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Der Israelit · 1931-07-16 · Heft 29 (16.7.1931) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 29 (16.7.1931)
Date
1931-07-16
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 4 Nr. 14 D e r Israelit Blätter 16. Juli 1931 Es wäre z. B. von großer Bedeutung, wenn größere agudistische Gruppen Minjonim mit dem Zweck der Erziehung zuni echten Gemeinschaftsgebet und der Gewinnung der Gemeinschaftsseele einrichten würden. Auch den erwachsenen Agudisten könnte solche Erziehung nichts schaden. Bis heute fühlen sich die erwachsenen Agudisten fast ausschließlich nur als die Mentoren, als die Subjekte agudistischer Erziehung. Für sie sei die Aguda eigentlich nicht erforderlich; sie selbst seien ja schon fromme Indens der Jugend solle die Aguda Halt gewähren. Demgemäß tun die Erwachsenen für die Aguda meistens nichts. Dies muß jetzt gründlich anders werden. Auch sie müssen nunmehr energisch in den Kreis der Objekte agudistischer Erziehung eintreten. Auch sie müssen die agudistische Gemeinschaftsseele mitschaffen helfen. Wenn die agudistische Gemeinschaftsseele, also nichts Organisatorisch-Materielles, Alt und Jung zu einer lebendigen Einheit zusammensckiweißen wird, so wird diese jüdische Seele, wie alles Seelische, ausstrahlen auf die ganze Judenheit und sie allmählich einsammeln in die allumfassende gesunde jüdische Gemeinschaft. Seelische Gesundheit hat die Tendenz zur Ausbreitung über den ganzen der Seele unterworfenen Körper. Nur eine gesunde jüdische Gemeinschaftsseele führt zur seelischen Gesundung des jüdischen Volkes. Wollt Ihr die Agudas Jisroel zur Agudas Jisroel machen? Ihr könnt es, wenn Ihr wollt! Beginnet noch heute! Was ist unrecht?') keine Anfrage an den Rabbinischen Rat von B. Lohen. Der Rabbinische Rat ist eine Behörde, eine sehr gute und besonnene. Je besser und besonnener Behörden sind, desto mehr besteht Aussicht, daß sie weise, aber nicht bald antworten. Inzwischen kann man nach eigenem Ermessen handeln. So meint der Anfrager in „Blätter" Nr. 13, Seite 3—4. Und predigt solange die schönsten Hetterim für den Familienbad-Sechus, bei denen die photographische Platte nur kindlich reines Lächeln, nichts vom Jezer Hora, gezeigt hat. Mit Verlaub, —wo st e h t, daß rrri^n nst> überhaupt mit Jezer Hora verbunden sein muß, um verboten zu sein? Wo steht, daß Znius erst dann verletzt ist, wenn die Verletzung zu Bewußtsein gelangt? Wo steht, daß Gittin 99b (Familienbad als zwingender Scheidungsgrund r-mn ncn^) für Seewasser oder lächelnde Gesichter außer Geltung gesetzt wäre? Und gibt es noch ausreichende Badekleidung? Die deutsche orthodoxe Judenheit sollte andere Sorgen kennen als das Mitleid mit denen, die vor Gewöhnung an Unreines nichts Unreines mehr verspüren. Sie sollte lieber den Rechtskampf derer aufnehmen, die ihr vom Arzt verordnetes Seebad entbehren müssen, weil alle Strande für die Zniusverächter reserviert sind. Hier gälte es Lebensrettung, »sr nips. Das wäre eine Aufgabe für die orthodoxen Organisationen. Mit welchen sozialen Aufgaben hat die A. I. Jugend-Organisation fich unter den heutigen Verhältnissen am meisten zu befassen? (Referat erstattet aus dem D. T. Dezember 1930.) Von David Ullniann in Kassel. nm» d™ „Der Tag ist kurz und die Arbeit viel." In Anbetracht der vielseitigen Fragen, die uns bereits beschäftigt haben und noch weiter beschäftigen werden, möchte ich davon absehen, langatmige Ausführungen vor Ihnen zu machen. Vor allem aber ist das mir gestellte Thema derart akut, daß es ein Unrecht qn der Cache wäre^ wollte ich versuchen, die drängende und drücknde Not des Augenblicks mit Worten zu bannen. So interessant es sein mag, in theoretischen Ausführungen, dem ursächlichen Zusammenhang der europäischen