Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1931)
- Date
- 1931-07-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 31 Der Israelit 30. Juli 1931 Skucmfahrl nach Friedrichstadt. Als besonderes Ferienerlebnis war für die Schüler und Schülerinnen der Dr. Jacob-Schule (Jsr. Religionsschule) in Kiel eine zweitägige Fahrt nach Friedrichstadt a. Eider geplant. Sie wurde noch in einem anderen i hat, so ist es dreierlei Auf der Rückfahrt wirken sich die Anstrengungen des vergangenen Tages und die mäßige Nachtruhe in der Herberge aus: Es ist still bei uns, jeder drückt sich in eine Ecke und träumt. -Und denkt man dabei über das nach, was diese Reise uns in jüdischer Beziehung gelehrt Sinne, als dem beabsichtigten, zum Erlebnis dadurch, daß sie bei einem Unwetter stattfand, das wohl in Jahren seinesgleichen sucht. In den vorangegangenen Tagen war das Wetter ganz Erstens, daß wir auf der ganzen Fahrt nichts von Antisemitismus gespürt haben. Wir sehen jüdisch aus, wir riefen uns mit unseren jüdisch klingenden Namen, wir brachen oft mit Lärm in stille Straßen ein, aber gut gewesen, Mittwoch morgen regnete es stark. Aber nirgends erfolgte die geringste unangenehme Resonanz. alle Fahrtteilnehmer fanden sich ein, bewaffnet mit Regenmänteln, bester Laune und der festen Zuversicht, daß vor einer so fröhlichen Schar die Sonne sich nicht lange Wenn man also keine Gespenster sieht, sind auch manch mal wirklich keine da. Zum zweiten bot uns die unvergleichliche Aufnahme, verstecken würde. Aber der Leiter unserer Schule ist jadie wir im Friedrichstädter Rabbinerhaus fanden, das Rabbiner und unsere Jungens zum Teil so tüchtige Tal-! tiefe Erleben echt jüdischer Gastfreundschaft nach abramudisten, daß sie auf dem besten Wege sind, es zu werj hamitischem Vorbild. den; und wenn Rabbonim wandern, weint der Himj Das dritte aber ist das Bewußtsein, daß unsere Juwel! Der Satz sollte leider wahr bleiben!! gend kraftvoll ist. Es waren junge Menschen unter uns, Im Zug wird gesungen. Was singen jüdische Kin- , die gar nicht sportgestählt, um so mehr aber' dem Lerder? Adaun Aulom, Mah tauwu, wie sie es gerade von; neu ergeben sind, auch sie ertrugen die wirklich nicht geunserem Chason gelernt haben, Zaddik Katomor; „Das! ringen Strapazen dieser Fahrt achtungslos, mit Humor. Wandern ist des Müllers Luft" schallt auch mal da-! Auch kleine, zarte Mädchen, die zeitweise vor Kälte und zwischen, aber dann wieder Mah tauwu und nochmal! Nässe schauerten, erzählen nur, wie herrlich es gewesen ist. Diese Widerstandskraft unserer jüdischen Jugend, sie ist herrlich! R. P. Reb Benjamin. Von A. Voda. Noch in der Erinnerung weht mich ein Hauch an jenes Schauers, der mich durchrieselte, wenn ich Reb Benjamin sah. Ein Gemisch von erwünschter und ungewollter Sensation, in der Kindersprache Gruseln genannt. Das kam wohl von seiner langen, schwarzen Gestalt. Denn außer der kühnen Nase und' dem Stückchen Wange an ihren beiden Seiten war alles an Reb Benjamin Schwarz in Schwarz. Der runde, immer rein gebürstete Filzhut, die buschigen Brauen, auf die er gedrückt war, die geringelten Seitenlocken, der Bart, der unter ihnen begann und über dreiviertel Wangen, Kinn, Hals und ein Stück Brust herunterslotz, der dichte Schnurrbart, der in den Bart sich ergoß, der Kaftan bis zu den Knöcheln und die glänzend gewichsten Schuhe. Das