Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1931)
- Date
- 1931-05-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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setzung ist bei einem religiös geachteten und geistig hoch- Anlage eingefunden, um an der Generalversammlung stehenden Beruf, daß der Inhaber desselben so bezahlt! des Vereins teilzunehmen. Ein UeberblÄ über die Reiwird, daß nicht die Sorgen des täglichen Lebens seinen hen der Anwesenden zeigte, daß etwa 16—20 orthodoxe Geist trüben und seinen ehrlichen Willen hemmen und Lehrer den Anschluß an den Verein noch nicht gesucht bannen. Ern großer Fehler herrscht in dem (Bebauten.;unb in der Xatfadje, daß, weil vor dem Kriege unser Beruf schlecht bezahlt war, wir heute „königlich^ besoldet werden. Es paßt mir ebensowenig, mir ein Urteil über die Praktiken meiner Behörde auszusprechen wie auch über unsere Besoldung öffentlich zu sprechen; es würde mich tatsächlich in meiner Achtung vor mir selbst, in meiner Achtung vor dem Oberrat der Israeliten Badens beschämen. j'j Nachdem abet leider, leider die Oessentlichkeit sich mit unserer Angelegenheit beschäftigen muß, kann eine sachliche Aufklärung nur besänftigend wirken und gewisser Schärfe den Stachel nehmen. Es muß und darf hier nicht unausgesprochen bleiben, daß,»während die bayrischen und württembergischen Lehrer voll und beinahe gang den Volksschullehrern gleich gestellt sind, wir badischen Lehrer weit, weit hinter ihnen Zurückbleiben müssen. — Weil wir früher hungerten darbten, soll auch heute unser Einkommen beschnitten werden! Weil auch schon früher wir nicht die nötige Wertschätzung erfuhren, soll sie auch heute uns nicht werden! Das Motiv hierzu kann ich nicht finden, ich kann es mir nicht ausdenken, es ist mir, mit wenigen Worten offen ausgedrückt, nicht möglich, mir zurechtzudenken warum gerade unsere geschätzte badische Behörde den gerechten Maßstab für unsere Anerkennung nicht finden kann! — Wenn der Preußische Landesverband seine Lehrer nicht auskömmlich besolden kann, so ist es leichter von ihm zu verstehen, der noch nicht fest auf seinen Bsinen stehst wenn! aber unser verehrter Oberrat trotz Beschluß der Synode unsere Rechte nicht wahrt, nicht für uns eintritt, das mag ein anderer verstehen, wir Lehrer sind darob noch mehr als erschrocken. Und wenn diese Behörde, anstatt das Unrecht an uns gutzumachen, neues dazu häufen, unsere ganze Einstufung aufgeben, aufheben will, dann ist der Notschrei jenes Lehrers im Familienblatt wohl zu verstehen. Die Angst vor einer grauen Zukunft, das verletzte Ehrgefühl, nicht verstanden, nicht gewürdigt zu werden, mag dem Kollegen in einem schweren Moment die Feder, vielleicht gegen seinen Willen, in die Hand gedrückt haben. Denn vor nicht allzulanger Zeit brachten sowohl das Familienblatt als auch, der „Israelit" in ihren „Lehrerbeilagen" die Nachricht, daß der badische Oberrat endlich seinen Lehrern gerecht werden wolle, bezw. ein gerechtes Beamtenrecht derselben geschaffen habe usw. usw. O bittre Enttäuschung! Der badische Lehrer ist gewiß nicht undankbar gegen seine Behörde, er bringt ihr gerne seinen Dank, seine Anerkennung entgegen, weiß er doch, daß es heute keine kleine Aufgabe ist, Leiter einer großen jüdischen Gemeinschaft zu sein. Wenn er aber schon jahrelang, jahraus, jahrein um seine Existenz, um seine Rechte, seine Selbständigkeit kämpfen muß, dann muß ein gewisser Verzweiflungsschrei in die Welt dringen, so traurig, so deprimierend auch diese Tatsache uns seelisch drückt. Die Synode will uns helfen — und der Titl. Oberrat reagiert nicht darauf. Wir badischen Lehrer sind heute schon längst nicht mehr unterbeschäftigt, um 10 und 15 Proz. Abzüge ungerecht erdulden zu müssen. Es gibt Lehrer, die 4 und mehr Filialen außer ihrer Gemeinde versehen müssen. Wir nehmen recht gerne noch viel mehr