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Der Israelit · 1931-05-21 · Heft 21 (21.5.1931) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 21 (21.5.1931)
Date
1931-05-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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21. Mai 1931 Nr. 21 5. Siwan 5491 kl» Centralorgan für das orthodoxe Judentum (((JöI III Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. lll 1 Monnemeut ab Juli ISA: Deutschland 1.30 Mark monaüich: Au-^l-and: Blerteljcchrpreise^ (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zmüglich Kosten desStreifband-Ver-- sandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.37. Belga 6.; Holland 3 ff.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Jugo» slavien 55 Din.; Litauen 7ü0 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 16V Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz s Fr; Tschecho-Slowaket 88 Kronen; Ungarn Pengo 6 ab 1. 2»li 1927; Dänemark 3.5V Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. ■ Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 6V Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahle» bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Tertseite 3.— Mk., vorletzte Tertseite 35V Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnferataufträgen tartfm. Preiserhöhung jeder, Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Berlag des Israelit G. m. o. H., Frankfurt a. M , Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa 31084 fow. durch sirmtl- Annoncen-Erped. d. In» und Auslands. Alleinige Lnferatenann. für Franks. Geschäfts««».: Jul« Schmidt, Hölderlinstraße 25 Tel. 45868, Platzvorfchr. ohne Berbindlichk. Zahlungen direkt an den Berlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19843. — Autzerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79605. — Postsparkassenrmt Budapest Nr. 18434. —Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. 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Er sieht alle Religionsgemeinschaften als Hilfskräfte der ihm feindlichen Staats- und Wirtschaftsform, des Kapitalismus, an, und infolgedessen unterbindet er alles religiöse Erziehungswesen und entrechtet alle Religionsfunktionäre mitsamt deren Kindern. Es mag begreiflich sein, daß zur Abwehr dieser-Gewissensnot die Getreuen des Judentums bei denen der anderen Glaubensgemeinschaften ein Trutzbündnis suchen, und begreiflich, daß sie es meist auch finden. Es ist ein erhebendes und tröstliches Zeugnis für die Unwirksamkeit der Verhetzung Unter den Edlen der Völker, daß sie auch in der heutigen Zeit über Haß und Neid nicht die gemeinsamen Kämpfe um Ewiges vergessen. Doch diese an sich nötige Zusammenarbeit mit den anderen Bekenntnissen hat ihre Grenzen, die wir nicht ohne Schaden überschreiten können. In den kirchlichen Organismen ganz Europas, insbesondere des Nordens, auf den es hier ankommt, hat die Staatsmacht eine leitende Funktion. Die Kirchen haben gar oft, ohne Rücksicht auf den Opfermut, der die Hauptlehre ihrer Gründung war, sich zum Stützen innerlich abgewirtschafteter Staatssysteme bereit gefunden, und sogar tm Wortlaut ihrer Proteste gegen den Sowjetstaat machen sie kein Hehl daraus, daß sie auch -in Angelegenheiten des Volkslebens vergangenheitsgebunden sind. Sie segneten Thron und Altar, Kriegsfahne und Schwert. N i ch t alle Kirchen und nicht einmal alle führenden Vertreter l jeder Kirche haben fo gehandelt. Aber groß ist in der Kirche nicht der Einfluß derer, die dem Ätufe nach religiösem Pazifismus und Sozialismus gefolgt sind. Auch unser Weg kann nicht dieser sein. Unsere Stimme muß Jakobs Stimme bleiben, des friedlichen Zeltbewohners, und die Hände zu blutigem Tun und Drohen mag- Efav .erheben/ Auch wir müssen gegen die Abschnürung aller G'tteslehre in Rußland protestieren. Aber in unserem Protest darf nichts von den außerreligiösen Dingen zu lesen sein, zu deren Konservierung sich außerjüdifche Bekenntnisgemeinschaften berufen fühlen. Und nicht nur das: Er darf gemeinsam auch nur mit den Protesten derjenigen religiösen Gemeinschaften erschallen, die den echt der G'tteslehre entsprechenden Prinzipien des religiösen Weltfriedensstrebens in der inneren und äußeren Politik nie Zuwidergehandelt, sondern sie aufs Tatkräftigste unterstützt haben. Keine