Schwärzeste jedoch waren die Augen. Tief, dunkel und flammend sahen sie aus wie Salamandergruben, aus denen es feurig und unheimlich hervorglühte. Diese Augen sahen durch einen hindurch, über einen hinweg, blieben aber nur selten aus einem Gesicht haften. Dann aber konnte in ihnen eine Zärtlichkeit aufleuchten, die ich mit dem Worte „lieb" belegte. Ja, die Augen Reb Benjamins konnten sehr lieb sein und daher kam es wohl, daß ich ihn beim besten Vorsatz nicht hassen konnte. Ich wollte ihn hassen, weil er Lehrer war und dazu noch ein strenger Talmudlehrer, der seine Schüler oft erbärmlich schlug, aber ich brachte es nicht fertig. Er tat mir einfach leid. Trotz seiner Schwärze, trotz seiner Größe, trotz des unheimlichen Wesens, trotz der Grausamkeit gegen seine Schüler tat er mir leid. Die Meinungen und Empfindungen meiner Eltern in Bezug auf Ren Benjamin gingen ganz auseinander. Meinen Vater verband mit diesem Mann eine innige Freundschaft, die noch aus der Zeit datierte, da er als zwölfjähriger Knabe zu dem gefürchteten Meister kam und sechs Jahre bei ihm Lehre und Weisheit schöpfte. Wohl mußte auch mein Vater in der ersten Zeit Schläge, Puffe und Knüffe einstecken; aber schon nach wenigen Monaten begann sich zwischen Lehrer und Schüler ein ganz eigenartiges Freundschaftsverhältnis zu gestalten. Die klugen Fragen und Bemerkungen des Jungen, der noch nicht Tephillin legte, gewannen ihm die Sympathie des gestrengen Reb Benjamin. Als gar einmal der Dreizehnjährige einen Einwurf machte, der dem Lehrer nicht eingefallen war, geriet dieser in Helle Begeisterung und behandelte von da ab den Schüler als seinesgleichen; diskutierte mit ihm stundenlang, während die anderen Schüler aufmerksam und dankbar zuhörten. Ost machte man zusammen lange Spaziergänge, und der Lehrer sprach da über allerlei Dinge, während sein kleiner Begleiter bewundernd lauschte. Und was der Meister sagte, wurde voi dem Kinderverstand und Kindergemüt gierig aufgesogen, wie Sommerreqen von trockenem Felde. Dann schätzte mein Vater Reb Benjamin seiner Charakterfestigkeit wegen. Er hatte es nicht leicht gehabt. Weder als Lehrer noch sonst. Daß er ein großer Talmudist war, daran konnte man nicht rütteln, das stand für jedermann fest. Aber seine Unterrichtsmethode, da fand man gar vieles auszusetzen. Er las mit seinen Schülern ein Blatt Gemoro, übersetzte es, ließ dann die Schüler übersetzen und begann nun auszufragen, ob und was ihnen auffiele. Er konnte das Blatt unzählige Male mit ihnen lernen, die Uebersetzung abwandeln, da und dort etwas betonend, um sie auf die von ihm erwarteten Einwände zu bringen. Nun kam zuweilen eine dumme Frage, da gab es meist eine Ohrfeige. Fragte aber einer gar, um endlich weiterzukommen, so konnte es eine ganze Serie von Ohrfeigen geben. Die Eltern beklagten sich über die Mißhandlung ihrer Kinder und über 'das Defizitverhältnis von gezahlten Dukaten und gelernten Gemorobogen. Verlangte doch Reb Benjamin gerade zweimal soviel, wie jeder andere Lehrer und dabei blieb er Tage, manchmal Wochen, ohne weiterzukommen. Man entzog ihm die Schüler; er blieb nur mit drei, vier. Nach einem Jahre jedoch konnten diese sich mit Jeschiwabachurim messen. Und so begannen die alten Schüler wiederzukommen, neue sich zu melden. Da er nur eine beschränkte Anzahl aufnahm. Nach reichlicher Stärkung verlassen wir