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Der Israelit · 1931-11-05 · Heft 45 (5.11.1931) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 45 (5.11.1931)
Date
1931-11-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 45 Der Israelit 5. November 1931 Ainderecke. Abrahams Besuch bei Zischmael. Viele Jahre waren vergangen, seit Jischmael das Haus seines Vaters, hatte verlassen müssen. Im Herzen Abrahams aber behielt der Sohn seinen Platz und oft dachte Abraham darüber nach, wie es ihm wohl ergehen möge. Eines Tages war die Sehnsucht nach Jischmael so groß bei chm geworden, daß er sich entschloß, den Sohn zu besuchen. Er sagte zu Sara: „Ich möchte endlich einmal zu Jischmael reiten und sehen, wie es ihm ergangen ist." „Besuche ihn doch," erwiderte Sara, „aber ich bitte dich, halte dich nicht lange dort auf und kehre so bald als möglich wieder zurück." Das versprach Abraham. - Am nächsten Morgen stand er frühzeitig auf, sattelte sein Kamel und machte sich auf den Weg in die Wüste Paran, wo Jischmael wohnte. Nach drei Tagen erreichte er das Zelt Jischmaels. Seine Frau saß allein vor dem Eingang des Zeltes, Jischmael streifte mit dem Bogen durch die Wüste. Abraham neigte sich nieder von seinem Kamele und sprach zu der Frau: „Meine Tochter, gib mir doch bitte etwas Wasser zum Trinken, denn ich bin müde und durstig vom Wege!" Aber die Frau blieb aus ihrem Platze sitzen und erwiderte mürrisch: „Es ist kein Wasser mehr in unserem Schlauche und auch im Hause ist keines mehr vorhanden." Da antwortete Abraham: „Wenn es hier kein Wasser gibt, um einen durstigen Wanderer zu erfrischen, so muß ich eben weiterreiten, vielleicht wird mir G'tt einen Brunnen zeigen. Auf die Rückkehr deines Mannes kann -ich nicht warten, da ich Eile habe. Aber richte ihm aus, ein alter Mann aus dem Philisterland sei hier gewesen, er habe so und so ausgesehen und habe ihn besuchen wollen. Und dann sage ihm: der fremde Mann hat dein Zelt betrachtet und es schön gefunden, nur der Nagel sei nicht gut am Zelte und wenn es in deinen Augen recht fei, so sollst du ihn entfernen und einen bessern an seine Stelle setzen." Mit diesen Worten wandte sich Abraham zum Gehen und war bald den Blicken der Frau entschwunden. Als Jischmael am Abend heimkehrte, -erzählte ihm seine Frau die Worte des fremden Greises. Jischmael erriet sofort, daß der alte Mann, den die Frau so unfreundlich empfangen hatte, sein Vater gewesen sei und verstand auch den Rat, den Abraham ihm geben wollte. Auch Jischmael hatte schon oft unter dem bösen und zänkischen Wesen seiner ägyptischen Frau gelitten. Er schickte sie aus seinem Hause fort und nahm sich eine, bessere Frau aus einem andern Lande, mit der er dann auch glücklich lebte. Drei Jahre waren seitdem vergangen: da sehnte sich Abraham wieder danach, seinen Sohn Jischmael zu besuchen, da er ihn ja damals gar nicht angetroffen hatte. Und wieder zog Abraham in die Wüste. Es war ein anstrengender Ritt und heiß brannte die Sonne hernieder, als er sich dem Zelte näherte. Da öffnete sich die Türe des Zeltes und heraus trat mit freundlicher Miene eine junge Frau, verneigte sich vor dem Fremden und sprach: „Steige doch ab, mein Herr und ruhe dich aus in unserem Zelte. Mein Mann ist nicht zu Hause, aber ich will für dich sorgen, will dir Wasser geben, um deine Füße zu. waschen und du sollst essen und trinken und auch dein Kamel will ich tränken!" Da stieg Abraham ab und rastete im Zelte und erfrischte sich an dem kühlen Trunk, den die Frau ihm bot und nahm auch von den Speisen, die sie ihm reichte. Und Abraham dankte der Frau und segnete sie und sprach zu -ihr: „Ich bin eilig auf meinem Wege und kann nicht warten, bis dein Mann nach Hause zurückkehrt. Aber