Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1931)
- Date
- 1931-07-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Ainderecke. Zu Parschath Pinchas. Die vierzig Jahre der Wüstenwanderung gingen ihrem Ende zu. Mirjam war gestorben und mit ihrem Tode hatte der Quell des Wassers aufgehört, der Israel in der Wüste begleitet hatte. Aharon war gestorben und die Wolkensäule war vom Zuge des Volkes gewichen. Und nun erfuhr auch Mosche, daß er sterben müsse. „Steige auf den Berg Awarim", sprach G'tt zu Mosche, „und schaue von ferne das Land, das ich den Kindern Israel geben werde — du aber wirst es nicht betreten!" „Herr der Welt," antwortete Mosche, „laß mich das Volk noch über den Jordan führen. All die Leiden in der Wüste ertrug ich des Volkes wegen — nun laß mich doch auch die Freuden Israels erleben!" „Nein, Mosche, mein Knecht, du wirst das Land nicht betreten; du hast meinen Namen nicht verherrlicht beim Haderwasser — wie dein Bruder Aharon sollst du sterben." „O G'tt, darf ich das heilige Land auch lebend nicht betreten, so lasse doch meine Gebeine dort ruhn, wie die Gebeine'Josephs dort begraben werden!" „Auch nach deinem Tode wirst du in dem Land nicht ruhen. Als Joseph nach Aegypten kam, bekannte er seine Herkunft, daß er ein Jwri sei. Du aber, als du nach Midjan kamst, verstelltest dich und gabst dich für einen Mizri aus. Drum mußt du at?ch im Tod im fremden Lande ruhn." Und Mosche weinte und klagte und bat wieder: „Laß mich doch leben, G'tt der Gnade, laß dein Erbarmen noch einmal über mir walten!" Da sprach G'tt: „Mosche! Einstmals hatte ich mir geschworen, das ganze Volk zu vernichten und nur dich zu erhalten: da flehtest du für das Volk und batest, deinen Namen statt dem seinen zu verlöschen. Heute nun bittest du für dich und deine Erhaltung — soll ich nun wiederum Israel statt deiner vernichten?" „Nein, Herr," schrie Mosche, „es vergehe Mosche und tausend seinesgleichen — nur dem Volke Israel tue kein Leides an. Gib Du, der alle Seelen kennt, chnen den rechten Führer, der sie leiten kann, dann will ich gerne auf mein Leben verzichten." „So nimm den Jehoschuah, den Sohn Nuns — er soll der neue Führer sein. Leg' deine Hand auf ihn und stärke ihn und schenke ihm von deiner Kraft!" Und selbstlos und großmütig gab Mosche dem Jehoschuah von seiner Weisheit und seinem Glanze, damit aus ihn hören sollten die Kinder Israel nach Mosches Tod. Von der Trauerzeik. „Und wißt Ihr auch, warum all dies Unglück über das Volk Israel kam, warum der Tempel zerstört wurde, den König Salomo gebaut yatte?" „Weil die Juden Götzen anbeteten," sagte Hanna; „weil sie den Schabbos nicht hielten," meinte Ruth; „weil sie unschuldiges Blut vergossen haben," rief Else. „Weil sie kein Sch'mah sagten!" „Weil sie ungerecht gerichtet haben!" ,/^iScil sie döse Dinge taten und sich nicht schämten!" „Ganz richtig," sagte die Lehrerin, „wegen, all dieser Taten kam das Verderben über das Volk. All diese Gründe, die Ihr angegeben habt, werden auch von unfern Weisen erwähnt. Warum aber wurde der zweite Tempel zerstört? In dieser Zeit haben die Juden die Tauroh gehalten, die Mizwaus g.mvt und die Rabbynim geachtet. Warum kam dann doch das Unglück, daß G'tt den Römern Macht über sie gab?