das gastliche I traf er eine Auslese und behielt nur die hellsten Köpfe. Haus und das freundliche Städtchen. ^Nun bedeutete es einen Vorzug, zu seinen Schülern zu Mah tauwu, anscheinend Favorit! Und sie singen so kräftig, daß der einzige Fremde in unserem Abteil dieses bald verläßt. Wir hatten einander schon auf den „Goy im Golus" hingewiesen, nun ist er draußen; möchte auch unser Golus so schnell enden! In Rendsburg wird Aufenthalt gemacht, die Schul besichtigt und trotz Regen und Sturm der Marsch zum außerhalb der Stadt liegenden Friedhof ausgenommen. Wie naß kommen wir wieder! Aber weiter gehts mit fröhlichem Mut nach Husum. In Rendsburg mußte man bedauern, daß von dieser einst schönen K'hilloh nur noch die zwei genannten Zeugen übrig geblieben sind — die Schul wird nur noch an den Jomim Hanauroim benutzt —, Husum aber ist und war seit jeher „judenrein". Trotzdem möchten wir uns die Stadt ansehen, aber nur die Großen tun es, unsere Kinder müssen mit einer Aussicht im Bahnhofswartesaal gelassen werden. Die Stadt ist schnell durchquert, außer dem Theodor Storm-Geburtshaus zeigt sie kaum Sehenswertes. Aber nicht umsonst heißt Husum „die graue Stadt am Meer". Grau genug hat sie sich uns bald gezeigt, nun wollen wir aber auch das Meer sehen. Die Ostseeküstenbewohner wollen die Nordsee grüßen. Es ist ein weiter Weg dort hinaus, und je iveiter wir uns der Nordsee nähern, desto ungeheuerlicher'wird der Sturm. Er peitscht uns den Regen mit einer Heftigkeit ins Gesicht, daß wir jeden Tropfen wie einen Nadelstich empfinden. Wir sind trotzig, aber der Sturm auch, und mit seiner Windstärke 9 behält er die Oberhand. Wir müssen umkehren. Umsonst brachten wir das Opfer durchnäßter Stiefel, Beinkleider, die bis zum Knie hinaus zum Auswinden naß sind und eines durch den Mantel hindurch vollkommen eingeweichten Damenkleides. So kommen wir nach nur kurzer Fahrt in Friedrichstadt, dem Ziel unserer Reise, an. Man hatte in Friedrichstadt an unserem Kommen gezweifelt, empfing uns nun aber im Rabbinerhaus mit solcher Liebe und Fürsorglichkeit, daß alle Strapazen schon halb vergessen waren. Nach reichlicher Bewirtung und nach dem Abendgebet in der alten großen Schul gingen die Kleinen in die Jugendherberge, die Großen in das Haus des Vorstehers der Friedrichstädter Gemeinde, wo vor versammelter Gemeinde — auch sie ist leider nur noch klein — der Leiter unserer Fahrt einen Vortrag hielt über die Bezeichnungen „Juden, Hebräer, Israeliten, Mosaisten" usw. Die belehrenden Ausführungen werden dankbar angenommen, nach der geistigen Labung auch solche für den Körper gern genossen, dann begibt sich alles auf de^ Nachhauseweg durch die finstere Stadt, denn der Sturm hat nun noch seinen letzten Trumpf ausgespielt, einen Generalkurzschluß hervorgerufen! Am anderen Tag hat wenigstens der Regen ausgehört, so daß wir ein wenig durch die Stadt bummeln. Wir sehen uns noch einmal richtig die große Schul an, bei der der riesenhafte Kronleuchter, für Kerzen, besonders auffällt; dann die kleine Schul, die für sich abgeschlossen daliegt und solche Stille ausströmt, daß ein nichtjüdischer Besucher kürzlich äußerte, dies fei ein wahrhaft andachterweckender Raum. Auch das Schulzimmer sehen wir uns an, das wir nicht verlassen, ohne einen Gruß unserer Schule an die Friedrichstädler Schulkinder an die Tafel zu schreiben. Dann