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Der Israelit · 1931-08-20 · Heft 34 (20.8.1931) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 34 (20.8.1931)
Date
1931-08-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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20. August 1931 Der Israelit Nr. 34 Seite 5 Wrre5po«ae«ren « Dacbricbten. Deutsches Reich. Verordnungen über Schulbesuch in Sachsen. Leipzig, 14. August. Nach dem Aufsehen, das die unduldsame Haltung der früheren sächsischen Regierung zur Frage des Schulbesuchs jüdischer Kinder an Sabbaten und Feiertagen in der ganzen Welt verursachte, dürfte es von Interesse sein, die jetzt in Sachsen geltenden einschlägigen Bestimmungen kennen zu lernen, die allen berechtigten Wünschen entgegenkommen. Die Regelung gilt jetzt einheitlich für alle Schulen, einerlei ob sie dem Volksbildungs- Ministerium oder dem Wirtschastsministerium unterstehen. Die Verordnung läutet: I. Lehrer oder Schüler dürfen den Unterricht an staatlich nicht anerkannten Feiertagen nicht unentschuldigt versäumen. Es ist ihnen auf ihren Antrag zum Zwecke der Teilnahme an religiösen Feiertagshandlungen Unterrichtsbefreiung nach folgenden Grundsätzen zu erteilen: 3. den Mitgliedern der israelitischen Religionsgesellschaft für das Paffahfest, das Wochensest, die beiden Neujahrssesttage (im September und Oktober), für das Versöhnungsfest (8 Tage nach dem Neujahrsfeste) und das Laubhüttenfest: 4. den Mitgliedern der israelitischen Religionsgesellschaft und den Adventisten vom siebenten Tage für die Sonnabende — Sabbate —. Die Unterrichtsbefreiung ist in dem Ausmaße zu erteilen, das zur Verrichtung der religiösen Pflichten erforderlich ist. Wird die Befreiung zum Besuche des G'ttesdienstes erbeten, so ist sie für die Tageshälfte, in der er stattsindet, auszusprechen. Sie wird den Schülern auf schriftlichen Antrag ihrer Erziehungspflichtigen vom Klassenlehrer, den Lehrern von der für die Urlaubserteilung sonst zuständigen Stelle gewährt. Der Antrag kann einheitlich für das ganze Schuljahr oder von Fall zu Fall gestellt werden. Voraussetzung für die Befreiung der Schüler vom Unterricht an den Sonnabenden' (oben Ziffer 4) ist außerdem: a) daß die Erziehungspflichtigen durch Privatunterricht oder in anderer Weise für einen Ersatzunterricht sorgen, welcher der Genehmigung und Aufsicht der Schulaufsichtsbehörde unterliegt; b) daß die Erziehungspflichtigen sich damit einverstanden erklären, daß die Schule keinerlei Verantwortung für die aus dieser Schulversäumnis für die Kinder etwa entstehenden Folgen übernimmt. Werden die Boraussetzungen unter a und b nicht oder vicht mehr erfüllt, so ist dii Befreiung zu versagen oder zurückzuziehen. II. Israelitische Lehrer und Schüler, die an den Sonnabenden — Sabbaten — und den hohen israelitischen Festtagen am Unterricht teilnehmen, sind an diesen Ta-i gen aus Antrag, der für die Schüler von ihren Erziehungspflichtigen schriftlich zu stellen ist, vom Schreiben, Zeichnen und Handarbeiten in der Schule zu befreien. HI. Unter allen Umständen ist beim Unterricht in öffentlichen Schulen darauf Bedacht zu nehmen, daß die Empfindungen Andersdenkender nicht verletzt werden (Artikel 148 Abf. 2 der Reichsverfassung). Repräsenkanlensihung bet Jüdischen Gemeinde. Berlin, 18. August. In der gestrigen Sitzung der Repräsentanten.wurde bekannt, daß der Vorstand unter dem Drucke des enormen Rückganges der Steuereinnahmen beschlossen hat, die Personal-Ausgaben der Gemeinde um. 50 Proz. zu senken. Zu diesem Zwecke werden noch im Lause dieser Woche einer sehr großen Zahl der Beamten Kündigungsbriefe zugehen. Auf Antrag der Volkspartei wurde jedoch nochmals eine gemischte Deputation unser Hinzuziehung des Betriebsrates der Beamtenschaft eingesetzt, die prüfen soll, ob es nicht möglich ist, anstelle des Hunderte