Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1931)
- Date
- 1931-06-04
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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land das Land verläßt, ist das Land arabisch. Ich sehe keine jüdische Mehrheit in Palästina . . . und dann ringsherum arabische Länder. Ihr könnt in Palästina ohne Friede, ich meine wirklichen Frieden mit dem großarabischen Gedanken nicht leben. Ueberall Mißtrauen. Glauben Sie, daß, wenn Dr. Weizmann heute sagt-, die Juden in Palästina wollen keine politischen Vorrechte, die Araber ihm das glauben? Und wenn ich sage, daß eine konstitutionelle Regierung in Palästina den Juden kein Unrecht tun wird, glauben die Zionisten es mir denn? . . . Ihr habt die Wahl: Friede und Freundschaft mit allen arabischen Völkern, oder einem Phantom in Palästina nachjagen. Ich bin für eine jüdisch-arabische Zusammenarbeit auf dem Boden der Gleichberechtigung in allen arabischen Ländern, Palästina inbegriffen. Wenn die Zionisten das nicht können oder nicht wollen, laßt's dann die anderen von Agudas Iisroel tun. Verräter? Ja, wer sich fürchtet . . . Verräter ... ein großes Wort." Emir Abdullah von Transjordanien führte dies 192 3 in einem Int eraus. Die Menschen mögen inzwischen gewechselt haben, aber die damals geäußerte Meinung Abdullahs scheint mir auch heute noch< die Auffassung der arabischen Führer zu sein, eine Lösung daher nicht ganz unmöglich. Als Bes Jaakauw-Lehrerin in der Bukowina. Wenn man im Westen Europas den Gedanken äußert, nach Rumänien zu gehen, so wird man wie vor einem wegfalschen Abenteuer gewarnt. Die Schattenseiten, die zu solch' wohlgemeintem Rate bestimmen, sind ja hinreichend bekannt und brauchen hier nicht weiter erörtert zu werden. Aber daß es auch Lichtseiten gibt, die einem das Leben dort nicht nur erträglich, sondern sogar angenehm gestalten, dürste den^ Leser etwas Neues sein. Davon soll hier berichtet werden. Der Platz meiner Wirkungsstätte ist ein kleines Gebirgsstädtchen in der Bukowina, dem ehemals österreichischen Gebiet, das vor 13 Jahren just nm diese Zeit in rumänischen Besitz gekommen ist. Die Gemeinde, die früher eine Mustergemeinde gewesen sein soll, aber durch den Krieg sehr gelitten hat, besteht zum größten Teil aus Chassidim verschiedener Richtung, die sich im Ganzen gut verstehen. Früher soll das nicht der Fall gewesen sein und man sagte mir von prominenter Seite, daß man hieraus auf eine Abnahme der Intensität des jüdischen Lebens schließen könne. Obwohl ich die Verhältnisse vor dem Krieg nicht kannte, scheint dieses Urteil aber doch zu stimmen. Aber immerhin habe ich nirgends und insbesondere nicht in den deutschen Landgemeinden glleichen Formats den Sabbat so im Stadtbild ausgedrückt gesehen wie hier. Es gibt hier auch noch Chassidim vom alten Schlag, denen der Chassidismus ihrer Dynastie Lebensprogramm ist und die gleichzeitig das nötige Verständnis für Thoralernen haben. Ja noch mehr. Sie haben durch Errichtung der ersten Beth Jakow-Schule in der Bukowina und Rumänien bewiesen, daß sie sich den Problemen der Zeit nicht verschließen und geradq noch rechtzeitig die Notwendigkeit der Töchtererzirhung im Geiste unserer Thora erkannt haben. Diese Schule ist es auch, die mir hier die Lichtseiten des Lehens — auch in Rumänien — zeigt. Der Eifer und die Pünktlichkeit, mit denen die Kinder dis Schule bssuchsn, spornen einen unwillkürlich selbst an, nicht stillzustehen und zu wünschen, daß doch allenthalben, wo es notwendig ist, solche Schulen gegründet werden. Die Mühe, die man bis zur Befestigung einer Beth Jakauw-Schule