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Der Israelit · 1931-07-30 · Heft 31 (30.7.1931) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 31 (30.7.1931)
Date
1931-07-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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30. Juli 1931 Nr. 15. Seite 3 heit in unseren Tagen und damit unser eigenes Leid tatsächlich nichts weiter als die Konsequenz unserer eigenen, des jüdisch e n Volkes U n3 zuläng ln chk eit ist. xvn .in'» prr. . Agudas Jisroel ist nichts weiter als der bewußte Versuch,- das Mische Volk aus dem zusammenhanglosen, durch die Selbstsucht der Individuen, der Khilloth und der Länder verursachten Chaos in einen sinnvollen, von G'tt und seiner Thora beherrschten einheitlichen Organismus zu verwandeln. Es sind dieselben Triekräste des Bösen, die die Erreichung dieses Zieles draußen in der großen Welt, wie in dem Kreise derll'nnn "dt?;; verhindern, nur mit dem Unterschied, daß sich der jnn iL'- wenn er Charedim seinen Zwecken dienstbar machen will, vielfach natürlich in das Gewand der Mizwoh zu kleiden gezwungen ist. Cr gaukelt dann oft den Größten und Besten den Gedanken vor, es fei eine Mizwoh, sich selber einzuspinnen in die besonderen Aufgaben einer einzelnen Gemeinschaft ohne des Wohles des Ganzen und des Zusammenhanges mit dem Ganzen zu gedenken. Cr gaukelt dem Individuum ganz ebenso den irrigen Gedanken vor, es dürfte sich auf die Fürsorge für die Ernährung seiner Familie beschränken ohne des ringenden Bruders zu gedenken. Er türmt Berge und reißt Abgründe auf zwischen denen die durch G'ttes Willen für ewig in unlösbarem Arewus .miteinander,geeint sind. in; i: ‘ : An der agudistischen Jugend ist es, in heißer Liebe zu G'tt und seiner erlösenden Thorawahrheit diese Vorspiegelungen des jnn *ix\ als solche zu erkennen und sich Mit dem ganzen Feuereifer, der nur an äußerstem iyiskd pnpi und an rastloser Hingabe an mmn mnb sich entzünden kann, Tag und Nacht an der -endlichen Herstellung der Einheit der orthodoxen Judenheit zu schaffen, ehe es — vielleicht auf lange Zeit hinaus — v'n zu spät ist. Was bedeutet uns In Deutschland die Agudas Zisroel? Von Rabbiner Dr. A. Anerbach in Kakberstadl. Als vor nunmehr fast 20 Jahren der Aufruf zur Gründung der Agudas Jisroel erging, wurde diese Idee in weiten Kreisen der Orthodoxie mit Freude und Begeisterung begrüßt. Welche inneren Schwierigkeiten die Jugendjahre der neuen Organisation bringen sollten, welche furchtbaren Hemmungen der Weltkrieg und die folgende politische und wirtschaftliche Depression nach sich ziehen würden, das ahnte niemand voraus. Blickt man auf die vergangenen Jahre zurück, so darf man .Y'znp.i' dankbar sein für dieN'vNS nnawn, welche über dieser Gründung gewaltet hat und waltet. Agudas Jisroel ist ein. bedeutsamer Faktor innerhalb des jüdischen Volkes und für' den Klal Jisroel geworden, ein Faktor, der gar nicht mehr fortzudenken ist, als rpettumspannende Organisation der Orthodoxie. Sie wird gewertet und geachtet als die selbstbewußte Zusammenfassung jüdischer Orthodoxie beim Völkerbunde, dem Areostäg der politischen Weltmoral, bei der englischen Mandatsmacht für Erez Jisroel und gewiß bei allen politisch für Erez Jisroel interessierten Instanzen, aber auch bei den Negierungen der Länder mit jüdischen Massensiedlungen. Welche Bedeutung sie für die Juden in Polen hat, das zeigte uns zuletzt zu unserer eigenen freudigen Ueberraschung der Ausfall der jüdischen Gömoindowahlen, die fast überall eine starke Majorität der in der Agudoh vereinigten. Orthodoxie brachten. Von dieser Anerkennung weiß auch der am jüdischen Leben interessierte Jude in Deutschland. Warum aber wirkt sich das. bei uns nicht so aus, warum wird Agudoh vielfach nicht einmal in unseren Kreisen gewertet, wie sie gewertet zu werden verdient und wixd sie sogar von vielen.als überflüssig bei uns in DöüLschland bezeichnet? ÄSarum stehen Hunderte, ja Tausende abseits, gleichgültig, uninteressiert, die sonst nach