Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1931)
- Date
- 1931-09-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 33 Der Israelit 17. September 1931 Nun brauste die letzte verhaltene Wut aus dem Tschekisten hervor: „Das würde Euch gerade so passen. Zu F u ß, daß die ganze schwarze Garde draußen, die um die Festung herumlungert, Euch im Triumphzug durch die Straßen führt und wir noch zu guterletzt mit den Maschinengewehren dareinfahren müßten . . . Gibts nicht! Noch haben w i r zu befehlen, nicht die finstere Reaktion. Ihr fahrt sofort im geschlossenen Wagen unbemerkt und unbeachtet unter polizeilichem Schutz nach der Bahn." „Ich werde am Sabbat nicht fahren," sagte der Rabbi ruhig und bestimmt. „Alle Kanonen Rußlands werden mich nicht zwingen, den Sabbat noch kurz vor seinem Scheiden zu entweihen." „Wir haben Machtmittel," raste Lunow und fuchtelte mit der Faust herum, als wollte er dem Mann ins Gesicht fahren. „Wenn man mich fesselt und wie einen hilflosen Klumpen in den Wagen wirst, so bin ich wie in Räuberhand unschuldig. Freiwillig steige ich nicht in den Wagen, auch wenn es das Leben kosten sollte . . ." „Sabbat, Sabbat und wieder Sabbat!" tobte Lunow. „Sie haben ja auch hier und in Moskau nicht nach dem Sabbat gefragt, da sie dort alle Aemter im Kreml bestürmten, um ihr Edelopfer frei zu bekommen . . . Und nun wieder Sabbat! Diese Schwachköpfe — es war nicht ganz klar, wen er damit meinte — kämpfen gegen die Weiße Garde, vernichten sie und kapitulieren vor der Schwarzen Garde . . „Ich werde am Sabbat nicht fahren." Melodisch klang das Wort, fast wie eine Fortsetzung des Sabbatnachmit4agsgesanges, in dem ihn Satan vorher gestört hatte . . ., „Das ist eine neue Widersetzlichkeit," überschrie sich Lunow ganz außer Fassung. „Sie genügt schon an sich, daß wir Euch ohne Kläger und Richter und ohne Weisungen von Moskau an die Wand stellen." „Ich werde am Sabbat nicht fahren." Lunow stürzte hinaus und schlug die Tür so heftig hinter sich zu, daß die Fenster wackelten. Er lief durch die Korridore, von Amtszimmer zu Amtszimmer, hatte so viele Formalitäten zu ordnen. Und — mit oder ohne Absicht, — er wurde nicht eher fertig, als bis drei Sterne am Himmel die Nacht ankündigten. Der Rabbi in seiner Zelle hatte die Hymne vom Propheten Elijahu zu Ende gesungen. Da öffnete sich das große Tor und im geschlossenen Wagen fuhr der „Lubawitscher" hinaus. Er hatte keine Zeit mehr gefunden, seine sabbatlichen weißen Atlasgewänder abzulegen. Die Menschen draußen im Zwielicht der blassen Laterne, nicht in einer Front, aber in Gruppen und Grüppchen, stürzten, alle Vorsicht und alle weise Mahnung außer Acht lassend, auf den Wagen. Irgendwie war durch die dicken Festungsmauern die große Wandlung durchgesickert. Auf einmal wußten alle Bescheid. Ein Andrang entstand, daß der- Wagen nicht weiter konnte. Manche schickten sich an, die Türe aufzureißen, die Pferde auszuspannen. Schon stellte sich ein Kommando Soldaten mit überschultertem Gewehr in Bereitschaft. Da schrie der Rabbi flehend, bittend, beschwörend und zuletzt befehlend durch das vergitterte Fensterchen hinaus, und die Stimme trug sich wie durch Lautsprecher immer weiter durch die Menge: „Freunde, nehmet Vernunft an. Ihr gefährdet Euch und mich und die heilige Sache. Geht ruhig von dannen." Und was ein ganzer Polizeikordon, aufgerichtete Maschinengewehre, ein aufgestelltes Soldatenkommando mit schußbereitem Gewehr nicht vermochten, dieses eine Wort brachte es fertig. Die Menschen zerstreuten sich, gingen wortlos auseinander. Der Wagen fuhr ungestört nach dem Bahnhof. (Fortsetzung folgt.) "“nnfe m in Singularsorm. Von Benzion Rachelsohn in