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Der Israelit · 1931-08-06 · Heft 32 (6.8.1931) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 32 (6.8.1931)
Date
1931-08-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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:?Tl»t *jT- ‘W*** 6. August 1931 Der Israelit Nr. 32 Seite 11 ich weinen wollte und zu weinen fürchtete. Da trat göel, der Mehlhändler, ein, und Reb Benjamin setzte feinen Hut auf und empfahl sich. Jdel, ein schmächtiges, kleines Menschlein, hatte einen Hauptfehler für meine Mutter, daß er überall, wo er hintrat, weiße Flecken hinterließ. Sonst sah ihn bei uns jeder gerne. Mein Later nannte ihn den frommen Klosterbruder, die Mutter sagte, er wäre der bescheidenste und beste Mensch, den sie kenne und ich sagte nichts, doch ich liebte ihn von ganzem Herzen. Alle Geschichten von G'tt, den Engeln, dem Satan, dem Schedim — Nachtgeistern — wußte ich nur von ihm. Er kam täglich für ein Stündchen herein, um sich zu erwärmen und schob sich jedesmal so scheu und schnell in die Ofenecke, als wäre er zum ersten Male da, und jedesmal wiederholte sich auch sein dankbarer Ausruf: „Wie angenehm warm es hier ist!" Lange hatte es gedauert, ehe man ihn daran gewöhnte das Glas Tee anzunehmen und offen über seine Lage sprechen. „G'tt sei Dank!" war sonst seine Antwort ge wesen. Erst als' man aus dritter Hand erfuhr, daß er G'tt den Dank so schenkte oder borgte und, daß er trotz unausgesetzter Arbeit — den ganzen Tag in der Kälte Mehl wiegen und herumtragen — kaum das Brot für die Familie verdiente, verschaffte man seinem Jungen einen Kommisposten, seiner erwachsenen Tochter Hand arbeit. Als er aufgefordert wurde, doch als Freund seine Leiden nicht zu verheimlichen, hatte er gelächelt „Ich habe niemals etwas verheimlicht. Ich habe G'tt gedankt, daß wir gesund sind, daß ich brave Kinder habe und ein züchtiges Weib. O, ich habe immer, wofür G'tt zu danken!" Auch diesmal ging Jdel schnell in den Win kel, rieb sich die Hände und freute sich der Wärme. Da Reb Benjamin gleich wegging, sagte Jdel, ihm nach sehend: „Dieser Mensch kann schwer G'tt danken!" Meine Mutter brachte ihm einen Tee. „Trinken Sie, Reb Jdel' Warum meinen Sie, daß Reb Benjamin nicht G'tt danken kann?" Jdel schüttelte den Kops: „Erstens hat er keine Kinder. Nichr rin öie gesagt, nicht für mich gesagt Dann ist er doch vom Satan besessen." „Vom Satan besessen, was meinen Sie damit?" (Schluß folgt.) Ainderecke. Drei Tiergeschichten. Ben Ioirs Esel. Habt Ihr auch in den Kinaus gelesen, daß einft in Erez Jisroel alles Vieh und Geflügel so klug war, so gescheit wie der Esel des Ben Joir? Vielleicht habt Ihr von dessen Klugheit noch nichts gehört, da will ich Euch gleich mal die Geschichte erzählen. Pinchos ben Joir war ein sehr frommer Mann, der oftmals auszog in fremde Länder, die Krieg geführt hatten, um die armen Gefangenen zu befreien. Von einer solchen weiten Reise kehrte er gerade nach Hause zurück. Es war ihm gelungen, mit Hilfe des mitgebrachten Lösegeldes die Gefangenen zu befreien. Nun ritt er zufrieden auf seinem treuen Esel heimwärts, als nicht sehr weit von seinem Heimatsort ihn -die Nacht überraschte, und er in einer Herberge einkehren mußte. -Pinchos ben Joir war sehr müde und freute sich schon auf die wohlverdiente Ruhe. Er führte seinen Esel nur noch in den Stall und trug dem Wirt auf, dem Esel recht gutes Futter zu geben, weil er ihn so brav getragen habe; dann legte sich Rabbi Pinchos schlafen. Als er schon einige Stunden geruht hatte, weckte ihn plötzlich der Wirt und sprach zu ihm: »Verzeiht, Rabbi, wenn ich Euch störe, aber Ihr hobt doch ausdrücklich besohlen, daß ich gut für Euren Esel sorgen soll. Ich warf ihm frische Gerste ln die Krippe, aber er wollte nicht fressen. Ich schüttelte die Gerste noch mal durch — er will nicht fressen. Ich tat alles, was ich tun konnte, «der