Wirtschaftskrise und der damit aufs engste verknüpften Not der jüdischen Masse in aller Herren Länder nachzuspüren, um aus diesen theoretischen Erkenntnissen heraus, grundlegend Ethisches abzuleiten, ich sage, so interessant es scheinen mag, die Stunde bitterer Not, der Ausschrei jüdischer Menschen gestattet es nicht. Und so möchte ich denn vorweg bemerken, daß meine Darlegung vor Ihnen nicht Anspruch auf Vollständigkeit erheben können, sondern lediglich einen Versuch darstellen sotten, eine Basis zu schaffen für eine Aussprache, die weiterhin den Erfolg haben müßten, der I. O. Mittel und Wege zu zeigen, was unsere Pflicht ist zu tun, unsere Pflicht im doppelten Sinne, *) Siehe den Aussatz in Nr. 13 der „Blätter". t einmal um tatsächlich nach dem Maße unserer Kräfte \ der Not zu steuern und zunr zweiten, um unserer Pflicht, . „der Lösung der jeweiligen Aufgaben im Rahmen des Religionsgesetzes", nachzukommen. ' Ich kann nur versuchen, Ihnen gewissermaßen stichl wortartig das vorzulegen, was unseres Erachtens geschehen könnte. Sie müssen sich darüber klar sein, daß ' einerseits durch die sehr beschränkten Mittel und Arbeits- J kräfte, die uns zur. Verfügung stehen, und andererseits ' durch die bereits vielfach unternommenen Versuche, der ‘ Behebung der Krise, von mir zu diesem Punkte nur l wenig Neues gesagt werden kann. , Zunächst möchte ich rekapitulierend feftstellen, daß das Gebiets der sozialen Maßnahmen unserer Organisation ' durchaus nichts Fremdes ist. Ich nenne Ihnen aus ver-; gangenen Jahren nur die folgenden Punkte: l 1. Gründung und Erhaltung des Kriegswaisenfonds , der A. I. in Halberstadt, Waisenhäuser in War- , schau, Bialystock, Baden b. Wien. 2. Kinderhilse der deutschen Orts- und Iugendgruppen 1923. 3. Soziales Hilfswerk der Wiener A. I. Zentrale (80 000 Lebensmittelpakete). 4. Soziales Hilfswerk der A. I. in Berlin (l1/, Jahre lang monatlich 1 200 Lebensmittelpakete, 5 000 - Zentner Kohlen, viele 1000 Zentner Kartoffeln,! Krankenfürsorge usw. ■ 5. Aktion für die Hungernden in der Ukraine an 184 Plätzen Rußlands. 6. Aktion für die zerstörten Mikwaoth in Rußland. 7. Errichtung und Weiterentwicklung der A. I. Stellenvermittlungsze-itrale in Frankfurl a. M. An diesen letzten Punkt als wohl der wesentlichsten Frage, nämlich der des gesetzestreuen Angestellten in Deutschland, möchte ich anknüpsen. Im Jahre 1925 fand hier in Frankfurt a. M. unter bewährtester Leitung eine Konferenz statt, der ich das Vergnügen hatte beiwohnen zu können, und auf der ich selber über die Frage, der Möglichkeiten theoretischer und praktischer Art, der Berufsumschichftng referierte. Bereits Herr Dr. Cegak hat im Jahre 1919 auf der Würzburger Tagung auf die Bedeutung dieser Frage hingewiesen. Ohne mich heute noch einmal in aller Ausführlichkeit mit diesem Fragenkomplex beschäftigen zu können, möchte ich darauf Hinweisen, daß praktisch in dieser Hinsicht so gut wie nichts geschehen konnte. Mehr denn je müssen wir heute dieser Frage unsere Aufmerksamkeit schenken. Stichwortartig möchte ich Ihnen sagen, was zu geschehen hat: 1. Bekämpfung des gesellschaftlichen Vorurteils gegen den handwerklichen und landwirtschaftlichen Beruf (durch Presse, Vorträge und persönliche Bearbeitung). 2. Gemeinsames Vorgehen mit den Schulleitern zur Bearbeitung der Jugend. 3. Herausfindung und Bereitstellung geeigneter Kräfte für diese Berufe. 4. Bearbeitung der heute noch auf dem Lande wohnenden jüdischen Familien zur Aufnahme von Kräften. 