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Der Israelit · 1931-09-24 · Heft 39-40 (24.9.1931) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 39-40 (24.9.1931)
Date
1931-09-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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töl: i 73dm.3iQ3c -non J ricr zum \fC..3iU^ (QQI^ :£i{ . m's A(anm^ , stnp -A-j tä« 07 iXlOU Die Dreiläüderfahrk des '.??;?? Keren Hathora.;?-jpM? rm Csto f e z Chäjim. j■> In Wxtü i rt — und zur Zelt irr einem Dörfchen daneben -^7 residiert ein Heiliger wie aus uralten/Zeiten und zugleich>ein,.-W-e..tt.iy> i f er > der mit den: Dingen unserer Weu/aufs?'Engst.e?verwebt ist. 93jährig,?sitzt der Mann im§Lebnsessel,HeiN: einfacher, alter Jude/In fast durstiger Kteioung,' mit? der .typisch polnisch-litastischen Mütze:aüs' öM" Mpf/' ^Warum kommt man zu einem alten schwachen Jüden?" fragen seine fast kindlichen Augen. Eine Brocho? „Gut! Ein Greis bin ich, das kann mir keiner streitig/machen, ein Kohen auch, also kann ich den. Kohanimsegen -/sprechen. Aber wozck? Die Thora, 'die kvwmettde/S.idro, gibt euch dis schönste Vrocho: „Ree nossati? lefonecho/ Hajom es Habrocho!" Und am Ende hat er nur /e i°n?e Brocho: ,>Tut Teschuwo! Denn nur auf dem Wege, der Teschuwo kommt die Gell l a h!" Und die Geulah sieht er> spürt er in allen Poren, erlebt er -im Träumen und im Wachen. Und. alle erleben es mit ihm, die im Banne-/seines Wesens und Wortes vor ihm stehen. Stundenlang-spricht er, und von nichts anderem//als von-Mofchiach, Erlösung,, Misbeach und Opferdienst. Wir sehen vor diesem Sessel den Kohen GodauWm Tempel unserer Träume- - die für .ihn/lebendige Wirklichkeit und Gegenwart sind ... ' Alterserscheinungen?. Solcher .Gedanke? verschwindet vollkowMEÄestn'ver^siiaWi'äustNe-jüöifchenMoMeltförmlich und verspricht, es noch zu packen. Neben mir im WagensitztRabbi Jeruchem, und das wirkt durchaus beruhigend . . . Aber etwa zehn Kilometer vor dem Ziele denkt sich das malträtierte Fahrzeug: was zuviel ist zuviel und legt sich glatt Und fänftiglich, wie ein übermüder Gaul, auf die Seite: Wir können nicht zurückstehen und legen uns ebenfalls auf die Seite. Zum Glück fällt manr-auft-einer poknisch-litauischen/Landstraße/nicht hart. Die historisch geheiligte „Blotte" legt sich samtweich um unsere Glieder, daß/ ihrer keines Schaden -nimmt-/? . ^Mostdie Rotjam'! größten; M?ist; eine; kleinev-Bauern^ -führe am nächstem Sie ist beladen mit Mist, frischem Heu und grünen - Gurken. I Rasch werden die Gurrten-!! ausgeladen-. und : wir:.- an > ihrer -.- statt eingeladen. Mir!/sitzenwieder meich/^Däs.Mäulchen, dessen -. lange! spitze-;Füße - für -diese' Wege. wie -geschassen - sind,; trabt- Hurtig idavon-/als -wollte es .zeigen, - was-es vor idex- Ma-. Wne)väraus-chat/ uud:-ist - an der: Station justim -Momente,. da dervorheigefahrene Zug noch den letzten Rauch wie? Abschi-edsgruß von sich - gibt: - Der - Mann ander Station,/ rocklos,!; barfuß,■ mit: einer einmal rotgewesenen Mütze > auf-; dem .• eckigen - weißrussischen Kopf, entschuldigt sich/und/semen Zug/ Der/Zugfsthrer-Hätte-nns-nicht mehr gefehen, er chatte? sonst /sicherlich noch - eine Meile gewartet. sragep der Hegenwart überleitet. Er ist nicht alt, und sätioneü'? dte-d'ie H Ttetf glEM^öhn^chU' ^ech MzüpyWn. HitztMer die Krankheit im Herzen, .so gist es,^ 'MKHÄh M-D'Srkenp düün^weröenMlle Mgaste-und-» Glieder vo'n'Istlbstifünktiöstl'e'kM?