Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1931-10-22 · Heft 43 (22.10.1931) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 43 (22.10.1931)
Date
1931-10-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2450652-2450694--78308-2536006
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 10 Nr. 43 Der Zsraelit 22. Oktober 1931 „Lieber Vater, das ist eine schöne Erklärung. — Aber auch ich weiß etwas hinzuzufügen! Nach den Worten unserer alten Weisen geschah die Erlösung unserer Vorfahren aus der Sklaverei in Aegypten, weil sie ihre hebräischen Namen behielten." „Kinder, jetzt das Nachtgebet!" (Fortsetzung folgt.) Uinderecke. Abraham. Das ganze Land, das G'tt seinen Kindern als Erbteil versprochen, hatte Abraham durchzogen und im Süden, am Rande der Wüste, in Beer Schewa hatte er sich niedergelassen. Er errichtete dort sein Zelt und pflanzte einen Lustgarten mit Obstbäumen, um vorüberziehenden Wanderern erlesene Früchte zur Stärkung anbieten zu können. Am Ende des Gartens, am heißen Wegs pflanzte er eine Eiche, die sich schnell zu einem großen, schattenspendenden Baume entwickelte. Tag für Tag stand Abraham am Eingang seines Zeltes und sah nach Wanderern aus, die vorüberkommen würden. Konnte er aus der Ferne einen Menschen nahen sehen, so lief er ihm eilends entgegen und bat ihn, doch bei ihm zu rasten und sich mit einer Mahlzeit zu stärken. Er setzte seinem Gaste sättigende Speise und kühlenden Trank vor und freute sich, wenn es ihm schmeckte. Nach der Mahlzeit dankten ihm seine Gäste von Herzen und lobten ihn,.. „ M i r dankt Ihr," sprach da Abraham, „mich preist Ihr? Ja, habe denn ichdie Früchte wachsen lassen, habe ich denn das Getreide hervorgebracht? Nein, meine Brüder, nicht mir müßt,Jhr danken, sondern dem großen Herrn des Hauses, dem die Erde gehört und der sie fruchtbar machte." „Wer ist das und wo ist er?" fragten die Gäste, „wir kennen ihn nicht, du mußt ihn uns zeigen!" „G'tt ist es," erwiderte Abraham, „der Schöpfer von Himmel und Erde, ihm müßt Ihr danken; ihn lobet mit mir, denn er gibt Speise allen Wesen und ewig währet seine Güte." So lehrte Abraham seine Gäste G'tt den Herrn lieben und erzählte ihnen von G'ttes Größe und Macht. Abrahams Name aber verbreitete sich im ganzen Lande und von allen Gegenden kamen Leute, um feine Lehren zu hören und seinen Rat zu erfragen. Die Eiche Abrahams aber, die unser großer Vater einpflanzte bei seinem Zelte, wuchs weiter und. weiter, auch als Abraham schon längst in der Höhle Machpelah schlief und wurde zu einem riesenhaften Baum, der die Jahrhunderte überdauerte. Noch heute zeigt man in Erez Jisroel eine uralte Riefeneiche, die „Efchel Abraham", die unweit von Hebron in einem Garten steht. Eine alte Sage erzählt, sie sei von einem Sturmwind entwurzelt und bei Hebron wieder eingepflanzt worden, um dort bis auf den heutigen Tag an Abraham, unfern Vater, zu erinnern und an seine Gastfreundschaft und seinen Eifer für G'ttes Namen. Das Gebet um den Regen. Am msy begannen wir mit der Bitte um den Negen und nun erwähnen wir ein halbes Jahr lang dreimal täglich in unserer Tefilloh, daß G'tt den Wind herbeisühre und den Regen fallen lasse. Wie unendlich wichtig muß also doch der Regen für Erez Jisroel sein, welcb große Bedeutung muß er für das ganze Land haben! Ihr habt alle sicher schon erzählen hören, wie man bei uns in