Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1931)
- Date
- 1931-07-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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23. Juli 1931 Nr. 30 Frankfurt a. M., den 9. Ab 5691 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.39 Mark monatlich; Ausland: Vterteljahrpretse (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzügltchKoften des Streifband-Versandes) Deutsch-Lfterreich: SchMng 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5.; Holland 3 fl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Ingo» slavien 85 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark »um Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengo 5 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.50 Kro».; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Toldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Famtlienanzeigen nur LOPf. 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Das erfte Stabtum beginnt unmittelbar nach dem Ende des Weltkriegs und reicht bis zum Scheitern des Hitlerputsches. Es ist das Stadium der putsch i st ischen S e k t i e r e r e i. Der unglückliche Ausgang des Krieges und die sich aus ihm ergebenden politischen Folgerungen haben mit geschichtlicher Selbstverständlichkeit das Aufflammen des Widerstandes aller derjenigen, Kreise zur Folge, die von der Umwälzung in ihren materiellen und politischen Interessen bedroht werden, lls bilden sich Verbände, Bünde, Cliquen mit dem alleinigen Ziel der Restauration der liquidierten Zustände. Keine dieser Organisationen ist besonders stark; eine der schwächsten ist die von einer Randvoll Männer untep dem...Ausschhuß^'her ^effentlichkeit gegründete. N. ^D. A. wird von allem Anfang an zahlGmäßig^A,H,Mganisatorisch völlig jüberrggt voi^ dem DeMH völkischen Schutz- und Trutzbund Alfred Roths und lebt zunächst, ohne eigene politische Note, fast ausschließlich im Schatten von dessen Ideen. Es gab damals keine unter den Restaurationscliquen, die nicht den Antisemitismus als politischen Köder ausgelegt hätte; erstens stellte der Judenhaß die sinngemäße ideologische Verbindung zu den Kreisen der Reaktion aus der Vorkriegs¬ und Kriegszeit her. Zweitens war er eins der ideologischen Bindemittel zum gegeigneten Zusammenhalt für die aus den verschiedenartigsten, z. T. sich stark widersprechenden Lebenssphären stammenden Interessen der Restaurateure, und schließlich stellte die antisemitische Verleumdung der neuen Zustände die zwar gemeinste aber relativ ungefährlichste weil fast völlig straffreie Verleumdung des republikanischen Systems und der republikanischen Parteien dar. Judenhaß und sein direktes politisches Gegenstück, nationaler Chauvinismus: dies war auch die Hauptsächlichste politische Ideologie der Hitlerbewegung in ihrem ersten Stadium. Organisatorisch ruhte sie auf einer höchst unzulänglichen Grundlage; außer in Bayern, wo nach! dem mißglückten Abenteuer der Rätediktatur ganz allgemein ein günstiger Wind für reaktionäre' Unternehmungen wehte, besaß sie kaum organisAtorische Stützpunkte und wurde sie kaum ernst Hnommen. Ihr Ziel war die Beseitigung der repuMkanischen Herrschaft mit einem gewaltmäßig duMzuführ enden Coup; die Idee des mMärischeUHutsches wurde damals hauptsächlich von dem in der Bewegung einzig aktiven Element der um Brot und Würde gekommenen Militärs genährt und getragen. Die R. S. D. A. P. hat in dieser Phase noch nicht das Gesicht einer politischen Partei: der Parlamentarismus erfährt schroffe Ablehnung, und der parteimäßigen Betätigung im Parlament, wo die Deutschvölkischen mehr als doppelt so stark sind, wird nur höchst geringe Bedeutung beigemessen i Sie trägt ganz — auch in den kleinsten Einzelheiten, — das Gesicht einer romantischen Sekte: auf einer Führertagung des Jahres 1920 erheben sich die Führer feierlichst von ihren Plätzen, recken'die .Hände in die Höhe und schwöröll, unbekümmert'um alle taktischen GesichtspunHe, die später eine so große Rolle in der Bewegung; spielen sollten, einen tiefen Schwur auf dieUnabänderlichkeit riund> Penna?- nenzZhrer Grundsätze. Drei Jahve später Mek heböie WMgüng hhs. SHjcksW,einer' jedemSekte: M explohierh.inMnerm lacherliM unpvrberesteW Putsch;; bricht organisatprischzusammm,'• und - sihr Führer wandert'in Me .Festung?^1 In der Festungshaft hat Hitler, wie er selbst mitteilt, viel nachgedacht und viel gelernt. Was er vor allem lernte, war die Einsicht, daß die N. S. D. A. P. Gesicht und Struktur völlig ändern müsse, wollte sie ihr Ziel, eine Massenbewegung zu werden, wirklich erreichen. Als er die leichte Haft verläßt, ist er entschlossen, aus der Sekte eine Partei zu machen. Er hat einsehen müssen, daß es ein Ding der Unmöglichkeit ist, dem traditionellen und festgefügten deutschen Parteisystem mit einer romantischen Sekte die Entscheidungsschlacht zu liefern. Wieder in Freiheit, beginnt er bewußt den Neuaufbau der nationalsozialistichen Bewegung auf der Grundlage einer modernen Partei. Gleich von Anfang an sieht er sich dabei einem überaus starken, beinahe unüberwindlichen Gegner gegenüber: der deutschen Arbeiterbewegung. Und die Art, wie Hitler der deutschen Arbeiterbewegung zu Leibe rückt, wie er gegen die politischen Parteien des Proletariats manövriert, unterscheidet nunmehr seine Bewegung grundsätzlich von allen Restaurationsbewegungen der gleichen Art — sie wird typisch für den Nationalsozialismus und gibt ihm seine besondere politische Note. Bei allen übrigen rechtsradikalen Bewegungen ist die Einstellung gegenüber dem proletarischen Gegner betont einfach und klar: das Proletariat wird den beiden Linksparteien überlassen, alle Forderungen der Arbeiterschaft sozialer und politischer Natur werden brüsk abgelehnt, und das offen bekannte Ziel' lautet überall: "Eliminierung des proletarischen Einflusses aus der politischen Machtsphäre, Niederhaltung der Arbeiterklasse in der Wirtschaft. Der Nationalsozialismus hat in seinem ersten Stadium erfahren müssen, daß mit diesen offen-reaktionären Parolen der politische Wirkungsbereich sehr bald an eine Grenze stößt; er geht in seinem zweit enEntwicklungsstadium systematisch dazu über, seinen restaurativen Charakter zu übertünchen, die Reaktion zu formen und sein konterrevolutionäres Gesicht hinter einer Maske zu verbergen. Die Hitlerbewegung löst das Problem: Wie durchbreche ich die Front eines schier übermäßigen Gegners? mit einem patentierbaren Trick, mihMem politischen, Mcheiflytästöbeit^Möißtech Stils: der Gegner soll, geschlagen? - Mrhest',:' indem man. Leiste eigenen Waffen benützt. Im zweiten Stadium seiner EntünchlünE; politisiert sich det' NationUsozialismus, mdem er nehen hie antisemitifchh. und natronalchau vinistischM Losung die p s e u d 0 s o z i alnsbi-f ch'e- Parole zur Grundlage seiner Agita-