von Familien in bitterste Not versetzenden Abbaus eine allgemeine wesentliche Kürzung der Gehälter sämtlicher Gemeindebeamten vorzunehmen unter gleichzeitiger Streckung der Arbeitsze.it. Nach der einest oder nach der anderen Richtung muß schleunigst gehandelt werden, denn die Einnahmen des nächsten Jahres werden auf höchstens 7 Millionen geschätzt, während allein die Personalausgaben heute 6,5 Millionen jährlich betragen. Gegen die Stimmen der Volkspartei wurde beschlossen, für das laufende Geschäftsjahr die Subvention an die Hebräische Universität in Jerusalem trotz der früher erfolgten Bewilligung^ nicht auszuzahlen. jfr; —- Die Noch«. Berlin. In der Nähe von Ilmenau in Thüringen fand vom 3. bis 6. August der dritte Bundestag des Bundes der Junggruppen im Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. — Bei dem vom „Weltspiegel", der illustrierten Beilage des „Berliner Tageblattes", veranstalteten Baby-Wettbewerbe wurden die neun schönsten Kinder Deutschlands im Alter von 1 bis 3 Jahren preisgekrönt. Sieben von diesen Kindern gehören jüdischen Eltern. — Auf dem jüdischen Friedhof in Neumagen an der Mosel wurden in einer der letzten Nächte 9 Grabsteine umgeworfen. Auch auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde Reichelsheim wurden etwa 10 ®rabfteine umgeworfen und beschädigt. Die Gemeinden Reichelsheim und Fränkifch-Grumbach (Hessen) haben eine Gesamtbelohnung von 100 Mark für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. — Das Blatt „Berlin am Morgen" meldet, daß am 13. August nationalsozialistische Burschen die Schaufenster mehrerer jüdischer Geschäfte in der Bismarckstraße zertrümmert hätten. Bad kissingen. Mötzlich verstarb hier der in London ansässige Großindustrielle und zionistische Philantrop Michael Nassatisin. Cr kam unter zahlreicher Beteiligung auf den Friedhof zu Bad Kissingen zur letzten Ruhe. Nach der Gedenkrede des Herrn Distriktsrabbiners Dr. Bamberger, ergriff Ussischk i n das Wort zu einer ergreifenden Ansprache, in der er u. a. mitteilte, daß die Gebeine des Verstorbenen nach Erez Jisroel überführt werden sollen. Antwerpen. Der Präsident des Diamantensyndikats, Isidor L i p s ch i tz, wurde in Anerkenung seiner hohen Verdienste um die Organisierung der belgischen Diamantenindustrie zum Ritter des Leopoldsordens ernannt. Amsterdam. Anstelle des greisen holländischen Arbeiterführers Gerhard, der die Niederlegung seines Mandats angekündigt hat, wird demnächst die jüdische Sozialistenführerin A l i d a d e I o ng in die Zweite Kammer des holländischen Parlaments einziehen. Alida de Jong, die in der Kleiderarbeiterinnengewerkschaft die führende Rolle spielt, wird das fünfte jüdische Mitglied der 100 Abgeordnete zählenden Zweiten Kammer des holländischen Parlaments sein. Paris. Der bekannte junge jüdische Geiger, Jehuda M e n u ch i n, hat den ersten Preis des Conservatoire National de France erhalten. Prag. In Neuhäusel in der 'Slowakei starb im Alter von 101 Jahren und zwar am Tage seines 101. Geburtstages der jüdische Bürger Moritz Steiner, der im Jahxe 1830 geboren ist und der älteste Mann der Tschechoslowakei ist. Hakenkreuzkrieg gegen jüdische Jugendliche. Erfurt, 13. August. Auf der Sorge bei Pennechitz (Thüringen) fand dieser Tage ein Lager des Bundes der Junggruppen im Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. Wenige Tage nach Errichtung des Lagers erschien ein Trupp von ca. 20 Burschen um Mitternacht auf dem Lagerplatz, wo 15 Jungen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren in Zelten übernachteten, trat ein Lagertor nieder, zerschnitt mutwillig eine Zeltbahn, entwendete einen Wimpel und bedrohte die Jugendlichen mit schweren Knüppeln. Unter Niederrufen auf die Juden fielen die Angreifer über die Jungen her, von denen zwei schwer mißhandelt wurden. Der Ueberfall war planmäßig erfolgt, Kommandos wurden erteilt, mit Taschenlampen Signale gegeben. Schließlich erklärten die Rowdies, das Lager müsse bis morgens 7 Uhr geräumt werden, sonst ninBiBinnHBnHB Roschha-schonoGlückwünsche können in drei Größen veröffentlicht werden: Größe I 10 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 5.