Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1931-06-04 · Heft 23 (4.6.1931) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 23 (4.6.1931)
Date
1931-06-04
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450652-2450675--77977-2535637
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 Ni. 11 Der Israelit Vlätter 4. Juni 1931 In der ehemaligen Donaumonarchie. ReiZe-Eindrücke von Wolf S. Jacobson in Hamburg. II. Den großen und nachhaltigen Eindruck der Neutraer Zusammenkunft im Herzen, fuhr ich noch am gleichen Abend nach T o p o l c o n , um hier im Kreis der dortigen Gesinnungsgenossen, deren Ortsgruppe vom dortigen r^r-uircn tn» Oberrabbiner Weiß, präsidiert wird, deren Jugendgruppe sich aus prächtigen, arbeitsfrohen und lerneifrigen D'myx rekrutiert, einen kurzen Tag zu verbringen. Topolcon ist eine der wenigen Einheitsgemeinden — selbstverständlich orthodox — des Landes; die Gemeinde soll über einen großen Stamm baalebattischer nun verfügen, größtenteils Schüler des unter dem Titel seines Werkes vn -o nun bekannten früheren Topolconer Raw Kaleb Schlesinger ‘rst' sie wird von unserem, in Agudo- und r^linn sip-Arbeit bewährten Gesinnungsgenossen David Löwbeer, der sich für den neu zusammenzustellenden Landesvorstand der slowakischen A. I. bereitwillig zur Verfügung >gestellt hat, geleitet. Daß Raw und Roschhakohol hier an der Spitze der A. I. stehen, rechtfertigt die sichere Erwartung, daß eine arbeitende slowakische L. O. hier einen starken Stützpunkt haben wird. Nach eintägiger Ruhepause fuhr ich dann via Neutra, wo die Gemeinde und die mnn korporativ A. I. als cmim nnin beitraten, nach Sure n. Die beiden starken Eckpfeiler der slowakischen Orthodoxie sind ihre und ihre Organisation. Beide sind hier durch markante Führer vertreten; die über 160 mnim umfassende rin’EP des Oberrabbiners Meier Frey soll eine der Musteranstalten des Landes sein — ich konnte mich als Laie nur vom ivpawa, der vorzüglichen Beschaffenheit der Mensa, den reichlichen Portionen, die ausgeteilt werden, überzeugen — eine Anstalt, der ihr Führer fein Kopf und sein Herz geschenkt hat. Der Organifationsgedanke hat hier seinen würdigen Repräsentanten in David Ehrenf e l d, dem Sohn des isiv dem Vizepräses der orthodoxen Landeskanzlei gefunden. In beiden Männern fand ich der Agudo hingebungs- und verständnisvolle Förderer. Der Raw, obgleich er eben von einer anstrengenden Reise gekommen war, wohnte unserer Veranstaltung bei, um so vor seiner Gemeinde und vor allem vor seiner mw Zeugnis abzulegen, wie hoch er die Aguda schätzt, wie entscheidend er sie für die Weiterentwicklung der slowakischen Orthodoxie und ihrer Jugend hält. Novezamky (Neuhäusl), die nächste Etappe, war mir ein vertrauter Ort. Hier hatte ich vor 4 Jahren mein erstes slowakisches Debüt gehabt, damals wie heute aufnahme- und tatbereite Menschen, das lomdische Element der nV'np der Agudoidee aufgeschlossen gefunden. Leider war der Raw, der die Versammlung leiten und ihr somit einen besonders festlichen Charakter hatte geben wollen, durch Unwohlsein hieran gehindert. Sein Schwiegersohn!, Rabbiner Abraham Stern, der s"i der n’rnp' begrüßte in seiner Vertretung, so daß die Agudas Jisroel wohl zum ersten Mal das Vergnügen hatte, durch eine dem Munkaczer Kreise nahestehende, rabbinifche Persönlichkeit in freundlichster Weise angesprochen zu werden. Die agudistische Arbeit in Novezamky wird auch in erster Reche von v'i'»bnides Neutraer Raw geleistet; auch hier darf man sagen: ,m' 38n ran pn ra Dann, ist die Kraft und Leistung der Jungen gut, wenn sie aus Kraft und Leistung der Aelteren, dieser vorbildlichen