5. Soweit es möglich ist, (im Augenblick ist das allerdings wohl undurchführbar) Bereitstellung von Mitteln zur Ausbildung von Handwerkern. In diesem Zusammenhang möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß kein Geringerer als der Gerer Rebbe die Anregung gab, Handwerker- und Gewerbeschulen zu gründen, und möchte gleichzeitig darauf Hinweisen, daß cs durchaus angebracht wäre, wenn in Deutschland noch einige gesetzestreue Handelslehrer, von denen es bisher meines Wissens nur einige Wenige gibt, vorhanden wären. Ich brauche Ihnen nicht den ganzen Werdegang und die Arbeit der Stellenvermittlung und ihrer Rechtsnachfolgerin, des Angestelltenbundes, darlegen. Sie werden wissen, welche Schwierigkeiten vorhanden waren und daß es trotz alledem gelang, in 5 Jahren in ganz Deutschland etwa 3 000 Stellen zu vermitteln. Heute ist allerdings diese Arbeit aus bekannten Gründen fast zur Unmöglichkeit geworden, und die Stellenvermittlung beschäftigt sich vorwiegend mit den Fragen der Nechtsberatung und sozialen Maßnahmen, wie z. V. Schaffung von verbilligten' Ferienaufenthalten und Vertretung in Streitigkeiten vor Schiedsgerichten. Trotz alledem darf diese Arbeit nicht nur nicht erlahmen, sondern muß infolge der steigenden Rot noch intensiviert werden. Dabei möchte ich gleich darauf Hinweisen, daß doch immer wieder der Versuch unternommen werden müßte, in Gemeinsamkeit mit anderen großen Verbänden in Deutschland, die Möglichkeit zu schaffen, sabbathallende Angestellte in solchen Betrieben unterzu bringen, in denen aus betriebstechnischen Gründen?, auch am Sonntag gearbeitet wird, sodaß der jüdische Angestellte am Sonntag arbeitet und ein christlicher Kollege dadurch frei wird. Ferner müssen alle persönlichen Beziehungen ausgenüht werden, um in großen Firmen einige wenige sabbathaltende Angestellte unterzubringen, die ein Sechstel ihres Gehaltes dem Betriebsrat der Firma zur Verfügung stellen, da sie am Sonnabend nicht arbeiten. All das scheinen Kleinigkeiten zu sein, aber heute bedeutet jede Stellung, die wir schaffen, einen absoluten Gewinn. v Ich glaube, daß viel zu wenigen bekannt ist, daß mancher jüdische junge Mann, sich einen nennenswerten Verdienst schaffen könnte, wenn er sich für die „Phönft"-; Lebensversicherung, mit der wir einen außerordentlich . günüigen Emvfehlunqsvertrag geschlossen haben, betä-! tigen würde. Wenn ich auch weiß, daß die Versicherungsi brauche heute sehr überfüllt ist, so weiß ich auf der anderen Seite, und Sie sollten es ebenso wissen, daß gerade der „Phönft" durch seine äußerst kulanten Bedingungen und sein faires Geschäftsgebahren eine der größten Versicherungen des europäischen Kontinents ist, und wie Sie aus der Bilanz ersehen können, auch in Deutschland mit das größte Versicherungsgeschäft macht. Der Phönft stellt jederzeit Untervertreter an, und ich weiß es aus wiederholten Unterhaltungen mit den leitenden Direktoren, daß hier für die Vertreter und Untervertreter immer noch ein verhältnismäßig günstiger Verdienst übrig blieb, insbesondere, wenn sich jemand der Mühe unterzieht, die jüd. Landbevölkerung aufzusuchen und zu bearbeiten. Ich möchte noch ausdrücklich feststellen, daß auch durch den „Phönir" sämtliche Sachversicherungen getätigt werden können. Ich habe bei diesem ganzen Punkt weder die Absicht die Interessen der Phönir zu vertreten, noch etwa die, andere Versicherungen herünterzusetzen. Ich betone nur immer wieder, daß wir versuchen müssen, jeden Weg. der eine Verdienstmöglichteit bietet, den jüdischen Angestellten zu weisen. Hinzusügen möchte ich noch, daß der Plan der Schaffung einer agudistischen Arbeitslosen - Fürsorge und einer eigenen Versicherungs abteilung, über die wir vor 2 Jahren schon einmal berieten, z. Zt. nicht durchführbar ist, ebenso wenig wie der, von der K. G. gefaßte Beschluß, einer agudistischen Zentralbank mit etlichen Fillalen durchführbar war. Meine sehr geehrte Herren, was sonst an vielfachen Einzelheiten, die alle wesentlich sein mögen, noch zu behandeln wäre, wie z. B. die Vertretung vor Behörden, die