/-Mnzige-lMeöiziü^Mr''das "Hetzches'^füdischenl OtMniZstm^<!ist?die?ThökÜ-. «hk p'p;!•.<> P!er'^noch-IützötzWeustd?vM?RäbLi -Jü? vdeV EÄastttzr Md' Mbbi > Äzch'ok - i Elchvnön l WM' deffeti- Aater Änd^Lesirest' Nöchchen Wilnaer » Gaon' und - R.' Ehäjim.MAoschinet^Mnten^-verkMstert Wdische ^VergangeM heM Ge'gestwäVk'W8 rZüMW^W^chiu^r^^trM-Noßsr VergarigWh'ert>'^ Mt ist^keivvoller- GbgMwärt Md schMA in die letzte Zukunft, erlebt Moschiach und tGtzuläh???- - DÜSßmttd r>'kam nicht i-weiter,! aber/ die /Gäste hatten sich .'ämMettei'des Greises/fö viel-Kraft in; Ihr Herz getankt^' daßlÄsiMdäbA-Mngew/'konnttzn^.'-.Ä /U ,tJ in ads ‘k' W-;e'fi7ö 5c N4-, -V?;??.? i?J^wischen '' chatte' ' Vetsässer -?dstses-/i.Börichtes-?'-'seine: eigene^PaMe? w'on^ der'ev-mcht' erzählen 'würde, wäre-sie nicht jo Mef l einschneidend / für' denMert Mstrer /Studien»' reise.' _.nf. Hü!!-. Bort ^Wir-'erreichtlWält'-di<'Schienen, die zur--Welt fühchn.'^Wtföls'/eiE''Achtvfährt'-vöNi Mer chüten/chalben StUsthtz, -ästfs' An'eNf- .Wege/? - der - sich1 ' für-5Me -Luftfahrt besser'- eignest'''würde; -nstch/- 8er Station 0. ö rö d züch.' Der«Zu^niach 'Mlnä Kassiert^dört ' kurz nach junf^'Uhk nachmittä'gtz; s0'chtstelle/ich das Auto^für vier Uhr- und es/ konMt.PünktlichMchr vör-jünf'ängesaüM Der' brave- Weitzchuffes- MrsWitevjmeiner' l Geschicke/ auf / dieser' ./Fahrt/ gibt OolloWpft /-Dän'Äütoche'N, --augenscheinlich i 'einRe-: guisit aus der Rumpelkammer der weilanddeutschen Okkupation, hüpft über Sand und Geröll, rast, schwebt iginb jfi Turnübungen itt d^k SVMWtzproronie/der Agudas Jisroel.! 'ii4 E?U: iIn Rttbka (Polen)»?1 [ 'D^Äbedeutet? für -mich eiüe' hälbe Rcht in Horst 8 z-i st^ und' eine'' ziveite halbe' Rächt M B a r-a n o - rv'i-r,z'i Mon cho?erst in der Morgenstunde ein'Zug nach' Wilna?' geht. '-Es list jetzt halb/ sechs- / heller, , warmer: RstchMtäg/'die' 'Weiterfahrt kann erst/nach Mitternacht erfolgen:?'Was'-tun? '- -' -'- "RÜbbi- -Ierüchem sieht mit tiefumschatteten Augen -versönneW in chie' W'öite?/ Ich' merke/fchstn,/ er /verarbeitet' dä's ÄänMzu einer Mussarrede/ Wie geschafsen als- Text ßüfh EMhörnSHt, Ihr - ^Kinder-.' inan kann sich nie zu früh für den Weg rüsten. 'Und scheint/die Zeit noch-sa "läng? und der Weg -noch so/kurz' und'/glatt/ es kommen; Ungeahnte - 'Hindernisse - Weheaber,? wenn! der 'Anschluß'' verpaßt - ist v. i; oft um eine Minute nur . . . Rauch und Dunst-;'Mdndas- Ziel ist verfehlt . ... Gibt' noch' fpMren,' letztenAnschluß,?aber dann hat isich die? Sonneunser?e's- LebenS gesenkt, es ist Nacht um uns ' ''Ich' abrr mäche aus Hern Malheur,' wie Sie sehen, ech Feuilleton, .^und wst .sind ^all.e versöhnt , . .? ' Kteinstadtty pen. -"/? .--:}p .;Wir besuchen den Ortsrabbiner. Erste Ueberraschung! In.diesem" g'ttverlassenen Dörfchen, das aus einer einzigen krummen Gasse grauer, trostloser Hütten und Baracken besteht? sitzt .ein Rabbi; der' ein S och n/ v o m ,/Mst'ns-keit -Gvdäül^ und selber ein Godaul. ist. Die zwei Stuben seiner ärmlichen Wohnung sind blank und sauber. Dasinnere Gemdch ist mit heiligen Büchern ungefüllt, es ist auch die gesamte Bibliothek seines großen - Vaters dabei. ' Er lobt das eilige Züglein, das mich ihm für ein paar Stunden überlassen hat, und läßt — höchste Ehrung im Osten — „den Samowar stellen" (Teemaschne.in.Funktion bringen). Rach und nach sammeln sich alle „Notabelst" des Städtchens? int Rabbinerhause um mich und? um den .blinkenden bauchigen, dampfenden