ihrer Weltanschauung und Lebensführung wertvollste Mitglieder der Agudoh fein könnten? Der Israelit Blätter__ Neben prinzipiellen Gründen oder Vorurteilen, auf die in diesem Zusammenhang nicht eingegangen werden soll, liegt die Verkennung der Notwendigkeit der Agudoh bei uns in Deutschland daran, daß die Orthodoxie schon früher, bevor die Agudoh da war, sich im Abwehrkampfe gegen thorafeindliche Anschauungen eine Organisation schaffen mußte, und -es liegt heute noch an der historisch gewordenen, aber in ihrer organisatorischen und praktischen Tätigkeit vielleicht noch immer unentbehrlichen Organisation der „Freien Vereinigung" neben „Agudas Jisroel". Während in anderen -Ländern trotz starken Einflusses neologer Menschen, die in sozialer Hinsicht in ihren Gemeinden viel leisteten, es selbstverständlich erschien, daß die Kehilloh im Sinne der Tauroh und des Religionsgesetzes geführt wurde (Polen und Rußland), und in anderen Ländern kein Gemeindezwang, sondern ein Nebeneinander gesetzestreuer und neologer Gemeinden oder Vereinigungen bestand, die höchstens in Vertretung gemeinsamer Interessen nach außen als zusammenhängend in Erscheinung treten, sonst aber gar keine Fühlung hatten, hat sich in Deutschland die Neologie seit etwa 100 Jahren der Führung von vielen Gemeinden zu bemächtigen gewußt. Si-e zwang dadurch den kleinen Kreis thoratreuer. Menschen in den Gemeinden zu einem Zusammenschluß^ der sich in Gegensatzzur alten. Ortsgemeinde stellte; so in -einer Reihe von Stäten. So wurde der Zusammenschluß der Gleichgesinnten in Stadt und Land zur Vertretung der gleichen Interessen nach außen und zur Stärkung der Orthodoxie in ihren eigenen Reihen, das Werk der „Freien Vereinigung" seit etwa einem halben Jahrhundert. Ueber die praktische Arbeit hinaus liegt ihr historisches Verdienst in der Erweckung des Bewußtseins der geistigen Zusammengehörigkeit aller bw, in der Stärkung des Vertrauens an die Zukunft bei denen, die in Stadt und Land sich vereinsamt fühlen, unter solchen, die glauben, den Forderungen der Zeit zu folgen, wenn sie das Leben der Tauroh verlassen. Für die Orthodoxie anderer Länder — wir denken wieder vor allem an Polen und Rußland — war Agudas Jisroel gleichsam eine Entdeckung in schwerster geistiger Erschütterung, welche nun auch.'die Grundfesten ihrer alten Kehillaus ergriff, eine Rettung, und vielleicht die einzige, vor der verführerischen Lockung des «religiösen Zionismus. Dem einfachen thoratreuen Menschen in Deutschland war Agudas Jisroel zunächst vielfach eine unverstandene, neben der Freien Vereinigung unnötige neue Gründung. Dieser Standpunkt von Menschen, die uns sehr wertvoll sind, die wir nicht missen wollen, die oft die wertvollsten-Arbeiter, in ihren Kehillaus und ihren Chewraüs sind, ist falsch.und kurzsichtig. Aber die Auffassung von der Ueberflüssigkeit der Agudas Jisroel in Deutschland findet noch Unterstützung durch die Existenz anderer Neugründungen, die neben und nach der Agudoh -in Deutschland entstanden und die als die repräsentative Vertretung der Orthodoxie vor der jüdischen und nichtjüdischen Oessenlichkeit notwendig sind, vor allem wegen des geschlossenen und z-ielbervußten Auftretens der Orthodoxie den Behörden gegenüber, das ist der „.Preußische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden" oder, wie er in dem Wunsche der Zusammenfassung aller 'gesetzestreuen geführten Gemeinden in Deutschland sich nennt, der „Bund gefetzestreuer Gemeinden Deuschlcmds".