.7.37. Srlgaö.; HollandL ff; Italien ab 1:1.38.18 Lire; Iuzoflaoten 85 Din.; Litauen 7.50 Lit.; RumLnie« ab 1. 7. 37. 150 Lei; Polen 4 deutsche Toldmark rum Tageskurs ooer 7 Zloty: Schweiz 8 Fr.; Tschecho-slowaket 33 Kronen; Ungar« Pengö 5 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.50 Krön.; Nrrw:gen3.50 Krön.; Schweden3.50 Kco«. Einzelnummer vierzig Goldvfenntge. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 60 Toldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen unv Familienanzeigen nur ^0 Pf, Dir 75 nm breite-teklamezett«: letzte Teatseite 3.-^- Ml., vorletzte Tertscite 350 Mk.; Ehiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. Rabatt «ach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inseratenannahme durch den Drrlag des Israelit Gm. b. tz, Frankfurt a. M, Rechnetgrabenftraße 7. Tel. Hansa 31084 sow. durch sämtl. Annoncen-Erved. d. In» und Auslands Alleinige Inseratenann. für Franks. Geshütt-anz : Jul. Schmidt, tzölderltnürake 33 Tel. 15866. Platzorrschr. ohne Berbindlichk. Zahlungen direkt an den Berlaa auf Postscheckkonti» Frankfurt (jJlxfU fl: 19-iu. — lligecoeat an: 6i,t,packa>sröien N 70405 —P'rikoarkaissnamt Bnoapest Nr 18424.— Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VlU 7254. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34869 — Postscheckamt Prag Nr. 79.060 — Banca Marmaroach Blank & Co. in Bukarest . ■Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebende« Zahlungsvervstichtungen ist Frankfurt a. M. a «■nnnHnnHranHni Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Dezember Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H,, Frankfurt a.M. Zur Lage der ostjüdischen Jugend in ÄeNkWaud. 2jion\ Rabbiner 2TT. Findling in Wuppertal-Elberfeld. ■ JDte teilweise verhängnisvolle Entwicklung, die eiNgeweihte Kreise bei der ostjüdischen Jugend in Deutschland beobachten können, muß auch die orthodoxe Oeffentlichkeit zwingen, sich näher mit ihr zu befassen, da in gewisser Hinsicht auch der weitere Werdegang der Orthodoxie in Deutschland von ihr insofern abhängig ist, als die Jugend durch diese Entwicklung stark beeinflußt werden wird. Seit dem Kriege konstatieren wir in ganz Deutschland, einen starken Aufschwung von rmn ri>h’i. Sicherlich hat das Streben zum I r r a - t i q n q l e n , das als Folge des Krieges die ganze Menschheit erfaßte, vieles hierzu beigetragen. Die Menschheit sah ein, daß der Rationalismus und des Materialismus nur Unglück über sie brachte. Trotz scheinbarer gewichtigen Gegengründe, die in der! modernen Sachlichkeit zum Ausdruck kommen, ist! zumindest in der jüdischen Jugend ein starkes Sehnen zum. Irrationalen vorhanden. Gin - stärkeres Interesse sür die .Fragen des Uebersinnlichen, dep j Metaphysischen und des Religionsphilosophischen zeigt das deutlich. Wir glauben nun, daß ein wesentlicher Faktor, der dieses Streben zum Irrationalenim die richtige Bahn lenkte, in der B e r ü hrun g mit d em Di st e n, vorwiegend bedingt durch die a g u di st i s ch e Bewegung, liegt. Die starke ostjüdische Einwanderung veranlaßte den deutschen Juden, sich eingehend mit der Psyche des ostjüdifchen Menschen zu beschäftigen. Das natürliche, auf ,ikt>i rmm aufge- •haute Leben machte auf die deutschen Juden einen starken Eindruck und zog sie in ihren Bann. Sie sahen ein, daß die gestaltende Kraft des ostjüdischen Lebens die mm» das Lernen war, und gewahrte zu ihrem Schrecken, wie wert in diesem Punkte die Erziehung in Deutschland hinter dem Osten zurückstand. Man bemühte sich, diesen Fehler wieder gutzumachen, man begann mehr und vertiefter zu lernen und die, seit fast einem Jahrhundert unterbrochene Jeschiwobewegung, begann von Neuem, sich zu entfalten. Hierzu kam noch, daß die eingewanderten Ostjuden, und unter ihnen besonders die Jugend, sich mit dem ganzen Feuer ihres mnnbnn für die Ausbreitung der nm’imm in Deutschland' einsetzte. Der Ostjude hat auch im Guten die Gabe, sich schnell zu assimilieren. Besonders die Jugend schloß sich dem deutschen Kreise an, sie verwischte die Unterschiede