Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1931)
- Date
- 1931-08-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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13. August 1931 Der Israelit Nr. 33 Seite 11 Personalien. Rabbiner Wolf Diamant y'^-fjambutg. Hamburg, 6. August. Wolf Diamant., .der Rabbiner der.hiesigen Kelijas Jaufi und Agudas Jeschorim-Vereinigung, ging am vorgestrigen Tage nach längerem, schwerem Leiden im 58. Jahre seines Lebens von uns, tief und innigst betrauert von einem großem weiten Kreis der hamburgischen Judenhert. Urenkel des Chasam Sauser, Namensträger der Ksaw Sauser, war er geadelt durch seine Abstammung, durch seinen Namen, durch seinen Beruf, aber, mehr als durch alles dieses, durch die reine Weihe, in die fein ganzes Leben getaucht war. Rabbiner Diamant hat sich in den mehr als drei Jahrzehnten seines Hamburger Wirkens in seiner Synagoge, als Beisitzer im h ma des Oberrabbiners '"a als b.ipav ai&n in all den vielen Einzelhäusern, wo er der „Hausrebbe" und der Hausfreund war, erworben den aiv ne?, den guten Namen, und den Namen des Guten, des gütigen, bescheidenen, allezeit gefälligen, selbstlos hilfsbereiten Mannes und Freundes. In ihm lebte etwas von an nax den G'tt nennt ’amx, „meinen Freund"! Darum wurde Awrohom, gerade dieser, mit dem Ruhmestitel „G'ttesfreund" geschmückt, weil er, so sagt der isno onn, der Dienst an den Andern als seine vornehmste Ausgabe erblickte. Rabbiner Diamant war solch ein G'ttesliebling, denn seine Söhne, seine Schüler, und sein eigenes Haus — sie sahen ihn und erlebten in seinem Vorbild echte, wurzelechte Jüdischkeit. In ihm lebte etwas von bxivv, den das Psalmenwort Moses und Aron beigesellt: bxivv ]i?iKi nwn na« b'ipv. War Moses der rastlos im Dienste der Gesamtheit Ausgehende, so kümmerte Aron sich um den Frieden jedes einzelnen Hauses. Die Gesamtheit und der Einzelne: für jeden Einzelnen hatte Rabbiner Diamant Interesse, nicht das oberflächliche des Gesellschaftsmenschen, nein, die herzliche, innigste, persönlichste Anteilnahme des wahren Menschenfreundes. Und doch vergaß er über dem cna nicht den bbi> sah er die Gesamtheit, lebte mit ihr, in ihren Sorgen und Nöten. Und von ■pa’aa lebte in ihm! In Binjomin ruhte G'ttes Allerheilig st es, die j?mn, und weihte und verklärte so sein ganzes Gebiet. inan pn’ja omax; In seinem Namen lag seine Welt frommer, bescheidener, echter Leistung umschlossen, sein adeliges Wirken, sein Priesterdienst im Heiligtum unseres Volkes. „Dreien ist," so sagt Rabbi Jauchonon, „der Lohn jener Welt gesichert. Wer in Erez Jisroel wohnt, wer seine Kinder zum „Lernen" erzieht, wer vom Kiddusch des Sabbats für die Hawdolo läßt." Dreifach gesichert ist Rabbiner Diamants ewiger Lohn. Mit allen Fasern seines Herzens wurzelte er in Erez Jisroel, im heiligen Väterboden: was er von seinen Vätern, den Größten unseres Volkes, ererbt, er erwarb es und besaß es. Und er gab von diesem Besitz seinen Kindern, seinen Schülern, seinen eigenen Kindern, vor allem seinem einzigen Sohn, der Chasam Sausers Namen trägt und der Verpflichtung T'oa gerecht zu werden suchen wird mit allen Kräften, dieses Namens und dieses Vaters würdig zu bleiben. Und Diamant ließ vom Sabbat für die Hawdolo. Er war nicht nur im Schabbos, in den hohen Festesstunden des Lebens, nein, auch in Werktagslast und Alltagsnot der Fromme und Bewährte. Und seine edle Frau und seine guten Kinder: auch sie werden darum, so wie in den Stunden des Heiles, da sie durch seinen Besitz beglückt waren, so auch, da yun pr'i mx sie getroffen, G'ttes Namen anrufen und in diesem Anruf Trost und Ausrichtung finden. Und wir, die Beter der Kelilas Jausi und Agudas Jeschorim, die wir innerhalb 10 Monaten die vier Besten unserer G'tteshäuser, die