Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1931)
- Date
- 1931-07-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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30. Juli 1931 Nr. 31 Seite 7 Der Israelit mung der Zeugen und der Angeschuldigten fällte der Richter ein freisprechendes Urteil. Von der Teilnahme an einer Zusammenrottung könnte überhaupt keine Rede sein, weil die tatsächlichen Vorbedingungen hierfür nicht erfüllt waren. Aber auch die Beschuldigung, daß die Angeklagten in widerrechtlicher Weise jemanden bei der Ausübung seines Gewerbes hindernd in den Weg getreten seien, könne auf den vorliegenden Fall nicht angewendet werden. Im übrigen, so schließt die Begründung, könne man die st rasgesetzlichen Bestimmungen hier überhaupt nicht a n w e n d e n. Die Beschuldigten hätten lediglich die gute Absicht gehabt, eine religiöse und moralische Pflicht zu erfüllen. Sie wollten den Mitgliedern des Makkabi klar machen, und all denen, die zu dem Spielplatz gekommen waren, daß man den Sabbat nicht öffentlich entweihen dürfe durch Spielen und durch Kartenverkauf. Das sei ein vollständig berechtigter Versuch, insbesondere in Würdigung der Tatsache, daß das Spielfeld von drei Seiten von den Wohnungen orthodoxer Juden umgeben sei, so daß eine Sabbatentweihung an dieser Stelle eine viel größere Störung der öffentlichen Ordnung bedeute, als ein Versuch, die Sabbatentweihung zu verhindern. Die Angeschuldigten waren daher freizusprechen. Vom Kampf für den Sabbat. Jerusalem, 20. Juli. Die Fußballspiele am Sabbat werden nunmehr kraft der religiösen Autorität des „Waad leumi" lustig weiter fortgesetzt. Das angebliche Oberrabbinat des Waad leumi steht ohnmächtig daneben und ist nicht imstande, seine religiösen Entscheidungen durchzusetzen. Auf Initiative der Zeire Agudas Jisroel ist nun ein „vereinigtes Komitee zum Schutze des Sabbats" gebildet worden, das, abgesehen von dem weiteren Kampfe gegen die öffentliche Sabbatentweihung durch die zionistischen Sportgruppen, eine erfolgreiche praktische Kleinarbeit leistet. So ist es in manchen Fällen gelungen, durch Intervention bei größeren Arbeitgebern die rechtzeitige Entlassung der jüdischen Arbeiten am Freitag durchzusetzen. Freilich gelingt dies nur, wenn nicht die nationalistische Leidenschaft hindernd im Wege steht. So hat z. B. die Kooperative „Tewunoh", die die Milchprodukte der Kolonien verkauft und deren Kunden fast durchweg orthodoxe Juden sind, sich geweigert, den Wünschen des Sabbatkomitees Rechnung zu tragen und die Unverfrorenheit besessen zu antworten, sie könnten keine „Awaudosoro" (d. h. fremde, nichtjüdische Arbeit) verwenden, wenn auch der Sabbat entweiht werde, denn „Awaudosoro sei eine schlimmere Versündigung als Chillul Schabbos." Von den Prozessen gegen die Zeire Agudas Jisroel ist einer durch Freispruch von zwei Angeklagten erledigt worden (siehe die vorstehende Korrespondenz. Red.), dagegen hat der Friedensrichter die Anklagen gegen die 12 übrigen jungen Leute, die beschuldigt werden, die Polizisten geschlagen zu haben, an das Bezirksgericht vermiesen, da er hierfür nicht zuständig sei. Warschau, 26. Juli. Anläßlich von Tischa Beaw haben 400 Juden die polnisch-litauische Grenze überschritten, um die Gräber berühmter Rabbiner auf dem