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Der Israelit · 1931-07-16 · Heft 29 (16.7.1931) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 29 (16.7.1931)
Date
1931-07-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 14 Der Israel i 't Blätter 16. Juli 1931, Gruppentagungen der deulschen Agudas Jisroel. 1, Gruppentaguug Hessen-Kassel; am 19. Aw (2. August) in Kassel. » 2. Gruppentagüng Nord west: 25./26. Aw (2-/3. August) in Hamburg. 3. Gruppentagung Rheinhessen und Starkenburg: 10. Elul (23. August) in Mainz. 4. Gruppentagung Baden; 10 /17. Elul (29./30. August) in Karlsruhe. Die Tagesordnungen werden in Kürze bekannt gegeben. Die Skudienfahrk der Seren Hakhora-Zentrale nach dem jüdischen Osten. (Schluß,- Der Widerhall, den die Ankündigung unserer Reise nach dem jüdischen Osten gefunden hat, ist ein recht erfreulicher. Von vielen Seiten wird der Wunsch ausgedrückt, an dieser „einzigartigen" Fahrt teilzunehmen, und man wundert sich über die späte Verwirklichung dieses Planes. Da spricht man fortgesetzt von der Verbrüderung aller Völker durch gegenseitiges Besuchen und tritt in zahllosen Vereinen für den Austausch von Lehrern und Schülern ein und doch konnte unser Plan innerhalb der Orthodoxie so spät erst zur Reife kommen. Nun soll er aber mit göttlicher Hilfe, nachdem die größten Schwierigkeiten überwunden sind, in die Tat umgesetzt werden. Wir haben bereits in der vorigen Nummer das Programm für das erste Land skizziert, in welches unser Weg führt, wir wollen nur Nachträgen, daß bei dem Besuch der Jeschiwoth in Preßburg und in Tyrnau u. a. den Teilnehmern Gelegenheit gegeben wird, den ungarischen Derech Halimud dort kennenzulernen. Nach dem guten Vorschlag eines Teilnehmers an unserer Fahrt, des Herrn Oberrabb-iner Dr. Carlebach-Altona soll je an einer ungarischen, einer polnischen und einer litauischen Jeschiwah ein Chiluk vorgetragen werden, damit man einen ungefähren Einblick in die verschiedenen Lernmethoden gewinnt. Und so mancher jugendliche Teilnehmer wird dadurch wohl in feinem Streben gefestigt werden, später für längere Zeit eine dieser Glanzstätten der Thora zu besuchen. In Polen wird uns zunächst die stolze neue Hochschule des Lubliner Raw die Gewißheit geben, daß der alte Geist und die alte Form des polnischen Lernens auch in dem neuen würdigen Gewände seine Kraft bewahrt hat. Denn von Krakau aus soll der Weg gleich nach Lublin führen. Gern hätten wir den Reisegefährten so manches jüdische Kleinod der galizifchen Provinz gezeigt, aber Beschränkung ist natürlich hier wie überall geboten. Soll doch diese erste Reise nur der Anfang sein für, den ständigen Versuch, nun in steter Folge die persönliche Verbindung zwischen den versprengten Teilen jüdischer Länder und jüdischer Menschen aufrecht zu erhalten. Und nun Lublin! Vor sieben Jahren wurde in, Gegenwart von 50 000 Menschen der Grundstein gelegt. Ein einziger Mann hat eine Werbearbeit entfaltet, die ohne Uebertreibung selbst über geschichtliche Maße hinausreicht. 