aufwendet — fei fie noch fo groß — wird reichlich ausgewogen. So habe ich auch begründete Hoffnung, daß unserer Beth Jakow - Schule bald weitere vier Schulen folgen werden. Hier ist man nicht wenig stolz daraus, die erste Schule errichtet zu haben. Allerdings auch mit gutem Recht. Daß die Schule notwendig war, beweist die Tatsache, daß ihre Frequenz innerhalb eines Semesters fast um 200 Prozent gegenüber den Anfangszisfern gestiegen ist. —i»x nris hatten wir das seltene Vergnügen, den berühmtesten Chason der Provinzhauptstadt zu Gaste zu haben. Er verschönerte unsere Lag-beomer-Feier. Eine Stunde nach Maariw begann die eigentliche Feier, bei der die Frauen in der für sie bestimmten Abteilung, der Klaus aus zuhörten. Welche' herrliche Gesänge. Noch nie ist einem Rabbi Schimon bar Jauchoi so lebendig vor Augen gewesen, wie unter den Tönen und der Macht dieses Gesanges. Und alle anderen Mismaurim bekamen unter seiner Formung doppelte Kraft. — Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete jedoch der Tanz der Chassidim. Gesetzte, würdige Männer, denen die Sorge des Alltags ausgeprägt ist, vergessen für Stunden ihr Golus und tanzen zu ihren temperamentvollen Melodien, als ob es nur Festtage gäbe und nicht Tage voll Last und Sorge. Das Schönste hier ist jedenfalls die Veth Jakow- Schule. Und überall scheint G'ttes Sonne, und überall spannt sich sein Firmament. So möge auch überall d;e Sonne, das Licht der Thora scheinen und alle unter ihren: schützenden Dach vereinen. I. R. Generalversammlung der Agudas Iisroel Zugendgruppe in Men. Wir sind kein Verein wie andere Vereine, die alljährlich zur Generalversammlung kommen, um aus dem Munde des Referenten Offenbarungen über das Wirken des Vereins in der vergangenen Periode zu hören. Beb uns lebt jedes einzelne Mitglied mit der Jugendgruppe. Freut sich mit an der Freude der Erfolge, Hilst mit, die Lasten der Arbeit oder gar der Enttäuschung mittragen. Und darum ist es überflüssig, Einzelheiten zu erzählen. So berichtete der Präsident der Jugendgruppe, Herr Chaim Herzog, und hielt sich bei seinem groß angelegten Referat auch danach. In großen Zügen zeichnete er das Tätigkeitsgebiet, wies auf die Erfolge hin, ohne Enttäuschungen zu verbergen. Das Budget der Jugendgruppe mit dem stattlichen Betrage von S. 32 000.— gibt' ein klares Bild über die Leistungen. Ein trauriges Ereignis hatte seine Schatten über die Generalversammlung gesenkt. Man stand im Banne der traurigen Nachricht von dem Hinscheiden Reb Joref S t e r n ' s , des Vaters der Herren Samuel und Bezallel Stern, des so verdienstvollen ehemaligen Präsidenten der Jugendgruppe. Herr Herzog schilderte in innigen schlichten Worten den Heimgegangenen und spendete den Hinterbliebenen Trostworte. > Herr Spitzer berichtet für den Unterrichtsausschuß. „Wir wollen nicht stolzieren und von erreichtem Erfolge sprechen, wenn wir einen Rückblick über die in der vergangenen Periode abgehaltenen Schiurim und Vorträge halten,- können aber mit Genugtuung feststellen, daß in jeder Hinsicht, sei es im Lernen oder in Vorträgen, Schönes geleistet wurde." Rach einer kurzen Detaillierung der einzelnen Schiurim und Vorträge sprach der Redner über die große Wichtigkeit des Lernens, wie wir alle Probleme einzig und allein auf der Basis des Thauroh-Lernens lösen können, und daß wir es absolut nicht notwendig haben, uns von fremder Sonne bestrahlen zu lassen, wo doch unsere Thauro so viel Licht spendet. Der Redner schloß mit einem Appell, im komnienden Semester mit frischer Kraft und Luft an den Schiurim und Veranstaltungen teilzunehmen. Für