Propagierung der Idee der Sabbatheiligung, über das Verhältnis des Arbeitgebers zum Arbeitnehmer, über unsere Stellung zu anderen Verbänden, hinsichtlich des Punktes der sozialen Leistungen unserer Organisation in den anderen Ländern, ich nenne nur die Poale A. I. in Polen und Palästina und noch vieles mehr, all diese Dinge werden in der Diskussion zur Sprache kommen und sind Ihnen wohl ohnedies bekannt. Ich möchte auch nicht in diesem Zusammenhang das ganze Palästrnaproblenc auftollen, zumal ja an anderer Stelle über unser Verhalten zum ehemaligen Lehrgut in Rodges, und heute in Hütteichof gesprochen werden wird. Ein weites Gebiet wäre noch die Gestaltung des Akademiker-Berufes. Sie wissen, daß der Bund jüdischer Akademiker eine eigene Stelle hat, die sich mit diesen Fragen beschäftigt, ■ und es würde im Rahmen meiner nur kurz zu haltenden Ausführung viel zu weit führen, wollte ich auf diese Fragen eingehen. Bemerken möchte ich nur jdaaß wir darauf hinarbeiten müssen, daß die jungen jüdischen Mittelschullehrer sich auch wieder bereift finden, kleine Landstetten zu besetzen. Was die Schwierigkeit der rein akademischen Berufe des Juristen, des Arztes und des Oberlehrers betreffen, so glaube ich nicht, daß die I. O. imstande ist, irgendwie Nennenswertes zu leisten. Ich halte es nicht für nötig, in diesem Rahmen, auf die uns selbstverständliche soziale Arbeit der Armen- und Krankenhausfürsorge, der Kleider- und Lebensmittelverteilung usw. hinzuweisen, weil diese Dinge uns bekannt sind. Meine sehr geehrten Herren, ich habe Ihnen anfangs gesagt, daß ich Ihnen weder Vollständiges noch Neues bieten kann, sondern lediglich versuchen will, den Rahmen der Aussprache zu skizzieren, und glaube immerhin, dem mit der Zusammenstellung der praktisch zu leistenden Arbeit, nachgekommen zu fein, ohne daß ich mich bewußt auf die Problematik der Dinge einließ. Es wird nunmehr unsere gemeinsame Aufgabe sein, zu beratschlagen, mit welchen Mitteln und aus welchen Wegen wir zum Wähle des jüdischen Angestellten wenigstens der dringenden Not Abhilfe schaffen können. Ich möchte meine Ausführungen -nicht schließen, ohne auch von dieser Stelle aus all denen, die in den letzten schweren Jahren init tiefer Hingabe und unter Hintansetzung vielerlei persönlicher Interessen sich diesem großen Arbeitsgebiet gewidmet haben, zu danken und möchte den Wunsch 'ausfvrechen, daß sie uns zur Mitarbeit anfeuern. Aus der Bewegung. Von -er orthodoxen Frauenbewegung in Lodz. Lodz. Rach Warschauer Beispiel errichten dje Lodzer Venoth A. I. eine Sommerfrische für arme jüdische Kinder m Struschew bei Lodz. Auf der stattgefundenen Versammlung referierte A. G. Friedensohn über die vitale Notwendigkeit solcher Gründungen. Die Sommerkolonie wird bereits am 1. Juli eröffnet. An der Sammelaktion beteiligen sich freiwillige Kräfte aus der Jugend- und Frauenorganisation der Aguda. Das Schuljahr schloß mit einer schönen Feier im Lokale der Benoth-A. I. an der 200 Gruppen vertreten waren. Es wurden mehrere Referate und Ansprachen gehalten. Bei all dem Erfreulichen ist es schmerzlich zu bedauern, daß die Vereinsleitung der Aguda beschlossen hat, in Folge der schweren Krisis die R a ch m i t t a g s k u r s e der Bes Iakauw-Schulen einzu stellen. Diele Mitglieder sprachen sich gegen die Maßnahme aus. Eine Kommission wurde gewählt, die finanzielle wie die gesamte Sachlage zu prüfen, und man darf hoffen, daß vielleicht doch noch die Kurse zu halten sind. Amsterdam. Zu Mitgliedern des rabbinifchen Landesrates der niederländischen Agudas Jisroel wurden die Herren Oberrabbiner Bredenburg -Arnhem und Rabbiner G. de Lange -Amsterdam gewählt. Außerdem gehört dem Rate Oberrabbiner Hirsch- Zwolle an.

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