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Der Israelit · 1931-06-11 · Heft 24 (11.6.1931) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 24 (11.6.1931)
Date
1931-06-11
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 24 Der Israelit 11. Iuni 1931 Lin jüdisches Denkmal. Zur Einweihungsfeier in Gailingen. (Der 83 jährige Herr Isaak Wolf Bernheim aus Louisville (Amerika), geb. in Schmieheim, hat dem Asyle in Gailingen die Mittel gegeben zur Errichtung eines prächtigen Anbaus und zu dessen Inneneinrichtung.) I. Entsprechend dem herrlichen Bau und dem hohen Zwecke seiner Bestimmung gestaltete sich die Einweihungsfeier. Es war am Pfingstmontag, vormittags zwischen 10 und 11 Uhr. Weitgeöfsnet stand das Parktor des Asyles zu Gailingen, um die Autos einsahren zu lassen, Privatautos und das Gesellschaftsauto, das die Gäste brachte aus Freiburg, dem Sitze der Verwaltung des Asyles. Bald füllten sich die Wege des Parks mit Menschen in Feiertagskleidern, mit Feiertagsstimmung aus den Gesichtern. Man sah manch vornehmen Würdenträger aus dem öffentlichen jüdischen Leben Badens. Unter prächtigen alten Bäumen des Parkes stand für die Ankommenden eine Tafel mit anmutendem Imbiß gedeckt; - denn die Freude am -un hatte weite Strecken zurücklegen lassen. Aus Karlsruhe, Mannheim, aus Offenburg, Bruchsal, aus Kehl und Schmieheim, aus Schafshausen und dem benachbarten Randegg war man herbeigeeilt. Da gab es ein allseitiges Vorstellen, Begrüßen, viel lebhafte Beweglichkeit. wie sie die verschlungenen Parkwege lange nicht gesehen. Vergnügt neigten die kraftvollen Bäume ihre Wipfel über all den erwartungsrollen Menschen. Man fühlte sich wie in einem Foyer, uns die unsterbliche Bühne für Menschenrecht und Güte hätte sich ihren Erfrischungsraum nicht stimmungsvoller wählen können als in dem prachtvollen Park mit der so selbstverständlich gebotenen Gastfreundschaft. Dazu strahlte eine heiße Mäiensonne vom wolkenlosen Himmel hernieder, durchglühte die Gemüter und den Part, ruhte verklärend auf der Tafel an der Front des neuen Hauses, und man las in Ergriffenheit und dankerfüllt den Namen Isaak Wolf Bernheim. n. Vor dem verschlossenen Eingang des Neubaues sammelte sich die zahlreiche Menge.. Der Baumeister überreichte in feierlichen Worten denr Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Kassewitz, den Schlüssel zur Eingangspforte. Dieser übernahm ihn mit "dem Gelöbnis der weiteren treuen Wirksamkeit für das Haus und alle die, die am Wege des Lebens müde geworden .darin Zuflucht suchen; er erläuterte im Hinblick auf die Insassen des Heims den Satz: m- Der Schlüssel drehte sich in dem Schlosse, die Pforte öffnete sich und man strömte in den großen, herrlich geschmückten Speisesaal mit den reihenweise geordneten Stühlen und der Tribüne für die Ansprachen. Redner um Redner betrat die Estrade. Die ewigen jüdischen Gedanken über non nvrm drangen in immer variierter, anregender Form an das Ohr, auch aus dem Munde des Pfarrers und des Bürgermeisters. Menschenliebe und Güte, das fühlte man während der fast dreistündigen Redefeier, das ist die Kraft, die nicht nur alle Glieder der jüdischen Gemeinschaft umfassen kann, sondern auch die Verbrüderung unter allen Menschen sichert. Auf hohem Niveau hielten sich die Ansprachen, auch das Gedicht, das eine 60 jährige Insassin des Asyles selbst verfaßt hatte und nun der lautlosen Zuhörerschaft vortrug. Umrahmt war die Feier von Gesängen des Synagogenchores. Es war eine echte Knessioh leschem schomajim; denn der Genius der Nächstenliebe schwebte über den Teilnehmern, verkörpert in dem Namen Isaak Wolf Bernheim. III. Es folgte die Führung durch das Haus, und der Baumeister zeigte den bewundernden Blicken die vielen neuen, farbenfrohen Räume. Dann begann der zweit« Teil der Einweihungsfeier. Lunge