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Der Israelit · 1931-09-17 · Heft 38 (17.9.1931) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 38 (17.9.1931)
Date
1931-09-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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17. September 1931 Nr. 38 Frankfurt a. M., den —iTmsöä^: Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentnm V jBaBSBF/// Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Ul # Abonnement ab Juli 1329: Deutschland 1.33 Mark monatlich; Ausland: Bterteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kalten des Streifband-Versandes) Deutsch-öfierreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.-Belgien ab 1.7.37. Belga 5.; Holland2sl.; Italien ab 1.1.28.18Lire; Jugoslavien 55 Din.: Litauen 7M Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27.150 Lei; Polen 4 deutsche Toldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 6 Fr.; Tfchecho-Slowakei 35 Kronen; Ungarn Pengo 6 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.89 Krön.; Norwegen 3.59 Krön.; Schweden 3.89 Krön. Einzelnummer vierzig Goldvfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 59 Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 49 Pf. Die 78 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 2.- Mk., vorletzte Tertsette 869 Mk.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnferataufträgen tartfm. Preiserhöhung jedem. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit <8. nr. b. H., Frankfurt a. M, Nechnsigrabenstrahe 7, Tel- Hansa 31084 sow. durch sämtl- Annoncen-Erped. d. Jn- und Auslands. Alleinige Jnseratenünn. für Franks. Beschäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderlinftratze 33 Tel. 45886. Platzvorschr. ohne Berbindlichk. Zahlungen direkt an den Verlag aus Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nc. 198J2. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 7969a — Postivarkasfenamt Budapest Nr. 18434.— Postscheckkonto Varschau Nr. 199757. - Postscheckamt Zürich Nr. VIII 7354. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34869 - Postscheckamt Prag Nr. 79.969 — Barica Maraarosch Blank & Co. in Bukarest Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebende« Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Oktober Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag desIsraelitG.m.b.H., Frankfurt a.M. Der dreifachen Schuld dreifache Sühne. - Von Dr. M. Lipschntz in Leipzig. „Wer/hält. aus den Tag seines Kommens und mx mag bestehen, da er erscheint, denn er ist wKdas Feuer des Schmelzers und wie die Laugender Wäscher!" (Mal. HI.) Wie eine Ueberschrift des v'msvn öt»' wie eine kernige und treffende Charakteristik seiner heiligenden Wirkung auf unser Gemüt mutet uns dieses Prophetenwort an. Ist es doch ein Tag der inneren Erregung und seelischen Erschütterung, da in dem Brausen un!d Wogen unserer Empfindungen, in dem Auf und Ab unserer erregten Gefühle alle Flecken unseres Herzens hinweggespült werden und im glühenden Ergüsse rM.Ünd schlackenfrei, geläutert und erneuert uDtß Seele hervorbricht. Der Tag der Sühne üM. Dchuldentlastung ist ein Tag der seelischen Befreiung, der geistigen Aufrichtung und sittlichen Medergebürt. Er trägt uns empor zu freier Höhe, zu lichten Gefilden, erhebt uns zu Licht und Klarheit, zur Sphäre des Sittlich-Guten und G'ttlichen, allwo die Niederungen des Irdischen verschwunden, menschlicher Begierden dumpfe Triebe zum Schweigen gebracht sind, und nur das Gute und Edle in uns sich regen, der Seele heiliges Feuer sich entladen darf. Fürwahr ein Ehrentag des Edlen im Menschen ist dieser Tag. Denn was des Alltags hemmende Macht an Edlem und Gutem in uns verkümmern läßt, bricht sich an diesem Tage siegreich Bahn, gewinnt an ihm Sprache und leuchtende Kraft. Indem jedoch dieser Tag all die verdunkelten Leuchten unserer Seele aufstrahlen läßt und so unser Wesen, unser wahres Ich enthüllt, zeigt er, wie wir immer hätten fein sollen, hätten sein können und müssen. Dieser Tag sollte ein Abbild des ganzen Jahres fein. Ist aber das Jahr ein Abbild dieses Tages? Da es dies nicht ist, treten all die großen Seelenkräfte in uns, die nur am Jom Kippur aufleuchten, das ganze Jahr aber im Dunkel