Frankfurt a. M. In Nr. 22 des „Israelit" fragt Herr Dr. Kaatz — und, wie Herr Rabbiner Jakobowitz-Köln später berichtet, srug dies bereits f*3 '‘unsi '—i in seinem Q’aan nw’»o nso —, warum der Name —iPia der zweiten Mischna-Ordnung in Singularform gehalten ist? Diese Frage wäre berechtigt, selbst wenn die Namen aller anderen Dmo auch die gleiche Form hätten. Denn in ipi« no kommen sämtliche nnym zur Behandlung, mithin erscheint auch beim Namen, dieses no die Pluraljorm als die einzig richtige. Die Frage gewinnt aber noch an Schärfe dadurch, daß die Namen der anderen ea’iio durchweg in Pluralform gehalten sind. Da fragt man sich, warum soll denn nun ma no anders sein? Zu diesen! letzteren Punkt jedoch, .nämlich zu der Verschärfung der Frage, ließe sich vielleicht folgendes sagen. Gewiß, die anderen Namen sind alle in Pluralform gefaßt. Wissen wir aber auch warum? Wissen wir, ob die Gründe von dort auch hier, beim Namen von ivia no angehen? Darum gilt es zunächst, m. (£., Ne Formulierung der anderen Namen richtig zu verstehen und erst dann zur Motivierung des Namens mo überzugehen. Machen wir also den Versuch: Der erste Name ist a’nr. EPrir ist Mehrzahl. Wir wollen nun wissen, warum solcher nicht in der Einzahl formuliert ist? Ja, wie soll aber dieser Name in der Einzahl lauten, etwa pn? Ohne hier näher darauf einzugehen, inwiefern vir weniger Plural ist als a’Pir, kann die Bezeichnung yir für den ersten no schon deshalb nicht in Frage kommen, weil nämlich unter yn — wenn nicht gar vorwiegend. so wenigstens doch sehr oft, Keime bzw. Nachkommenschaft der organischen Wesen verstanden sind — so auch z. B. '131 yii rrcn1-? Gen. 7,3 und n1-? vir, Lev. 22,13 —, also etwas ganz anderes als »man naxv — D'uai vwi» —, als Wachstum der Grde, das den eigentlichen Gegenstand dieses mo bildet. Es kann also hier nicht anders als v'yir — eine Form, die jede andere Deutung ausschließt — heißen. Der dritte mo — aus den zweiten kommen wir später zurück — heißt ö'im. — Hier wäre der Singular: my«. Für die Bevorzugung ersterer Fassung spricht hier m. E. außer dem Umstand, daß mit dem Ausdruck rarne-i der ins eiugeleitet wird — „o’w m®y vm" —, noch ein Doppeltes. Erstens, die Tatsache, daß vor dem Eesetzessorum der Thora die Frauenwelt in verschiedenen Atters- und Standes-Kategorren erscheint — >myj „nvp ,nema nai>x /,—piayn narst .nna’ »riKnw /noiis »nma "i3i mva ,mn ns’ ,p^in na '’xm nns® '’xn min »nbiya /ixi^n —, die entweder selten oder niemals bei ein und derselben Person eintreffen, die aber alle in diesem nv zur Behandlung kommen und somit den Titel des mo diktieren. Das zweite Moment ist, daß der Ausdruck a-w sprachlich so wirkt, als ob unmittelbar daraus das Wort r^n^yi folgen und es r^a^yi Erw heißen würde. «aVpi ca»w aber besagt so viel etwa wie „Frauenwelt" oder „Frauenstand" im Deutschen und ist jeder persönlichen Note entkleidet. Anders aber der Ausdruck Dort wird sprachlich der Zusatz ün^yn nicht empfunden und die Entkleidung der persönlichen Note fehlt. Der Zusatz ist es also, der ob seines keuschen Charakters bei der Bevorzugung des Titels ai'Ett mitbestimmend war. Es folgt nun i'p'n iio. Der Plural k'pui, mit dem auch der no eingeleitet wird — „j’p’n max npaix" —, ist schon dort in der oben erwähnten NUN» höchst kompliziert. Man ist geneigt, im ersten Moment,?p'u als Plural von pm — Geschädigter — aufzusassen, doch dann dürfte kein ' nach dem 7 folgen, denn die Mehrzahl von pna ist rpm. Noch schwieriger aber wäre dann die obenerwähnte Mischna, die als Spezifikation der niar»r 'i y’P’T nicht etwa, wie dieser Auffassung nach zu erwarten wäre, vier Schadenfälle bezw. viererlei' Be- oder Geschädigten, sondern