Ae-lteren, kommen. Am nächsten Tage fuhr ich in die O st s l o w a k e i. Mit diesem Begriff, geographisch und geistig, veretwas Düsterem, Finsteren. In beiderlei Hinsichten mag er sich beruhigten. Geographisch ist das Land —.soweit ich es bereiste — wunderbar schön, die Reife durch Öie Karpathen, und insbesondere durch die hohe Tatra,' ist für den Naturfreund ein erlesenster Genuß, sie zwingt an manchen Stellen aber auch den Weltabgewandten zur Bewunderung: 'K mii v'NSvn v'vV.i! Schneebedeckte Berge, romantische Schluchten, durch die die Bahn sich zwängt — ich habe im Agudodienst doch schon manches Land bereist, die Schönheit der hiesigen Landschaft hält jedem Vergleich stand. Und in geistiger Hinsicht: ich glaube nicht an die Schauermärchen, die man von der Wildheit der Munkaczer Chassidim erzählt; die Menschen, mit denen ich zusammenkam, die jungen Menschen vor allem, sie mögen der Agudo offen oder verschlossen gegenüberstehen, jeder motiviert seine Einstellung in ruhiger und logischer Weise. Daß die..Temperamente verschieden sind, dies soll auch im Westen anzutreffen und besonders in Kampfzeiten klar zu beobachten fein. Ueber nnw und Sonntag war ich in Eperjes (Presow). Daß ich mich dort zuhause fühlte, ist kern Wunder. Der Presower Raw, Rabbi Mansche C h a i m Lau, ist ein alter agudlstischer Vorkämpfer, die Unterhaftung über agudistische Fragen brauchte nur fort g e setzt werden. Und dann S a m u e l Rein e r, seit je der unermüdliche Streiter für uns in der Ostslowakei, ein naher Verwandter des Neutraer Raw ganz Geist von fernem Geist, ganz Temperament von seinem Temperament, Agudist von seinem Agudismus. Die Jugend, mit der o st s l o w a k i f ch e n E x p o s i t u r der V r a t i s l a v a er Inge n d z e n tr a l e betraut, von überschäumendem Tatendrang, neue Besen, die gut, manchmal vielleicht zu gründlich, kehren und die Baalebattim, zum großen Teil des alten Hunsdorfer Raw, die jüngeren auch schon Schüler seines Nachfolgers, unseres jetzigen Frankfurter Raw — in diesem Kreise verlebte ich bei gastfreundlichen Menschen einen schönen „Ruhetag", wenn man so den mw eines seit Jahren erwarteten Agudovertreters bezeichnen kann! Eine prachtvolle Schul, zu der Rabbi Jeschaje Fürst noch den Grundstein gelegt, ein großes sman jpn' die Klaus für die 'mso ini»" Beter, mm YiaVrv komfortable mp»' das Rabbinerhaus mit riesigem Garten, unter dessen schattenspendenden Bäumen an heißen Tagen die nrntP*’ im Freien lernt, um dieses Zentrum gruppiert sich das jüdische Leben der orthodoxen Gemeinde, von deren hunderten von nmn 'bxn nicht einer sein Geschäft am mty geöffnet hat, so daß die Hauptstraße am mw» soweit sie nicht von Promenierenden belebt ist, völlig still.und wie ausgestorben daliegt. Dies ist für den Fremden von um so größerem Reiz, weil gerade am Freitag Markt ist und dann hier ungeheurer Lärm und Trubel herrscht. Die Gemeindeverwaltung ist in ihrer Mehrheit nicht agudistisch — sie besteht aus 60 Herren, so daß auf je 10 Mitglieder etwa ein Repräsentant entfällt, ein Modus, den bei uns manche Gemeinden zur Hebung der Gemeindefreudigkeit nachahmen sollten! — dennoch begrüßte berinpn ptriimfere starkbesuchte Abendversammlung, die den Auftakt bildete zu dem am nächsten Tage veranstaltten O st s l o w a k i s ch e n A g u d o j u g end - treffen, an welchem sich neben vielen Ortsansässigen Freunde aus K a f tfK* u, Hanufovitz, Stropko, Michalovitz, Sebes und — Munkacz beteiligten. Es war eine würdige und eindrucksvolle rrmoK' ein geleitet durch eine herzliche Ansprache . des Raw, ein Organisationsreferat Samuel Reiners und durch ein allgemeines Referat, welches ich über