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Der Israelit · 1931-12-03 · Heft 49 (3.12.1931) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 49 (3.12.1931)
Date
1931-12-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 49 Der Israelit 3. Dezember 1931 Ainderecke. Die Einweihung des Tempels. Es war in der Nähe von Beth-Zur, im Feldlager des siegreichen Juda Makkabi. Voll Spannung wartete alles Kriegsvolk auf die Rückkehr der ausgesandten Späher. Sie sollten erkunden ob die Syrer sich zu neuen Kämpfen rüsteten Endlich kamen die Kundschafter zurück. Atemlos staubbedeckt traten sie vor Juda Makkabi und ihr Anführer sprach: „G'tt ist mit dir, mein Feldherr! Wir hatten uns ans feindliche Lager geschlichen, wie du uns befahlst. Aber — das Lager ist aufgelöst! die syrischen Truppen ziehen ab! Der Oberbefehlshaber Lysias selbst hat den Rückzug befohlen. Er kann uns nicht besiegen mit seinen entmutigten Scharen, die vor unserm Trotz und unsrer Tapferkeit zurückschrecken. Furcht packte sie, Furch! vor uns, weil wir unsern Glauben und unsre Freiheit bis zum Letzten verteidigen wollen. Lysias räumte das Feld — das Land ist frei!" „Das Land ist frei!" wiederholte jauchzend das Volk. „Jetzt ist es frei!" ertönte die Stimme des Feldherrn durch den Siegesjubel, „doch der Syrer wird wiederkommen mit neuer Macht, des könnt ihr sicher sein. Er wird uns auch dann gerüstet finden, Waffenbrüder, und wieder werden wir siegreich kämpfen für Leben und Gesetz mit unsrer Losung: 'n nwm Doch bis er wiederkommt, die Spanne Zeit, die wollen wir nützen Zu neuer Rüstung, meinh ihr? Rein, zu andrer Tat: Roch ist der Tempel durch den Götzendienst entheiligt, laßt uns hinausziehen und ihn weihen Auf nach Jeruschalajim, auf!" Begeistert stimmt alles Volk mit ein. In Eile wird das Lager abgeschlagen, es formen sich die Abteilungen und schon marschieren sie hinauf nach Jerusalem. Voll Stolz und Dankbarkeit ziehen die Heldenscharen dem Tempel zu, für dessen Reinheit sie gestritten. Und sie nähern sich der heiligen Stätte — da geht ein Weheschrei durch die Menge. Die harten Männer, die mit sich kein Mitleid kannten, jetzt brechen sie in schmerzliches Jammern aus beim Anblick des verödeten Heiligtums. Sie zerrissen ihre Kleider und klagten: „Seht die verbrannten Tore! Seht die zerstörten Hallen! Der Vorhof wild bewachsen mit Gras und Dornen! Auf dem Altar die Bilder des Zeus und Antiochus und Götzenaltäre rings im Heiligtum!" Und wieder übertönte d?e starke Stimme des Feldherrn die schreiende ^Renge. „Was klagt ihr?" rief Juda Makkabi. „Es ist nicht die Zeit, zu trauern über Verwüstetes — aufzubauen ist unsre Aufgabe! Ihr schafft die scheußlichen Bilder weg und zertrümmert sie! Ihr tragt die Steine der Götzenaltäre weg aus dem Vorhof! Ihr beseitigt Gras und Dorn und Unrat aus den heiligen Höfen! Und ihr dort, ruft uns Priester herbei, die sich nicht verunreinigt haben an den Greueln der fremden Götter, sie sollen die heiligen Arbeiten verrichten! Ihr sammelt alles Gold von der Beute aus des Feldherrn Georgias' Lager ein, damit wir eilends die weggeführten Tempelgeräte ersetzen können. Und endlich ihr, meine Getreuen, ihr behaltet Schwert und Lanze und schützt die Arbeit im Tempel. Bewachet das Werk, daß die Syrerfreunde uns nicht stören können!" Bewundernd sah die Menge auf ihren Feldherrn, der sie nicht nur im Kampf, sondern auch zum friedlichen Tun so kraftvoll anführte. In kurzer Zeit stand jeder an seinem Platz und begann seine Arbeit. Bald versammelten sich auch die treugebliebenen Priester, die sich verborgen gehalten hatten und begrüßten dankbar ihren Erretter. Freudig machten sie sich ans Werk, den Tempel wieder zu reinigen, doch auch ihre Freude trübte sich, als sie die furchtbare Entweihung sahen. Wehen Herzens rissen sie den heiligen Altar ein, da er entwürdigt und besudelt war. Aber die Steine, die einst unter Serubabel geweiht wurden? Jetzt war wohl das Blut der Schweineopfer über sie