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Der Israelit · 1931-10-29 · Heft 44 (29.10.1931) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 44 (29.10.1931)
Date
1931-10-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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29. Oktober 193Ü Nr. 44 ^rll^l^url d. 9W«f bClt 18. Marcheschwan 5692 Begründe! von Dr. Lehmann in Mainz. ELM Abonnement ab Juli 1929: Drutschländ l.30 Stack monatttch; Ausland: «rerielmuuuuiu au Uli « *J t*y IVU UV VWHJW «• , «!*• , ViU»*v»* «W. fcv -'**1 V" -JV flavien 55 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumcinten ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Golvnnark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Flowaket 25 Kronen; Ungarn Pengo 6 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.59 Krön.; Nirwrgen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Toldvfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur ^0Ps. Die 75 mm breite Reklamezetle: letzte Textsette 2.— Mk., vorletzte Textsette 250 Mk.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de» Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M, Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa 21084 sow durch samtl- Annoncen-Txved. d. In» und Auslands. Alleinige Jnleratenann. für Franks. K-ibäktsan».: Jul. Schmidt. Söldsrlinitratze 35 Tel. 4S888. Watzvcrschr. ohne Berbtndltchk. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Ra.n, Üc. 10-01 - lligecoe-n an: P),t,parka.se Vlen «^70605 -P-'stioarkassenamt Budapest Nr 18^4.-Pos1scheckko»to Warschau 1H"757 — Nnftsckeckamt Lürick Nr. VllI 7254. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 — Postscheckamt Prag Nr. 79.060 — Banca Mannarosch Blank & Co, in Bukarest rarschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VllI 7254. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 — Postscheckamt Prag Nr. 79.060 Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat November Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. ■ Eine jüdische Erziehungskonferenz und mehr als das. Wer Gelegenheit hatte, die jüdischen Schulend Erziehungsverhältnisse tm neuen Polen kennen zu lernen, wird die Bedeutung der dieser Tage in Wilna stattgehabten großen Konferenz .zur Lösung der Erziehungsprobleme in den östlichen Randstaaten schon zu würdigen wissen. Ueber den Gang der Verhandlung haben wir an anderer Stelle dieser Nummer im einzelnen berichtet. Dem Beobachter der Dinge im Ganzen springen drei Momente aus diesem schweren Ringen um das jüdische Kind und die jüdische Zukunft im Osten in die Augen: Ein rein äußerliches Moment und zwei Momente mehr innerlicher Natur. Es saßen am Konferenztisch zum ersten Male nach dem Kriege religiöse Führer aus Randpolen, (Kressen) und Litauen beisammen.^ In diesem erweiterten äußeren Rahmen konnten die Nuancierungen zwischen Polen und Litauen auf dem Gebiete der. jüdischen Erziehung aufgezeigt und aneinander gemessen werden. Zuletzt konnte über die Thorazentren, die großen Jeschiwoth in Polen und Litauen, und ihr Verhältnis zu den jüdischen Massen und der jüdischen Jugend außerhalb der Lehrhäuser ein offenes Wort gesprochen werden. Daß Polen und Litauen nach, vielen Jahren wieder zusammen kamen, um sich über jüdische Dinge auszusprechen, ist an sich ein politisches Ereignis von großer Tragweite. Seit der Okkupation Wilnas durch Polen herrscht stiller Kriegszustand zwischen den beiden Ländern. Die Grenze ist für jeden Verkehr geschlossen. Wenn nun die Regierungen in Warschau und in Kowno, nach vieler Bemühung natürlich, mit Aus- und Einreisebewilligung für diesen speziellen Fall die imaginäre Kriegssront durchbrachen, so eben darum, weil sie da wie dort wissen, wieviel von einer guten religiösen Erziehung der jüdischen Jugend auch für die Staaten abhängt. Polen und Litauen fanden sich im Jüdischen; sie werden sich vielleicht noch öfters im Geistigen finden . . . Dabei zeigt .es sich, daß geographische Grenzpfähle altgeheiligte kulturelle Einheit nicht zu brechen vermögen. Ob Wilna, ethnographisch gesehen, zu Polen gehört oder nicht, es