- Weil die Juden nicht einig waren untereinander, weil sie sich befeindeten und grundlos haßten. Aus solch einem sinnlosen Haß zum Beispiel ist auch ein Anlaß zum Kampf mit den Römern entstanden. Es lebte damals ein vornehmer Mann in Jerusalem, dessen Freund hieß Kamza und dessen Feind Bar Kamza. Eines Tages veranstaltete dieser Mann ein großes Gastmahl und beauftragte seinen Diener, auch den Kamza, seinen Freund dazu einzuladen. Der Diener aber irrte sich in dem Namen und lud den Bar Kamza ein, der die Aufforderung auch gerne annahm. Als nun beim festlichen Mahle alles versammelt war, sah der Herr des Hauses auch den Bar Kamza unter den Gästen sitzen. Er ging wütend auf ihn zu und sprach zu ihm: „Was tust du hier — du bist doch mein Feind! Steh auf und gehe!" Sprach Bar Kamza: „Ich kam, weil ich eingeladen wurde und nun bitte ich dich, laß mich hierbleiben! Ich will dir alles bezahlen, was ich esse und trinke." Sagte der Hausherr: „Nein, du sollst gehen!" Und Bar Kamza bat wieder: „Ich will dir die Hälfte des ganzen Gastmahls bezahlen, nur tu mir nicht diese Schande an. Laß mich doch teilnehmen an deinem Mahle!" „Nein!" sagte der Hausherr. „Ich will dir alles bezahlen, was dich das ganze Gastmahl kostet," sprach Bar Kamza, „nur beschäme mich nicht so vor all deinen Gästen!" „Nein," sagte der Hausherr unerbittlich, ergriff den Bar Kamza bei der Hand und führte ihn hinaus. Beschämt und zu Tode gekränkt stand Bär Kamza vor der Türe. „Das sollt Ihr büßen," rief er, „Ihr Vornehmen und Ihr Weisen! Ihr saht meine Not und meine Beschämung und habt nicht gewehrt und nicht eingegriffen — nun werde ich Euch beim Kaiser verleumden!" Da ging Bar Kamza zum römischen Kaiser und berichtete ihm, die Juden wollten ihn nicht mehr anerkennen und würden sich gegen ihn ^empören. Aber der Kaiser glaubte es ihm nicht. Sprach Bar Kamza: „Mache doch die Probe — sende ihnen ein Tier zum Opfer, ob sie es im Tempel darbringen." Da sandte der Kaiser durch den Bar Kamza ein dreijähriges, fehlerloses Kalb nach Jerusalem. Unterwegs fügte Bar Kamza dem Tiere einen kleinen Schaden zu, der es untauglich machte zum Ein Wettstreit. Es war Freitag Abend. Feierlich und ruhig erstrahlte die achtarmige Oel-Lampe, dem heiligen Schabbos zu Ehren. Da fing neben ihr das elektrische Licht zu sprechen an: „Du armseliger Leuchter, der Du in der Woche nur einmal brennst, willst Dich so wichtig machen, während ich jeden Tag mein Licht den Menschen spenden darf!" „Nur nicht so hochmütig", erwiderte bescheiden die Schabboslampe, „Du darfst freilich jeden Tag Dein Licht den Menschen spenden; aber nur dazu, daß sie etwas sehen, während ich doch dem heiligen Schabbos zu Ehren angezündet werde. Wenn ich auch nicht so hell wie. Du brenne, genügt es doch, den Schabbos zu bestrahlen. Und wenn dann die ganze Familie um den weißgedeckten Tische sitzt und zu mir aufschaut, dann möchte ich nicht mit Dir lauschen." „Nun ja", sprach das elektrische Licht wieder, „wenn Du Dein Licht nur für den Schabbos erstrahlen läßt, bin ich doch weit mehr als Du. Auch bin ich in der ganzen Welt bekannt, während Dich doch nur die Juden kennen. Siehe, mich kann außer dem Menschen nichts verlöschen und Dich bläst jeder Windstoß aus!" Aber kaum hatte das Licht ausgesprochen, als