geflossen, aber waren sie nicht trotzdem heilig? Sollten sie ins Tal geworfen werden zu dem wüsten Steinhaufen der zertrümmerten Götzenbilder? Auch hier wußte Juda Rat: die entweihten Steine wurden in eine besondere Kammer gebracht und sollten dort aufbewahrt werden. „Wie lange denn?" fragten die Priester. „Bis Elijahu kommt, der Prophet, und die Frage entscheidet!" Eine neue Schwierigkeit tauchte auf: Woher die unbehauenen Steine nehmen zum neuen Altar? Auch diese Frage löste ihnen Juda: aus unterirdischen Kalklagern wurden sie geschnitten und zum Altar gefügt. - Fieberhaft wurde gearbeitet. Und überall war Juda Makkabi und seine Brüder, sie befeuerten die Männer und wußten Rat und Hilfe. Reue Torflügel wurden eingesetzt, neue Geräte verfertigt, ein neuer Tisch für die Schaubrote, ein Räucheraltar und auch der goldene Leuchter wurden in großer Eile hergestellt. Roch hatte jeder der Priester vor seinen Augen die Formen der heiligen Gegenstände, die er so oft berührt und wie von selbst fügten ihre Hände die Teile zu den Geräten zusammen. Endlich, in kaum drei Wochen, war alles vollendet. Es breiteten die Priester die Vorhänge aus, sie legten die Brote auf den Schaubrottisch und führten die Opfertiere herbei. Drei Jahre waren vergangen seit dem Tag, als der Tempel von den Syrern entweiht worden war und nun sollte die feierliche Einweihung an diesem Tag begangen werden. Und sie standen früh auf am Morgen dieses fünfundzwanzigsten Tages im Kislev und unter Lieder und Harfenklängen ward das erste Opfer auf dem neuen Altäre dargebracht. Innigste Freude füllte alle Gemüter. Und nun sollte endlich auch der heilige Leuchter wieder entzündet werden. Den jüngsten Priesterknaben sandte Juda in die unteren Gewölbe, um die versiegelten Krüglein mit dem heiligen Oele zu holen. Doch bestürzt erschien der Knabe wieder — die Siegel der Marmorkrüglein waren erbrochen! Ratlos standen die Priester — ein tiefer Schatten legte sich auf ihre Freude. Aber Jüda fragte: „Hast du gut geprüft, Knabe, ist denn keines mehr unversehrt?" „Rur ein einziges, Herr, fand ich, das noch tauglich ist, ein kleines und das wird nur für einen Tag genügen." „Gib es her," rief Juda, der Makkabäer, „wenn G'tt will, kann >es auch acht Tage leuchi:en, bis neues Del zu beschaffen ist." Und er entzündete die Lampen am heiligen Leuchter, daß ie an der Vorderseite des Leuchters erstrahlten. Und hell brannte das Licht die ganze Nacht hindurch. Am Morgen wurden neue Dankesopfer dargebracht und jubelnd schmückte das Volk den Temvel mit goldenen Schildern und Kränzen Tag für Tag — und noch immer brannte das Licht am heiligen Leuchter. Neues Volk strömte herzu und warf sich nieder vor G'tt und dankte für die wunderbare Errettung und es sangen die Leviten Lobespfalmen Tag für Tag — und noch immer brannte das Licht am goldenen Leuchter. Die Freude war groß unter allen Juden, daß G'tt die Schande von ihnen genommen hatte, die ihnen die Syrer angetan. Acht Tage lang feierten sie in Jubel und Dankbarkeit das Fest des neu geweihten Tempels und acht Tage brannte das Licht am heiligen Leuchter mit dem Oel des einen kleinen Krügleins. Mit leuchtendem Antlitz stand Juda Makkabi vor dem wunderbaren Lichte. Er gedachte des Aharon, seines großen Ahnen, dem das Entzünden des Leuchters als hohe Wüstde und Ehre bestimmt würde — als er betrübt war, daß er und fein Stamm kein Weihegeschenk dargebracht hatte wie die Fürsten Israels. Immer werden die Lichter erstrahlen zur Vorderseite des Leuchters, wurde ihm gesagt und die Segnungen, die G'tt ihm gegeben für seine Kinder hören niemals auf. Vielleicht war um frei' Verdienste Aharons willen uns dieses Wunder der Lichter zuteil geworden?, dachte Juda. In Demut neigte sich Juda Makkabi vor G'tt und betete: „Herr der Welt, auch dieses Wunder hast Du uns noch getan zu den Wundern des Sieges, den wir ohne Dich nicht erfochten hätten. Ich als Feldherr weiß es genau, daß nur durch Deine Hilfe wir gesiegt. Du