— Größe n 15 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 7.60 Größe m 10 Zeilen 2 spaltig zu Mk.10.— Die Beträge wolle man auf Postscheckkonto Nr. 19802 überweisen, den Text durch Postkarte ernsenden. Texte, die bis zum 8. September in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-haschono-Nummer, später eintreffende m der darauffolgenden veröffentlicht. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Jisroel abzulösen und keine Anzeige zu veröffentlichen wünscht, wolle dem nach Belieben festzusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von 2.20 Mark für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im Sa mm e linse rat beifügen. Frankfurt a. UL Vertag des Israelit G. m. b. H. würden sie es selbst räumen, da sie auf diesem Platze keinen Juden dulden wollten. Der Führer der Jugendgruppe versuchte vergeblich, die Polizei in Gehren und Königssee zu erreichen. Auch die Arnftädter Polizei erklärte, nicht zuständig zu sein. Erst auf Veranlassung des Kreiskommifsars in Arnstadt stellte der Gemeindevorsteher in Pennewitz zwei Beamte zum Schutz des Lagers bereit. Der Bewachung durch eine Anzahl Reichsbannerleute aus Königssee und Pennewitz, die in selbstloser Weise mehrere Nächte opferten, ist es zu verdanken, daß das Lager von den Hakenkreuzlern nicht weiter bedroht wurde. Bisher ist es der Polizei nicht möglich gewesen, die Angreifer festzustellen. Schweiz. „Frieden durch die Religion". Genf, 17. August. Auf der Sitzung des Exekutiv-Komitees der W e l t - konserenz für den „Frieden durch die Religion" war eines der drei Schlußreferate Rabbiner R u b i n st e i n aus Wilna übertragen. Seine Ausführungen über den Standpunkt des Judentums zum Problem des Weltfriedens und der allgemeinen Abrüstung hinterließen nachhaltigen Eindruck. Das Exekutiv-Komitee beschloß, einen Weltkongreß für den „Frieden durch die Religion" im November 1931 einzuberufen. Dem gemeinsamen Aktionsausschuß der Religionen gehören als Vertreter des Judentums Prof. Dr. Albert Einstein, der Katholiken der ehemalige Bundeskanzler, Prälat Dr. Seipel, als Vertreter der Bramahnen Nabindranath Tagore an. Oesterreich. Amtseinführung des Oberrabbiners Dr. Hartwig Lartebach. Baden b. Wien, 10. Aug. Sonntag, den 25. Menachem Aw fand die feierliche Einführung des neugewählten Oberrabbiners Dr. Hartwig Carleb ach in sein Amt in Baden bei Wien statt. Am Bahnhof wurde der Raw vom Dajon, Herrn Rabbiner Salomon Friedmann, und zwei Herren vom Vorstand, sowie einer Abordnung der Badener Chassidim Hngeholt. Auch die Wiener Aguda-Jugendgruppe hatte es sich nicht nehmen lassen, den Oberrabbiner der Nachbargemeinde durch einige ihrer Führer schon an der Bahn zu begrüßen. Unterdessen hatte sich der Synagogwchos, der festlich geschmückt war, gefüllt und die Ordner hatten ihre Mühe, trotz der ungeheuren Beteiligung Einheimischer und Fremder, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Als der Raw kam, wurde er mit einem stürmischen Jechi-Rus der Jugend freudigst begrüßt und von den Mitgliedern des Vorstandes unter die im Hofe aufgestellte Chuppoh geleitet, wo die erste öffentliche Begrüßung durch den Leiter des Festkomitees erfolgte. Sechzehn der ältesten Baale Batim trugen hierauf dem Raw Sifre Tauroh entgegen» und geleiteten ihn mit diesem köstlichsten Gut der Judenheit in die Synagoge, wo sich bereits die Vertreter der Behörden, die Repräsentanten der Nachbargemeinden und viele Gemeindemitglieder versammelt hat-

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