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Der Israelit · 1931-04-30 · Heft 18 (30.4.1931) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 18 (30.4.1931)
Date
1931-04-30
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Der Israelit 11I 1;!'!' 7. Mai 1931 Nr. 19 Seite 5 setzung des BllMtotages und damit die Erzwinaung der Feder «des Sabbats inmitten der •allgemeinen Arbeitswoche nicht nur für uns Juden, sondern auch für unsere Umgebung die Ursache der größten Verwirrung sein würde. Korrespondenzen « ßacbricbten. Deutsches Reich. Schmittoh SSS1. Frankfurt a. M., 4. Mai. Die Pälästina-Zentrale der Agudas Jisroel hat an die jüdischen Kultusgemeinden mit Rücksicht auf das laufende Schmittoh-Jahr und die dadurch bedingten wirtschaftlichen Schwierigkeiten derjenigen Kolonisten, welche das Schmittoh-Jahr halten, das Ersuchen gerichtet, den Erlös aus Mizwotverkauf und Thora- Spenden am kommenden Sabbat, den 2 3. Jjar, deffen-Sidrä durch das Schmittoh-Gebet eingeleitet wird, dem Schmittoh Fond zu bestimmen. Abgesehen von dem materiellen Erfolg, wird auf diese Weise auch der Schmittoh- Gedanke in seier tiefen Bedeutung, auch in der Diaspora wieder lebendig, daß G'tt der Eigentümer des Landes ist, und jüdische Menschen nur dann in diesem Lande leben können, wenn sie sich diese Tatsache zum Bewußtsein bringen. Eine Reihe von Gemeinden, u. a. auch die Israelitische Religionsgeselkschaft Frankfurt a. M., haben bereits die Anregung der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel akzeptiert. Es ist zu hoffen, daß auch weitere Spenden dem Schmittoh-Fond anläßlich dieser Aktion überreichen werden. In diesem Zusammenhang dürfte folgende Reminis zenz für weitere Kreise Interesse haben, kurz vor dem Unter Leitung von Herrn Lehrer Emanusl, Hersfeld und Herrn Lehrer B e r l i n g e r, Burghaun, werden deklamatorische und theatralische Aufführungen durch Jugendliche, der Bezirkstagung auch eine gemütliche Note verleihen. # Eine große Reihe von Gemeinden aus der Umgebung haben bereits ihr Erscheinen bei der Bezirkstagung angemeldet. Alle Interessenten (auch Damen und Jugendliche) sind willkommen. Gelegenheit zum Mittag- und Abendessen ist gegeben, doch empfiehlt "es sich, infolge des starken Andranges diesbezügl. Anmeldungen bis spätestens 14. Mai an Herrn Lehrer Cmanuel, Hersseld, zu richten. Teilnehmer aus Frankfurt a. M. wollen sich betr. Ermäßigung der Reisespesen mit dem Büro der Freien Bereinigung, Rechneigrabenstr. 10, ins Benehmen zu setzen. zum Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit für die- Frisdenserziehung zu führen, werde her Friedeysgedanke ebenso im.Leben verwirklicht warben, wie schon ein anderer großex Gedanke, der soziale Gedanke, im Leben des Judentums verwirklicht wurde. Nach weiteren Reden und Anfragen betonte noch Dr. Alfred No ff:ig die Notwendigkeit, eine große Bewegung als Träger in der Friedensiüee zu schaffen. Damit wurde hie von musikalischen Vorträgen wirkungsvoll umrahmte Versammlung, in der Hunderte von Anmeldungen zpr Leistung der freiwilligen jüdischen Friedenssteuer erfolgt waren, geschlossen. Warum Goebbels von der Anklage der Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft sreigesprochen wurde. Berlin, 1. Mai. Das Schöffengericht Berlin-Charlottenburg hat bekanntlich den Berliner Gauführer der Nationalsozialisten, Dr. Goebbels, wegen Beleidigung von Ministern und hohen Beamten zu einem Monat Gefängnis und einer höheren Geldstrafe verurteilt, ihn absr von der Anklage des Vergehens gegen § 166 durch Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft freigesprochen. In der Landgerichtsdirektor Rambke Urteilsbegründung führte aus, daß der Angeklagte von der Anklage nach 8 166 freigesprochen worden sei, weil nach Ansicht des Gerichtes in dem inkriminierten Artikel des „Angriff f sammenstäßeii, bei welchen die nationalsozialistischen kennbar war, daß die Beschimpfung sich gegen die jü- Studenten schlecht abaeschnitten haben. Sie kündigten Was hat sich in den Willagsslunden des 2. Mai an der Berliner Universität