Europa mit besorgten Gedanken nach dem Himmel sah, wenn lange Zeit kein Regen fiel, wenn die Sonne auf die Felder brannte, und alles zu verdorren drohte und die Bauern für die Ernte fürchteten. Meistens habt Ihr ja in den letzten Jahren erlebt, daß man über zu viel Regen jammert, wie z. B. in diesem I Jahre. Der nasse Sommer schadete dem Getreide, viele Früchte faulten und die Kartoffeln litten unter der gro ßen Feuchtigkeit. Ihr könnt also jedenfalls schon ver stehen, wie sehr es für die Landwirtschaft darauf an kommt, daß Sonne und Regen im richtigen Maße ab wechseln. Wie steht es nun damit in Palästina? Noch viel, viel mehr hängt dort vom Wetter, d. h; vom Regen, ab und ein regenarmes Jahr bedeutet ein Unglück für das ganze Land und seine Bewohner. Bei uns in Deutschland. gibt es sehr viel Wasser. Unsere Bäche und Ströme sind stark und trocknen auch im Sommer nicht aus. Einen schlimmen Wassermangel gibt es auch in einem heißen Sommer nicht, wenn selbst ein paar Quellen versiegen und der Bach nur wenig Wasser führt. Ihr könnt Euch alle trotzdem oft und gründlich waschen und auch trinken, wenn Ihr durstig seid. In Palästina liegt die Sache ganz anders, dort hängt auch das Waschen und Kochen vom richtigen Regen ab. Paßt mal auf, wie das kommt. Erez Jisroel hat ein ganz anderes Klima als wir es kennen, es liegt ja auch viel südlicher, das wißt Ihr ja. Es gibt dort nicht vier Jahreszeiten, sondern eigentlich nur zwei und zwar einen langen, heißen, regenlosen Sommer und einen kühlen Winter mit sehr viel Regen. Die Übergangszeiten sind ganz kurz, der.Frühling dauert nur einen Monat, den Nissan, und der „Herbst" zeigt nur geringe Abnahme der Hitze. Im Winter fällt der Regen häufig und in großer Menge und von dieser Niederschlagsmenge müssen Erde und Menschen auch im Sommer leben. In gewöhnlichen Jahren beginnt der erste Regen im Marcheschwan oder spätestens' anfangs Kihlev; diesen nennt man — na, wie meint Ihr — den mv d. h. den Frühregen. Der Boden saugt in seinem schrecklichen Durst jeden Tropfen begierig auf und beinahe über Nacht beginnt es zu sprießen. Die Felder können gepflügt und bearbeitet werden, die Quellen sprudeln wieder, die Zisternen, die großen Wasserbehälter, beginnen sich zu füllen und alles sängt an, neu aufzuleben. Es regnet noch öfters im Laufe des Winters, im Tewes und Schewat oft in grober Menge, manchmal setzt der Regen aber auch dazwischen aus bis zum Monat Adar, der endlich den starken Spätregen, den vipi-», mit sich bringt. In mächtigen Güssen fällt der Regen, der noch einmal alles gut bewässert, bevor die große Trockenheit einsetzt. Die Flüsse füllen ihr Bett mit ihren Fluten, der Jordan wird zum Strome und in allen Brunnen ist Wasser, Wasser. Wenn aber der Regen ausbleibt? Wenn der Monat Cheschwan vergeht, ohne daß ein einziger Tropfen fiel, wenn auch der vw »mi des Kißlev, auf den man sicher hofft, keinen Regen bringt und die Erde immer noch gelb und dürr baliegt; wenn schon bald ronn naht und alle Bäche längst ausgetrocknet sind und in den Zisternen fast kein Wasser mehr ist — dann herrscht schreckliche Sorge im ganzen Lande! Wohl gibt es in dem Küstenlande immer Wasser und auch die wenigen mächtigen Quellen versiegen nicht ganz. Wohl werden auch die Bewohner Jerusalems, wenn auch nicht ausreichend, durch die Wasserleitung versorgt, die ihr Wasser zum großen Teil