*) Er ist es, der die Stärkung' der Ueberlieferung und der in ihrem *) Es ist hier nicht der Platz, davon zu sprechen, daß und weshalb ein nicht geringer Teil besonders von Mittel¬ und Kleingemeinden in einem anderen und größeren Verbände sich befinden, auch nicht, daß besonders wieder in Großgemeinden viele, auch angesehene taurühtreue Menschen.durch ihre Zugehörigkeit zu einer Gemeinde, eo ipso auch zu dem größeren Landesverbands gehören. Da der Preußische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden eine Vertretung der selbständigen Orthodoxie innerhalb der preußischen oder deutschen Gemeinden ist, so ist nur er in der Betrachtung der „Ideal-Konkurrenz" mit der Agudas Jisroel zu erwähnen. Sinne geführten Institutionen in Gemeinden und darüber hinaus sich als Aufgabe stellt, und er ist es, der sie bewußt zusammenhält, als die gesinnungsgemäße Zueinandergehörigkeit, und der sie besonders nach außen geschlossen vertritt und aufklärenö für ihre Ideen wirkt. Wozu noch Agudas Jisroel neben diesen Organisationen — Freie Vereinigung: Zusammenfassung der orthodoxen Personen, Gemeindeverband: Zusammenfassung der orthodoxen Gemeinden! Welches Wirkungsfeld bleibt der Agudas Jisroel in Deutschland? Wir sagten schon oben, daß ein solcher Standpunkt falsch und kurzsichtig ist, wenn auch zugegeben sei, daß er besonders in unserer Zeit der furchtbaren wirtschaftlichen Not, begreiflich ist. Um so wichtiger ist es, ihm entgegenzutreten und aufklärend zu wirken. Zunächst die Gegenfrage: Hört unser jüdisches Verantwortlichkettsgefühl auf an den Grenzpfählen unseres Landes? Bedeutet der bekannte Satz /paTip Tyn •••»jy oder etwa pviip nanon daß unser Interesse undunsere Mithilfe nicht auch den Hilfsbedürftigen anderer Länder gilt? Die Rot ist bei uns groß, sehr groß. In den Ostländern aber, in welchen schon in Friedenszeiten zeiten der Hunger die Menschen ganz anders packte als bei uns, hat Krieg und Nachkrieg Wunden geschlagen, die in Jahrzehnten nicht geheilt werden können. Wir können es uns nicht vorstellen, wie in Groß- und Kleinstädten Polens, Rumäniens, Palästinas Menschen darben. Dort aber gerade sind die Stätten der Tauroh, die Jefchiwaus, in welchen in wunderbarer Hingabe Lehrer und Schüler Tage und Nächte verbringen und ihr physisches Leid in solcher Stimmung vergessen. Aber können sie leben ohne das Notwendigste für die leibliche Nahrung? Und wir fragen weiter: Können wir, der Klal Jisroel, leben ohne Tauroh, ohne hie Tauroh, für welche im Osten größte Meister leben? Für welche Schülergenerationen herangezogen werden, die in einer geistigen Vertiefung unsere Lehre des Lebens später in alle Gegenden der Erde, auch zu uns, führen werden. Erez Jisroel ruft um Hilfe. Dort auf dem Boden des heiligen Landes verbreitet sich, durch irregeleitete Begeisterung und durch starke Geldmittel gestützt, ein Leben, das jeden wahrhaft religiösen Jehudi erschüttern muß wegen seiner Gleichgültigkeit, vielfach sogar Feindschaft und Verhöhnung gegenüber dem Tauroh-Geist, der von Zijaun ausging. Nein, ausgeht! Auch dort sitzen Lehrer und Schüler in grenzenloser Armut und leben ihr altes jüdisches Leben der Tauroh. Da sollen wir schweigen? Wollen wir nicht helfen und verteidigen, was unser ist, das Land der alten und unvergänglichen Kedufchoh? Was bringt aber Agudas Jisroel uns oder, krasser, ryelchen Vorteil haben wir in Deutschland von Agudas Jisroel?, so lautet die Frage der Kurzsichtigen. Uns b r i n g t s i e d a s B e w u ß t s e i n der Zusammengehörigkeit aller ö’KY für die gemeinsamen Ziele der Tauroh, wo immer unsere geistige, physische und materielle Mitarbeit verlangt wird. Uns zeigt sie l“7K*W’ r>»rb wenn wir oft mit ernstem und trübem Blick auf die Entwicklung, den Niedergang und die Mutlosigkeit in unseren Kreisen schauen. Dann hebt der große Bau der Agudas Jisroel unsere Stimmung in der Ueb-erzeugung, daß die Tauroh überall noch Heimstätten besitzt und durch Agudas Jisroel noch neue begründet. Uns ist sie der geisttge und der sehr reale Sammelpunkt für alle, die das Judentum unter der Fahne der Dauroh sammeln wollen. Alle Aufgaben, welche dem Klal gestellt sind, werden in der Agudoh geprüft auf ihre Verwirklichungsmöglichkeit auf dem Boden der Tauroh und im Rahmen der Tauroh. Wenn andere jüdische Weltorganisationen, Zionismus und seine Abart Jewrsh Agency, vor der Welt und ihren Herrschern mit Forderungen und Wünschen auftreten, bei denen das Tauroh-Pringip hintangesetzt ist

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