bleiben, als Ankläger gegen uns auf, indem sie zeigen, wieviel wir vermögen und wie wenig wir leisten, wieviel des Guten und Edlen in uns schlummert, wie wenig jedoch wir es hervorkehren, pflegen und zur Entfaltung bringen. Das Bewußtsein, das Maß unserer Pflicht nicht erfüllt zu haben und damit kein Recht und keinen Anspruch zu besitzen, etwas von G'tt zu fordern, läßt uns an diesem Tage um unser Schicksal bangen. Wir wissen, nur G'ttes Gnade kann uns erhalten, die wir durch das von Abend zu,! Abend währende Gebet zu erwirken suchen. Durch das, Gebet, auf das die Kraft und die Wirkung des Dienstes im Heiligtum üb'ergegangen ist: .12'NSV v'is Und als unsere eigenen Priester muß auch unser Gebet jene dreifache Form aufweisen, die einst das Gebet des Hohepriesters im Heiligtum am heiligen Tage besaß: hu? Vd *rsrm .irra irwi rTritt nsai Auch wir müssen Sühne zu erlangen suchen für rms selbst, unser Haus, und die jüdische Gesamtheit. vm isav Für sich sühnen, heißt, Sühne zu erwirken suchen für Sünden am eigenen Ich und des engsten Pflichtenkreises. Es heißt, sich ernstlich die prüfende Frage vorlegen, ob man in der Aktivierung und Kultivierung der seelischen Kräfte bis zur Grenze des Erreichbaren und Möglichen geschritten sei, sich also Rechenschaft darüber geben, wie viel an geistigen Kräften und seelischen Werten, an edlen Regungen und guten Absichten infolge nicht genügender Ausnutzung der Zeit, infolge nicht intensiven Studiums oder Fehlens an Energie und Bereitschaft zur restlosen Hingabe in uns verkümmerten oder zumindest nicht zur vollen Entfaltung gelangt sind. Darüber hinaus gilt es-darüber nachzudenken, ob man denn immer seinen Mann gestanden, seine Pflicht und Schuldigkeit getan und alle seine Handlungen mit der eigenen Verantwortlichkeit in Einklang gebracht habe. Indem wir uns Rechenschaft über unser Tun und Lassen geben, bekennen wir damit, daß wir die Verantwortung für unsere Handlungsweise tragen, dokumentieren wir uns als die Herren unserer Handlungen, als ihre Träger und Urheber. Die Taten sind unser, weil unser freier Wille sie gewollt, und sie sind unser, weil wir sie in Freiheit vollbracht haben. Somit hat das Sündenbekenntnis das Bekenntnis zur Willensfreiheit zur Voraussetzung.. Wir sind frei, wenn wir frei sein wollen. Bei uns steht somit Verdienst und Schuld. Uns ist die Freiheit des Handelns eingeräumt. Für das, was wir geworden und nicht geworden sind, für das, was wir getan und nicht getan haben, tragen wir einzeln die Verantwortung, haben wir einzeln einzustehen, denn schuldig ist jeder Einzelne. Darum 1221 suche man Sühne für sich zu bewirken durch Belebung des Pflichtgefühls durch Stärkung und Stählung des Bewußtseins von der eigenen Verantwortung und Verantwortlichkeit, um allen an einen herantretenden Pflichten und Aufgaben gerecht werden zu können. Unser Sündenbekenntnis, das iixvn uruK das uns. aussprechen läßt, daß w i r gesündigt habendaß es unsere Sünden sind, legt somit die Bestimmung unseres Handels und Wandels in unsere Hand zurück und belebt in uns das Bewußtsein von der Freiheit des Willens. Der urjüdische Gedanke von der menschlichen Freiheit, mit eine Lehre des Versöhnungstages, besagt, daß der Mensch nicht/Sklave seiner Leidenschaften und Triebe zu sein braucht, wozu ihn das Dogma von der Erbsünde degradiert, daß der Mensch ferner keineswegs nur das Produkt sozialer und wirtschaftlicher Verhältnisse ist, wie es eine soziologische Theorie vertritt, daß er aber auch nicht geringfügiger Ausschnitt und winziger Bestandteil der großen Natur ist, wie der Materialismus behauptet, sondern daß der Mensch ein Freier ist, ein Ganzes, ein Individuum, eine Persönlichkeit und damit ein Mikrokosmos, eine kleine Welt für sich. Der Mensch eine kleine Welt für sich, aber nicht für sich allein daseiend, nicht nur seinen eigenen Interessen lebend, nur seinen eigenen Zwecken dienend. Denn der Mensch ist in das Leben hineingestellt, und d. h. einem großen organischen Zusammenhang eigeordnet. Im Leben, das eine enge Berührung von Mensch und Mitmensch und somit eine unlösbare Interessengemeinschaft darstellt, kann der Einzelne nicht für sich und an sich leben. Weil alles Leben aus

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