besichtigen wir die Mikwah, die — sicher ein Unikum — in dem Vereinshaus einer christlich-religiösen Sekte untergebracht ist. Dort ist eine Baderaum, und man konnte ohne zu große Kosten eine Mikwah einbauen, die noch für die Hausbesitzer den Vorteil bieten soll, die Kellerfeuchtigkeit an sich zu ziehen. Will man alles Jüdische einer Stadt besichtigen, darf man nicht an der Schlachterdiele vorübergehen. Wir treten ein und freuen uns nachher, es getan zu haben. Nicht wegen kulinarischer Genüsse; die werden allerdings unseren Kleinsten in Form von Wurst zuteil. Aber wegen Tante Betti. Tante Betti, so genannt von Jud und Christ, ist eine alte fromme jüdische Frau von altem Schlag, so wie man sie selten noch sieht, in der Großstadt schon gar nicht. Sie ist ein Friedrichstädter Kind, wo ihr Vater 44 Jahre Schauchet war, und wohl kaum je weit über ihre Heimatstadt hinausgekommen. Sie erzählt gern von alten, ja wirklich besseren Zeiten, und man hört ihr gern zu. Eine einfache liebenswerte Erscheinung! I gehören, um so mehr drängte man sich dazu. Anderer- ' seits wurde es ihm auch als Jude nicht leicht gemacht. Seine Glaubensgenossen beschuldigten ihn der Ungläu- . bigkeit. Es ging im Bethaus an. Dieser und jener wollten bemerkt haben, daß Reb Benjamin während des i Betens zum Fenster hinaussah oder sich sonst zu schaffen! machte, ohne sich um das Gebet zu kümmern. Er hörte auf, an Wochentagen ins Bethaus zu gehen. Doch die andern hörten nicht auf. Man behauptete, daß er zu Hause zwar die Tephilin umlegte, aber statt zu beten in ein Buch hineinsehe oder gar in eine Zeitung. Dann sprach man davon, daß er sich zuviel mit Tanach abgebe, was auch kein Frömmigkeitszeugnis bedeutete. Reb Benjamin hörte, sah und schwieg. Nichts in seinem Benehmen änderte sich. Er machte weder Konzessionen, noch nahm er einen Kampf aus. Und doch entschied es sich auch hier so, daß er der Ueberwinder blieb. Die gewöhnlichen Leute fingen an, die Achsel zu zucken: „Wir wollen einem Lamden wie Reb Benjamin vorschreiben. Lächerlich! Wenn er etwas tut, wird er schon wissen, was." Die Kenner meinten: „Lieber ein Talmidchacham, ein Bastard, als —Und so lieh man ihn in Ruhe. So ganz doch nicht. Denn nun bildeten die Frauen eine Kampagne gegen ihn. Dieser gehörte auch meine Mutter an. Einer, der keine Kinder hatte und die Kinder anderer blutig schlug, ein Talmidchacham, von dem es hieß, daß er ganz Schaß auswendig wußte, und der dennoch lieblos und roh zu feiner Frau war. Obwohl er fast täglich zu uns ins Haus kam, obwohl er mit wärmster Gllstsreundschast ausgenommen wurde, konnte meine Mutter ihre Abneigung gegen diesen Tyrannen nie ganz überwinden. Reb Benjamin schien es zu fühlen, oder vielleicht dachte er sich, sie gehöre zu den vielen, von denen er durch eine Wand getrennt war. Wer diese Wand aufgerichtet, weiß ich nicht. Aber sie bestand. Alle Juden unseres Städtchens, Männer und Frauen, empfanden, daß es zwischen ihnen und Reb Benjamin etwas gab, was sie von einander trennte. Sogar mein Vater, der seinen Lehrer so herzlich liebte, sagte einmal zu Mutter, als sie wieder etwas gegen Reb Benjamin vorbrachte: „Ich habe Dir ja gesagt, daß ich ihn nicht immer verstehe. Er ist eben anders, als die übrigen, doch gewiß nicht weniger. Eher mehr. Wir verstehen ihn eben nicht." Doch Jdel, der Mehlhändler, sollte mir das Rätsel