800 Werbereferate hat Rabbi Meir Schapira gehalten, über ein Jahr Amerika bereist, fast zwei Jahre hindurch die europäischen Staaten und die eigene Heimat. ■120.000 Dollar sind in das Werk geflossen. Vor einem Jahr wurde die Anstalt eröffnet. Die Schüler, über 150, haben in ihrem Rabbi einen Lehrer und Vater Die Besucher werden erleben, daß innerer Wert mit äußerer Pracht hier harmonisch zusamE.fließen. In kurzer Fahrt wird uns dann das Auto aus der heiligen Ruhe der Jeschiwahstadt in die Metropole des Reiches führen, nach Warschau, der größten europäischen Judengemeinde, nach Warschau, dem Hauptsitz der jüdischen Parteien, d. h. der jüdischen Kämpfe. Der Sinn unserer Erkundungsfahrt kann natürlich nicht derjenige fein, nur die lichten Seiten jüdischen Lebens einer geistig interessierten kleinen Schar zu zeigen. Wer jüdische Not am Kulminationspunkt sehen will und sehen muß, der wird seine Schritte in das Ghetto von Warschau lenken, in jene Höfe, deren ein einziger oftmals mehr jüdische Seelen birgt, als eine nach Tausenden zahlende Bevölkerung einer westeuropäischen Stadt. Und wer dann die riesenhaften Bemühungen jüdisch interessierter Persönlichkeiten und Körperschaften beobachtet, diesem riesenhaften Leid zu steuern, wird ermessen können, welcher Aufopferung das jüdische Herz im Osten fähig ist. Das talmudifche Wort: „Jefchiwath Krackim kofchoh" („schwer gedeiht das „Jefchiwah-Leben" in einer Großstadt") kann auf Warschau nicht mit vollem Recht angewendet werden. Die Mesiwtah mit ihrer vielhundertköpfigen Bachurim- Schar unter dem geistigen Einfluß des ehrwürdigen Gerer Rabbi stehend, Emek Halochah, das Sorgenkind unseres verstorbenen Nachum Rosenfeld s. z. l., der Kibutz Nowogrodek, eine schöne Blüte am Baume litauischen Mussar-Heistes, und die vielen, vielen kleinen und größeren Pflegestätten talmudischer Gelehrsamkeit verleihen der Stadt durchaus das Gepräge einer geistigen Hochburg. Es wird schwer fein, in der kurz bemessenen Frist eine ungefähre Vorstellung von allen den Höhen und Tiefen, die sich hier bergen, zu gewinnen. Ist es überdies auch notwendig, aus dem berufenen Mund führender Politiker eine Aufklärung zu erhalten über die tiefe Wandlung, die sich in den letzten Jahren bei der Landesregierung in der ganzen Judenfrage vollzogen hat? Denn es kann ja nicht gleichgültig sein, wie der Kurs im größten Judenlande der Welt jetzt läuft. Bei der Ueberfülle all dessen, was unserer hier wartet, wird es vielleicht notwendig sein, eine mehrtägige Ruhepause einzuschalten. Die einen werden sie in dem Luftkurort Otwock verbringen, nur einige Kilometer von Warschau entfernt. Vielleicht wird es aber auch möglich sein, die Residenz eines unserer größten Führer zu besuchen: Gora-Kalvaria, wo der Gerer Rabbi feine Getreuen allwöchentlich zu Hunderten, an den Feiertagen zu Tausenden empfängt. Leider wird es nicht möglich sein, aus seinem Munde persönlich Worte der Begrüßung, der.Weisheit und der Ermutigung zu empfangen, da der Rabbi nach der kaum faßbaren Bürde des Jahres diese Sommerwochen der eigenen Erholung widmen muß. Und nun soll die Fahrt in die . Provinz beginnen, die das reichste Netz talmudischer Schulen birgt, nach Litauen. Es ist für die-Leitung schwer, eine Auswahl zu.treffen. Jede Jefchiwa hat, wie des öfteren ausgeführt wurde, ihre eigene Not und die politischen Schwierigkeiten gestatten es nicht, auch jenseits der Grenze die berühmten Orte Slobodka, Telfchi und Poniewiez zu sehen. Wir hoffen, daß eine zweite Fahrt all jene befriedigen wird, deren Wunsch es war, auch an diese Stätten zu kommen. Aber wenn es gelingt, programmäßig den drei großen Schulen und ihren Führern einen Gruß zu entbieten, Mir, Radin und' Wilna, so wird wohl jeder einen unauslöschlichen Eindruck fürs Leben gewonnen haben. In Mir lernen zurzeit viele Hunderte von Bachurim aus den verschiedensten Ländern Europas und Amerikas. Radin ist durch seinen Gründer und Meister, durch den Chofez Ehajim, heute schon eine geschichtliche