Arbeiten und Lasten auf uns, um der badischen Landessynagoge zu dienen. Wir möchten aber unfern verehrt. Oberrat bitten, gehört zu werden und gewisses Unrecht gegen uns gutmachen zu wollen. Warum sollen uns in unseren Abzügen Nebeneinkommen, berufliche Nebenverdienste vorgetäuscht werden, wo doch heute die Schechito fast nicht mehr existiert, wo doch ferner in einer solchen wirtschaftlichen schlechten Zeit von Nebenverdiensten nicht mehr gesprochen werden kann! Will man denn uns „Beamten" das wirklich nicht hohe Einkommen, das sich in den Grenzen zwischen 3—5000 bewegt, nicht gönnen! Das sind Existenzminima, die eine Familie, die ihrem Stande Rechnung tragen will und muß, unbedingt zum Leben braucht, und gewiß zum „rituellen" Leben. Und es gibt heute unter den badischen Lehrern — es muh offen ausgesprochen werden — ergraute Männer van 60 Jahren, die nicht einmal ein'Gehalt von 4000 Mk. erhalten! Wohl kann man in geordneten, normalen Verhältnissen damit bescheiden leben, wenn aber anormale Verhältnisse, G'tt behüte, eint'reten sollten! Und dann!? Wann endlich wird man den Religionslehrern gerecht werden und ihnen das nicht weiter vorenthalten, was man in Baden den Herren Rabbinen schon längst gewährt hat — die angemessene Behandlung! . Ein badischer Lehrer. haben. Die Dringlichkeit eines Zusammenschlusses aller frommen Lehrer in Hessen zwecks Förderung der besonderen. orthodoxen Belange war von mehreren Seiten hervorgehoben worden. Es ist dies um so notwendiger als die Behandlung rein religiöser Fragen statutengemäß im Allgemeinen Israelitischen Lehrerverein Hessens aus geschlossen ist und ausgeschlossen bleiben muß. Dem Wunsche der Versammlung Rechnung tragend wird sich der Vorstand rpit allen noch „Fehlenden" in Verbindung setzen, um eiste geschlossene Reihe der im Sinne und Geiste der Täüroh wirkenden Lehrkräfte zu erhalten. Da der verdienstvolle 1. Vorsitzende. Sulzbacher-Groß Biberau nach Nürnberg verzogen isst übernahm Kauf mann-Sprendlingen an diesem Tage den Vorsitz. Nach dem im vergangenen Vereinsjahre drei hochgeachtete und wertvolle Mitglieder leider verstorben (Lebermann und Lippmann, Darmstadt, und Oppenheimer, Mainz) so wurde ihrer in ehrenden Worten gedacht. Von tiefer Wehmut waren alle Anwesenden ergriffen, als unseres Ehrenvorsitzenden Lebermann s. A. besonders gedacht wurde. Er war der unermüdliche Vorkämpfer des hessischen Lehrerstandes. Mit seinem Scheiden ist ein unersetzlicher Verlust in unsere Reihen gerissen wordem Sein Andenken wird unauslöschlich in unserer Mitte erhalten bleiben. Wie könnten wir ihn besser ehren, als sein Werk zu erhalten, zu erweitern und auszubauen und in sei nem Sinne für mwx pirn zu arbeiten! Herr Redakteur Schachrwwitz hatte die Güte, die Versammlung mit einem ausgezeichneten Vortrag über den Maharil zu erfreuen. Seine Ausführungen zeigten den glänzenden Forscher, den fesselnden Redner und den begeisterten Kämpfer für das thoratreue Judentum. Seine Worte wirkten auf die Versammlung anregend und befruchtend. Da sich Herr Schachnowitz zu einer Führung durch die alten jüdischen Sehenswürdigkeiten in Worm bereit erklärte, so ist der Beschluß gefaßt worden, die nächste Generalversammlung wenn möglich in Worm abzuhalten. An dieser Stelle sei Herrn Schachnowitz nochmals inniger Dank ausgesprochen. Bei der Neuwahl des 1. Vorsitzenden wurde Kahn, Höchst einstimmig gewählt. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion darüber, ob die Mitgliedschaft zum „Unabhängigen Verein" dazu verpflichte, auch Mitglied beim „Bund" zu werden. Gemäß Antrag Kaufmann-Schotten bejahte die Versammlung dies. — Es muh festgest'ellt werden, daß die diesjährige Generalversammlung harmonisch und anregend verlief, so daß alle Teilnehmer überaus befriedigt waren Für die im nächsten Jahre stattfindende Versammlung übernahm der Unterzeichnete Schriftführer ein Referat über das Thema: Sexualethik, Jugend und Judentum. A. Bick, Michelsladt. 