strittest unsern Streit, Du gabst die Dielen in die Hand der Wenigen, die Starken in die Hand der Schwachen! Du nur tatst es, unser Herr — wer ist unter den Mächten wie Du, o G'tt!" Auch eine Tempeleinweihung. Ein Traum. (Von einem 10jährigen Jungen.) Am Simchas Thora, gerade bei dem Tanzen, kam ein schlanker Mann, nur aus Streichhölzern geschaffen, mit einer goldnen Krone auf dem Kopf und einem Schwerte in der Hand, in die Synagoge. Er schrie: „Ich bin euer Erlöser!" Alle erschraken und dachten nach. Endlich sprach er: „Ich bin Moschiach!" Die Leute freuten sich. Als der G'ttesdienst aufhärte, liefen alle Leute schnell nach Hause. In allen Schränken war nur Gold. Die Leute wollten nach Jerusalem ziehen. Die Schränke waren zu schwer einzupacken. Plötzlich wurde alles Möbel ganz klein und die Leute taten es in eine Schuhschachtel. Am nächsten Tag gingen säst alle an Den Bahnhof. Für. jede Familie war ein Wagen eingerichtet. Es waren sogar Betten darin. Wir fuhren fortlaufend bis ans Meer. Dort war 5 Minuten Aufenthalt. Auf einmal spaltete sich das Meer und die Schienen liefen weiter. Wir fuhren bis nach Jerusalem. Dort packten wir aus. Das Möbel wurde wieder groß. Das Gold wurde einem Baumeister abgegeben. Er und einige Bauburschen erbauten den Tempel. Am Schabbos ging ich mit meinem Vater und meinen zwei Brüdern hinein. Es war fast nur Gold, Silber und Marmor darin. Jeder staunte. Moses stand mit seinen Hörnern vornen. Aron opferte ein junges Kalb auf dem Altar. Alle ^rielter hatten nur 4 Kleider an. Als der Thoroschrank beim Oesfnen war, erwachte ich. Das war sehr schade. Es war ein schöner Traum. _ F- H- Die Alenorah. In allen Schaufenstern der jüdischen Buchhandlungen leuchten um diese Zeit die Menoroth aus Silber und Messing und locken zum Kaufe. Manch einer, der lange gezögert hat, geht hin und sucht sich schnell noch einen Leuchter aus. So kann man's natürlich in Erez Israel auch anstellen, um sich eine „Chanukiah" zu erwerben. Aber man kann sich, denkt euch mal, auch auf der Straße — hast du nicht gesehen — einen Chanukaleuckter anfertigen lassen! Stellt euch mal vor, da sitzen an manchen Straßenecken jemenitische Juden mit ihren Zinnblechen und ihren Werkzeugen und mit ihren so geschickten Händen machen sie dir eine Menoroh, die du gleich mitnehmen kannst. Freilich, sehr haltbar sind diese Leuchter nicht, aber du muht sie auch nicht teuer bezahlen und vielleicht kannst du dir nächstes Jahr eine schönere „Chanukiah" kaufen. Man kennt in Erez Israel weniger die bei uns übliche Form, die an den goldenen Leuchter im Tempel erinnert, mit den aufsteigenden Röhren, die zu beiden Seiten aus einem Stamme herauswachsen. Dort, in Erez Israel sind die Chanukioth meist so gearbeitet, daß die einzelnen Lampen an einem flachen Rückenteil befestigt sind. Am oberen Ende der oftmals geschmückten Rückwand ist ein Ring oder auch nur ein Loch angebracht, die zum Aufhängen der Menorah dienen und so werden sie außen an den Häusern neben den Türen ausgehängt. Freilich gibt es um diese Zeit auin Palästina manchen Regen und Wind, aber die Licktlein brennen tapfer am Pfosten unter dem Schutze eines Dachvorsprungs und künden das Wunder von Chanuka. Das ist doch schön, nicht wahr? Nächste Woche werde ich euch aber noch mehr von den Chanukafeiern in Erez Israel erzählen. Die Auflösung des hebräischen Rätsels heißt map. Ttan sollte von dem Wort mivv fünf, d. i. o abziehen: bleibt pve?; dann mußte man -p'vd. h. ein "S" in die Mitte stellen — Tisrnw- Richtige Lösungen sandten ein: T. Zilbermann, Prostken (Ostpr.), Moses I. Groß aus Tereswa; I. H. Tempelhof, Köln; Erich Gradmann aus Jchenhausen: A. Davidsohn, Rastenburg,- Meier Frant, Berlin: Heinrich Stern, Bratislava (das eingesandte Rätsel, ist etwas schwer für unsere jungen Leser: wir müssen jetzt einige leichtere bringen und können erst später wieder ein hebräisches Rätsel aufnehmen).

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