Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1931)
- Date
- 1931-10-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 43 (l* bCtl 11. Marcheschwan 56921 Begründet von Dr. Lehmann tn Mainz. «“»■i’g'.v- A-onnement ab Juli 1929: Drittschlanv 1.30 Marl monatlich; Ausland: Vierteltatzrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzäqlich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—: Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 35 Fr.; Belgien ab 1.7.37. Belga5.; Holland 3 sl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Jugo» flavien 65 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 160 Lei; Pole» 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 35 Kronen; Ungarn Pengo 5 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für - die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuche« und Famllienanzeigen nur *0 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Tertseite 3.— MI., vorletzte Tertseite 350 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inferataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inferatenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. bl H., Frankfurt a. M., Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa 31084 sow. durch sämtl. Annoncen-Erved. d. In- und Auslands. Alleinige Inferatenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderltnftratze 35 Tel. 45868. Platzvorschr. ohne Verbindlichk. Zahlungen direkt an den Verlag aus Postscheckkonto Frankfurt (ällaiu» Nr. 198)3. — Artzecdem an: Postsparkaiss -Wien Nc.79605. — PoNkparkafseuamt Budapest Nr 18434. — Postscheckkonto Warschau Nr. 190767. - Postscheckamt Zürich Nr. 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Juli >dem bayerischen Beispiel V raun s chw e i g gefolgt, wo man sich sogar dazu verstiegen hat, auch für Federvieh (!) >einen Betäubungszwang vorzuschreiben. Diese Verordnung, die kein Beispiel in Deutschland ausweist, trat am 15. Oktober, also diese Woche, in Kraft. Daß man damit die Juden und nur die Juden treffen und zu „Tierquälern" stempeln will, unterliegt keinem Zweifel. Wie sehr dagegen das Judentum in Wirklichkeit zu dem eigentlichen Postulat des Tiers ch u tz e s steht, beweist eine ganze Reihe von Artikeln, bie aus jüdischer Feder in den letzten Wochen anläßlich des für den Jahrestag von Franziskus von Assissi proklamierten W e l t t i e r - s ch u tz t a g e s am 4. Oktober erschienen sind. Wir registrieren nur: „La Tribüne de Geneve" bringt einen französischen Artikel des Grand- Rabbin de. Geneve über „Mensch und Tier nach biblischer Auffassung". Bon Rabbiner Dr. M. E s ch e l b a ch e r -Düsseldorf erschienen Artikel über „Das Tier im Alten Testament" in den Wochenblättern von Erfurt, Magdeburg, Halle und Untersranken. Die Prager „Selbstwehr" bringt einen Artikel über den „Tierschutz in Bibel, Talmud und Midrasch". „Jddisk Familieblad" als einziges iü Dänemark erscheinendes Blatt veröffentlicht einen Artikel des Obertierarztes Dr. W. P e t e r s e n über „Tierschutz in jüdischer Beleuchtung" und zuletzt bringen die „Münchener Neueste Nachrichten" vom 4. Oktober einen bedeutsamen Artikel des Oberrabbiners Dr. I. Carleba ch : „Mensch und Tier". Nach einigen packenden Worten über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier in der Bibel schreibt Dr. Carlebach: Die Geschichte der Kultur ist eine Geschichte des gemeinsamen Wirkens und Leistens von Mensch und Tier. Die Herrschaft über den Acker, Brot und Kleidung, die Besiegung aller Entfernungen, die Eroberung der Welt, alles vermochte der ringende und siegende Menschengeist nur durch die Kraft und Willigkeit des Tieres zu erlangen. Ohnmächtig