Säulen, auf denen unsere Vereinigung so fest ruhte, hergeben mußten: Salomon Jacobson und Rabbiner Dr. Moses Jacobson, Michel Schlesinger und nun Rabbiner Wolf Diamant, — qisv bv, ishs' oVia wir bitten G'tt: px nv'bs bv am Sprich zu dem Engel: tt epin, laß über unserem Kreis Deine schützende Hand fürderhin walten, daß wir durch unser Dir geweihtes Leben erweisen können, daß diese Männer nicht umsonst unsere Erzieher und Lehrer, unsere Vorbilder waren. Und nun haben wir ihn begraben, auf dem in Langenfelde, in der Reihe der traa-, neben seinem Landsmann und Geistesbruder, b~w pan nn»p ejov> 't Und die miap,, der erschütternde nsvn unseres w>bv :n, Oberrabbiner Dr. Spitzer, ließ nochmals die Größe dieses edlen vpV» 'kV pa vor uns lebendig werden, seine ganz!und ausschließlich auf min bv nnnnx gestellte Persönlichkeit und die Einheitlichkeit ihrer Leistung: die Dankesworte, M namens seiner Synagoge ihr ältester Besucher, Rabbiner Dr. Josef Cohn in Wehmut sprach, — all ^dies zeigte, daß Hamburg einen seiner allerbesten Männer verloren hat — und die Größe des Verlustes be-. >riffen hat. Und wenn dann der Sohn, unser aller lieber Freund, m pnrr des Vaters gelobte, alle seine Lebenstage yaip r»w zn fein und der gebeugten Mutter ein fürsorg' sscher Sohn, den Schwestern ein zärtlicher Bruder, dann icd der niw^x p'ii b’öw ’ax dies Versprechen gehört den und ihm Kraft geben, es zu erfüllen Zeit seines bens. Wird ihm die Kraft des Erfüllens geben und ganzen Familie die Kraft des Ertragens, daß sie in ungeschmälerter, jüdischer Freudigkeit den Höhenweg der Pflicht geht, den ihr und uns allen allezeit oorangewandelt ist ihr teures Oberhaupt “nisa nninx »nn ivsr ivrr o"nn. ' W. S. I. Zlale-rNoravce (Slov.), 31. Juli. Rabbinerwahl. Die aut. orthodoxe israelitische Kultusgemeinde zu Rajka (Ungarn), wählte Herrn Moses Krausz, Sohn des Herrn Oberrabbiners zu Bagas, zu ihrem Gemeinde- Rabbiner. Rabb. Eduard Dukesz 40 Jahre an der Altonaer Klaus. Altona. 13. Aug. Am 1. Ellul des Jahres sind 40 Jahre verstrichen, seit die Klaus — die Wirkungsstätte des Rabbiners, oder wie man damals, des Eigenwertes solcher Institute wohl bewußt, sagte: „Klausners" Ed. Dukesz — geworden ist. Der 1. Ellul war immer der Tag, an dem man im jüdischen Kreise den Blick auf Vergangenes, aber Ewiglebendes zu richten anfing, und 40 Jahre waren immer die Normaldauer des biblischen Lebensalters, eines ganzen Geschlechtes. In die Tage des vergangenen Geschlechtes blickt der, welcher mit Herz und Sinn Kind der Altonaer Gemeinde ist, nicht ohne Nacherleben dessen zurück, was der Jubilar am inneren und äußeren Werden des heutigen Geschlechtes mitgeschaffen hat. Als das Geschlecht heranwuchs, das nun einmal nicht ohne besonderen Ansporn zu den Geisteshöhen eines Dr. Lerner, Rabbi Jekef Cohn und Eli Munk b-xi sich ausschwingen konte, hat das allezeit befeuernde Wort Dukesz vermocht, in den schlichtesten Baalebattimschiur wie in die gründlichste Gemorostunde neues Leben zu pflanzen und in gesundem Wetteifer den Lern-Ehrgeiz der Jugend neu zu wecken. Die Dankbarkeit und Ehrerbietung, die wir der Gesamtpe^önlichkeit des Talmid-Chochom schulden, kann uns nicht hindern, auch im Einzelnen seinem Tun zu huldigen, vor allem seiner besonderen Kunst, auch dem Geübteren die Teilnahme am öffentlichen Lernen noch zu einer Quelle echten Wissens zu gestalten und die Jugend dabei auch neidlos zu freier Redekunst und Vortragsweise des Gelernten herangubilden. Diesem lebenden und belebenden Elemente stehen harmonisch die Forschungen gegenüber, die er über die geistigen Vorbedingungen heutigen Lebens der drei Gemeinden in seinem vielgelesenen und oielzitierten Geschichtswerken „Jwoh Lemauschow und Chachme Ahu" sowie vielen Monographien niedergelegt