Samowar herum. Die Sache vom./versprengten Teil der Expedition"; hatte sich rasch herumgeredet. Diese Leute alle haben viel,, viel Zeit. Früher, so erzählen??sie, war Horodziy Eisenbahn- .knotenpunkt der ganzen Umgebung. Die Geschäfte ragten weit in Rußland hinein, über Minsk, Sluzsk, bis Moskau. Man hatte alle Hände voll zu tun. Jetzt ist alles abgeschnitten. Obwohl eine knappe Stunde von Sowjetrußland entfernt/. fuhrt kein Weg dahin. Im Städtchen nackte, stille Armut.. Zu der einheimischen Armut kam noch die aus. der Umgegend mit Flüchtlingen aus Wilna und sogar äus Sowjetrußland. Keiner weiß, wie er das Brot für den Tag aufbringen soll. Das ist das polnisch-litauische Städtchen, eines von vielen Hunderten. Ich frage den Rabbiner, wie er in einer so armen Gemeinde sich mit seiner Familie durchhalten kann. Seine ganz einfache Antwort lautet: „Der Row ist dazu da, um seiner Kehillo zu helfen." Gegen Abend begleiten wir den Herrn Rabbiner in die Schul. Wir überall, ein Holzgebäude mit phantastischen Schnitzereien an der Heiligen Lade. Schwankende Gestalten füllen den Räum, stehen an ihren Ständern wie die Schatten einer geträumten Geisterwelt. Nach Miucho verteilt der Schammes Talgkerzen. Das Städtchen hat kein Gas und kein elektrisches Licht, die Schul -keines Sdnipeh;-'föHÖertf nur Röhrchen für die weinenden Talglichter. Einige der Besucher schlagen ein heiliges 'Buch äüs: Unten am Tisch gruppiert sich eine Schar stÄr-Mfgeschkagenen Folianten: Der.-Vortragende istnicht der l Rabbiner, sondern einer aus' der Mitte; dieser abgerissenen, ausgemergellen - Menschen..: I Ein Mann tritt auf mich zu/ vor. dessen Anblick ich zunächst erschrecke:'!.'Er - hat trotz - des heißen Sommerwettevs Mehrere? Roche -übereinander an, alle vorne offen Md dev Me zerlumpter - als; der anders. Obendrein -HMMnoch ein?verschlisfener; Wintermantel lose! über » feisten? Schultern. Um den Hals hat: er ein dickes. Wolltuch -von unbestimmter Färbe gewickelt, das wie ein künstlicher, Kropf aussieht. Aus den wildstruppigen Barthaaren schauen ' nur »ein paar Gesichtsknochen und; ein paar stechende-Augen heraus. -Eine unheimliche Gestalt, 'mit der man im Westen nicht gern zusammentrifft. Automatisch greife ich in die Tasche, um dem Mann einen Zehner zu 'geben. Rein, nicht das wollte er, er wolle mir nur-Bücher offerieren.' Wäs wird ein-Mann von dieser Aufmachung -schon für Bücher haben? Einen gut erhaltenen Gesenius -möchte er mir verkaufen,- nur 3 Dollar, auch billiger. Außerdem das große Werk„Die Zoologie im Talmud" (er -sagt „Sologie".) Er nennt noch andere wertvolle Sachen und zuletzt hat er s e l b st ein e n Kom m e nt a r zu „More Rebuchim"?oon Maimonides geschrieben. Wie kommt der Mann zu solchen Dingen? Da erzählt er mir eine Geschichte, die eigentlich nicht neu ist und doch immer-neu wirkt, und erschüttert. Er hatte in jungen Jahren andere Ambitionen, lernte als Externer, studierte,'hoffte, heiratete, hungerte, lehrte als Melamed, alterte Usttz-serkränkte/und; landete zuletzt in Horodziy, wo er nun versucht bei Fremden aus seinem geliebten Bücherschatz etwas ynzubringen, um den Hunger der Familie wenigstens-für ein paar Tage zu stillen. So sehen, die ,>Bagabunden" im litauischen Städtchen diessM? ustd -jenseits der polnischen Grenze aus. Mein „Hotel" für die erste Nachthälfte ist ein düsteres, schmutziges Zimmer mit einem Bett, von dem ich

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