lösen. Zwischen Reb Benjamin und seiner Frau war nach einer langen Ruhepause wieder Streit ausgebrochen. Man sprach davon, daß er ihr eine Tasse oder sonst einen Gegenstand an den Kopf geworfen hätte und die Frauen steckten aufs neue die Köpfe zusammen. Man wollte zum Rabbiner gehen, um zu sehen, daß ein Mann mit Thora, der solche Roheiten beging, in den Cherem getan werde. Das Städtchen war wieder einmal in Sud wegen Reb Benjamin. Die Frau hatte das Haus verlasse.: und lag bei ihrer Schwester mit geschwollenem Auge, Auch meine Mutter kochte vor Empörung. Diesmal wollte sie ihn wirklich tüchtig hernehmen. Vater verbot es, doch sie dachte sich das Ihre. Als Reb Benjamin wie gewöhnlich um die Dämmerstunde kam, schenkte ihm die Mutter den schönsten Tee ein, ganz dunkel, wie ihn Reb Benjamin gerne trank, reichte viel Gebäck dazu, obwohl sie wußte, daß er davon nie mehr aß als eine Schrippe, fragte ihn, ob er nicht Rum oder Zittone wünsche, obwohl er dies immer ablehnte. Nach dem ersten Glas schenkte sie ihm schnell ein zweites ein. Dann sagte sie: „Reb Benjamin, ich habe eine große. Frage an Sie. Jahre schon zerbreche ich mir darüber den Kopf und kann keine Lösung finden. Wen ich immer frage, der weiß ebensowenig wie ich darauf zu antworten. Sie sind der einzige, der mich beruhigen kann. Sagen Sie, lernt man die Thora nur, wie man eine Geschichte liest? Studiert man den Talmud nur, um sich in Kaschjes und Teruzim zu üben oder ist das alles, damit der Mensch g'ttesfürchtiger, sündenfeindlicher, also besser werde?" Reb Benjamin war noch mit dem Tee nicht fertig. Er schlürfte ihn in klenen Zügen, dann stellte er das Glas hin und sagte: „Darauf kann Ihnen Ihr Mann, Mendale, am besten antworten. Er, der die Thora und alle unsere heiligen Bücher kennt, wird Ihnen sagen, daß sie nicht zur Unterhaltung und nicht zur dialektischen Uebung da sind, sondern um uns zu bilden, unsere Seele zu entwickeln.. — Aber ich glaube, die eigentliche Frage haben Sie noch nicht gestellt." Er sah die Mutter an und sie wußte, daß er sie verstanden hatte. „Nun also, wenn es so ist, wie Sie sagen, wie kann es nur geschehen, daß ein Talmichacham, ein Mensch der vollgestopft ist mit Thora und Wissen, g'ttlose Dinge begeht? Daß ein solcher Mensch unschuldige Kinder, die lernen wollen, aber vielleicht nicht leicht lernen können, blutig schlägt, daß er seine Frau mißhandelt, welche ihm eine aufopfernde Gefährtin ist, ihn betreut, für ihn sorgt, kocht, ihm das Haus und alles in Ordnung hält, für ihn wäscht und putzt. Daß er sie wie eine Magd behandelt, gehe hin; aber sie mißhandeln!" Reb Benjamin war von den zwei Glas Tee stark erhitzt, denn er nahm den Hut ab und fuhr mit der Hand über seine hohe Stirne, die ich erst jetzt erblickte. Die Samtkappe, die er unter dem Hirte trug, gab dem Gesicht dadurch, daß sie Stirn und Haar rundherum freiließ, einen freien,- stolzen, herrischen Ausdruck. Doch er schien weder stolz, noch herrisch gesinnt. Er fuhr nur mehrmals mit der Hand über Gesicht, .Stirr und Kappe, dann erwiderte er und seine Stimme klang ganz verändert: „Wir wissen, das heißt wir glauben bestimmt, daß, wer Thora lernt, bester wird. Wenn ein Talmichacham, wie Sie sagen, sündige Handlungen begeht, so wissen wir nicht, was er als Amhaarez erst getan hätte. Vielleicht-wäre er gar zum Mörder geworden." (Schluß folgt.)