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Der Israelit · 1931-05-21 · Heft 21 (21.5.1931) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 21 (21.5.1931)
Date
1931-05-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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•:"Tj - v i Aus\XJeff un(f JLekc DlluslVierle Beilage zumj(llsraelif denen Säulen geschmückten und mit einem seidenen, gestickten Stoffvorhang behängten Oron hakodesch, der über sich auf einer Kartusche die JnsihÄft tragt: „Keser thorah". Oesfnet man den Schreins so schimmern uns auf seiner Rückwand. leuchtende Sterne entgegen, und die Innenseite des Schreindeckels schmückt eine bunte Blumenoase und das: „Höre Israel, der Ewige, unser G'tt, ist einzig." Ueber dem Schrein wölbt sich ein von zwei Löwen gehaltener, dunkler Baldachin, der in reichem Faltenwurf krach unten sich verliert. Auf der einen Baldachinseite grüßt uns der alte, Eine kulturhistorische Synagoge in Franken. Bon Leopold Godlewsky in Amberg. (Mit 2 Bildern.) Das Stadtmuseum zu Bamberg beherbergt seit einigen Jahren eine besondere Sehenswürdigkeit, ein kunstgeschichtliches Kleinod, die frühere Synagoge von Horb am Main (bei Lichtenfels). Es ist eine von den drei j ehrwürdige Neumondssegenspruch, auf der anderen die Scheunensynagogen Frankens mit Tonnen-(Segment)-Gewölbe, wovon die andere, die von Kirchheim (bei Würzburg) im fränkischen Luitpold-Museuni in Würzburg untergebracht und die dritte in Bechhofen (Mittelfr.) noch in Benützung ist. Diese letztere steht unter Denkmalschutz und wurde vom Bayrischen Generalkonseroatorium in München kurz vor dem Kriege unter staatlicher Aufsicht neu renoviert. Eine vierte ähnliche Synagoge wurde vor nicht langer Zeit in Kolmberg (bei Ansbach) entdeckt, deren Wandgemälde jedoch nur einen Teil der Synagoge einnehmen. Die frühere Synagoge in Horb ist bereits seit ca. 70 Jahren außer Benützung. Sie diente lange Jahre bis zu ihrem Abbruch (1910) einem Bauern als Heu- und Strohmagazin, bis der verstorbene Bezirksrabbiner Dr. Goitein aus Burgkunstadt das Bezirksamt Lichtenfels auf dieselbe aufmerksam machte. Der im Weltkrieg gefallene :;! gewerbliche Zeichenlehrer; | Droäfcher aus Küps, ein Künstler in i feinem Fäche, stellte nach sorgfältig-; ster Abtragung der übertünchten KalkH schickst eine' vollständige Aquarellzeichnung her, welche nach der Ueberführung der Synagoge in das städtische Museum in . Bamberg bei der Renovierung als Vorlage diente. Nun prangt sie in ihrer eigenartigen Konstruktion in neuem, farbenprächtigem Bilde und repräsentiert einen stimmungsvollen Raum, der den Besucher zur erbaulichen Letracytung arrregt. Gewiß war es eine rettende und hochverdienstlichs Tat, als diese des Lichts und aller Würde beraubte, trauernde und klagende Synagoge, deren seltenes und eigenartiges Gewand durch den Zahn der Zeit immer mehr einbüßen und dem Zerfall unrettbar entgegen gehen mußte, durch warmfühlenden, religiösen, künstlerischen und hochherzigen Sinn heute unserer Nachwelt erhalten blieb. Unterziehen wir nun diese Synagoge einer eingehenden Betrachtung. Auf der Nordseite ist der Zugang für die Männer, die in einen reich mit Arabesken, Blumen und Tierstücken bemalten, mit hebräischen Sprüchen aller Art in herrlicher Schrift ringsum ausgestatteten Betsaal eintraten, während die Frauenschule außerhalb sich befand, durch dichte Fenstergitter geschieden mit besonderem Zugang. Lehmwände mit Hölzfachwerk reichen bis zu einem wohlgeformten, mit Holzrippen bekleideten Tonnengewölbe. Bis auf Meterhöhe vom Fußboden weg ist alles bemalt oder mit sauberen, künstlerisch geformten hebräischen Schriftzeichen beschrieben. m Am Grade des Navvr Schimon den Zochai itt Meron. (siehe Aufsatz „Lag beomer-Bilder aus Meron" ln Nr. 18 des Israelit Seite 14) stellen, wie er in dem wiedererstandenen Jerusalem zum großen Hallu.