jüdischen Friedhof des Städtchens Legiman zu besuchen. Die polnischen und litauischen Behörden haben diese jüdische Pilgerfahrt in diesem Jahre trotz der seit Jahren bestehenden polnisch-litauischen Grenzsperre, die aus den seinerzeitigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten ^urückzuführen ist, nach langer Zeit zum ersten Male, allerdings nur ausnahmsweise, wieder gestattet. Jerusalem, 21. Juli. Die Firma E. M. Sonnenfeld u. Co., Großhandlung für Esrogim, Lulowim und Myrten in Jaffa und Jerusalem teilt uns mit, daß sie in der Lage ist, nach allen Ländern der Erde Esrogim zu liefern, bei denen, nach dem uns vorgelegten Zeugnis des Besdin der afchkenasifchen Gemeinde in Jerusalem, jeder n’y’aw niorr wn ausgeschlossen ist. Die Firma hat bei dem Ankauf ihrer Esrogim auf die zu diesem Zwecke getroffenen Anordnungen des Besdins aufs genaueste Rücksicht genommen. Personalien. Regensburg, 27. Juli. Herr Bezirksrabbiner Dr. Weinberg in Neumarkt wurde zum Rabbiner von Regensburg gewählt. Mit Zustimmung der Regierung und des bayerischen Gemeindeverbandes werden die Rabbinate Regensburg und Neumarkt-Sulzbürg zu einem Bezirksrabbinat mit dem Sitz in Regensburg vereinigt. Bezirksrabbiner Dr. M. Wenberg ist in weiten Kreisen durch seine rege literarische Tätigkeit bekannt und zählt auch seit Jahrzehnten zu den eifrigen Mitarbeitern des „Israelit". Berlin, 21. Juli. Eine der ehrwürdigsten Persönlichkeiten Berlins ist vor einigen Tagen nach kurzer Krankheit im Patriarchenalter von 97 Jahren verstorben, Manasie Werner aus Posen, der langjährige Vorsitzende der Posener Repräsentantenoersammlung, ein getreuer Mitarbeiter des unvergeßlichen Oberrabbiners Dr. Feilchenfeld V"xt und unermüdlicher Arbeiter auf dem Gebiete jüdischen Gemeindelebens und jüdischer Wohltätigkeit. Auch nach Verlegung seines Wohnsitzes nach Berlin, wohin auch fein in gesetzestreuen Kreisen weit bekannter Neffe, Dr. med. Calvary ' "2, übersiedelte, widmete er sich hier öffentlichen Angelegenheiten und erfreute sich bis in die letzte Zeit seines Lebens einer seltenen Rüstigkeit des Körpers und des Geistes. n-'asLn Weitere Personalien auf Seite 11. Die Woche. Von der Universität. In einem Festakt bei der Versassungsseier der Frankfurter Universität wurde eine von Herrn von Weinberg gestiftete Büste von Paul Ehrlich, dem berühmten medizinischen Forscher, enthüllt. Die Enthüllungsfeier war äußerlich durch das Fehlen der chargierenden Studentenkorporationen gekennzeichnet. Die Einladung des Universitätsrektors war durch die Korporationen abgelehnt worden, worauf der Rektor das Nichtchargieren für alle künftigen Universitätsveranstaltungen verfügte. An Stelle des verstorbenen Prof. Dr. Joseph Horovitz ist der Direktor der orientailchen Abteilung an der preußischen Staatsbibliothek in Berlin, Prof. Dr. Gotthold Weil nach Frankfurt berufen worden. Prof. Weil ist 1882 in Berlin geboren, habilitierte sich 1912 an der bortigen Universität und wurde 1920 Honorarprofessor mit einem Lehrauftrag für nachbiblische Geschichte. Familiennachrichken. Vermischtes. Wien, 22. Juli.