Meinung ist. ein gefährlicherer Irrtum als die, daß die Staatsverfassung! der Sowjets an sich mit den Eigentumsbegriffen der Thora, auch des noachidifchen Gesetzes, nicht in Einklang zu bringen sei. Mit Leichtigkeit werden sich kleine und große Verstöße solcher Art in jedweder Staatsverfassung aufzeigen lassen, wenn man sie sucht, und gewiß.sind vor allem davon die Verfassungen großer, bekenntnismäßig nicht festgelegter jüdischer Gemeinden auch nicht frei. Das allein darf aber keinen Grund abgeben, aus religiöskD Gründen die Verfassung der Sowjetstaat-en anzufechten. Bedenklicher ist es schon, daß das eheliche geordnete Leben von den Sowjetbehörden ist ihren Verwaltungsmaßnahmen nicht eben gefördert, ja daß es durch mancherlei Schikane, maßlos -erschwert wird. Um aber wirksam und ohne den einzigen Erfolg einer Hohn- Antworf auf diesem Gebiete protestieren zu können, . müßte man doch zuerst auf ein Familienleben im Westen hindeuten können, das wenigstens in feinen Grundfesten unerschüttert wäre. Unsere grausamsten Richter werden vielleicht in einer günstigeren Zeit nicht die Sowjetbehörden, sondern unsere Kinder sein. Die Furcht um das Teuerste, was wir haben, um unseren ganzen Daseinszweck, um die Fortvererbung der Jüdischkeit unserer Ahnen auf unsere lieben Kinder hat gewiß manchen jüdischen Vater blindlings in die Reihen der kirchlichen Protestler getrieben, die es z. T. doch ebenso bitter ernst meinen; mit dieser Einstellung jüdischer Eltern und Gemeinschaften sollten daher auch die einseitigsten Sowjetverehrer ein menschliches Einsehen haben. Aber sind wir vor unseren Kindern „jäuze" damit? Sind wir „jauze", wenn wir ihnen in praxi in unseren Kreisen nicht das jüdische, sondern das europäische Znius und Familienleben vorführen, bei dem sich bekanntlich „niemand etwas Unreines denkt," — und aus dem jüdischen Sittenkodex nur—einen Protest gegen Rußland?! Man denke sich, die Proteste haben Erfolg und die unschöne, auch den religiös weniger Interessierten abstoßende atheistische Propaganda nähme ein Ende; was wäre das Resultat für unsere Kinder? Geheuchelte Europa-Moral auf der einen, vergoldete und polierte sowjetistische Familienauflösung auf der anderen Seite; eine schwere Wahl. Wir haben ein kurzes Gedächtnis. Als Preußen 1901 die Lehrpläne „vaterländisch revidierte" und damit eine geistige Volkseinengung und Staatsverkirchlichung anbahnte, wie sie vorher nie gesehen wurde, haben Juden geschwiegen und nur die Fuldaer Bischofskonferenz hat ein mannhaftes Wort gesprochen. Das haben wir jetzt gutzumachen, indem wir die russische Religionsverfolgung nur mit denen gemeinsam bekämpfen, die es ernst mit dem religiösen Protest meinen. Um des Lebens und der Jüdrschkeit unserer Kinder willen haben wir dem russischen Staat als solch e m mit Achtung zu begegnen. Es gibt ja nicht einmal ein Thoragesetz, das den jüdischen Staat aus irgendwelche Verfassung festlegen würde. Wenn du dir einen König einsetzst, um den Völkern straff geeinigt gegenüberzustehen, so sei es einer deiner. Brüder. Monarchie, Republik oder Sowjetsystem, — darüher gibt es kein Thorngefetz. Aber Redlichkeit und Aufrichtigkeit, j Folgerichtigkeit und Dankbarkeit auch gegen die außerjüdische Gemeinschaft, sofern sie uns leben läßt, — das ist ein Thoragesetz. Es gibt keinen Anlaß für einen redlichen Juden, der Kirche feines Aufenthcrltslandes anders als mit Achtung zu begegnen. Aber ihre weltlichen Ansprüche sind nicht die unsrigen. An sich ist die jüdische Gemeinschaft auch im Russenreiche nicht so zahlreich und gefestigt, daß sie ein lohnendes Kampfziel der Sowjets bilden könnte. Erst durch unsere laute Solidaritätserklärung mit den wirklich großen Kirchenmächten und ihren Ansprüchen werden 4ptr zu einem solchen Kampfziel. Uns kann zügerufen werden, was Jesaja (51, 12) über die damaligen jüdischen Machtjpolitiker aussprach, die ein Bündnis mit Aegypten wünschten: „Wer bist du, daß du dich fürchtest?"'Wie dürfen wir uns für ein lohnendes Kampfziel verheerender Weltmächte halten und zu deren Abwehr Bündnisse mit anderen Kulturmächten schließen, deren Stunde gleichfalls geschlagen hat! „Da strauchelt der Stützer und stürzt der Gestützte." Stellen wir lieber unser Gemeindeleben beizeiten auf Klein und Arm um. if P Jt

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