abgespielt? Berlin, 4. Mai. Aus jüdischen Studentenkreisen gehen der ITA. Mitteilungen über schwere antisemitische Ausschreitungen zu, die sich in den Mittagsstunden des Sonnabend, 2. Mai, an der Berliner Universität abgespielt haben, und über welche in der Presse nur andeutungsweise berichtet wurde, ohne daß der wahre Charakter der Exzesse aus diesen spärlichen Mitteilungen erkennbar wird. Die Vorgänge haben sich nach den uns aus den Kreisen der Betroffenen zugegangenen Mitteilungen wie folgt abgespielt: Am 1. Mai wehte auf der Universität für einige Augenblicke eine Sowjetsahne. Wer den Streich verübt hat, ist noch nicht festgestellt worden. Der Zwischenfall führte zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen rechts- und linksgerichtefßp StudMey, sss kqm zu Hu? dischen ReligionsgemeinsSaft als solche richtete, sondern weil offenbar der Artikel lediglich deren Mitglieder bezw. Vertreter treffen sollte, die in dem Artikel als Fanatiker bezeichnet worden waren. Außerdem sei der Hinweis darauf, daß es Ritualmorde gegeben habe, keine Beschimpfung, sondern eine Feststellung historischer Tatsachen. (sic!) Es sei nur darauf hingewiesen, daß in Deutschland und in Oesterreich mehrere Kirchen gebe, die Heiligen geweiht seien, welche durch Religionsgegner ermordet und deshalb heilig gesprochen worden seien. Es ist nicht bekannt, ob der Staatsanwalt gegen die- Heimgange Rabbiner Samson Raphael Hirschs b"ST jen Freispruch, insbesondere auch im Hinblick auf dessen wurde im Hinblick auf die damals gegründeten Kolonien im heiligen Lande die Frage angeregt, ob die Kolonisten verpflichtet feien, im Schmittoh-Jahr, das damals zum ersten Male seit ihrem Bestände an sie herantrat, den Boden brach liegen zu lassen, oder ob sie berechtigt seien, durch einen zeitweiligen Verkauf, dieses schwere Opfer, das für sie eine Existenzfrage war, zu umgehen. Große rabbinische Autoritäten sprachen sich in erleichterndem Sinne aus, Hirsch trat mit aller Entschiedenheit für die strikte Erfüllung der Schmittoh-Gesetze auch unter diesen schwierigen Verhältnissen ein. Aber nachdem er seinen •-tkps ausgesprochen hatte, trat er sofort mit einem Aufruf an die Oesfentlichkeit, indem er zu Sammlungen für die Kolonisten aufforderte, die durch diese gewissenhafte Erfüllung des G'ttesgesetzes ihre ganze Existenz , erschwert sahen. Dieser Aufruf war die letzte schriftliche Kundgebung, mit der er vor die Oesfentlichkeit trat. Spenden für den Schmittoh-Fond werden auf das Pastscheckkonto der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel Nr. 53 900 Frankfurt a. M. -erbeten. eigenartige Begründung eingelegt hat. durch das Gericht, Berufung Eine Bezirkstagung der Freien Vereinigung in hersfeld. Frankfurt a. M., 4. Mai. Am Sonntag, den 17. Mai (1. Siwan 5691), nachmittags 1.30 Uhr, findet die erste diesjährige Bezirkstagung der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Hers seid Hotel Stern statt. Das reichhaltige Programm umfaßt u. a.: Referate von: Sr. Chrw. Herrn Rabb. Dr. Cahn-Fulda: „Persönlichkeit und Gemeinde"; Herr Redakteur Schachnowitz-Frankfurt a. M.: „Jüdische Landgemeinden in Vergangenheit und' Gegenwart". Herr Gustav Kaufmann-Frankfurt a. M : „I ü d i s ch e Wirts ch a f ts p r o b l e m e"; Herr David . U l I m a n n -Kassel: „D i e I ü d i s ch e I ugend in Deutschland"; Herr Jakob Eschwege- Fulda: „Der gegenwärtige Stand der Schächtangelegenheit" u. a. m. Die Verwirklichung der jüdischen Friedensidee. B e April. Der Jüdische Friedensbund veranstaltete am Montag, den^20. April, im Brüöervereinshaus zu Berlin eine außerordentlich gut besuchte Kundgebung, in der eine Reihe von Rednern die.innige Verknüpfung des Judentums mit der Friedensidee hervorhoben. Durch eine während der Versammlung eingeleitete Aktion wurden die Grundlagen zu meinem großzügigen organisatorischen Ausbau des jüdischen'^riedensbundes geschaffen. ..Den Vorsitz führte R.