- Der heutigen Generalversammlung der Lebensversicherungs-Gesellschaft Phönix, der Vertragsgesellschaft des Keren Hathora, wurde der Geschäftsbericht für 1930 vorgelegt. Der Versicherungsbestand hat Ende 1930 RM. 1.513.658.281 Versicherungssumme und RM. 1.242.487 versicherte Jahresrente erreicht. Die Prämieneinnahmen betrugen RM. 77.013.683,19. Die Erträgnisse der Vermögensanlagen haben RM. 11.445.288 ergeben. Insgesamt sind an Versicherte und deren Hinterbliebene im Berichtsjahr RM. 21.028.062,94 ausbezahlt worden. Rechtsstreitigkeiten waren in keinem einzigen Fall zu verzeichnen. — Das Tätigkeitsgebiet der Gesellschaft erstreckt sich auf 19 Staaten. Die Anzahl der m Kraft befindlichen Policen beträgt mehr als 750.000. Die gesamten Garantiemittel erreichten 1930 den Betrag von RM. 223.435.989,85. Die Vermögensanlagen bestehen überwiegend in Hypothekardarlehen, festverzinslichen Wertpapieren und Gebäudebesitz. Die Aktionärdividende ist mit 8y2 Proz. wie im Vorjahr auf das voll eingezahlte Aktienkapital von Shilling 4.000.000 — Reichsmark 2.400.000 festgesetzt worden. — In den erweiterten Direktionsrat des Phönix sind von reichsdeutsthen Mitgliedern die Lerren Siegfried von Kardorff, Vizepräsident des Deutschen Reichstages, Dr. Heinz Kohlen, Reichsminister a. D. Wilhelm Scholz neu berufen worden. Geburtstag: Herr Adolf Steinberger, Frankfurt a- M., Rothschild-Allee 6, feiert am 30. Juli feinen 75. Geburtstag. Die bereits feit 1890 bestehende Fabrikation der „Borg"- Zigaretten ist seit kurzem nach O f f e n b a ch verlegt worden. Von dem Seniorchef I. Borg begründet, hatte sich die Firma durch Fleiß, ehrenhafte Ge-! schästsführung und nicht zuletzt durch ihre ausgesprochene Qualitätsware aus kleinsten Anfängen zu einem der angesehensten Unternehmen ~ in Danzig entwickelt und eine führende Position im Wirtschaftsleben des deutschen Ostens eingenommen. Die Einführung des Tabakmonopols in dem vom Deutschen Reich abgetrennten Danzig hatte zwangsläufig die Liquidierung des Fabrikunternehmens dorten verursacht. Nunmehr Haber. die „Borg"- Zigaretten, auch heute noch unvermindert in beherrschender Rolle in dem früheren Absatzgebiet, in Offenbach ihre zweite Heimat gefunden. Im vaterstädtischen, wie im volkswirtschaftlichen Interesse ist es nur zu begrüßen, daß die nunmehr schon über 40 Jahre alten „Borg"- Zigaretten, die in seltener Schnelligkeit auch im deutschen Süden und Südwesten allgemeine Beachtung und Wertschätzung gefunden haben, von her aus propagiert werden, und daß das mit allen Errungenschaften modernster Technik ausgestattete Unternehmen eine Art rocher de bronce in den krisenhaften örtlichen Geschäftsverhältnissen ist und einer großen Anzahl von Angestellten und Arbeitern eine sichere Basis für Verdienst und Brot gibt. Ferien-Abonnement auch im Zoo. Auch der Zoologische Garten gibt seit mehreren Jahren in den Sommermonaten ein Ferien-Abonnement, giltig für einen Monat vom Tage der Ausstellung ab, zum Preise von 5 Mark für die Hauptkarte und 1 Mark für jede Familienbeikarte, heraus. Die Südsee-Völkerfchau wird auf Grund ihres außerordentlichen Erfolges voraussichtlich noch etwa 14 Tage bleiben. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Lhajim. Samstag morgen nach Schul im Hörfaal: Dinim, Herr Dr. E- Posen. — nachm. 