Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1931)
- Date
- 1931-08-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 33 Der Israelit 13. August 1931 Entspannung in Palästina. — Beruhigende Wirkung des Regierungskommuniques. Jerusalem, 6. Aug. Die Veröffentlichung des Communiques durch die Palästinaregierung hat wesentlich zur Entspannung der Atmosphäre bergetragen. Die von maßgebender Stelle wiederholt abgegebene Erklärung, daß die Regierung für alle Eventualitäten gerüstet sei und die Situation vollkommen beherrsche, hat ungemein beruhigend gewirkt. Auf Ersuchen einer Delegation amerikanischer Juden, bestehend aus Alter Levin und den Rabinern Löwenstein, Kauffman und Hattenbaum, die Schutz für die amerikanischen Juden in Measchearim und ein Eingreifen der amerikanischen Regierung für den Fall von Unruhen forderte, hat der amerikanische Konsul Knabeshue beim High Commissioner, Sir John Chancellor, vorgesprochen. Der High Commissioner versicherte dem Konsul, daß der Ausbruch von Unruhen nicht zu erwarten sei, daß aber die Regierung für diesen Fall alle Vorbereitungen getroffen habe. Eine weitere Entspannung verspricht man sich von der bestimmt zu erwartenden Absage des Chauffeurstreiks. Siebentägiger Proteststreik der arabischen Tageszeitungen. Jerusalem, 6. Aug. Die führenden arabischen Zeitungen, unter ihnen „Al Jamea al Arabia", „Felestin" und „Al Hayat", teilen mit, daß sie zum Protest gegen die durch das Communique des Chefsekretärs Doung verfügte Einschränkung der Pressefreiheit ihr Erscheinen vom 10. August angesangen aus sieben Tage einstellen werden. Die Einschränkung der Pressefreiheit erblicken die arabischen Zeitungen darin, daß in dem Communique erklärt wird, „jede Zeitungsveröffentlichung und jede Aeußerung eines Redners, die darauf berechnet fei, die Annahme, daß das Bestehen von Waffenlagern in jüdischen Kolonien die friedliche Bevölkerung bedrohe, zu stützen, werde von der Regierung als absichtliche und mutwillige Gefährdung der öffentlichen Sicherheit betrachtet und dementsprechend behandelt werden." Die arabischen Zeitungen erklären, diese Warnung beraube sie der Möglichkeit, ihre Pflicht zu einer Zeit zu erfüllen, in der die Oeffentlichkeit der Stimme der arabischen Presse dringend bedürfe. Wie die arabische Presse mitteilt, soll Ende des Monats August eine mohammedanische Konferenz einberusen werden, um zu den Beschlüssen der internationalen Klagemauerkommission Stellung zu nehmen. Als Einberufer der Konferenz zeichnet der Oberste Moslemitische Rat. Arbeiterherrschafi und Agency-Budges. Jerusalem, 1. Aug. Kol Jisroel bespricht in seiner neuesten Nummer die Ergebnisse des Zionistenkongresses und erblickt die wichtigste Veränderung der Lage darin, daß jetzt die unumschränkte Herrschaft über die zionistischen Fonds in die Hände der Arbeiterpartei übergegangen sei. Anstelle von Colonel Kish träte Dr. Arlosorof, der nun mit Ben Zwi zusammen der eigentliche Leiter des zionistischen Jischuws in Erez Jisroel sei. Die Aufgabe der bürgerlichen Kreise sei lediglich, zu zahlen. Es sei kein Zufall, daß gleichzeitig auch der Posten, der auf Betreiben des Misrachi zugunsten religiöser Zwecke in das Budget der Agency eingestellt worden sei, nur noch den 366sten Teil des Gesamtbudgets und ein 47stel der Ausgaben für die Gehälter der leitenden Beamten ausmacht, nämlich Lst. 1000 gegenüber 366 000 Lst. und 47 000 Lst. Auch diese tausend Pfund ständen nur auf dem Papier und würden gewiß für etwaige weitere Einschränkungen des Budgets in Reserve gestellt werden. Um so unbegreiflicher sei es, daß Oberrabbiner Kuk in einem Augenblicke, in dem die ganze Orthodoxie aufs höchste aufgebracht gegen das rücksichtslose Verhalten des Waad leumi in der Fußballfpielfrage fei, sich nicht scheue, einen Ausruf zugunsten der' zionistischen Fonds zu erlassen. Die ganze Politik des Oberrabbinats sei ein großer Widerspruch. Vor wenigen Tagen wurde ein, auch vom Oberrabbinat mit den Anfangsbuchstaben vn i-n gezeichneter Aufruf veröffentlicht, in dem angedroht wird, daß die Unterzeichner gegen jede Förderung der zionistischen Fonds öffentlich Einspruch erheben müß- Pie Woche. Berlin. Prof. Gotthold Weil hat sich entschlossen, dem vor kurzem an ihn ergangenen Ruf, den Lehrstuhl für Semitologie an der Universität Frankfurt a. M. zu übernehmen, Folge zu leisten. Memel. Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof hat eine größere Bande während der Nacht 26 Grabsteine umgeworsen. Gens. In der Zeit vom 29. bis zum 31. August findet hier £ der siebente Kongreß der europäischen Nationalitäten statt. Die jüdische Minderheit wird wiederum von Leo M o tz k i n vertreten. Riga. In der letzten Zeit wandern zahlreiche in Polen vom Hungertode bedrohte Juden nach Lettland. Ihre Lage ist sehr schwierig, da sie von den lettischen Behörden keine Arbeitsbewilligungen erlangen. London. Vorige Woche hat sich der 70jährige ehemalige Vizekönig von Indien, Lörd Reading, mit einer 37jährigen Dame, die in der indischen Verwaltung seit langem erfolgreich tätig war, verheiratet. — Die Presse erwartet, daß Herbert Samuel als Nachfolger des schwer erkrankten Lloyd George, Führer der liberalen Partei wird. Bratislava. Hier wurde ein Schomre Schabbos-Landesverband für die Tfchechoflovakei unter dem Vorsitz von Kommerzialrat Ludwig Preih aus Presov gebildet. Angora. Das Ministerium des Innern bereitet ein neues Judengcfetz für die Türkei vor, wobei es noch ungewiß ist, ob man die Juden als nationale oder als religiöse Minderheit organisieren wird. Warschau. Die jüdische Kooperativbank „Unitas" hat ihre Zahlungen eingestellt. Auch aus Kalifch und anderen Städten werden Zusammenbrüche kooperativer Banken gemeldet. — Hunderte von jüdischen Waisenanstalten Polens, die über zehntausende jüdische Waisen versorgen, stehen infolge der mehr als 60progentigen Kürzung der Regierungssubvenionen und der allgemeinen Krise vor einem Zusammenbruch. Zahlreiche Anstalten stehen vor der Schließung. Der Woisenoerband hat ein Jahresbudget von 6 Millionen Zloty. Moskau. Der „Ort"-Verband hat in der Krim eine Reihe von Industriebetrieben eingerichtet, in denen während des Winters etwa 1000 Juden Beschäftigung finden sollen. Bei der Aufnahme sollen deklassierte Juden und ihre Familienangehörigen berücksichtigt werden. Jerusalem. Die Chauffeure Palästinas haben einen allgemeinen Streik proklamiert. Es werden hiervon 4000 jüdische unö arabische Familien betroffen. Die Chauffeure verlangen Herabsetzung des Einfuhrzolls auf Benzin, Abschaffung der Lizenztaxen und Milderung der Verkehrsvorschriften. — Farbstein soll als Nachfolger Ruppins Kolonisationsreferent der zionistischen Exekutive werden. — Der Streik der Chauffeure ist auf 24 Stunden eingeschränkt worden. — Die arabische Exekutive wird in einer Sitzung in den ersten Tagen des September zu dem Landentwicklungsplan Stellung nehmen. — Die Palästina-Regierung hat die revisionistische Tageszeitung „Haam" verboten mit der Begründung, daß die Zeitung der Regierung die Unterstützung der arabischen Hetzkampagne vorgeworfen habe. — Das Verbot öffentlicher Versammlungen in Palästina ist auf drei Monate verlängert worden. Kremeneh. Im Alter von 45 Jahren ist der bekannte Kremenetzer Rabbiner, Rabbi Hillel Jizchok Räppaport plötzlich verstorben. Algier. Hier ist nach dem Muster der deutschen nationalsozialistischen Partei eine antisemitische Organisation, ein Verband der Latiner gebildet worden. Winnipeg. Der Gemeinderat der kanadischen Hauptstadt Winnipeg hat mit 11 gegen 5 Stimmen eine Resolution angenommen, in der gegen das gegenwärtig im kanadischen Senat zur Beratung stehende Fremdenregistrierungsgesetz wegen seines fremdenfeindlichen Charakters Einspruch erhoben wird. Rervyork. Vier kleinere Banken mit 15 Millionen Passiven haben ihre Schalter geschlossen, wodurch Tausende von jüdischen Angehörigen der Konfektionsbranche sehr geschädigt werden. Die Wirkungen auf die Wirtschaftsosrhältnisse der jüdischen Geschäftswelt sind verhängnisvoll. Washington. In