viererlei Schaden st ifter, also j'p'in — 'i3i 113N1 iiipn — anführt. Für p’ta wäre schon im Plural ppn das ' nach dem 7 richtig, denn die Mehrzahl von p’ra ist rp’7B, dann aber wäre das a am Anfang falsch, denn es muß doch richtig heißen, ppua und nicht "p’ia. Zn dieser Komplikation nimmt bereits der «Tin Stellung. Er schließt sich der Ansicht des ]"*-i an, daß pp'» in Wirklichkeit Plural von p'ra ist, das scheinbar falsche 3 am Anfang des Wortes, behauptet er, will absichtlich — um uns vor jeder Schadenstiftung dringend zu warnen — den P'ra in pna verwandeln, und uns damit lehren, daß die Strafe G'ttes für den p’ia niemals ausbleibt und daß schließlich dieser selbst der pna der Leidtragende sein wird. Wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob dieser gleiche lehrreiche Hinweis auch durch einen kombinierten Singular überhaupt oder so einfach zu erreichen wäre, selbst dann aber — so trägt doch ohne Zweifel der Plural zur Verallgemeinerung dieser Lehre bei und besagt, daß sie ausnahmslos jeden Schadenstiffter trifft. Das aber gibt — außer der bereits oben erwähnten Tatsache, daß mit dem Ausdruck Tp’ra der no beginnt — noch einen neuen Grund für die gewählte Form ppua in der Mehrzahl ab. Wir kommen nun an D'wip no. Für den Titel dieses no, der in der Hauptsache der maaipn miay, dem Opferkult und dem, was dazu gehört, gewidmet ist, dürfte der klare Wortlaut der Thora maßgebend gewesen sein. Zn Er. 28,38, ebenso in Lev. 22,3 heißt es; n nrnip' ivx o'vipn. Unter dem Substantiv o'tnp.i versteht hier die Thora — lt. "vi zu Er. u. lt. 45 b o'n37 zu Lev. — ausschließlich maaip. Ein alleinstehendes Substantiv in Singularform mit der ausschließlichen Bedeutung von jaip, dürfte, meines bescheidenen Wissens, in der Thora kaum zu finden sein. — viip ist Adjektiv und vip, sofern es nicht mit einem anderen Objekt in Zusammenhang steht, bedeutet entweder nur nann oder a u ch nann. — Der Titel «'vip ist somit quasi von der Thora aus vordiktiert. Es folgt nunmehr der 6. bezw. der letzte iio, der mm« genannt wird. Obwohl der Ausdruck nm« int 'Tan nur in Verbindung mit dem Substantiv i-nara (Neh. 12,45; mnon maipa) anzutreffen ist, was soviel bedeutet wie .im«-Amt und mithin jede Art von .inv-nxaiv '131nyav nrraiv ,aip in sich schließt, wie der Plural nm« auch, so ist doch die Bildung des Singulars mh« als alleinstehendes Wort sprachlich zweifellos richtig. Wenn nun dennoch der iio ntit min« und nicht mit mna betitelt ist, so hat es seinen besonderen Grund. So weit also die Namen der fünf anderen omo. Und nun zurück zu unserem Ausgangspunkt, zur Siugularisierungsfrage des Namens iyia. Daß dieser Frage nach obigen Ausführungen die Schärfe — von der anfangs des Aufsatzes die Rede ist — nunmehr genommen ist, erscheint uns klar. Man kann keine Schlüsse mehr ziehen von den anderen Namen auf den Namen -iyia- Die Gründe von dort sind nicht alle hier angängig. Allein, wenn auch die Frage ihre Schärfe verloren hat, so bleibt sie doch, kraft ihrer inneren Logik, bestehen. Ein iio, der sämtliche o'iyia behandelt, soll auch tnyia betitelt sein. Bedenkt man indessen, welcher Kürze der Diktion sich die otti inan befleißigten,' wie sie es zum Grundsatz erhoben, ('x omov) '->3 7»»' bVipP immer wähle der Lehrer in seinem Vartrag die kürzeste Fassung", dann wundert es einen nicht mehr, wenn sie mit einem etwas gesuchten Plural vorlieb nehmen, da wo dieser kürzer ist als der übliche, flotte Plural. ariPia ist gewiß ein flotter Plural, iyia in der Einzahl besagt aber zuweilen das gleiche wie D'iyin in der Mehrzahl, warum sollen sie denn da nicht iyia vorziehen? Die Stelle, wo iyia gleich B'iyia als Plural auszufassen ist, befindet sich in der 13 iyia ypua 'n m© :to’x ni>aa „G'tt ließ in Zion iyia in Vergessenheit geraten". Hier sind doch unter iyia selbstverständlich sämtliche o’ai« o'a' gemeint. Gelb ft aber wenn iyia nirgends mit der Bedeutung von B'iyia anzutreffen wäre, für den Titel o’-yra aber würde nichts anderes sprechen als nur die oben erwähnte Logik — nämlich: eine vielseitieg Materie verlangt einen vielseitigen Titel — selbst dann müßte, m. E. das Moment der Kürze dem Titel iyia den Vorzug geben. Wird doch lt. 