sage ihm, es sei ein alter Mann bei dir gewiesen aus dem Lande der Pelischtim, so und so habe er ausgesehen und habe geruht in seinem Zelte. Das Zelt sei schön und wohlgefügt und der Nagel sei gut — den solle er für immer darinnen lassen!" - Dann ritt Abraham von dannen. Am Abend kehrte Jischmael von der Jagd zurück und seine Frau erzählte ihm die Worte des fremden Greises. Wieder erriet Jischmael, wer der alte Wanderer gewesen, der sein Zelt besucht hatte. Er freute sich von Herzen, daß seine Frau dem Vater wohl gefallen habe und er liebte seine Frau noch mehr als zuvor. Und Jischmael machte sich auf und nahm seine Frau und seine Kinder und besuchte seinen Vater im Lande der' Pelischtim. Abraham freute sich sehr über sein Kommen, bereitete ein großes Gastmahl ihm zu Ehren und brachte reiche Dankesopfer dar. Ist es euch schon mBl passiert, daß ihr einmal recht lustig und ausgelassen wart und vergessen habt, daß der kleine Bruder schläft? Oder daß ihr im Eifer des Spiels nicht mehr cm eure Schulaufgaben dachtet oder daß ihr vor lauter Freude über eine große Schokoladentafel ganz an die Vrocho vergessen habt? Irgend so etwas Aehnliches ist euch sicher allen schon mal vorgekommen und ihr entschuldigtet euch dann wohl damit, daß ihr eben so besonders vergnügt gewesen seid und nur ans Spiel oder Essen gedacht habt. Und seht ihr, das hat auch Hiob schon gewußt, daß es einem so ergehen kann. Seine Kinder hielten oftmals große Gastmähler ab, jeder an einem andern Tage und alle seine Söhne und Töchter waren in Freuden beieinander versammelt — da fürchtete Hiob immer, sie könnten in ihrem Jubel an G'tt vergessen haben. Er dachte sich, vielleicht haben meine Kinder gesündigt bei ihrem Mahle und wenn diese Tage verstrichen waren, dann stand Hiob frühmorgens auf und brachte Opfer dar, zur Sühne für feine Kinder. Auch bei uns kann es mal passieren, daß wir an mehr ans Essen denken als an den heiligen Tag oder daß wir in der Festesfreude an ein Gebot vergessen. Opfer kann man heute nicht mehr bringen, so haben unsere Weisen drei Tage bestimmt im Monat nach dem Tischri (und nach dem Nissan) daß man an ihnen Nachdenken soll, ob man auch an v"' nichts Unrechtes getan habe. Viele Leute fasten an diesen drei Tagen 3''n> das ist ein Montag, ein Donnerstag und wiederum ein Montag. Und warum sind gerade Montag und Donnerstag zur Einkehr und zur Bitte um Verzeihung bestimmt worden? Der zweite und der fünfte Tag der Woche wurden ernst, von G'tt zu Tagen der Vergebung gewählt. An einem Donnerstag bestieg Mosche zum zweitenmal den Sinai, um für Israel Verzeihung zu erflehen: an einem Montag kam er herab und brachte zum zweitenmal die Bundestafeln und kündete dem Volke, daß ihm G'tt verziehen habe. Seit dieser Zeit gelten Montag und Donnerstag als Tage, an denen Fasten und Beten wohlgefällig aufgenommen werden. Aber, werdet ihr fragen, hängt es auch damit zusammen, daß an diesen Tagen aus der Thora vorgelesen wird? Nein, das hat einen anderen Grund: Am Montag und Donnerstag waren die Markttage in Erez Israel. Vom Lande herein kamen an diesen Tagen die Bauern mit ihrem Getreide und ihren Früchten, um sie auf dem Markte zu verkaufen. Auch die Gerichtstage wurden auf diese Tage verlegt und immer mehr Volk strömte an diesen Tagen in die.Stadt. Diesen Leuten aus den Dörfern wollte man Gelegenheit geben, von der Thora zu hören und so wurde es zur regelmäßigen Einrichtung, daß Montag und Donnerstag, aus der. Thora vorgelesen wurde. Das wurde dann auch in späteren Zeiten einge- .halten, damit nie mehr als zwei Tage nacheinander verstrichen, an denen nicht aus der heiligen Lehre vorgelesen wurde. Schlagfertige Antwort. Einst kam Rabbi Joschuah von einer weiten Reise