die B. Gruppe berichtete Herr Bond: unter anderem über das Ferienheim, die zahlreichen Schiurim, Diskussionen und Ausflüge und bittet um Mitarbeit aller Kräfte. Herr Adler berichtete über die Veranstaltungen des Geselligkeitsausschusses. Hiernach begrüßten die Vertreter der einzelnen Korporationen. Die Adaß Iisroel durch Herrn Med. Rat Dr. Reiniger, für die K. G. sprach Herr Kom. Rat Leitner, namens der A. I. Gruppe sprach Herr M. Hornstein. Zum Schlüsse meldete sich noch Herr Inspektor Oehler und richtete einige treffende Worte an die G. V. Inzwischen war die Wahlagitation so weit fortgeschritten, daß zur Wahl geschritten werden konnte. Die Beteiligung war sehr groß. Während sich das Skrutinium zurückzog, eröffnet? Herr Spitzer die Diskussion, woran sich die Herren Stroh, Scheer, Seidmann, Lamm usw. beteiligten. Es kommen dabei einige gute Anregungen zur Sprache, die dem neuen Vorstände zur Durchführung übergeben wurden. Unter fieberhafter Aufregung des Auditoriums wurde das währenddessen fertig gewordene Wahlergebnis verlesen. In der konstituierenden Sitzung setzt sich der Vorstand wie folgt zusammen: Präsident: Herr Chain: Herzog; Vizepräsidenten: Jakob Teidelbaum, S. Spitzer; l. Schrift ührer: Bondi; 2. Schriftführer: M. Reumann: Finanzausschuß.' Paul Richter, Moskowitz I. Reumann, E. Kohn, David Türkl; Unterrichtsausfchuß: Spitzer, Teitelbaum, Schechter, Werner, Feldheim, Baumgarten; Geselligkeitsausschuß: E. Adler, Schiff, _ Kohn, Baumgarten, Bondi; B. Gruppe: W. Weiß, E. Herzog, Spitzer, Adler Schrenzel, Feldheim; Ferienheim: E. Herzog, I. Reumann, Weiß, Schechter, Schiff, Schrenzel; Arbeitsausschuß: P. Richter, I. Reumann, Schechter; Bibliothek: Eh. Herzog, Richter, Reumann. Erez Jisroelkomission: Bondi, Werner, Schrenzel. In das österreichische Landesdirektorium des Keren Haihora wurden delegiert: Chaim Herzog, Schechter, Teitelbaum. Der Vorstand hat die Herren Schlesinger und S. Weiß kooptiert. Herr Herzog dankte noch dem ehemaligen Vorstandsmitglied Herrn Lliefer Breuer für seine hingebungsvolle Mitarbeit und schließt die G. V. Durch Absingung des Liedes „Hedad" fand die E. V. ihren stimmungsvollen Abschluß. Hebron ruft! Der „Kol Iisroel", das palästinensische Aguda-Organ, verössentlicht die höchst erfreuliche Kunde, daß nunmehr wiederum nach den Pogrome::, die vor zwei Jahren stattsandeu, sich wieder gegen 50 Familien, die fast ausschließlich aus thoratreuen Juden bestehen, in Hebron im E:nvernehmen mit den führenden Arabern sich angesiedelt haben. Hebron, die ä I teste jüdische Stadt, hatwiederum eine jüdische Gemeinde. Diese Gemeinde ist nun nicht in der Lage, aus eigenen Kräften eine Talmud Thora einzurichten und bittet um einen monatlichen Zuschuß von L. 3.— (RM. 60.—) von Agudas Iisroel. Wir sind überzeugt davon, daß dieser Ruf nicht ungehört verhallen wirds daß vielmehr jeder, der dazu in der Lage ist, gerne bereit sein wird, zu dieser relativ geringe^ Summe ein kleines Scherflem beizu tragen. Wir ersuchen um baldige Einsendung von Beiträgen, damit wieder an der Städte der Meoras Machpela jüdische Jugend in Thora und G'ttessurcht erzogen werden kann. Palästina Centrale der Agudas Iisroel, Frankfurt a. M. Postscheck-Konto: 53900. Ergebnis der Verlosung des Preisausschreibens der Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel, Frankfurt a. TU. 1. Preis: Eine Reise nach Palästina: Rabbiner Dr. Winkler, Kopenhagen. 2. Preis: Eine Reise nach Palästina: Nicht ausgelost. 3. Preis: Eine in Erez Iisroel geschriebene Megillo: Frau Thekla Wertheim, Fulda. 4. Preis: Eine in Erez Iisroel hergestellte Sederfchüssel: Oberrabbiner E. Weilt, Colmar. 