aus den alten Teichen Salomos herleitet. Aber selbst trotzdem ists eine furchtbare Zeit für das ganze Land, wenn der Ostwind weht und die Luft trocken und drückend macht und der ersehnte Westwind ausbleibt, der den Regen bringt. —- Könnt Ihr nun verstehen, warum wir so oft und so innig für den günstigen Wind und den Regen von Erez Jisroel beten? Die Geschichte von Abba Ehilkijahu. Vor vielen, vielen Jahren herrschte einmal eine große Dürre im Lande Israel. Der Monat Tischri war längst zu Ende gegangen und die Sonne brannte immer noch so heiß wie im Sommer auf die Erde. Keine Wolke wollte sich am Himmel zeigen — alles Flehen und Bitten half Nichts — der ersehnte Regen blieb aus. Da gedachten die Weisen Jerusalems des frommen Abba Ehilkijahu, der einer der 36 Gerechten war, die in jedem Zeitalter leben; vielleicht würde G'tt sein Gebet erhören. Sie sandten zwei Rabbonim als Boten zu dem frommen Manne, um ihn zu bitten, daß er doch G'tt um Regen anflehen solle. Als nun die ausgesandten Rabbonim an das Haus des Abba Chilkija kamen, trafen sie nur seine Frau an, die ihnen sagte, ihr Mann sei aus dem Felde und arbeite. Da gingen sie aufs Feld zu ihm und begrüßten ihn und sprachen: „G'tt sei mit dir, frommer Rabbi!" Abba Chilkija aber wandte sein Gesicht ihnen nicht zu und gab ihnen keine Antwort. Er arbeitete weiter bis zum Abend, ohne sich um die Rabbonim zu kümmern; sie mußten warten, bis er endlich mit der Arbeit aufhörte. Er lud sich feine Arbeitsgeräte auf die eine Schulter, nahm seinen Mantel über die andre Schulter und so ging er mit den Rabbonim nach Hause. Seine Schuhe trug Abba Chilkija in der Hand, nur als sie einmal durch einen kleinen Bach waten mußten, zog er sie an. Seine Kleider ließ er lang bis zum Boden hängen, nur als sie einmal durch dorniges Gestrüpp kamen, zog er sie in die Höhe. Verwundert über dies Tun gingen die Rabbonim neben ihm, wagten aber nicht, ihn zu fragen. —Zu Hause kam ihm seine Frau in schönen Kleidern entgegen, er begrüßte sie freundlich, ging mit ihr ins Haus und setzte sich an den Tisch, ohne die Rabbonim zum Essen einzuladen. Dann teilte er das Brot jaus und gab dem großen Sohn ein Stück, dem kleineren aber zwei Stücke davon. Nach dem Essen sprach Abba Chilkija leise zu seiner Frau: „Ich weiß wohl," warum die beiden Rabbonim zu mir gekommen sind; sie wünschen, daß ich den' Heiligen, gelobt sei er, ' um Regen bitten soll. Komm mit, wir wollen aus den Dachboden steigen und G'tt um Regen anslehen. Wenn G'tt-unsre Bitte erhört und es beginnt wirklich zu regnen, so soll dann niemand merken, daß es uni unsretwillen geschah." Also gingen sie beide heimlich auf das Dach, Abba Chilkija stellte sich in die rechte Ecke, seine Frau in die linke und sie beteten beide von ganzem Herzen um den ersehnten Regen. Und noch während ihrer Tesilloh zog' eine dunkle Wolke von der linken Seite herauf und gleich begann es zu regnen. Danach ging Abba Chilkija mit seiner FraU wieder vom Dachboden herunter und sie taten so, wie wenn nichts geschehen wäre. Endlich wandte sich nun Abba Chilkija an die beiden Rabbonim und fragte sie nach ihrem Begehr. Da antworteten sie: „Die Weisen Jerusalems sandten uNs zu dir, du mögest doch um Regen bitten." „Gelobt sei G'tt, daß ihr meines Gebetes nicht mehr bedürft," erwiderte. Ehilkijahu, „seht nur hinaus, es regnet ja in Strömen!" Aber die