Berühmtheit. Seit vielen Jahrzehnten geht von diesem Gaon unserer Tage das Wort der Lehre aus. Zu ihm, dem „litauischen Rabbi", pilgern Jahr für Jahr viele, viele Hunderte, um ein stärkendes Wort für die Not des Lebens zu erhalten. Und in Wilna werden die Erinnerungen aus der stolzen Vergangenheit wie die Schöpfungen des Mannes, den die ganze gesetzestreue Judenheit zu ihrem rabbinifchen Führer gewählt hat, eine Ueberfülle dessen geben, wonach jeder geistig Interessierte sich sehnt. Wir wollen und dürfen hoffen, daß das Ziel unserer Fahrt erreicht vmb eine Fülle von Anregungen allen Teilnehmern erwachsen wird. Agudistische Erholungsstätten in der Takra. Nunmehr^ haben auch die P o a l e A g ud as I i s r o e l in Rabka, dem schon historisch/ gewordenen Mittelpunkt agudistischer Aufbauarbeit in und für den Osten, ihre erste Kolonie eröffnet. In einer schönen Villa oben am Bergin herrlicher Gegend hat sie sich niedergelassen. Die luftigen und Hellen Räume sind dazu bestimmt, nicht nur der körperlichen Erholung, sondern auch der geistigen Erfrischung zu dienen. Das merkt der Außenstehende schon bei kurzem Verweilen im Kreise dieser tatkräftigen Menschen der kräftigen Tat. Er merkt, daß er es bei Poale Agudas Jisroel nicht nur mit Handarbeitern, sondern auch mit Kopfarbeitern zu tun hat. Sinnig sind alle I Wände mit treffenden Psukim geschmückt, die die Thora verherrlichen und die Melocho preisen. ,T»^3n r>8 8'mr hdxVb nVna- Der Direktor der Keren Hatorah-Zentale Dr. Leo D e u t sch l ä n d e r , weilte am. 7. Juli in Rabka, teils um die diesjährige B e t h Jakob-Sommerkolonie, die erst im Ellul und Tifchri hinaufkommen wird, vorzubereiten, teil um den Freunden von Poale A g uda-s Jisroel die Verbundenheit. der Agudoleitung mit diesen Arbeitern der Agudas Jisroel zum Ausdruck zu bringen. Seine Anwesenheit wurde von den Poale Agudas Jisroel dazu benutzt, ein Bankett zu seinen Ehren zu veranstalten, bei welcher Gelegenheit auch der Dank an Senator Moses Deutscher, Krakau, der die ganze Kolonie mustergültig eingerichtet hat, vielfältigzum Ausdruck gelangte. Außerdem sind einige hundert Talmud Thora-Jünglinge in Rabka zu einer Kolonie vereinigt. Aus der ganzen Provinz stammend, sollen sie einige Wochen körperlicher Erholung widmen, um dann um so hingebungsvoller sich wieder dem Lernen in ihrer Heimat widmen zu können. Auch diese Kolonie entspringt der bewundernswerten Initiative Mbfes Deutfchers. “ '! Eine weiteres V e t h Jakob-Kolonie befindet sich in R e j c z a 6 e i V i e l i tz. Heber die Kolonie in S oborb e i Neutr a, Villa Judey, wurde schon wiederholt berichtet. Auch dieses Werk, den Agudas Jisroel Frauen- und Mädchen gruppen in der S l o w a k e i zu danken, wird nicht nur zahlreichen Mädchen körperliche Erholung und geistige Stärkung vermitteln, sondern auch für die Beth Jakob-Arbeit in diesem Lande von wesentlicher Bedeutung sein. Insgesamt werden durch die Zentralen Keren Hatorah und Beth Jakob etwa 1600 z. T. sehr erholungsbedürftige Kinder in den Kolonien betreut. Eröffnung des Bes Zakob-Ferievheimes amSobor. Am 6. Juli wurde das von der Wiener Lehranstalt zur Ausbildung orthodoxer Reliqionslehrerinnen unter Mitwirkung der Agudas Jisroel-Frauen- und Mädchengruppen in der Slowakei auf dem herrlich gelegenen Sobor bei Nitra errichtete Ferienheim eröffnet. Damit ist ein schöner und nach verschiedener Richtung hin nützlicher Gedanke verwirklicht worden. Den zukünftigen

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