Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 39-40 (24.9.1931)
- Date
- 1931-09-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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24. September 1931 Frankfurt a. M., den i3. xw sssr Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum [[[0| Will Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. lll Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.39 Mark monatlich; Ausland: Bterteltahrpreife (entf ' " -- ' -- --- ' " kandes) Deuts c> Frankreich88Fu,—„__ «.. flavien 88 Din.; Litauen 7L0 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 189 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowakei 38 Kronen; Ungarn Pengö 6 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.89 Krön.; Norwegen 3.89 Krön.i!Schweden 3.59 Kro». Einzelnummer vierzig Toldvfennige. Der ■ Nonp--- -- Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte 3--- —, ----- —, Thisfregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bel lanfenden Jnferatauftragen tartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de» Verlag des Israelit V. m. b. H., Frankfurt a. M, Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa 31084 sow. durch fLmtl. Annoncen-E»ped. d. In- und Auslands. Alleinige Inseraten«»». für Frankf. Geschiiftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderlinstratze 38 Tel. 45888. Platzvorfchr. ohne Verbindlichk. direkt an den Verla, Warschau Nr. 199767. - ^eckkonto Frankfurt sMain» Ne. 19612. — Aatzecdem an: Postsparkasse Wien irtch Nr. VIll 7354. - Postscheckamt Amsterdam Nr. 34869 - Postscheckamt Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt Nc.79695.—Poitsparkaffenamt Budapest Nr. 18434.—Postscheckkonto t Prag Nr. 79.060 — Banca Marmarosch Blank & Co. in Bukarest ^Verpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Oktober Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst. Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G, m, b. H., Frankfurt a.M. Die heutige Ausgabe erscheint ats Doppelnummer. Die nächste Nummer erscheint — mit Rücksicht auf die Feiertage — am Donnerstag, den S. Oft Gin Schmittohjahr ging zu Ende... Lukkausgedanken zur Weltkrise. Es gehört schon eine große Dosis von Optimismus, von Welthoffnung und Zukunftsbejahung dazu, um in einer Zeit, da im Osten eine Gottlosenpropaganda sich gegen Jomkippur austobt und „zehn Tage der Abkehr" (statt Umkehr) veranstaltet, da in Deutschland hundertunddrei geschändete Friedhöfe den Weg entfesselter Menschenbestien über Lerchen anzeigen, von der „Ehrfurcht vor-G'tt" zu sprechen, die „all Seine Werke und Geschöpfe zu einem Bunde um Seinen Willen einen soll." Wie weit muß unser Geist sich über die Gegenwart Hinausschwingen, in einer Zeit, da dem zum Abendhimmel sich erhebenden jüdischen Gebete: „Das Unrecht, möge den Mund schließen und alle Bosheit wie Rauch verschwinden" vom Mob auf der Straße mit Ueberfällen auf jüdische Menschen und jüdische Häuser ein „Nein, das Unrecht schweigt nicht!" entgegengesetzt wird! Es gehört schon geradezu eine Verneinung der Zeit und ihrer Wehen, des Tages und seiner Nöte dazu, um mitten im Krisensturme, der den Gemeinwesen die Grundlagen ihrer Entfaltung, den Einzelnen Arbeit und Brot nimmt,, Feste der Freude zu feiern, mit Festhütte und Feststrauß, Dankeslieder anzustimmen, als hallte die Welt von Freude, Frieden und Zufriedenheit wider. Aber wir haben dieses Maß von Weltgefühl, Welthoffnung und Zukunftsbejahung. Und das ist es, was unserem Volke den Ewigkeitscharakter, unseren Gebeten den Ewigkeitsklang, unseren Tagen der Weihe und Freude des G'ttestages einen Funken gibt, der t a u s e n d Jahre währet. Der Feststrauß versetzt uns in eine Zeit, da Israel seinen Staat und seinen Boden, seinen von G'tt gesegneten Acker auf dem Lande und das Heiligtum in Zion hatte. Die Festhütte führt