Reihen Tische durchzogen den Speisesaal, <twa zweihundert Gäste gruppierten sich an ihnen; man sprach dem mit viel Hausfrauenkunst und Liebe bereiteten Frühstück wacker zu; wieder wurde durch manch geistvolles und witziges Wort erfreut. Eine eigenartige Fügung wollte es, daß die Landsleute des edlen Stifters des Neubaus, der Herr Vorsteher aus Schmieheim und die Festteilnehmer, die einmal selbst in Schmieheim geboren waren oder deren Ahnen dort das Licht der Welt erblickt hatten, sich vollkommen unverabredet und unaufgefordert an dem gleichen Tische eingefunden hatten. Dieser nette Zufall beschwingte den Pegasus und gab einer Dame aus dieser Gruppe Anlaß zu einer dichterischen Momentausnahme. Sie pries die Heimatliebe des edlen Gebers und sandte ihm den Heimatgruß der Schmieheimer weit über das Meer; der ganze Saal erhob sich und stimmte ein in ein begeistertes Hoch «nf Herrn Isaak Wolf Bernheim. IV. Das eigentliche Festessen für die auswärtigen Gäste fand gegen 5 Uhr statt. In Hufeisenform war bre Tafel herrlich gedeckt. Prachtvolle Gerichte gab es und die schöne Rede des ältesten 85 jährigen Festteilnehmers, des Herrn Ellas Wolf aus Freiburg. Einer der anwesenden Kantoren sang das uralte jüdische Tischlied, den Psalm 23. Und wenn man die Tafel überblickte, da begriff man den Geist der Sudas-mizwoh. Da war tetn Hochzeitspaar, da war kein Jubilar, für den die Tafel gerichtet war. Das war die hohe Idee der Menschenliebe und der Geist des Guten, denen zuliebe man tafelte. Eine wohltuende Atmosphäre der gegenseitigen Zufriedenheit und Gehobenheit durchflutete den Festraum, erklang in dem von Herrn Picard vorgetragene Tischgebet und. begleitete die Festteilnehmer zu der Schlußnummer des Festtages, zu dem Minchoh-Gebet in dem Betsaale des Asyles. Würdig hatte sich die Leitung des Hauses, Herr und Frau Direktor Steckelmacher und Fräulein Picard, der hohen Aufgabe erwiesen für die Ausgestaltung des Festtages, der eine unverlierbare, köstliche Erinnerung in dem Gedächtnis aller Gäste bilden wird. Möge die aufopfernde Tätigkeit dieser Leitung weiter walten und auch im Neubau des 'Asyles zu Ehren seines Gründers des Herrn Isaak Wolf Bernheim. W. (Exkönig von Hedschas gestorben.) Der frühere König Hussein von Hedschas, der in den letzten Jahren auf Cypern in der Verbannung gelebt hat und vor einiger Zeit zu Besuch seines Sohnes, des Emirs Abdullah von Transjordanien, nach Amman gekommen war, ist dort vor kurzem verstorben. Hussein ibn Ali, aus dem Geschlecht der Haschimiten, hat ein Alter von 78 Jahren erreicht. Jahrzehntelang war er unter der türkischen Regierung Emir und Großscherif von Mekka. Im Kriege war er Parteigänger Englands und schloß mit England ein Freundschaftsabkommen betreffend Errichtung eines arabischen Reiches. 1919—1924 war er König von Hedschas. Sein Sohn Feiful nahm an der Friedenskonferenz teil und wurde später König von Irak. Der zweite Sohn, Abdullah, wurde Emir von Transjordanien. Der Versuch einer auf die Dynastie der Hafchemiten aufgebauten arabischen Konföderation mißlang. Als die Türkei 1923 das Kalifat abschaffte, proklamierte sich Hussein zum Kalifen aller Moslems. Seine Hoffnung, von der gesamten islamischen Welt anerkannt zu werden, erfüllte sich jedoch nicht. Hussein bekämpfte später die Politik des englischen Mandats in Palästina und die Errichtung eines jüdischen Nationalheims in diesem Lande. Er weigerte sich, den ihm von England vorgelegten Anglo- Hedschas-Vertrag zu unterzeichnen, weil in diesem Vertrage die Anerkennung des Palästinamandates und also auch der Balfour-Deklaration gefordert war. Er behauptete, die ihm von England während des Krieges gemachten Versprechungen verbürgten ein unabhängiges Palästina. Von autoritativer englischer Seite wurde dieser Behauptung wiederholt scharf