bleibt das Herz des litauischen Judentums. Der Weg von Wilna nach Warschau ist genau so weit, wie er nach Kowno greifbar nahe ist, unbeschadet der Tatsache, daß nach Warschau gute Züge verkehren, nach Kowno aber alle Durchgänge von Grenztruppen gesperrt sind. Gleiche Sprache, gleiche ^Gesinnung, gleiche Traditionen, gleiche Mentalität, gleiche Sorgen und gleiche Bedürfnisse. Man traf sich nach einem Jahrzehnt wieder und man hätte sich innerlich wie äußerlich nicht verändert. Die" kleinen Nuancierungen im jüdischen Schulwesen hüben und. drüben — und hier ist das zweite Moment, das in die Augen fällt — sind nicht aus innerem Zwange geboren, sondern durch die Verschiedenheit der staatlichen Form bedingt. Die litauische Regierung betrachtet die jüdischen Schulen als Regierungsschulen und unterhält sie, gibt auchdie Möglichkeit, rein jüdische Privatschulen zu gründen, wo Gemeinden oder Institutionen die Opfer aus sich nehmen. In den staatlich konzessionierten jüdischen Schulen haben^ die Juden nur die Kosten des Religions¬ und jüdischen Unterrichtes zu tragen. Natürlich behält sich die Regierung als Aequivalent ein ausgiebiges Kontrollrecht über die jüdischen Schulen vor. In Polen dagegen verzichtet die Regierung auf Hoheitsrechte der jüdischen Schule gegenüber, läßt der jüdischen Gemeinschaft fast vollkommen freie Hand bei der Regelung ihres Schulwesens, übernimmt aber dafür auch keine finanziellen Verpflichtungen. Nicht einmal Subventionen, wie sie alle, besseren Gesellschaften für ihre kulturellen Zwecke loyalerweise erhalten, ■: waren bis jetzt zu erreichen. Welches System ist! uns dienlicher und erstrebenswerter? |i Vorteile und Nachteile beider Systeme kamen auf der Konferenz deutlich zur Sprache. Absolute Unabhängigkeit und freie Bahn in Polen, natürlich bei harten finanziellen Kämpfen, zum Teil auch schweren Nöten. Eine mehr oder weniger materiell gesicherte Lage in Litauen, bei großer Unsicherheit, in der ewigen Agnst, es könnte, — nicht zuletzt auf jüdische Einwirkungen von links um den hohen Preis des hundertprozentigen jüdischen Geistes gehen. Es ist in dieser Beziehung ein Glück, daß die beiden Länder Zusammenkommen, von einander lernen und sich ergänzen können. Die freie Entfaltungsmöglichkeit in Polen wird stets anregend und beispielgebend auch auf Litauen wirken. Umgekehrt wird das litauische Beispiel vielleicht dazu beitragen, daß man in Polen wenigstens Subventionen in genügendem Maße für die jüdischen Schulen, die den Staatssäckel gehörig entlasten, erreicht. Zu einem besonderen Segen kann sich in diesem Belange die geschaffene sogenannte „ V i e r l ä n d e r s y n o d e " für Neupolen, Litauen, Lettland und Estland auswirken, ganz abgesehen von der moralischen Bedeutung einer solchen Ämfassenden Organisation für die vier Rändstaaten des Ostens, worüber noch in anderem Zusammenhänge zu sprechen sein wird. Ein Klageton stieg aus den Verhandlungen auf. Mit der Jugend und den Massen außerhalb der Jeschiwoth im polnischen wie im litauischen Litauen ist es nicht mehr am besten bestellt. Wer das, wie Schreiber dieses, erst vor kurzem mit eigenen Augen gesehen hat, kann es nur bestätigen und den Kummer der Führer über diese Tatsache nachfühlen. Galizien und Kongreßpolen haben die jüdischen Massen heute noch genau so — vielleicht sogar noch mehr — wie dazumal. Das macht der Chassidismus, der, von jeher eine Volksbewegung, niemals den kleinen Mann in den Niederungen des Lebens und das Kind in der Kellerstube aus dem Auge gelassen hat. Die machtvollen Aktionen der Agudas Jisroel in Warschau, ihre Erfolge bei den Wahlen, ihr Anhang in den Arbeiterkreisen, die Impulse, die sie der Frauen- und Jugendbewegung gibt, sie zeigen es zur Genüge. Amerikaner, die neulich Polen besuchten (unter ihnen auch der bekannte, für die Orthodoxie gerade nicht eingenommene Dr. Melamed) schilderten in der amerikanischen Presse auf Grund ihrer Wahrnehmungen die Orthodoxie in Polen als das Judentum. Die in den letzten Jahren entstandenen und rasch zur großen Blüte gelangten chassidischen Jeschiwoth

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