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Der Israelit · 1931-07-02 · Heft 27 (2.7.1931) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 27 (2.7.1931)
Date
1931-07-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Frankfurt a. den i?. Tammus 5391 EinCentraforgan fOr das orthodoxe Judentum jjfOf i jflBw III Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. 3 Abonnement ab 3uXi 1929: Deutschland 1.30 Mark monatlich: Ausland: Bterteljahrpreise (entsprechend dem deutsche» Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Berfandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—: Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ad 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.37. Belga6.; Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.23.18 Lire; Ingo, slavien 88 Din.; Litauen 7.50 Sit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Sei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty- Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowaret 25 Kronen; Ungarn Pengo 8 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfenntge. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 60 Toldpf. für die fiebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseit: 2.— Mk., vorletzte Textseite 350 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de« Verlag des Israelit T. m. v. H., Frankfurt a. M , Rechneigrabenstraße 7, Tel. Hansa 31084 sow. durch sämtl. Annoncen-Erped. d. In» und Auslands, —*-- Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderlinstratze 25 Tel. [einige Jnseratenan». für Franks. Platzvorschr. ohne Verbindlichk. direkt an den Verlag aus " -- "> Pschl ' iarschau Nr. 190767. „„, jcdtonto Frankfurt (Main) Nr. 198)2. — Aatzecdem an: Postscheckamt Zürich Nr. VHI 7254. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24889 Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch Jüdisches Führertum. Von Dr. Iosef Wohlgemukh in Berlin.*) Führer sein! Das heißt wissen von dem Wohin! Und wissen von der Art der zu Führenden. Daß man den Weg und das Ziel kenne und das Wesen der Gemeinschaft, die einem anvertraut. Diese Gemeinschaft ist nicht ein Konglomerat Einzelner, sie ist eine Gemeinschaft! Als solche freilich ein Gesondertes mit individuellen Zügen, aber sie ist auch eingebettet in eine größere Gesamthet, in die Gemeinde, das Volk, ja die Menschheit. Dieses Eingebettetsein führt unbedingt zu einem Zeitbewußtsein. Kindlich und oberflächlich der von Unwissenden beliebte Kampf gegen den Zeitgeist, wenn er sich richtet gegen das Zeitb e w n ß t s e i n. Es gibt keinen Zeitgeist nnSinne der Summe des Verwerflichen und' Abzulehnenden. Das Zeit bewußtsein, dessen Träger wir ja alle sind. Wir sind nicht nur von ihm b e - e i n f l u ß t, sondern die geistigen Werte und Unwerte aus ihm schaffend. Wirtschaft und Technik, Kunst und Wissenschaft, soziale und ethische Bereitschaft und Betätigung, einer Zeit, sie alle geben dem Zeitbewußtsein sein Gepräge. Wollte man sich völlig loslösen von der Zeit, es hieße das eigene Ich zerstören. Ist dies Ich doch mit Klammern und Binden eingefügt und« verschlungen in die Geistes-, Willens- und Gefühlswelt, die alle Individuen und alle Völker umschließt und recht eigentlich als die Gemeinschaftsseele der Menschheit sich uns darstellt. Sicher! Wer sich nicht in das Zeitbewußtsein und seinen so mannigfaltig reichen Inhalt zu versetzen weiß, der ahnt nichts von Art und Wesen der zu Führenden. Wie könnte er ihr Führer sein?! Aber dunkel und seines letzten Zieles unbewußt ist dieses Zeitbewußtsein. Aus ihm werden Werte erkannt, gefühlt und erstrebt und Werte geschaffen, die nicht letzte Werte sind. Dieses Zeit bewußtsein muß erst seine Krönung erhaltenin dem R e i ch s bewußtsein, in dem Reichg'tiesbeWußtsein. Es ist das Wohin, das Ziel, zu dem der Führer führt, es ist *113^2 'Ufr' ein Reich von jener und doch von dieser Welt, 'w *113*70:1 D*?isr |j?n^ *) Gekürzter Abdruck ei^er Ansprache, gehalten an zu entlassenden Hörer des Raübinerfeminars am 4. Tamus 5691 (Anregungen verdankt diese Rede dem- Buch von A. Dempf „Sacrüm iinperium", München 1929.) Das Reichg'ttesbewußtfein steht nicht unbedingt im Gegensatz zum Zeitbewußtsein. Auch seine Werte sind ein Teil des Zeitbewußtseins, das sich niemals dem religiösen Gute verschlossen hat. Es ist wie die Seele ein g'ttlich