widersprochen. Als 1924 die alten Gegner der Hafchimiten-Dynastie, die Wahabiten, unter Führung Ibn Sauds, des Sultans von Nedschd, in das Reich Husseins einfielen, erklärte England feine Neutralität. Hussein unterlag und mußte Hedschas räumen, fein Entschluß, den Anglo-Hedschas- Vertrag nun doch zu unterzeichnen, kam zu spät. Im Oktober 1924 mußte er abdanken. Er ging nach Cypern in die Verbannung. Da auch sein Sohn Ali sich gegen die Wahabiten nicht halten konnte, ging das Königreich Hedschas in die Herrschaft Ibn Sauds über. (Jüdisches Jahrbuch 1931.) Die vorliegende Ausgabe des Jüdischen Jahrbuches (Berlin S. 42, Luisenufer 34) wird in einer Zeit schwerster Wirtschaftsdepression, großer Not weitester Kreise zum sechsten Male der Oeffentlichkeit unterbreitet. Es werden die wichtigsten jüdischen Zeitprobleme durch Aufsätze aus fachmännischer Feder von allen Seiten eingehend beleuchtet. Wir erinnern an das Siedlungsproblem, Darlehnskassenwesen, Wohlfahrtsfragen. Der Nachschlageteil mit seinem umfangreichen Adressenmaterial der Örgansationen und Vereine, Gemeindeverwaltungen und Einrichtungen, sowie der jüdischen Gemeinden in Deutschland, wurde in Anbetracht seiner Wichtigkeit für jeden, der sich über die Aufgaben der Gemeindeverwaltung und über das Organisations- und Vereinswesen unterrichten will, einer sehr genauen Durchsicht unterzogen. Daneben sind Tätigkeitsberichte fast sämtlicher Organisationen und Vereine, soweit sie den lokalen Rahmen an Bedeutung überragen, erstmalig zusammengestellt worden. — Auf den Bilderteil wurde besondere Sorgfalt gelegt. Neben den großen Toten des Jahres fanden lebende markante Persönlichkeiten mehr als bisher Berücksichtigung. Auch kamen Neuschöpfungen der Synagogenbauten mit ihrer Innenausstattung zum Abdruck, sowie Abbildungen über Sport. — Der Preis des Jahrbuches (Halbleinen Mk. 4.80) ist unter Berücksichtigung der guten Ausstattung und des vielseitigen Inhaltes als besonders niedrig zu bezeichnen. Reue Bücher. Judah den Salomon Campanton, and his „Arbaah Kinyanim" by Elhanan H Golomb, Ph. D. Philadelphia, Dropsie College 1930. Preis 2 Dollar. Nach einem Vorwort und einer größeren Einleitung orientiert der Verfasser über das Leben des Judah Eampanton, eines Schülers des Riiba, die Handschriften seines Werkes und dessen Titel über die Schöpfungssragen und das Problem von Lohn und Strafe, dann liefert er eine Ueberfetzung des Werkes und schließlich seinen Tert. Einige Register bilden den Abschluß. Die gute Arbeit macht mit einem kleinen Werke bekannt, das die vier Güter, die sich G'tt erworben hat, behandelt: die Thora, Himmel und Erde, Israel und das Heiligtum. Uebersetzung wie auch Tert haben gute Anmerkungen über Zitate, Parallelstellen und Lesarten. Di« fleißige Arbeit wird in Fachkreisen würdig ausgenommen werden. Sie bereichert uns um einen guten Text einer religionsphilosophischen Arbeit des Mittelalters. Rabbiner Dr. P o s n e r , Kiel. Zum Jüdisch-Arabischen Problem. Eine Aufsatzreihe. Von Dr. M. B e i l i n s o n. T e I - A v i v. 1930. Dawar. 63 Seiten. Diese aus der Zeit entstandenen Aussätze zeigen Ruhe und Sachlichkeit und haben daher für die Dauer den Wert geschichtlicher Dokumente. Wir von der Orthodorie haben zu den Ausführungen noch diese Hinznfügnng zu machen: Die begangenen Fehler der zionistischen Führer und des zionistischen High-Commissioner wären vermieden worden, wäre ihr Denken und Handeln von der Thora geleitet gewesen. Die verhängnisvolle Affäre der Klagemauer wäre so nicht entstanden, und manches Andere wäre gleichfalls nicht getätigt worden. S. G. in T.