er rührt das Futter nicht an. Kommt doch bitte mal selbst in den Stall und seht nach Eurem Esel!" Aber Rabbi Pinchos antwortete: „Ich kann mir schon denken, warum mein Tier nicht fressen will. Habt Ihr vielleicht von der neuen Gerste noch kein. Maaßer gegeben, Herr Wirt?" Beschämt sagte der Wirt: „Nein, ich habe noch kein Maaßer gegeben von der Gerste, aber ich will es sofort nachholen." Da ging der Wirt hin und sonderte das Maaßer ab von der Gerste und gab dann dem Esel wieder zu fressen. Und -der Esel machte sich gleich über die Gerste her und fraß und fraß, als ob er zwei Tage gefastet hätte! Rabbi Pinchos ben Joir aber sprach zu dem Wirt: „Seht, das ungelehrte Tier frißt nicht, bevor Maaßer genommen ist und hütet das Gebot seines Schöpfers — um wievielmehr muß ein Mensch daraus achten, alle Mizwaus ordentlich zu halten. Da versprach der Wirt, künftig besser auf die Gebote G'ttes zu achten und hat auch das Maaßergeben nicht mehr versäumt. n. „Damit r u h e D e i n Ochs . . Es war einmal ein armer frommer Mann, der hatte an einem Freitag gar kein Geld mehr, um etwas für Schabbos zu richten. Er kehrte all seine Taschen um, ob er noch irgend eine Münze fände, aber es war nichts mehr da. Da entschloß er -sich schweren Herzens, seinen Ochsen zu verkaufen, der ihm all die Jahre so fleißig auf dem Felde gearbeitet hatte. Aber es blieb ihm nichts anderes übrig und er zog mit dem Tier zum nächsten Markt, um es zu verkaufen. Er stand auch noch nicht lange auf feinem Platz und bot den Ochsen feil, da kam auch schon ein fremder Mann, um sich den Ochsen anzusehen. Er fragte den Juden, ob es auch ein folgsames und williges Tier fei und gewohnt, auf dem Feld zu pflügen und dieser lobte das- Tier sehr und sagte, er könne sich bestimmt darauf verlassen, daß der Ochse kräftig sei und gar keinen Fehler habe. Ueber den Preis wurden sie sich auch einig, und dann bezahlte der Käufer dem Juden eine Handvoll Goldstücke, so daß er davon einen schönen Schabbos richten konnte und noch viel Geld übrig behielt. Der Ochse aber zog mit seinem neuen Herrn, der ein Heide war, in ein anderes Dorf. Am nächsten Morgen führte ihn der Mann hinaus aufs Feld, spannte ihn vor den Pflug und wollte zu ackern beginnen. Der Ochse aber ging nicht vom Fleck. Schreit der Mann, er soll doch ziehen. Der Ochse bleibt stehen. Nimmt der Mann die Peitsche und schlägt auf das Tier — aber es bewegt sich nicht, und als er es noch mehr schlägt, legt sich das Tier auf die Erde hin und steht nicht wieder auf. Da geht der Mann wütend nach Hause zurück und sagt zu seiner Frau: „Da Hab' ich gestern auf dem Markt einen Ochsen gekauft, der sollte kerne Fehler haben und ein gutes Tier fein und nun will und will er nicht ackern!" Fragte ihn die Frau: „Weißt du denn nicht, von wem du den Ochsen gekauft hast?" „Doch, das weiß ich", erwiderte der Mann. „Nun, so geh' hin und sag's dem, der dir den Ochsen verkauft hat, daß du das Tier nicht gebrauchen kannst, er soll dir dein Geld wieder geben!" Da ging der Mann in das Dorf des Juden und kommt in sein Haus. Und schreit und schimpft ürchterlich, daß ihn der Jude belogen habe und agt: „Den Ochsen will ich nicht behalten, er ist törrisch und faul. Gib mir mein Geld wieder und du kannst deinen schlechten Ochsen wieder haben!" Das wäre freilich schlimm gewesen für den armen Juden: Er hatte doch schon Fleisch und Fisch und Mehl von dem erlösten Geld gekauft — wie sollte er da die ganze Summe zurückbezahlen können? Aber er wollte auch nicht glauben, daß sein Ochse so ein böses Tier sei und iiot sich an, mit dem Mann aus das Feld zu gehen und den Ochsen zum Arbeiten zu veranlassen. So kamen sie zusammen auf das Feld, wo der Ochse noch genau so auf dem Boden lag, wie ihn fein neuer Herr verlassen hatte. Da beugte 'ich der Jude zu dem Tiere nieder und flüsterte ihm ins Ohr: „Lieber Ochse, als du noch bei mir warst, so hast du am Schabbos nicht