hat. Auch als Militärseelsorger der Provinz in den Krankheitsjahren des sel. Raw hat er viel Segen gestiftet und jüdisches Leben in die Provinzgemeinden gebracht. Gerade zu Beginn dieses Sommers hatte er 25 Jahre im Dajanamte der Gemeinde vollendet. Auch er hatte Anteil an dem großen und schweren Werk, das Thoraleben Altonas — gelegentlich auch außerhalb unserer Gemeinde — über schwere und schwerste Zeiten hinwegzuretten, so daß es selbst heute sich noch mit dem Stande messen kann, den es an dem Tage einhielt, als die Klausvorsteher Hirsch Wagner und Ascher Vehrend s. A. ihn in sein Amt einführten und mit dem Stande, auf dem es die aufopfernde Vorstehertätigkeit des unvergessenen Wolf Möller s. A. erhielt. Möge die altehrwürdige Thoralehrstätte der Klaus und die Gemeinde noch viele Jahre unter Führung des ehrwürdigen Jubilars ihre hohen Obliegenheiten erfüllen, ihm selber Freude an seinem Amt beschert, und von diesem seinem Glück auch seiner Gattin, die ihm in all den Jahren treu zur Seite gestanden, beschieden sein. Baden b. Wien, 9. Aug. Heute wurde der neue Oberrabbiner der Kultusgemeinde Baden, Herr Rabb. Dr. Hartwig Carlebach aus Berlin, feierlich in sein Amt eingeführt. Vermischtes. Freudenstadt (Schwarzwald), 3. Aug. Wer in der jetzigen Zeit noch das Glück hat, sich einige Tage Erholung zu gönnen, wird besonders erfreut sein, wenn er in einem gut geleiteten, unter Aufsicht stehenden Hotel, nicht nur Genüsse für den Körper, sondern auch solche für den Geist findet. — Es war etwas Erhebendes, hier den gedankenvollen Vortrag des Herrn Dr. jur. Lewk 0 w i tz aus Breslau, der in dem bekannten jüdischen Hotel „Villa Regina" über „Marxismus und Nationalismus vom Standpunkt des Juden" sprach, zu hören. Formvollendet in der Diktion, prächtig mit prägnanter Kürze schilderte der für die jüdische Sache so begeisterte Redner den jüdischen Nationalismus den zahlreich Erschienenen. Leider muß man mit großem schmerzlichen Bedauern feststellen, daß von den vielen jüdischen Kurgästen, die zur Zeit sich hier aufhalten, man die meisten in jenen Hotels findet, die ihnen weder geistig jüdische, noch physisch jüdische Nahrung bieten. Wie glücklich könnten unsere jüdischen Hoteliers an allen Badeplätzen auch in unseren Großstädten sein, wenn nur ein Zehntel aller Glaubensgenossen diese Gaststätten aufsuchten. Das Beste, das in den jüdischen Hotels geboten wird, beachtet man kaum, gar oft wird das weniger Wertvolle der anderen mit besonderer Propaganda verbreitet. Die jüdische Zeitung hat die Pflicht, immer wieder das große jüdische Publikum auf jene jüdischen Hotels aufmerksam zu machen, die nicht nur modern geführt, komfortabel ausgestattet, sondern auch den Ansprüchen des religiösen Juden entsprechen. Mit besonderem Stolz kann „Villa Regina" in Freudenstadt (Schwarzwald ein solches genannt werden. Johannisburg. 5. Aug. Der vor einiger Zeit verstorbene südafrikanische Zionist Charles Solomon hat - eine Summe von 69.500 Pfund für' allgemeine und jüdische Wohlfahrtsinstitutionen hinterlassen. 25.000 Pfund von diesem Betrage sind für Palästinazwecke bestimmt, und zwar 7000 Pfund zum Bau eines Heimes für arme jüdische Einwanderer und zum Ankauf eines Grundstücks für dieses Heim. Das Gebäude soll auch eine Volksküche enthalten, in der sich die Einwanderer zu niedrigen Preisen verköstigen können. Im Testament wird ausdrücklich bestimmt, daß niemand zurückgewiesen werden soll, der in der Küche eine Mahlzeit verlangt. 