5. und 6. Arbeitskonferenz im 1. Pflegschafksbezirk jüd. Lehrer in Schlesien. Am 15. Februar kamen die jüdischen Lehrer aus dem 1. Pflegschaftsbezirk in Dittersbach b. Waldenburg zusammen. Zuerst kam der neue Minimal-Lehrplan, den Wieser-Waldenburg im Aufträge des Vereins entworfen hatte, zur Besprechung. Zu diesem Zweck war auch der Vereinsoorsitzende Moops-Breslau anwesend. Die nötigen Aenderungen wurden von Wieser und Falkenstein vorgenommen, und letzterer ist nun dabei, die Arbeit endgültig fertig zu stellen. Brock, Schweidnitz, hielt einen Vortrag über die Entwicklung unserer Gebete. In vollendeten Ausführungen schilderte er die Entstehung und Bedeutung unserer Gebete und weckte reges Interesse, o daß sich, eine lebhafte Diskussion entspann. Dann! 'olgten aus dem Kizzur Schulchan Aruch die Dinim für das Purimfest. Dem aus unserer Mitte scheidenden Rabbiner Dr. Nellhaus, der mit uns kollegial - verbunden war; wurden vom Obmann Falkenstein-Landeshut und von den übrigen Konferenzmitgliedern herzliche Abchiedsworte und beste Wünsche ausgesprochen, wofür Herr Dr. Nellhaus in bewegten Worten dankte. Die 6. Arbeitskonferenz fand am 15. März wiederum in Dittersbach statt. Kollege Freudenthal, Bunzlau, der .erschienen war, hatte sich als Mitglied angemeldet. Zunächst sprachen wir uns über den Stand edr Schächtftage in Schlesien aus und lernten alsdann 1)4 Stunden Mischnah, so daß wir den Traktat Pessachim noch abschließen konnten. Ledermann-Glatz hielt ein Referat über den Talmud. Er verstand es, in knapper Fassung die Bedeutung, den Inhalt und den Geist des Talmuds darzustellen. Ganz besonders gelang es ihm, den hohen Idealismus der Talmudjünger und Lehrer zu zeigen. An der Aussprache nahmen alle Kollegen teil, sowie einige Gäste aus Waldenburg. Nach dem gemeinsamen Mincha- und Abendgebet wurden noch weitere Standes- und Berufsfragen besprochen, bis der Zug 9.20 Uhr die Lehrer aufnahm. Generalversammlung des AnabhSngigen Isr. Lehrer* Vereins im Freistaale Hessen. Eine stattliche Anzahl Mitglieder des „Unabhängige Israelitischen Lehrervereins in Hessen" hatte sich asst '^ Januar ds. Js. im Hörsaale der Synagoge Friedberger teilung der Ferien ein Kunterbunt wie in keiner andern Frage. Während beispielsweise die'großen Ferien in unserm Regierungsbezirk Kassel in den höheren Schulen und in den Volksschulen der städtischen Schulverbände auf den Monat Juli verlegt werdenpreisen die bayrischen Schüler den Monat August und teilweise September als den Monat der Freiheit. In' den rheinischen Provinzen beginnen die Ferien zumeist erst dann, 'wenn sie in denandern preußischen Provinzen zu Ende! sind. Auch die Dauer der Ferien ist in jeder Provinz, in jedem Kreise, ja, in jedem Orte verschieden. Während in einem Bezirke Sommer- und Herbstferien zusammengelegt sind, unterscheidet man in manchen Gegenden,, insbesondere auf dem Lande, Heuernte-, Kornernte-?kund Kartoffelernteferien. Wegen der geschilderten Buntscheckigkeit -der Ferien ist es oen Eltern selten möglich, mit ihren Kindern, sofern dieselben verschiedenen Schulen zugeteilt sind, eine längere Erholungsreise zu unternehmen. Man kann es daher begreiflich finden, daß eine starke Bewegung für Vereinheitlichung der Ferien im Gange ist. Dein Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft pro 1908 bezw. 5669 entnehme ich aus dem ältesten Protokollbuch der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde in Hamburg folgenden kleinen Auszug bezüglich der Ferien bezw. Beurlaubung der Schüler der Talmudschulen: „An den Feiertagen (pascuas festivas) und den Rüsttagen (vesporas) zu denselben sind die Schüler' beurlaubt. An den Mittelfeiertagen (Chaul hamoed) sollen sie nur vormittags zu der angesetzten Zeit kommen,' nachmittags aber beurlaubt