Rabbonim sprachen: „Wir haben es wohl gemerkt, Abba Chilkija, daß nur um euretwillen der Regen kam und du unsre Bitte erfülltest, bevor wir sie ausgesprochen hatten. Nun haben wiraber noch ein Anliegen an dich. Wir haben uns sehr verwundert über verschiedene deiner Handlungen — würdest du uns vielleicht erklären, warum du so getan?" „Fragt ruhig," sagte Abba Ehilkijahu. „Also, warum hast du uns nicht gegrüßt, als wir zu dir kamen?" „Weil ich heute als Taglöhner arbeitete; meine Zeit gehörte nicht mir, sondern meinem Herrn, und ich konnte mich nicht aufhalten, um euch zu begrüßen." „Warum trugst du die Arbeitsgeräte auf der einen Schulter und deinen Mantel auf der andern, die Last hätte doch weniger gedrückt, wenn du sie auf das . Kleidungsstück gelegt hättest!" „Der Mantel gehörte nicht mir. Ein Freund hat ihn mir geliehen, um mich vor der Kälte des Abends zu schützen, nicht aber, damit ich Schaufel und Hacke daraus lege." „Warum hast du auf dem Wege deine Schuhe in der Hand getragen und gerade beim Wasser hast du sie angezogen?" „Auf dem Wege kann ich sehen, daß ich nicht auf Scharfes trete, im Wasser aber kann ich nichts, sehen, da muß ich mich mit den Schuhen vor einer Verletzung schützen." „Warum hast du dein Kleid in die Höhe gezogen, als wir durch Dornengestrüpp kamen? So konnten dich doch die Dornen stechen!" „Ein kleiner Ritz an der Haut heilt schnell, aber ein - Riß im Kleid, der heilt gar nicht." „Warum war deine Frau so schön angezogen, als du heimkehrtest?" „Damit ich mich auf sie freue,-wenn ich nach Hause komme und sie mir immer gut gefällt." „Warum hast du uns nicht zum Essen eingeladen — verzeih die Frage?" „Weil ich sah, daß nicht viel Brot da war und es hätte unmöglich für uns alle gereicht. Meine Einladung wäre nicht von Herzen gekommen und ich wollte nichts mit dem Mund sagen, wo das Herz nicht dabei ist." „Warum gabst du dem jüngeren Sohne mehr Brok als dem älteren?" „Weil der kleine Junge den ganzen Tag in der Schule ist und hungrig heimkommt.' Der große Sohn arbeitet im Hause und kann jederzeit etwas Speise bekommen". „Und nun noch eine Frage: Warum zog die. Regenwolke auf der Seite herauf, wo deine Frau stand und betete?" „Auch das will ich Euch noch sagen. Weil meine Frau besser ist als ich; sie gibt den hungrigen Armen Speise und Trank — ich aber kann ihnen nur eine Münze geben. Und noch einen Grund hat es: Wir haben böse Nachbarn und ich habe G'tt schon oft gebeten, er möge sie von uns wegnehmen; meine Frau aber hat gebetet, G'tt möge sie zur nawn führen, daß sie bessere Menschen würden!" •nvn ruw» 'sproja nVyn rtppn rriviixa 'pf xxani M. Weinreb. Die hebräische Aufgabe aus Nummer 39/40. Es gingen eine Reihe richtiger Lösungen ein, die wir hier nicht alle abdrucken können. Nur eine Lösung ] soll hier stehen für diejenigen unter Euch, denen die! Aufgabe gar nicht gelungen ist. Man konnte also z.-B: , folgende Wörter aus den 27 Buchstaben des Aleph Beth bilden: °pa ,7p »ns» ,vsv ,*jj ,t]n /asr ,->-n ,asr. Gute und richtige Lösungen sandten ein: Jettchen Cahn, Köln; Theodor Freyhan, Breslau; Rochel Merkin, Leipzig; Tuwjoh Hirschovitz, Birbalen; Zerline Carlebach, Baden b. Wien; M. Weinreb, Ludwigshafen: Alfred Nothmann, Beuchen (sogar 2 Lösungen): Heinrich Stern, Bratislava; S. Lewin, Hagen i. W. (2 Lösungen).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.