Teil, hineinragend in das Leiblich-Menschliche. Aber wie die Leib-Seele des Einzelnen so ist auch die Leib- Seele der Menschheit eben'zuerst Leib-Seele, an die Materie, das rein Irdische gefesselt, in die sie ihre Ziele und Werte hineinschaut undhineinbaut. Ueber ihr erst wölbt sich das Reich des Himmels, das G'ttesreich. In ihm allein die reine Seele, der reine Geist, jene letzte Idee, die höchste Norm. Glücklich das Geschlecht, in dem Zeit- und Reichsbewußtsein zum Einheitsbewußtfein sich zufammenschließt. Jenes wahre Einheitsbewußtsein ist das Ideal, aufgestellt als Ziel am Ende der Tage. Das Ringen nach diesem Einheitsbewußtsein bezeichnet den Weg der Welt- und Geistesgeschichte. Eine Persönlichkeit hat es nach jüdischem Glauben gegeben, in der dies Einheitsbewußtfein zur Wirklichkeit wurde, das ist Mosche Rabbenu. Er ist die universale Persönlichkeit, die die höchste Stufe erstiegen, in dem Zwischenspiel, das bei jeder Persönlichkeit gegeben ist zwischen Entfaltungsmöglichkeit der Person und ihrer Vollendung. Von ihm ist darum allein gesagt: Mosche Rabbenu, unser Lehrer, unser Führer. Die Sidra Korach zeigt uns bas Ringen zwischen dem Zeitbewußtsein und Reichg'ttesbewußtsein an den Gestalten Mosches und Korachs. Denn es sind Vertreter einer scheinbar berechtigten Welt- und Lebensanschauung, die sich um Korach scharen. Sind es doch Erhobene der Gemeinschaft, Berufene der Zeit, Männer von Namen! Und in der Tat, in den Vorwürfen Korachs und seiner Umgebung kämpft Ratio gegen das Irrationale, Demokratie gegen Autokratie, die Wirklichkeitsbetrachtung gegen verheißenes Ideal. „Und es nahm Korach": Er nahm die Männer und kleidete sie in einen Tallis ganz aus himmelblauer Farbe und fragte: Bedarf auch dies des, himmelblauen Fadens? An dem „Ja" Mosches wollte er die Gefahr einer Gesetzgebung demonstrieren, die dem individuellen Denken des Menschen, seinem teuersten Gut, das mit ihm geboren ist, keinen Raum läßt. Untergräbt nicht jene Beschränkung auf das von Mosche geforderte Irrationale den Boden, aus dem der Mensch alle Kraft für vernünftiges, erfolgreiches Handeln zieht, für den Fortschritt 'in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft? Und das zweite: Wo käme mehr zum Ausdruck das Palladium von dem Wert einer jeden Menschenseele als in Korachs Worten: „die ganze Gemeinde, sie alle sind Heilige". Die Souveränität des Volkes gegenüber der eines Einzelnen aufzurichten, ist das nicht der innere Entwicklungstrieb, der der Vernunft der Geschichte innewohnt? Sind nicht die Vlüteperioden der Völker, die, in denen sie sich selbst das Gesetz gegeben, unbeengt und unbedrängt von dem Willen und der Macht eines Einzelnen? Und das dritte: Ist der Maßstab, nach dem die Berufung zu messen ist, nicht in der Tat die Erfüllung? Ist der Vorwurf unberechtigt, den Dathan und Abiram Mosche entgegengehalten? Hast du die Verheißung, uns ins heilige Land zu bringen, verwirklicht, daß du noch selbstherrlich herrschen willst über uns?! Daß das Volk die Verheißung verscherzt? Mußte die Versuchung so groß, die Strafe so hart sein? Und so in allen Zeiten: Der Erfolg und nicht die Idee, die Verwirklichung und nicht das aufgesteckte Ziel werden als die Größen geschichtlicher Wertung hingestellt. Bei wem ist das Recht: bei Mosche oder Korach? Wo das Kriterium? i*? im rin 'n snvn npm „Morgen, da wird G'tt kundtun, wer Sein ist". Dort, wo der Führer G'tt angehört, wo das Reichg'tlesbewuhtfem zum Zentrum geworden, wo die Partnerschaft G'ttes an der geschichtlichen Entwicklung anerkannt wird, wo man von der Ueberzeugung durchdrungen, daß Geschichte etwas Uebermenschliches ist, daß der Zeitgeist nur dort auf dem rechten Wege ist, wo er den unendlichen Geist, den G'ttgeist, in sich ausgenommen hat. Nicht daß sie für das Erkennen gegen die Unbedingtheit des Glaubens, für das Volk gegen die Alleinherrschaft, für den Erfolg gegen die Verheißung gekämpft, sondern daß sie das alles ohne G'tt gedacht und vertreten und nicht anerkannt, daß Mosche m i t G'tt, dies ists, was die Revolution Korachs und seiner Anhänger Mr Empörung wider das G'ttkiche stempelt. Weil-ste nicht Zugestanden, daß die Thora eine Emanation G'ttes und darum nicht aufgehen kann indas Begreifen durch die. Ratio, weil sie nicht zügestanden, daß die Autokratie Moschehs und Ahrons

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