3/4 Stunde vor Mincho im Vereinslokal, Mikro. Herr Dr. W. Hofmann. — 3/4 Stunde vor Nacht im Hörsaal, Midrasch. Herr H. Holpern. Sonntag morgens nach Schul (ebenso Mittwoch) dtk ”n> vormittag 8 Uhr (ebenso Samstag 4 Uhr) Gemoro Herr I. Soffer — vormittag 9% Uhr (ebenso Dienstag abends 6V2 Uhr) Gemoro, Herr R. A. Gerson Posen. Montag (auch Donnerstag), nach Schul: Mifchna Mitgliederlernen—abends 7 Uhr auch Mittwoch). Gemoro, Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer, abends 8 1/4 Uhr (auch Donnerstag) Gemoro, Herr Dr. E. Posen. Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mifchna, Herr Dr. E. Posen. Von Montag bis einfchl. Freitag morgens nach Schul, im Sitzungszimmer, Gemoro Herr Dr. S. Ehrmann. Jeden abend 8 3J4 Uhr, im Vereinslokal Schaßlernen, Herr H. Halpern. Jahrzeitrstiftungen. Mittwoch, 5. August: Caroline Dannenberg geb. Blumenfeld-Stistung. Donnerstag, 6. August: Nathanael Heß-Stiftung. „ „ „ Samuel Speier-Stiftung. „ „ „ Abraham Stein-Stiftung, r-np, 8. August: Leopold' Lob-Stiftung. Aguda» IisroelJugend- und Mädchengruppe. Sonntag, 9—11 Uhr, Gelegenheit zum Lernen unter Leitung des Herrn Halpern. 11—12 Uhr, Weltfchiur Das Jaumi. Dozent: Herr Herz Halpern. 20% Uhr, Nach vorheriger Ankündigung Ausspracheabende. Montag bis einschließlich Freitag, 9—12 Uhr, Gelegenheit zum Lernen unter Leitung des Herrn Halpern. 12-13 Uhr, Weltfchiur Daf Jaumi. Dozent: Herr Herz Halpern. 20—21 Uhr, Französischer Sprachunterricht. Dozent: Herr Studienrat I. Kaufmann (in der Wohnung des Dozenten). 20—21 Uhr, Sprechstunde der Stellenvermittlung. 2OV2—21V2 Uhr, Schiur für Jugendliche (Bowo Kamo). Dozent: Herr Rabbiner Horovitz. 20^2—22 Uhr, Hilchaus Schabbos, Herr Rachelsohn (Privatwohnung Zeil 2). 203,4—22 Uhr, Mifchna (Seder Maued) Herr Gers. Schneid (Privatwohnung Kantstr. 4). 21 Uhr, Arbeitsgemeinschaft I. Landau: „Agudas Jisroel" (gefchloff. Zirkel). Dienstag. 20l/4—21 Uhr, Bowo Kamo, Herr Dr- Willi Hofmann (Privatwohn. Mauerweg 34). 20'/2—214/2 Uhr, Englischer Sprachunterricht. Dozentin: Frl. Dr. Studienrätin R. Labensky. 20%—21% Uhr, Arbeitsgemeinschaft Dr. W. Hosmann, „Die Ideologie der Agudas Jisroel" (Privatwohn. Mauerweg 34), gefchl. Zirkel. 21—22 Uhr, Brochaus, Herr Wollmann. Mittwoch, 11—13 Uhr, Sprechst. der Stellenvermittlung. 20%—21% Uhr. Stenogrophieunterricht, Herr S. Adler. 20%—21 % Uhr, Schiur für Sugenblidje (Bowo Kamo), Herr Rabbiner I. Horowitz. 21—22 Uhr, Schulchan Aruch, Herr L. Oppenheimer (Privatwohnung Bärenstraße 12). 21—22 Uhr, Makkaus. Herr Herm. Bing. N2V, 71/4 Uhr, Frühminjan. 10%—11% Uhr, Schulchan Aruch, Herr Louis Kahn. 12—13 Uhr, Weltfchiur, Daf Jaumi. Herr Halpern. 15—16 Uhr, Bowo Kamo, Herr Dr. Hosmann. 15—16 Uhr, Brochaus, Herr Wollmann. 15ft2—16% Uhr, Schulchan Aruch, Herr Th. Spiegel, (Privatwohnung Ostendstraße 11). 21—22 Uhr, Tnach, Arbeitsgemeinschaft Gerson Schnerb (in der Wohnung Kantstraße 4). Besondere Veranstaltungen der Mädchengruppe. Mittwoch, 20%—21% Uhr Dinim. Dozent: Herr Konrektor Hirschberg (14tägig). Schabbos, % Stunde nach Schul Melochim. Dozent: Herr Julius Lewin. 16—17 Uhr Tauroh. Dozent: Herr Konrektor A. Hirschberg. 16—17 Uhr Jeschajo. Dozent: Herr Studienrat Dr. Markus Lange (i. d. Wohnung Obermainanlage 16). Gebetzeiten. 3psr naw Freitag abend 7.25 Samstag naaern 6.30 Samstag morg. 7.45 Samstag nachm. 1.00 u. 5.00 Samstag abend 9.05 Wochengottesdienst: Morgens 6.15 Nachmittags 7.15 Tefillin-Lsgen am Morgen 3.40