-A. Sabbatlai Zewi. Von Josef Käst ein. Berlin. Verlag Ern st Rohwolt. Mit zwölf Kupferdrucktafeln. Die Sabbattal Zewi-Bewegnng hat in ihren Nachwirkungen eine ausgiebige Literatur geschaffen. Pol - j a k o w und Schachnowitz haben in ihren „Sabbattai Zewi" und „Messiasbraut" den Mann und seine Zeit-- epoche in zwei guten Romanen dargestellt. Kastein verzichtet auf das Romantische und beschränkt sich darauf, den Sabbattai zu zeigen, ihn aus seinem Charakter, der Zwangsläufigkeit seiner Natur und seiner Zeit heraus zu erklären. Seine Sarah ist nicht, wie bei Schachnowitz, die von der Schicksalswende eines Volkes und einer inneren Berufung durchzitterte Messiasbraut, sondern eine einfache Dirne, typisch für die starke Verworrenheit der Zeit, der aus wesensfremder Mystik fremde, gifthaltige Blumen erblühen. Die Bilder zeigen Sabbattai und seine Mitarbeiter, in schwachen Umrissen auch Saloniki, Smyrna von damals, zuletzt Handlungen der Zeit wie Dußübungen, Audienzen beim Pseudomessias und manches andere. Historisch interessierte Leser werden aus dem Buche mancherlei über das traurige Kapitel geistiger Irrungen in der jüdischen Geschichte des 17. Jahrhunderts erfahren. Ein Bismarck-Buch. Aus dem Buche „Bismarck", von Ernst Ludwig. „Die einzigen, von deren Unterhaltung Bismarck in jener Epoche anerkennend berichtet, sind Juden. Lassalle nannte er einen der geistreichsten Menschen, dessen Unterhaltung er spät nachts ungern enden sah. Bleichröder, den er als Agenten benutzt, hat immer freien Zutritt, erhält Generalvollmacht zur selbständigen Anlage seines Vermögens und wird auf Bismarcks Antrag in feinen Stand, in den erblichen Adel, erhoben. Jahrelang ist ein Doktor Cohen fein befreundeter Hausarzt bis zu dessen Tode; so vertraut er Gesundheit und Vernrögen zwei Juden an. „Der Verkehr mit Simson hat mir wirklich Vergnügen gemacht. Er, ist ein recht geistvoller Mann, als er mich besuchte, war er wirklich unterhaltend. was ich von den meisten Leuten, die zu mir kommen, nicht behaupten kann. Das ist ein von reinster Vaterlandsliebe getragener Mann, ein edles Gefäß, in. dem stets die lautersten Empfindungen zusammengeströmt sind." Ein solches Urteil hat unter Bismarcks Charakteristiken nicht seinesgleichen, und doch hat er über denselben Simson 20 Jahre zuvor als Sekretär im Erfurter Parlament gespottet, „mein Vater würde sich im Grabe umdrehen, wenn er mich hier als Schreiber eines jüdischen Gelehrten sähe, und im Konflikt hat Simson den Minister sogar einen Seiltänzer genannt; das alles hatte Bismarck nicht vergessen. Ueber Disraeli ist er später des Rühmens voll. So fragt man unwillkürlich: warum Bleichröder statt Hansemann, Cohen statt Frerichs, Lafsalle statt Liebknechts, Simson statt Richter, Disraeli statt Salisbury? .... Zwanzig Jahre. nach seiner Rede gegen ihre Zulassung zu Staatsämtern ist er es, der die Emanzipation der Inden durchführt und betont, wir hätten keine Staatsreligion, die Regierung könne also auch nicht konfessionell auftreten; im Reichstag rühmt er ihnen „besondere Befähigung und Intellegenz für Staatsgeschäfte" nach, privatim rühmt er als ihre Tugenden: Respekt vor den Eltern, eheliche Treue, Wohltätigkeit, und wünscht ihre Kreuzung mit den: Adel. . . . Ein Roman des Ungarn Zsigmond Morie; schildert das tragische Schicksal eines jungen Pfarrers unter ungarischen Bauern. Diese Bauern werden als jedes Funkens Idealismus und Gerechtigkeitsgefühls bare, graste Materialisten gezeichnet. Moricz wird diese Banerntypen wohl ans der Erfahrung kennen — doch von der Bibel hat er keine Ahnung. Was er den Pfarrer über die Bibel sagen läßt, ist sein Hirngespinnst und beschämend für sein Wissen. Die Schilderung von Juden zeigt, daß Moricz auch Antisemit ist. S. G. in T.-A. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S. Schach« nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Hermon 05. m. b. H., Frankfurt a. M. — Druck: Hermon-Druckerei, Frankfurt a. M.

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