nach Jeruschalajim zurück. Er gelangte an einen Brunnen der Stadt und traf dort ein kleines Mädchen, das gerade Wasser schöpfte. Da sprach Rabbi Joschuah: „Laß mich doch bitte trinken, mein Kind, ich bin durstig und müde von einem langen Ritte." . ' „Trinke dy," -antwortete das Mädchen, „und auch deinem Esel werde ich zu trinken geben!" Und flink eilte sie und brachte dem Rabbi Joschuah Wasser und auch dem Esel schöpfte sie in. die Tränkrinne. Als nun Rabbi Joschuah seinen Durst gestillt hatte, sprach er zu dem Mädchen: „Ich danke dir, meine Tochter, du warst sehr freundlich zu mir und hast gehandelt wie einst Ri-okah tat." „Ich habe getan wie Rivkah,". erwiderte schlagfertig das Mädchen, „aber du tatst nicht wie Clieser, lieber Rabbi — die goldenen Ringe hast du mir nicht gegeben!" Und lachend eilte das kleine Mädchen weg. Die Sonne. Schon etwas getrösteter ging die Mutter mit dem kleinen Raphael vom Besuch beim Arzte nach Hause. Der Doktor hatte gemeint, wenn der blasse, kränkliche Bub viel in einem Heim in der Sonne liegen würde, dann würde er auch bestimmt wieder ganz gesund werden. Die Sonne würde ihn heilen und er könnte dann ebenso kräftig werden wie andere Kinder, Aber Raphaelwollte nicht gern in das Kinderheim und es kostete einen schweren Kampf, bis er endlich in der Eisenbahn saß und dem Erholungsheime entgegenfuhr. Nun lag er auf der Liegehalle in der Sonne und es gefiel ihm gar nicht besonders gut. Es war so langweilig, trotzdem er sich beim Liegen beschäftigen konnte und ein bißchen Heimweh hatte er auch. Und dann glaubte er überhaupt nicht daran, daß ihm die Sonne yelfen könnte. Jeden Tag wurde er ungeduldiger und verdrießlicher, und eines Morgens fand ihn die Schwester bitterlich weinend auf der Liegeterrasse. „Aber Raphael," sagte sie, „was hast du denn heute? Schau, da dauert es viel länger, bis du gesund wirst, wenn du so traurig bist und dich gegen die Heilung wehrst!" „Ich will nicht mehr in der Sonne liegen," schrie Raphael, „es ist ja doch nicht wahr, daß die Sonne da oben heilen kann, sie ist doch kein Doktor und keine Medizin!" Da setzte sich die Schwester an das Bett des kleinen Raphael und tröstete ihn und sagte: „Meinst du, die Sonne kann nicht helfen? Da will ich dir mal einen schönen Midrasch erzählen. Als unser Vater Abraham noch lebte, da konnten alle kranken Menschen zuihm kommen, um geheilt zu werden. Abraham trug eine Perlenkette um den Hals und wen er damit berührte im Namen G'ttes, der wurde sofort gesund. Und er heilte auch so viele Menschen als er konnte, denn er liebte ja alle Geschöpfe G'ttes. Als Abraham aber gestorben war, wer sollte da die wunderbare Perlenkette bekommen? Niemand schien G'tt so würdig, sie zu tragen wie Abraham es gewesen war. Da nahm G'tt die heilende Perlenkette und hängte sie an die Strahlen der Sonne! Und seitdem hängen nun diese Perlen, die den Menschen Gesundheit bringen, an den Sonnenstrahlen, und ihr herrlicher Schein vermag die Menschen mit G'ttes Hilfe zu heilen." Aufmerksam hatte Raphael zugehört und seine Tränen waren gestillt. Geduldig blieb er von nun an all die Tage in der heilkräftigen Sonne liegen und dachte an die wunderbaren Perlen, die auch ihm helfen sollten. Und als er von seinem Aufenthalt im Kinderheim wieder nach Hause zurückkehrte, war er ein gesunder, kräftiger Junge geworden. Berantw örtlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Sch ach»owttz, Frankfurt a. SR.-; Jnferätet. V.: S. Schach» noroitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L, Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Sermon (0. nt. b. H., Frankfurt s: 3Jh —. Druck: Hermon-Druckerei: Frankfurt a. M. ’

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