uns noch ein Jahrtausend weiter zurück, in die Wüste hinein, durch die ein heimatloses Volk einem fernen Ziel entgegenzog. Hinter ihnen Fron und Knechtschaft, vor ihnen in weiter Sicht eine von ewiger Sonne beschienene Heimat, um sie herum rechts und links Oede und Weglosigkeit, aber über ihnen eine schützende Wolke, die nachts sich in Feuergluten verwandelte, leuchtend und weisend. Der Landmann im Judenstaat, der Thorabauer, war immun gegen die Gefahr, zum Sklaven seines Bodens zu werden, zum Anbeter d e r Naturkräfte herabzusinken, die ihm mit der Morgensonne und mit dem Abendtau jahrein jahraus halfen, das Brot aus dem harten Boden zu ziehen. Sonne und Regen hatte er als Voten G'ttes anzusehen gelernt, mit „Hoschana" die Wasserspende von oben herabzuflehen. Sagte ihm doch die erste heranreifende Frucht schon, sie blühe nicht als Lohn seiner Arbeit heran, sondern als Erstlingsgabe für den Herrn. Der Erntekranz am Feste des Einheimfens steht ihn im Heiligtums der Nation, in der Gemeinschaft seines Volkes, in Gesellschaft der Priester und Levitenscharen. Er schwingt den Strauß, stummen, duftenden Zeugen seines Erntesegens, unter Sang und Dank: „Oben Du, unten Du, vor mir und hinter mir, rechts und links, überall Du und Du! . . ." Erdgebunden in weiterem Sinne als der Stadtmensch ist der Landmann, aber darum nicht e r d g e f e s s e l t. Mit dem Blühen seines Feldes blüht das G'ttesbewußtsein, das Gemeinschaftsgefühl in seiner Brust, reift die Erkenntnis mehr .und mehr in ihm, daß er mit seinem Schweiße dem Volksganzen dient, und dieses , Volksganze von G'tt zu höheren Zwecken, zur Erfüllung seines Weltenplanes auserkoren ist. Von der Aussaat bis zur Ernte ist fein Weg mit Ge- und Verboten gepflastert, die ihn den höheren Sinn von Arbeit und Erwerb erkennen lassen und seine Verbundenheit mit G'tt aufrecht erhalten. h nw3 82N 1112 grüßen ihn die Priester und Leviten, wenn er mit seinen ersten Fruchtkörben ins Heiligtum kommt. „Gesegnet, der da kommt" — und aller Arbeit Erfolg G'tt anheim stellt. Wir, die wir im Hause G'ttes alle Tage weilen und uns in seinem Lichte sonnen dürfen, wir tauschen mit Euch den Gruß und den Segen — wir mit dem geistigen und Ihr mit dem irdischen Besitz — „aus dem Hause G'ttes aus." - ♦'*T 71'2» D2nS 112*12 Es gab keine geistige Krisenluft im Staate, der von Zion seine geistige Nahrung erhielt: ein dichtes Gehege von Gesetzen und Maßnahmen schützte vor dem Abgrund, wo Geist und Glaube in der Anbetung der Macht, der Arbeit und des Besitzes versinken. So blieben Staat und Gesellschaft, allsolange sie vom Gesetze zusammengehalten waren, auch von wirtschaftlichen Krisen verschont. Der geistige Austausch zwischen Stadt und Land, wie er in den Festen der Freude vor sich ging, war auch ein w i rts cha fEtlicher Austausch, em sozialer Ülusgleid). Sich freuen, heißt in der Sprache der Thora E r - freuen: des Fremdlings, des Waisen und der Witwe gedenken. Der dankerfüllte Aufblick des mit dem ersten Segen des Feldes im Heiligtume erschienenen Landmannes war vom Gebete begleitet: „Schau herab von deiner heiligen Stätte im Himmel und segne das Volk Israel und den Boden, den du uns gegeben hast" — den Boden, auf dem es keine Enteigneten und keine Enterbten geben konnte . . . Und einmal in sieben Jahren kam mit Schmittoh der kleine, und einmal in fünfzig Jahren mit Jowel der große soziale Ausgleich. Der Zeiger an der sozialen Uhr war für eine Jahreswoche oder für ein halbes Säkulum zurechtgerückt. Wir haben es im abgelaufenen Jahre erlebt, was es mit dieser Schmittoh, diesem. Jowel auf sich hat. Von der anderen Weltseite kam über den Ozean ein leiser Schmittohrus zur alten Welt hinüber. Moratorium, Tilgung der Schulden, Stillhalten der Verpflichtungen! Es war noch nicht unsere Schmittoh. Aber schon der bloße Ruf, das über das große Wasser geworfene Wort, schon der