^d Jubeljahr wieder erklingen soll., An den beiden Längsseiten ms zum Gesims waren Psalm- und Talmudsprüche zu finden, z. B.: „Wirf auf den Ewigen dein G'schick, er wird dich versorgen. Er wird ewiglich nicht wanken lassen den Gerechten." (Psalm 55, 2-3) oder: „Wer dies sagt, daß der Name G'ttes gepriesen sei, dem wird kein Hebel begegnen." Auch findet sich da nochmals die vorhin bereits berichtete Wandinschrift vom Erbauer der Synagoge, der hier Elieser „Sußmann" sich nennt. Links vom Eingang steht der hölzerne, roh geschnitzte Opferstock und darüber in einem Medaillon die Talmudinschrift: „Eine Gabe im Geheimen bedeckt den Zorn G'ttes" und darüber: „Säet euch Gerechtigkeit und erntet Liebe" (Hofea 10, 13.) Weiter rechts steht zu lesen: „Der Mensch sorgt nur um den Verlust seines Geldes, aber nicht um den Verlust seiner Tage. Das Geld nützet ihm nichts, aber seine Tage kehren nicht zurück." — Aus dem farbenreichen, gekohlten Holzgesims lesen wir die Inschrift: „Alle Pforten sind geschlossen einem, der von Dir gefallen ist, darum soll der Mensch demütigen Herzens sich begeistern, als würde er weiden zur Zeit seines Gebetes, jedenfalls als wenn er weinete (d. h. in Freud und Leid)." — In der Mitte der Scheitellinie findet sich ein Medaillon mit der Inschrift: „Es soll die Herrlichkeit dieses, letzten Hauses größer werden, denn des ersteren gewesen ist und ich will Frieden geben an die- . Jen Ort," (Haggal 2, 10.) Und in kleiner Umschrift findet sich das Wort: ^„Der Himmel allenthalben ist des Herrn, aber die Erde hat er den Menschen gegeben." (Psalm t15, 16.) Ueber die ganze Decke bis zum Gesimse ziehen sich stilisierte, farbige Blu- . men- und Fruchtarabesken, zwischen welchen eine buntgemengte inländische bedeutsame Inschrift: „Die ganze Arbeit ward vollendet, j und ausländische Tierwelt sich findet neben einigen sagenwelche verfertigte Elieser, der Sohn des Rabbi Salomo, haften-symbolischen Figuren. Vögel sitzen in dem Ge- Ein frommer Priester, welcher (fertig-)stellte das Haus j zweig und Geranke und hacken meist an Früchten oder des Ewigen und seine Frau Recht«, die Tochter Blättern. Pfau, Storch, Hahn, Taube, Fasan, Papagei, des Jona, am Dienstag den 18, Ab 1727. Ich habe Pelikan, Geier, Eule sind da zu sehen, oder Kaninchen, Dir erbaut eine Tempelstätte für Deinen Wohnsitz Hasen, Katze, Hirsch, Reh, Fuchs, Wolf, Bär, Löwe mit in Ewigkeit." j melonenartiger Frucht im Rachen, Elefant Mit Haus Auf der Westseite sehen wir eine blumengeschmückte auf dem Rücken, Pferd, Zebra, zwei Sphinxen, Greis, Krone, die einen sich öffnenden Baldachin abschließt und Eichhorn. Ein Malerscherz findet sich auch: drei Hasen von zwei schofarblasenden Löwen gehalten wird. Diese - in verschiedenster Stellung, jeder mit zwei Ohren und flankieren ein großes Medaillon, in welches der Lobdoch insgesamt nur mit drei Ohren,'oder zwei Störche, preis aus Psalm 98, V. 6 und 7 eingeschrieben ist,! die sich graziös umschlingen, oder auch zwei Hähne, die in mährend sich einzelne Pflanzen-Arabesken emporranken, sehr packender Stellung aus einander lossahren wollen. Links taucht vor dem Auge des Beschauers das wieder-! Ueber der Eingangstüre findet sich der alte deutsche erstandene Jerusalem aus in Form einer torbewehrten,! Reichsadler, unter dessen Schutz, auch die Kultusstätte sich mauerumschlossenen, türmereichen, mittelalterlichen Stadt,! begeben hat. Kehrt das Einhorn so häufig wieder, so in deren Mitte der Tempel mit großer Kuppel sich er-! erinnert dies an den herrschaftlichen Schutz der zustänhebt. Rechts sind neben Lobsprüchen auf den gnädigen: feigen Herren von Redwitz mit dem Einhorn als Helm- G'tt die Psalmen als dem Zeichen des Siegesjubels und 13ier ihres Wappens. Bloße Willkür herrscht in dieser des Triumphe! wahrzunehmen, während über den Lö-1 Siergruppterung ganz gewiß nicht, weil unsere alten wen links und rechts zwei große Schofarhörner die . Meister viel zu sinnig und innig waren, und zumal bei Wand ichmücken und selsamerweise im Rankengezweige'dieser ganz eigenartigen Synagogendekoration, die sonst ein Fach '- eine Gans im Maule trägt. Wohl mag dies äußerst selten nur Bilder von Blumen, Palmzweigen eine Erinnerung an Klagelied Jeremias 5, 18 sein, wo und vom verbrannten Tempel in Jerusalem zuließ (nach .der Schmerz zum Ausdruck kommt, daß der Berg Zion I. Ehr. Wagenseil, „Zur Geschichte der Kunst in den Wir blicken nach Osten und sehen den ln die Mauer fo wüste liegt, und die Füchse darüber laufen. Sonst Synagogen" von David Kaufmann, ist dies um so wenieingelassenen, einfach geschnitzten, vormals mit gewun-Holl wohl in dieser Wandmalerei der Jubel sich darger zu erwarten.) i. ■

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