wären alle seine Unternehmungen ^urn Scheitern verurteilt gewesen, hätte nicht die überlegene physische Arbeitsenergie des Tierreichs seiner überlegenen geistigen. Intelligenz als willkommene Bundesgenossin sich dargeboten. r /! Gefühl unendlicher Dankbarkeit muß den Menschen erfüllen, wenn er an diese treue Mitarbeit denkt, die ihm Veredlung und Berfeiüerung bes Genusses, ©djöntyeit und steigende Würde ermöglicht hat. Dankbarkeit aber ist eineder grundlegenden 'Kennzeichen sittlichen Menschentums; denn sie bedeutet die Verewigung des Augenblicks, Besinnung auf das Werden und Wachsen des Lebens und damit auch auf den Wert der Kultur überhaupt. Solche Dankbarkeit ist aber auch gleichbedeutend mit Selbstachtung. Denn innerhalb , der Menschheit selbst ist die Intelligenz das Differenzierende, das die Stufenordnung der Menschen untereinander schafft. Nur ganz wenige Erlesene stehen aus der höchsten Staffel der Geisteshierarchie, und auch sie nur auf begrenztem Gebiet. Alle find wir Kärrner bei den Bauten der Geisteskönige, Dennoch freut sich jeder feiner Stelle. Dennoch wünscht jeder auch in der Rolle des Handlangers geachtet und gewertet zu fein. Die Achtung, die selbst ihm erwünscht ist, zolle er dankbar auch dem Tiere! . Das Tier ist M i t s ch ö p f e r d e r K u l t u r; es ist nicht nur Objekt, es ist auch, wenngleich nicht bewußt, Subjekt der zivilisatorischen Arbeit. Es hat darum Mitanteil an der Ewigkeitsleistung der Menschen. „Höher als Begabung setzten den Schweiß die unsterblichen Götter", sagten die Griechen. Was an jeglicher Arbeit sittlich, adelnd ist, das ist die dafür aufgewandte Mühe und Energie, die Ueberw in düng der natürlichen Trägheit, die Kraftentfaltung und Selbstdisziplin; kurz die Selbsthingabe, der Schmerz, den man in sich überwunden hat um der Sache willen. So wird für den Wert der Arbeit vor dem Richterstuhl der Moral nicht die in ihr verkörperte Intelligenz, sondern das rein Kreatürtiche, die Mühsal, der Maßstab. Diese aber haben wir mit dem Tiere gemein. Wer die Arbeitsleistung des Tieres nicht anerkennt, raubt sich selbst den Wert. „Heil euch, die ihr sät an allen Wassern, die den Fuß ihr strecket gleich Ochs und Esel", sagt Jesaias. Wer unentwegt seine Arbeit tut, der erreicht schließlich, die Dienstbereitschaft von Ochs und Esel. Solch treue Arbeitswilligkeit wie die des Tieres ohne Rücksicht auf Erfolg und Gewinn ist Strebeziel des Menschen ... „Unter dem Gebiet der Tierheit begreife ich das ganze System derjenigen Erscheinungen, die unter der blinden Gewalt des Naturtriebes stehen und ohne Voraussetzung einer Freiheit'des Willens vollkommen erklärbar sind; unter dem Gebiet der Menschheit ' diejenigen, welche ihre Gesetze von der Freiheit empfangen." „Der Ring der Naturnotwendigkeit geht durch Tier wie durch Pflanze. Die Individualität seines Daseins ist nur besondere Vorstellung eines allgemeinen Naturbegriffs: die Eigentümlichkeit seines gegenwärtigen Zustandes bloß Beispiel einer Ausführung des Naturzweckes unter bestimmten Naturbedingungen. Dem Menschen aber gibt die Natur bloß die Best r m - mung und überläßt ihm die Erfüllung." (Schiller.) Das ist aber die höchste Vollendung des Menschen, wenn seine Bestimmung auch ihre Erfüllung gesunden hat, wenn zwischen beiden die Kluft verschwindet und schließlich bei Menschen wie bei den Tieren der Natürzweck unter den für beide geltenden Bedingungen verwirklicht ist. Insofern ist die im Tier gegebene Daseinserfüllung Vorbild des Menschen. Je mehr du dich von deiner Bestimmung als freies Wesen durchdringst, desto mehr'wird der „Ring der Notwendigkeit", d. h. der absoluten Verwirklichung deiner freien Bestimmung auch