5. Preis: Eine in Erez Iisroel hergestellte Bsomimbüchse: Frau Rabbiner Dr. Wohlstem. 6. Preis: Ein großer Reisekoffer: Redakteur S. Schachnowitz, Frankfurt a. M. 7. Preis: E:n Exemplar „Chofez Chaim": Palästina- Centrale, Zürich. 8. Preis: Eine Techinna: Frau Goldbsrg, Fulda. 9. Preis: Ein Bild „Disput": Rabbiner Dr. Auerbach, Halberstadt. 10. Preis: Ein kleiner Reisekoffer: Rabbiner Dr. Stein, Schweinfurt. und weitere 55 Gewinne von Büchern und Gegenständen, die in Erez Iisroel angefertigt wurden. Bei dieser Gelegenheit möchten wir nicht versäumen, den Hermon-Verlag und Kauffmann-Verlag in Frankfurt am Main, sowie den übrigen Spendern in Frankfurt am Main und Nürnberg herzlichen Dank für die zur Verfügungstetlung einer Reihe wertvoller Verlosungsgegenstände zu danken. , Aus der Bewegung. Sigethul Marmatie (Rumänien). In diesen Tagen hat sich hier eine große lang gehegte Sehnsucht erfüllt. Nach vielen Mühen ist es gelungen, hier eine Ortsgruppe der Agudas Iisroel, die zu den schönsten Hoffnungen der Zukunft berechtigt, zu gründen. Dies ist den Bemühungen unseres verehrten Freundes. des bekannten Agudoführers L. Freund in Oradea zu verdanken, der uns mit zwei Zeirim besuchte und vor über 400 Zuhörern, die sich aus den vornehmsten Kreisen unserer Stadt zusammensehten, über die Ziele und Aufgaben der Agudas Iisroel referierte. Im Anschluß an den Vortrag fand die Gründung der Ortsgruppe statt, der die besten und angesehenen Elemente unserer Gemeinde beitrateu. Wir hoffen, daß es der Leitung der Ortsgruppe, gemeinsam mit den hiesigen Zeire Agudas Iisroel, gelingen wird, Sighet zum starken und lebenskräftigen Mittelpunkte der Agudistifchen Arbeit in unserer Provinz zu machen. Es ist erfreulicherweise festzustellenn, daß an vielen Orten jetzt der Ruf nach Gründung von Ortsgruppen lebhafter denn je ertönt. Oradea-Mare. Die Sommerarbeit der Eroßwardeiner Agudoh ist in voller Blüte. Seit einer kurzen Zeit ist hier der Sinn für die Agudoh erwacht und hat in weiten Kreisen starke Wurzeln gefaßt. Es werden allwöchentlich Vorträge veranstaltet, wo die Jugend in recht stattlicher Anzahl zusammen zu kommen pflegt. Die Reihe der Vorträge wurde mit einem Pirke - Aboth - Vortrag des Herrn Oberrabbiner Fuchs . begonnen, der unter Zugrundelegung einiger Talmudstellen die Jugend zu eifrigem Lernen und zur Tat ermunterte. Am ersten Tage des Schewuausfestes wurde eine Feier veranstaltet, die sich zu einer glänzenden Manifestation der hier stets größere Gebiete erschließenden Agndoh-Jdee gestaltete. Das große Ereignis der Veranstaltung bildete ein Vortrag des Herrn Bela Motzen. Das Interesse für den Vortrag war so stark, daß der Saal bis zum letzten Plätzchen gefüllt war. Die Leitung lag in den bewährten Händen des Herrn Alex F i r ch , der sich mit großer Mühe ganz der Sache widmet^. Rach seiner Einleitung ergriff Herr Motzen das Wort, der in geistvollen und klaren Worten die Eigenart des Festes schilderte, und mit seiner Betrachtung einen lleberblick über die Aufgaben und die Ziele der Agudas Iisroel verband. Des weiteren erwähnte der Redner die schönen Erfolge des Keren Hatauroh und die glänzenden Triumphe der Benos- Jakob-Bewegung. Mit großer Begeisterung sprach Herr Motzen über die Bedeutung der Poale-Agudas-Jisroel, die den Weg zu einem Sozialismus mit der Thora weist. Seine Worte wurden von den Zuhörern mit gespanntem Interesse verfolgt und mit Applaus begrüßt. Man darf hoffen, daß hier die Agudoh für die Vertiefung des jüdischen Lebens und des Thorastudiun:s noch Ersprießliches leisten wird.