18.000 Pfund sollen als Stiftungsfonds für dieses Heim in palästinensischen Unternehmungen investiert werden. Ferner ist ein Betrag von 25.000 Pfund zur Unterstützung südafrikanischer Studenten an englischen und südafrikanischen. Universitäten ohne Unterschied der Rasse oder Konfession bestimmt. Der Verstorbene war in jungen Jahren aus Rumänien nach Südafrika ausgewandert, wo es ihm durch rastlose Tätigkeit gelang, ein großes Vermögen zu erwerben. Er war in der zionistischen Bewegung aktiv tätig. Die zionistische Organisation Südafrikas ließ vor kurzem seinen Namen in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eintragen. London, 31. Juli. Am 26. Juli fand in London die Grundsteinlegung zu einem jüdischen Gemeindehaus statt, in dem alle religiösen, erzieherischen, philantropischen, politischen und sozialen Institutionen der englischen Judenheit beherbergt werden sollen. Die Kosten dieses neuen „Jüdischen Zentrums" sind auf 100.000 Pfund veranschlagt. Das Gebäude wird in Tavistock Square- Bloomsbury errichtet und soll in einem besonderen Flügel u. a. das englische Rabbinerseminar, das Jews' College, das bisher in einem Gebäude in Queens Square untergebracht war, aufnehmen. Man rechnet damit, dasi der Bau bereits Ende ds. Js. beziehbar sein wird. — Die Feier der Grundsteinlegung wurde unter großer Beteiligung und in Anwesenheit zahlreicher führender Persönlichkeiten der englischen Judenheit abgehalten. Der Vorsitzende des Rates des Lews' College, S. Japhet, nahm die Grundsteinlegungszeremonie, Rev. A. Mayerovitch die religiöse Weihe vor . Die Festrede hielt Chief- Rabbi Dr. I. H. Hertz. — Ein Saal des neuen Gebäudes wrd dem Andenken der verstorbenen Gattin des Chief- Rabbi Hertz gewidmet sein. Zu den bedeutendsten Organisationen, die in dem neuen Gebäude ihren Sitz haben werden, gehören die United Synagogue, der Jewish Memorial Council und der Board of Deputies. Auch die jüdische Gesundheitsorganisation für England (Ose), der Orden Bnei Brith und die Gesellschaft für Erziehungshilfe sind an dem Neubau interessiert. Zu den Baukosten haben die United Synagogue, der Jewish Memorial Council und das Jews' College große Beiträge geleistet. Die noch erforderlichen Summen sollen durch eine öffentliche Sammlung unter der Leitung von Lionel de Rothschild aufgebracht werden. Die Durchführung des Unternehmens liegt in den Händen einer Gesellschaft, an deren Spitze ein Direktorium steht, bestehend aus den Herren: Lionel de Rothschild, Vorsitzender: Sir Robert Waley-Cohen und S. Japhet, stellv. Vorsitzende; O. E. d'Avigdor Goldsmid, S. Moses, Major Salmon (Unterhausmitglied), F. C. Stern, F. Samuel, Major H. L .Nathan (Unterhausmitglied), B. A. Fersht. London, 2. Aug. Der Ausschuß für Schechita-Fragen hat eine. Resolution gefaßt, in der die Jeschiwa Ez Chajim aufgeförd.ert wird, im Hinblick auf die Ueberfüllung des Schächterberufs in England die Ausbildung neuer Schächter einzustellen. Jerusalem, 31. Juli. Das mysteriöse Verschwinden zweier jüdischer Jugendlicher namens Salia Zohar und Jochanan Stahl, die seit längerer Zeit vermißt werden, hat in jüdischen Kreisen Jerusalems lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Im Hinblick darauf, daß es bisher der Polizei noch nicht gelungen ist, eine Spur der Vermißten zu finden, haben deren Angehörige den polnischen und den deutschen Konsul als die Vertreter der Heimatländer der Vermißten gebeten, bei der Palästina-Regierung zwecks Einleitung verstärkter Nachforschungen seitens der palästinensischen Polizei zu intervenieren. Remheim (Hessen), 9. Aug. Die Israelitische Religionsgemeinde Reinheim ist seit einem Jahr Mitinhaberin des Jüdischen Friedhofes der Israelitischen Religionsgemeinde Groß-Bieberau. Interessenten werden darauf aufmerksam gemacht, daß der Schlüssel zum Friedhof bei dem 1. Vorstand, Herrn S. Steiermann, Reinheim, in Empfang genommen werden kann. 'MSSSSSSSSSSSISSSSMWESSSSSSSSSSSSSS^SSSSSSSSSS» ANNONCEN-BÜRO JULIUS SCHMIDT FRANKFURT A. M. JETZT HOIDERLINSTR. 25 DIE N E U E TELEFONNUMMER CAROLUS 45866