zwischen Ost und West, und so gelang es ihr, einen großen Einfluß auf die deutsche orthodoxe Jugend zu gewinnen, wie aüch umgekehrt, die deutsche Jugend in mancher Hinsicht gestaltend und anregend auf ihre östlichen Fbeunde' wirkte. ’ Ick der Mtzten Zeit ist es nun leider anders geworden. H>as Streben zur run* hat in einem großeck Teil der ostjudischen Jugend in Deutschland stark nachgelassen, im. Gegenteil, das schlimmste nimiprnn hat sie erfaßt, und es besteht die große Gefahr, daß sie zum Träger der jitso wird, und daß sie sich mit ihrer lodernden Begeisterung für die Ausbreitung des auch innerhalb der deutschen orthodoxen Jugend einsetzen wird, wenn es nicht gelingt, hier Abhilfe zu schaffen! Ein Abschließen von ihr dürfte ziem-, lich unmöglich sein., denn Jugend läßt sich nun einmal nicht abschließen. Ein Versuch der Abhilfe wird nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn die orthodoxe Oeffentlichkeit sich etwas mehr als bisher um das Leben und Treiben, überhaupt um die Erziehung der ostjüdischen Jugend, kümmern wird, um dort wo es gegeben ist, einzugreifen. Die Entwicklung der in Deutschland lebenden ostjüdischen Jugend ist naturgemäß stark abhängig " von der Entwicklung der Jugend im Osten selber. Die Entwicklung im Osten, wie sie bei einem Teil der Jugend dort vor sich-gegangen ist, liegt klar vor . uns, vorn Chassidismus über den Zionismus zum Ko mm um ismus ging ihr Weg. Auch hier bei uns hat sie einen ähnlichen Entwicklungsgang genommen, auch hier ist es der K o m m u- . nismus, dem diese Jugend heute zum Teil zu verfallen droht. Wer das ostjüdische Leben kennt, der hat diese Entwicklung vorausgesehen. Man versuchte die Jugend einseitig, nur ’D rmrnn -|*n zu erziehen, man schloß sie von jeder Berührung mit der profanen Kultur ab, wobei wir gewiß nicht sagen wollen, daß Kultur etwa thorawidrig ist, sondern wir meinen nur, dort negierte man jeden Kulturfaktor, der nicht dem jüdischen Schrifttum entsprang. Man übersah, daß dies heute, seit dem Fall der Ghettomauern, unmöglich ist; die Jugend kam mit der Umwelt doch in Berührung, und in voller Wucht prallten in ihr die Gegensätze zwischen nwiip und nnviv aufeinander, ohne daß sie sür diese Gegensätzlichkeit gerüstet war. Die Jugend wandte sich an die Rabbonim, an die Melamdim, an das Eltern- .haus, aber keiner konnte ihr sine sie befriedigende Antwort geben. Es war für den Zionismus daher ein Leichtes, diese problematischen Menschen zu erfassen und ihren Idealismus, ihre Begeisterung für feine Ziele zu verwenden. Bon einem Extrem wurden sie in das andere getrieben, die jungen Menschen schloffen sich gleich der Poale Zion-Bewegung an, ‘ die einen scharfen Kampf gegen alles Religiöse führt, denn, wie immer, war . die ostjüdische Jugend auch hierin radikal. Konnte man iht nichts Befriedigendes bieten, so.warf sie alles über Bord und wurde fast zum Vorkämpfer eines Freidenkertums. Später kam noch der soziale Gegensatz hinzu. Die zionistische Arbeiterbewegung propagierte sehr stark den Arbeiter¬ und Handwerkerberuf und wandte sich sehr scharf gegen den üblichen Beuf des Händlers und Hausierers. Leider machte ihr die ostjüdische Orthodoxie dieseck Kampf sehr leicht. Entgegen der altjüdischen Einstellung zum Handwerk, ist es heute im Osten ganz verpönt. Der Handwerkerberuf wird verachtet, und der Handwerker, als ein nicht vollwertiger Baal-Habajis betrachtet. Das gesellschaftliche Ansehen des oft hungernden Markthändlers ist ein anderes, als das des Schneiders oder Schusters. Ja, der soziale Gegensatz wurde derartig vertieft, daß die Handwerkergruppen eigene cptzm» mn gründeten, um sich vor öffentlichen Erniedrigungen zu schützen. Dieser soziale Gegensatz wirkte ans die ohnehin zum Teil sehr aufgehetzte Jugend niederschmetternd. Ein, ausgesprochener Haß gegen die Orthodoxie, besonders gegen d i e R a b b o n i m, die sie für diese Entwicklung haftbar machten, weil sie nicht mit ihrer ganzen Persönlichkeit gegen diese Einstellung Front machten, setzte sich in

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