die Agudas Jisroel hielt. Aeußerst interessant war die Debatte, über die schluß über die Situation in der Ostslowakei gibt und manches Mißverständnis beseitigen kann. Man hat in der Ostslowakei — insbesondere in Kaschau — „neutrale" orthodoxe Jugendvereine geschaffen, l unter dem Namenö'naK '"»ja» Ihre Mitglieder sind durchwegs agudistisch gesonnene, feine, fromme Jünglinge, denen der organisatorische Anschluß an Agudas Jisroel unmöglich ist, solange und insoweit die D’bni dieses Landes ihn nicht gestatten. ' ‘ Der Jugendtag sollte über das Verhältnis dieser O'iiaK 'in-Vereine zu rms 'tjtx, beraten. Das Ergebnis der Diskussion wurde in einer Resolution zusammengefaßt, die folgenden Wortlaut hat: „1. An Orten, wo aus religiösen Gründen -— Einstellung des *nnin tnn — Gründung von '"n 'i'vs -Gruppen unmöglich ist, soll die orthodoxe Jugend in Ln'iwn 'in zusammengefaßt werden. Wo diese Behinderung wegfällt, sollen unverzüglich '"H 'i'z?ir-Gruppen gegründet werden. 2. Die dri »rr '12 erklären ihre wohlwollende Neutralität gegenüber der Agudas Jisroel, mit der sie das gemeinsame Ziel Tmn> nwV aiDsn und die gemeinsame Ablehnung des Zionismus verbind>et. 3. Es wird eine „orthodoxe Arbeitsgemeinschaft der Ostslowakei" geschaffen, in welche '"n und O’jiek 'in je zwei' Vertreter entbindet sich für den Westler die Vorstellung von ausführlicher berichtet werden soll, weil sie Auf- Der „Hauptkampf" entbrannte um die Orte, wo, dank der bisherigen Untätigkeit der Agudas Jisroel — sprechen wir es nur aus: ima iiawx — bereits D'n»K '12-Vereine gegründet wurden, wo aber der rrnnnn rrn» gegen die Gründung von '"N ’Tyx -Gruppen nichts emzuwenden hätte. Man einigte sich auf ein Kompromiß: diesen r^'iiarr '12 bleibt die freie Entschließung Vorbehalten, eine Beeinflussung durch zentrale Agudoinstanzen auf sie hat jedoch zu unterbleiben. Wir haben diese Resolution im Wortlaut gebracht, weil es mir als «ein Unrecht erscheint, diese Neutralität, wie es schon geschehen ist, mit dem in einen Topf zu werfen, was man in Deutschland und anderswo darunter versteht. Das ist keine Neutralität, die mit „rechts" und „links" gleichzeitig kokettiert; gegen den Zionismus ist der Standpunkt deut l i ch abgeenzt; man nimmt keinen Zionisten auf, sie ist nur das Mittel, den organisatorischen Zusammen-' schluß jener Jugend herbeisühren zu können,' der, wenigstens zunächst, durch die Einstellung ihren geistigen Führer dieser Zusammenschluß i n n e rh a l b der A. I. versagt ist. Diese LH'iwrr '13 sind auch keineswegs etwa eine Munkaczer Kampftruppe gegen Agudas Jisroel, vielmehr etwa gleichen sie — um ein deutsches Beispiel anzuführen, — dem Nürnberger D'mm maprv der zur „gegebenen Zeit" in der A. I. I. O. aüfging. psn riNi |»t und nichts wäre verkehrter als gewaltsam auf Menschen einwirken zu wollen, die von sich selbst offen bekennen: „Wir sind agudistisch gesonnen, am organisatorischen Anschluß hind ert uns die Liebe zu unserem Raw,. dessen Wort uns heilig ist." Mir scheint, d>aß dies durchaus agudistische Mentalität ist (oder doch, sein sollte!). Was nun die Einstellung des mmn rn» anlangt, so benutzte ich den freien Vormittag, den. K a s ch a u e r R a w , Rabbi Scho u I Bra ch zu besuchen, um von ihm zu hören, wie er zur Agudas Jisroel steht. Es steht fest: Der Kaschauer Raw ist durchaus kein Prinzip i e l l e r Gegner ü e r A g u d a s Jisroel, obgleich er jede fix" Arbeit, die über eine Förderung des alten 2Nv' hinausgeht, ab lehnt. Er hat sich wiederholt von der segensreichen Wirkung des Agudogedankens auf die Jugend in der Westsiowakei, in Wien und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.