der vergangenen Woche wurden 140 unerwünschte Ausländer, unter ihnen zahlreiche Juden, aus den Vereinigten Staaten deportiert. ten, wenn der Chillul Schabbos und die Beschäftigung! von Mechallele Schabbos nicht aufhöre. Und wenige« Tage später kommt, ohne daß sich etwas geändert hätte, der Aufruf des Oberrabbiners im entgegengesetzten Sinne. . Lebhafte Beschwerde führt das Blatt gegen den jüdischen Oberpolizisten Kralik, der die Unverfrorenheit besessen habe, während der letzten Sabbatdemonstration am Spielfelde des Makkabi in herausfordernder Weife sich vor das orthodoxe Publikum hinzustellen und eine Zigarre anzustecken. Auf das Ungebührliche feines Verhaltens aufmerksam gemacht, rief er einen zweiten jüdischen Polizisten herbei, beehrte auch ihn mit einer Zigarre und steckte sie an. Daß die palästinensische Polizeiverwaltung derartige Roheiten duldet, dürfte in Westeuropa unverständlich erscheinen. Der neue Chef der palästinensischen Polizei wird auf diesem, wie auf anderen Gebieten, reichlich Arbeit oorsinden. Die Mißerfolge der Landespolizei bei der Aufdeckung von Mordtaten und der Aufklärung des rätselhaften Verschwindens von Menschen sind überaus beschämend. Befürchtungen wegen eines Interregnums in Palästina. Jerusalem, 7. Aug. Im Hinblick darauf, daß High Commissioner, Sir John Chancellor, beabsichtigt, in absehbarer Zeit Palästina zu verlassen, und somit ein Interregnum bis zum Amtsantritt des neuen High Commifsioners, General Arthur Grenfell Wauchope am 1. November d. I. eintreten würde, bestehen in jüdischen Kreisen Besorgnisse, daß diese Zeit von extremistischen Elementen benutzt werden könnte, um Unruhen hervorzurusen. Der Waad Leumi hat den High Commissioner auf diese Befürchtungen der jüdischen Bevölkerung aufmerksam gemacht. Das Präsidium der palästinensischen Agudas Jisroel hat den High Commissioner schriftlich aufgefordert, die Geschäfte bis zur Ankunft des neuen High Commifsioners persönlich fortzusühren. Beruhigte Lage in Palästina. Jerusalem, 7. Aug. Die hebräischen Zeitungen stellen übereinstimmend fest, daß gegenwärtig kein Grund mehr zu einer Beunruhigung wegen einer möglichen Störung der öffentlichen Ruhe vorhanden ist. Auch die revisionistische Ta- 2 geszeitung „Haam" erklärt, „die Regierung wünsche jetzt keine Unruhen und daher werde es auch nicht zu solchen kommen." Die Fortsetzung der Artikelserie „Die Dreiländerfahrk des Keren Hakhora" erfolgt in nächster, Nummer. T)ie IDocfte. Vortrag in der Agudas Iisroel-Ortsgruppe. Die Agudas Iisroel-Ortsgruppe, Frankfurt a. M., veranstaltet am Dienstag, den 18. August, einen Vortragsabend, an dem Herr Rabbiner Dr. B. Cohen aus Friedrichstadt über das Thema: Unsere Stellung zum K am m u n i s m u s sprechen wird. Der Vortrag findet in der Liederhalle, Langestr. 26, abends 8.30'Uhr, statt. Gäste, Damen und Herren, sind herzlich willkommen. Georgine Lara v. Rothschild'sches. Hospital Frankfurt. Bon der Verwaltung des G. S. v. Nothschild'schen Hospitals wird uns geschrieben: Um Jrrtümern vorzubeugen, möchten wir nochmals darauf Hinweisen, daß auch 'während des Umbaues der Hospitalbetrieb in verkleinertem Umfange weitergeführt wird. Neues aus der Agudas Iisroel-Jugendgruppe <£. V. Frankfurt a. M. Aus dem Vorstand der Jugendgruppe schieden aus: Irma Wohl, Herbert Sonn und Hans Esriel Hildesheimer. Ueber Kooptation neuer Mitglieder wurden Beschlüsse noch nicht gefaßt. Die Jugendgruppe hat von der Ortsgruppe Mains eine Einladung zu der dort stattfindenden Bezirkstagung am 23. August nachmittags erhalten. Die Jugendgruppe wird zu dieser Tagung fahren. Einzelheiten werden nächste Woche bekannt gegeben. Im L e s e s a a l der Jugendgruppe liegen folgende Zeitungen auf: Israelit, Jüdische Presse (Wien), Jüdische Rundschau, Jüdische Pressezentrale (Zürich), Jüdische Zeitung für Ostdeutschland, C. V. - Zeitung, Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt, Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Berlin, Der jüdische Handwerker, Jüdisches Togblatt,