-A. Wnrich Stern, .der stn..seiner Eröffnungsansprache di^>B?deutung deS"Jüdischen Frie-- densbündes kennzeichnete. Rgbbiner Dr. Felix Gokörn an n-Leipzig führte in seinem Referat „Die Verwirklichung der jüdischen Friedensidee" aus, daß das Judentum — von einem modernen Denker die Religion der Verwirklichung genannt — sich niemals mit der bloßen Proklamierung von Ideen begnügt, sondern ihre Gestaltung im täglichen Leben aus Grund der gegebenen Möglichkeiten gesucht habe. Dieser Wirklichkeitssinn komme auch im Friedensideal der jüdischen Propheten zum Ausdruck, die nicht einen verschwommenen Kosmopolitismus predigten, wie er etwa von den Denkern des 18. Jahrhunderts verkündet wurde, sondern die praktisch mögliche friedliche Einigung der ihre Eigenart wahrenden Völker forderten. Die Umsetzung der Idee in die Arbeit des Tages beginne da, wo wir, unter vollem Verständnis für die Tendenz nach Wahrung der notwendigen persönlichen und kollektiven Eigenart, der Gefahr einer leicht in Chauvinismus und Egoismus ausartenden Ueberbetonung dieser Eigenart durch den Hinweis auf die Notwendigkeit übernationaler Bindungen und der Achtung vor fremder Individualität begegnen. Die Arbeit für den Frieden, der nicht von Diplomaten und Bereinigungen von oben her dekretiert, sondern nur von unten her gebaut werden könne, sei im wesentlichen eine Erziehungsarbeit. Wenn es gelinge, die Mutter im Heim, den Vater im Beruf, den Lehrer in der Schule schlecht abgeschnitten haben. Sie kündigten an, daß sie am nächsten Tage ^an den Juden Ra^o nehmen" werden. Diese Ankündigung verwirklichten sie in der folgenden Weise: Am Sonnabend, den 2. Mai, gegen 10 Uhr vormittags, besetzten Trupps nationalsozialistischer Studenten die Eingänge der Universität und faßten alle Kommeneden und Gehenden scharf ins Auge. Studenten und Studentinnen, die als Juden erkannt wurden, wurden unter den Rufen „Juda verrecke!" beschimpft und verprügelt. Dabei wurden einige ausländische jüdische Studenten nicht unerheblich verletzt, ein niedergeschlagener jüdischer Student mußte -mit der Bahre ins Krankenhaus befördert werden. Die Universitätsbehördcn wurden auf die skandalösen Vorgänge aufmerksam gemacht, allein sie unternahmen nichts, um die Ordnung wieder herzustellen M'SKonb-llen und Bedrohten zu schützen. Die Polizei wurde nicht verständrgr. i,,«. ^^Ssa bis 2 Uhr nachmittags. bauerten Baden lehnt das Schächtverbot ab. Karlsruhe, 1. Mai. In der letzten Sitzung des badichen Landtags berichtete der Zentrumsabgeordnets Kuhn über den nationalsozialistischen Antrag auf Erlaß eines Schächtoerbotes. Der Ausschuß hatte die Ablehnung des Antrags jb^, schlossen und damit ein Gesuch des Oberri^tes der Israeliten.. Badens für erledigt, erklärt. 'Abg'.'Kraft (Katsoz) begründete-seinen.Antrag'tnit der Behauptung, die badische 'Sozialdemokratie sei deshalb Gegner des Schächtverbotsantrags, weil sie Angst vor den Juden und dem Zentrum habe (große Heiterkeit). Die förmliche Anfrage wird von Ministerialrat Jung beantwortet. Abg. Ewald (Ev. V.) wendet sich gegen das Schächten und verlangt zum mindesten eine scharfe Kotnrolle. Abg. Dr. Mattes (D. V.) setzte sich für ein allgemeines Schächtverbot ein. Abg. Dr. Wolfhard (Dem.) spricht, gegen den nationalsozialistischen Antrag. Der sozialdemokratische Abgeordnete..Kurz meint, die Schächtfrage müsse vom Reichstage geklatt. werden. Die Frage des Schächtens sei schon vor 20 Jahren hier behandelt worden, als es noch keine Nationalsozialisten gab. Sie fei eben keine Parteiangelegenheit. Wenn sich die Nationalsozialisten mit dieser Frage beschäftigen, so beherrsche sie nur ihr Haß gegen die Juden oder ihre Angst vor "den Juden. Ein einzelner Landtag sollte sich überhaupt mit dieser Frage nicht beschäftigen. Wenn die Nationalsozialisten von Humanität reden, so könne man ihnen nicht glauben, denn sie seien die unbedingtesten Anhänger des Krieges. Im Grunde sei jede Tötung unhuman. Wenn die orthodoxen Juden auf dem Schächten beständen, so solle man sich nicht dagegen wenden. Nürnberg habe durch das Schächtverbot großen ouja» den gehabt. Orthodoxe Juden seien die bayerischen Kun- - ■ i I . i - n . )i -11

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