sein. An den beiden Tagen Purim "und an einem beliebigen Tage von Hanuca (Chanukoh), am 15. Sebath (es ist dies Roschhaschana des Aroores), am 14. Jjar, welches Pesiach seny ist, am 33. des Homer und am 15. Ab haben sie Urlaub. Sie sollen täglich und zwar im Sommer eine halbe Stunde, > im Winter eine Viertelstunde vor Harbit in! die: Synägotze korNmen, um Psalmen zu lesen. An den ersten Tagen der Landes-! feste, nämlich Ostern, Pfingsten und Weihnachten wird ihnen Urlaub gegeben." Diese Ferienverfügung stammt aus dem Jahre 5412 (1652). Von eigentlichen Ferien, wie in unseren modernen Schulen, ist hier keine Spur. Lediglich die Feiertage, Rüsttage zu denselben und die Halbferertage, zum Teil, waren als schulfreie Tage freigegeben, im ganzen 29 Tage im Jahre. Unsere glückliche Jugend verfügt über die dreifache Anzahl Ferientage. Allerdings kannte man vor 300 Jahren noch keinen Elternbeirat, keine Schulärzte und keine moderne Hygiene, die sich für unsere jugendliche Pflanzen in die Schanze warf. Wenn momentan die Bestrebung am Werke ist, die Sommer- und Herbstferien zusammenzulegen, wenn unsere Aerzte für eine lange Ruhepause eintreten, so geschieht dies nur im Interesse der Gesundheit der Lehrer und Schüler. Man hofft, daß eine längere Ruhepause 'ür solche gesundheitlich wert wirksamer sei, als die öfteren und verkürzten Ferien. Es wäre wohl auch am Platze, daß bei der geplanten neuen Ferienordnung die religiösen Belange der zumeist rn christlichen Schulen eingeschulten jüdischen Schulkinder gewahrt werden. Es muß gefordert werden, daß die jüdischen Schüler an allen Hauptfeiertügen und auch am Fasttage des 9. Aw vom Schulunterrichte ohne weiteres befreit werden. Mögen unsere Rabbiner-, Gemeinde- und Lehrerverbände an maßgebender Stelle in diesem Sinne vorstellig werden. Freudenberger, Flieden. Vücherbesprechung. Iwri onauchi, illustr. hebr. Fibel. Von M. Stengel. Verlag Josef Bels/ Wien I. Inst Verlag Josef Bels, Wien, ist eine neue illustrierte hebräische Fibel erschienen, die einem seit Jahren in Oesterreich fühlbaren / Mangel abzuhelsen geeignet ist. Herausgeber ist der Verfasser össr bisher in Wiener Schulen jahrzehntelang unverändert geführten nnrr ^p-Fjbel. Nunüiehr ist endlich auch in Oesterreich der Anfang/gemacht, die Lehrbehelfe des jüdischen Religionsunterri'chtesim Sinne der Schulreform zu modernisieren. Besonders begrüßenswert ist es, daß diese Neuge- 'taltung beim Alesbethschützen einsetzt. Die sonst öden, langweiligen Leseübungen verwandeln sich an Hand der kindlichen Geisteswelt entlehnten Bilder in lebensprühende Unterhaltungsszenen. Der Lesestoff in Verbindung mit Schistuck und Druck haucht der Fibel Lust und Liebe am Lernen ein. Er knüpft lebendige Sprachbeziehungen an religiöse Ereignisse in Freud und Leid und' bietet der sittlichen Lebensgestaltung wertvolle Dienste. Vorteilhafter wäre vielleicht, den Inhalt mehr dem Jdeenkreis und Sprachschatz der Bibel anzupassen. Mitunter sind Bilder und Vokabeln nicht ganz rindertümlich gehalten. Auch das pnv sollte schon früher beachtet werden. Abgesehen von diesen geringfügigen Mängeln, .die bei der bevorstehenden Neuauflage behoben werden dürften, wird dieses Werk des altbewährten Pädagogen von allen, Lehrern und Schülern, herzlich begrüßt werden. Eine alte Ferienordnung. . Zugleich ein Vorschlag zur nächsten Ferienordnung. Seit einer Reihe von Jahren ist die Lage der Ferien Gegenstand von längeren und kürzeren Erörterungen in den pädagogischen Fachzeitungen der meisten deutschen Bundesstaaten. „Und es siedet und es braust ÄNd es zischt". In der Tat herrscht bezüglich der Ein- Wir danken! stDie Teilnehmer an ibett Lehrer-Schiurim des Herrn Rabbiner Wassermann in Darmstädt sprechen ihm anläßlich seines Weggangs ergebensten Dank aus und wünschen ihm für seinen neuen Wirkungskreis herzlichst r Die iw-Teilnehmer.