gearbeitet, weil unser G'tt auch für dich geboten hat, daß du ruhen sollst. Nun aber bist du bei einem heidnischen Herrn, der den Schabbos nicht hält, da gilt es auch für dich nicht, daß du ruhen sollst. Drum stehe auf und ackere!" Als der Ochse das hörte, stellte er sich sofort auf seine Beine und mit einem kräftigen Muck begann er den Pflug zu ziehen. Da verwunderte sich der Heide sehr und sprach zu dem Juden: „Ach, sage mir doch auch den Zauberspruch, den du dem Ochsen ins Ohr geflüstert hast, daß ich ihn auch benützen kann, wenn das Tier wieder einmal nicht arbeiten will!" Daraus antwortete der Jude: „Du irrst dich sehr, wenn du glaubst, daß ich dem Ochsen einen besonderen Spruch gesagt habe! Du mußt wissen, daß der Ochse bei mir am Schabbos nicht arbeiten durfte und seine Ruhe hielt. Nun glaubte er, das müsse bei dir auch so sein. Ich erklärte ihm aber, daß er nun am Schabbos arbeiten müsse und das hat er auch verstanden!" Da verwunderte sich der Heide noch mehr über die Einsicht des Ochsen und dachte lange darüber nach. Schließlich sagte er: „Das ist jetzt nur ein unvernünftiges Tier und es gedenkt des Ruhetags und achtet die Gebote Eures G'ttes — was für ein großer G'tt und was für gute Gebote müssen das sein! Da scheint es mir doch auch für mich gut, mich zu Eurem G'tte zu bekennen.!" Und er ging hin und bekehrte sich und wurde Jude und später wurde er sogar Raw in einer großen Stadt. III. Der Bär als Beschützer. Es war einmal an einem Freitag Nachmittag kurz vor Schabbos. Drei jüdische Wanderer, die den rechten Weg verfehlt hatten, befanden sich in einem tiefen Wald^ als es anfing, zu dunkeln. Weit und breit war kein Wirtshaus zu sehen. Da sprach einer zum andern: „Der Wald ist tief und gefährlich, böse Tiere laufen -darin herum und auch Räuber können kommen und uns töten wollen. Wir wollen weiter gehen, damit wir unser Leben retten, wenn auch der Schabbos eben schon beginnt." Aber der Dritte sagte: „Ich will den Schabbos nicht entweihen und lieber hierbleiben, bis der Schabbos ausgeht, denn der Heilige, gelobt fei er, kann mich trotzdem behüten vor allem Bösen." Seine zwei Gefährten aber gingen fort und ließen ihn allein im Walde. Er schlägt sein Zelt auf und richtet sich etwas zum Abendbrot und macht Schabbos, wie es sich gehört. Als er nun zu essen beginnen will, hört -er plötzlich ein Geräusch in den Büschen und zwischen den Bäumen, heraustritt ein großer Bär! Könnt Ihr Euch den Schrecken des Mannes denken? Aber der Bär hatte noch nie einen Menschen gesehen, betrachtete sich alles neugierig und setzte sich dann neben den Wanderer. Als dieser sah, daß der Bär ihm nichts zuleide tat, machte er in Ruhe Kiddusch, und der Bär härte zu. Dann gab er auch dem Bären zu essen und als er sich hinlegte zur Ruhe, schlief auch der Bär neben ihm. Am nächsten Morgen erwacht der Jude und sieht noch immer den Bären und dankt G'tt, daß er ihn beschirmt hat und daß ihm der Bär nichts angetan hat. Dann betet der fromme Mann und ißt, und auch der Bär ißt wieder mit ihm. Auch beim Mincho-Oren und bei S'udo schlischis und bei Hawdoloh bleibt der Bär daber. Rach Nacht macht sich der Mann zum Weitergehen auf und der Bär begleitet ihn auf feinem Weg. Doch da kamen plötzlich Räuber aus dem dunkeln Wald und bedrohten ihn. „Wer bist du?" fragten sie ihn, „und woher kommst du?" „Ich bin ein Jude," antwortete er, „und ich komme aus dem Hause des Königs." „Und hat dir der König den Bär mitgegeben?" „Ja, den gab mir der König der Könige als Beschützer mit, damit mir niemand Böses zufügen soll!" Da fürchteten sich die Räuber und dachten, wie lieb muh der Mann dem Könige sein, daß er ihm einen Bären als Geleitsmann mitgibt. Und sie flohen schnell in den Wald zurück. Der Bär aber begleitete den frommen Mann bis an sein Haus, dann kehrte er wieder in den Wald zurück. . > U' r!i *!i m

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