'x Brnos selbst ein „mian ('"ipi das.), eine unschöne Redewendung — die die Thora geflissentlich meidet — der Kürze wegen mit in den Kauf genommen, warum soll denn da nicht auch das logische Moment der Bezeichnung B'iyia vor der Kürze des Titels iyia weichen?.' Und ist es dem so, dann kommen obige Argumente — betr. der Namen der anderen B'iio — jetzt erst recht zur Geltung. Denn wir müssen uns doch sagen: Nachdem das Moment der Kürze in den Augen von so hoch eingeschätzt wird, daß es sogar dasjenige der Logik beim Titel verdrängt, dann entsteht doch die umgekehrte Frage, - warum sind denn dann nicht auch die Namen der anderen B'no in der Singularform gehalten - p7’3 ,vip mvx ,yn —, die doch ebenfalls kürzer ist? Mit den obigen Argumenten aber ist diese Frage hinreichend beantwortet. Schwierig dagegen bleibt die bereits oben erwähnte Frage, warum nämlich nicht der letzte no mit nm« anstatt mm« betitelt ist? Ist doch erstens nm« ein Ausdruck, der in Tan vorkommt — was bei nun« nicht der Fall ist — und dann hat es noch den großen Vorzug, daß es kürzer ist, ein Grund an dem, laut obiger Behauptung, nicht einmal Vielseitigkeit der Materie was ändern kann? Unter Vielseitigkeit der Materie verstehe ich hier vielerlei mxai«. Denn im Grunde genommen, ist laut dem Rambam der Name mm« nur ein '’pa ein vornehmer Ausdruck für ninait> die tatsächlich in diesem no zur Behandlung kommen. Vielseitigkeit der irmnit) müßte sich daher logischerweise auch im Titel des no auswirken und ihm durch die Pluralform nun« das Gepräge der Vielseitigkeit geben. Allein, wie bereits erwähnt, kann gegen den Vorzug der Kürze des Namens nm« dieses Argument allein nichts ausrichten. Aus den Gedankengängen des ^27 f-a '*>nsa '> auf die ich, nebenbei bemerkt, durch Anregung des Herrn Rabbiner Iakobowitz, Köln gestoßen bin und ihm Dank dafür weiß, und aus denen auch das oben erwähnte Vielseitigkeitsmoment der nirraiv entnommen ist, aus diesen Gedankengängen läßt sich jedoch noch ein weiteres Moment und zwar folgendes zur Rechtfertigung der Pluralform mm« kombinieren: Am letzten no war es geradezu Herzensbedüffnis für die item 'van, ihrer großen Sehnsucht nach der nPnu und ihrer starken Hoffnung auf deren baldiges Eintreten, Ausdruck zu verleihen. Sie trugen dem insofern Rechnung, als sie bei der Betitelung des no Anspielungen aus jene verheißungsvolle Zeit machten und sie aus der Formulierung des Titels hervorleuchten ließen. Sie nannten den no nicht nm«, sondern rnrnv und bekundeten damit, daß sie eine doppelte nm« im Auge haben. Einmal diejenige, die durch menschliche Hand vollzogen wird, dann aber noch eine andere, von der der Prophet ^npnr Kap. 36,25 im Namen G'ttes verkündet: B'iw« m «3'5y 'npin „Ich werde über euch Reinigungswasser sprengen, auf daß ihr von allen euren nixai« gereinigt w,erbet“, eine nin« also, die durch G'ttes Hand selbst ausgesührt werden wird, jedoch nur dann, wenn zuerst der vorhergehende Vers 24 in Erfüllung gegangen ist, der da, ebenfalls im Namen G'ttes, etwa lautet: '13 «onx 'nnp!?i „ich werde euch aus den Völkern holen, ans den Ländern sammeln und werde euch in euer Land bringen."