es auch schon zu krachen anfing. Bald erhellten Blitze für einen Moment den Himmel und Donner folgte. Das elektrische Licht fing zu zucken an, während die Schabboslampe in ihrem vollen Glanze weiter strahlte. Das Licht, das noch vor einigen Minuten so hochmütig gesprochen hatte, wurde immer dunkler. Noch einmal ein Aufleuchten und das Licht war erloschen. Erstaunt sah die Lampe das Licht an, das behauptete, ihm könne kein Windstoß schaden, nur der Mensch könnte es verlöschen und doch hatte keine Menschenhand es angerührt. Es war der Blitz, der indie elektrische Leitung eingeschlagen hatte. So wurde das picht für feine eitlen Reden bestraft. Seitdem brannte es still und ruhig neben der Lampe und sein Spotten war ihm vergangen! Hanna Berlinger, Berlichingen, (13 Jahre alt) Drei schwere Fragen. 1. Wie ist es möglich, däß^Hvn auf' vin vtn' fallen kann? 2. Wie ist es möglich, daß ein Junge, der am zwanzigsten eines Monats geboren ist, später »"3 wird als ein anderer, der am siebenten des folgenden Monats geboren ist? 3. Ich habe dreißig, ziehe davon dreißig ab und habe noch sechzig. Wie ist das möglich? Eingesandt von P. Roth, Borken. Lösung des Rätsels „Zahlen und Buchstaben". 1 u. 2 - ns 4 n. 3 n 3 u. 4 — *7} 3 u. 2 - na Richtige Lösungen sandten: Karl RosentHol, Berlin, Salomon Frank, Fulda, Leo imb Marianne Sichel, Nürnberg. ANNONCEN-BÜRO JULIUS SCHMIDT FRANKFURT A. M. JETZT HÖLDERLINSTR. 25 t DIE N E U E TELEFONNUMMER CAROLUS 45866 Wochenkalender. Es war in den letzten Tagen vor den Ferien. Alle Mädels der Klasse waren ausgelassen und lustig und. freuten sich schon riesig auf die großen Ferien. Aber die Lehrerin hatte noch etwas Ernstes mit ihnen zu besprechen. „Natürlich freut Ihr Euch alle sehr auf die nächsten Wochen," sagte sie, „aber darüber sollt Ihr doch auch nicht ganz vergessen, daß wir Juden jetzt eine traurige Zeit vor uns haben. Ihr wißt doch schon, warum wir in den drei Wochen trauern?" „Weil Jerusalem erobert wurde!" — „Weil der Tempel zerstört wurde!" — „Weil das Beth Hamikdcvsch verbrannt wurde!" — so riesln alle durcheinander. Opfer. Voll Bestürzung standen die Priester, als sie den Fehler an dem Tier bemerkten. Sie berieten in großer. Ausregung — aber sie durften das Kalb nicht als Opfer darbringen. Doll schlimmer Ahnungen teilten sie dies dem Bar Kamza mit; der es auch eilends dem Kaiser meldete. Da ergriff den Kaiser ein großer Zorn über dieses aufrührerische Volk und er zog mit seinen Heerscharen gegen die Inden. Dies war der Beginn der schrecklichen Kämpfe mit den Römern." Atemlos hatte die ganze Klaffe zugehört. Es war ganz still im Zimmer, die Trauer um Jerusalem erfüllte alle Herzen. v. 4. - 11. Juli INI , o. 19. - 28. Tammus 8691 Samstag >* n»n VNI'S Sonntag 's 20, Montag 6 21 > Dienstag 7 22 Mittwoch 8 23 naipfi Donnerstag Juli 9 24 : Freitag 10 25 vinn »yos niv» Samstag 11 26 Mauled : Mittwoch früh 8 Uhr 45-/» Min. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton E. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate iS.: S. Schach» nowttz, ebenda. —Für die pädagogische Beilage: Lehrer 1J, Kaufmann, ln Sprendlingen (Kr. Osfenbach). — Verlag des Israelit und tzermon G. m. b. $., Frankfurt a. M. — Dru« Hermon-Druckerei, Frankfurt a. M.