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Der Israelit · 1931-04-30 · Heft 18 (30.4.1931) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 18 (30.4.1931)
Date
1931-04-30
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 4 Nr., 19 TAPETEN LINOLEUM UND DEKORATIONSSTOFFE A. GUTHEIM ROSSMARKT 25 TEL. 25141 Präsidenten Sorga kundgegebene Entschlossenheit, antisemitische Manifestationen und Exzesse aus das strengste zu Unterdrücken. Die Zeitung erinnert an das von Prof. N. Sorg« am 16. Oktober v. I. einem Vertreter der STA. gegebene Snterview, in dessen Verlauf Prof. Sorga u. a. ausführte: „ . . . Man hätte erwarten dürfen, daß gerade die rumänische Sntelligenz sich an die Spitze einer Bewegung gegen den Antisemitismus stellen und für eine Politik weitgehender Toleranz und Humanität eintreten würde, die den verschiedenen Nationalitäten freie Entwicklung im Rahmen des rumänischen Staates und dem rumänischen Volke selbst Aufstieg und Wohlfahrt sichern könnte . . . Sch selbst kann leider nicht die Führung bei der Bekämpfung des Antisemitismus übernehmen. Sede von mir nusgehende Snitiatipe würde auf die geschlossene Front der Berufspolitiker stoßen, sie würde totgeschwiegen oder verleumdet werden." Die Zeitung knüpft hieran die folgende^ Bemerkung: „So sprach Prof. N. Sorga -im Oktober v. S. Seiner Privatinitiative zur Bekämpfung des Antisemitismus war keine Möglichkeit zur Avigdor, Klausner und Sokolow geleitet oder geistig genährt wurden. Heute, wo Zeitung und Zeitschrift das tägliche geistige Brot in jedem Haufe bis ins letzte Dorf bilden, gibt es im gesamten Osten und auch in Amerika keine einzige hebräische Zeitung und Zeitschrift. Die „Hazefiroh" erlebte zum so und sovielten Male vor wenigen Wochen in Warschau leine Wiederauferstehung; sie ist noch ein Experiment. Hebräische Zeitungen, in politischer Sachlichkeit für den Tag bestimmt, gibt es zurzeit nur noch in Palästina. Sn einer solchen Zeit der Ebbe, da alle Musen verstummt sind, klammert sich das kleine Häuflein vom alten Stabe an feinen größten und letzten geistigen Heros, an Bialik, ber, — wenn auch seine Leier seit zwei Sahrzehnten kaum noch einen Ton von sich gibt, — doch der Dichter des jüdischen Lebens und' der jüdischen Hoffnung ist. Uns ist Bialik, wir sagen es offen heraus, als Dichter wert und teuer, als Dichter der Seschiwa, die er in seinem ran an in ihrem unvergleichlichen Glanz und Glück und in ihren Ewigkeitstiefen zeigt; als Dichter des jüdischen Leides, der in seinem mn nach den Pogromen der jüdischen Tragödie Worte verliehen hat, wie seit den Slichaus-Dichtern kein anderer mehr, als Lyriker, der die alte jüdische Harfe von Kastilien wieder zum Erklingen brachte. Er wird uns als Mensch und Sude immer sympathischer, seitdem er im Herzen der jüdischen Stadt Palästinas' jüdische Sugend um sich und um den Sabbatgedanken sammelt. Den Sabbat ge d a n k e n zunächst, mit Liedern undl Lichtern; wie es mit dlem 7..?Wai 1931 j i- - ~~ ~ — lenderreform in Genf ' mündlich auseinanderzusetzen, ist diese Frage nicht mehr aus.hem Blickfeld der verantwortlichen Führer des Judentums geschwunden... Es ist allgemein-bekannt, daß sich außer der Agudas Sisroel, die. von Anfang an die "Größe der-Gefahr brkann^eHunü die Entwicklung der Dinge bis zum heutigen Tage mit 'wachsamem Auge verfolgt hat, drei jüdische Organisationen entweder ausschließlich oder vornehmlich mit der Abwehr dieser uns drohenden Gefahr befassen: das sog. Züricher „Komitee betreffs der Kalenderreform", die ' amerikanische «„Feiste kor Sakeguarcking the Fixity. of the Sabbat against possible encroachmeiit by Calendar Reform“ und der Weltverband Schomre Schabbos. Alle genannten Organisationen haben keinerlei Interesse daran, gegen die Durchsetzung einer Revision des geltenden Kalenders als solche anZukämpfen. Shr Kampf richtet sich einzig und allein gegen die Möglichkeit, daß der von dien aussichtsreichsten Kalenderreformprojekten empfohlene Blanko tag Weltgeltung erhält. Die Einführung dies Blankotages würde bedeuten,, daß das Wochenende und damit der Sabbat in jedem Sahre, im Schaltjahr sogar .zweimal, „wandert", d. h. auf einen anderen Wochentag fällt. Für wie bedrohlich in. den verantwortlichsten Kreisen des Judentums die Situation angesehen wird, lehrt nichts deutlicher als die Tatsache, baj5 innerhalb des Züricher Komitees ein Konflikt über die Frage ausgebrochen ist, welchen Weg man zur Abwendung der uns drohenden Katastrophe einschlagen solle. Entfaltung gegeben und — wie er sagte — die geschlossene Front der Berufspolitiker war das Hindernis für ihn, die Führung zu übernehmen. Nunmehr hat Prof. N. Sovga diese geschlossene Front durchbrochen und sogar das Staatsruder gegen sie als Ministerpräsident übernommen. Daß die Süden sich menschlich benehmen, daran wird wohl niemand zweifeln. Sie sind rumänische Staatsbürger und haben ein Recht, von ihrem Vaterlande nicht bloß eine menschliche Behandlung, sondern eine gleiche Behandlung wie ihre Mitbürger zu verlangen. Prof. N. Sorga kann als Ministerpräsident die Führung bei der Bekämpfung des Antisemitismus nicht mehr ablehnen. Sn diesem Sinne begrüßen wir die Stellungnahme des neuen Ministerpräsidenten zum Sudenproblem in Rumänien." Vielfache Hoffnungen der rumänischen Süden wurden in den letzten Sahren schmerzlich getäuscht, mögen sich die neuesten erfüllen. Ein neuer Perek-Spruch. „Legte man all unsere Sünden in die eine und d i e S ü n d e gegen d i e hebrä i sch e Sprache in die andere Wagschale, diese würde all unsere anderen Sünden auswiegen." - Das Wort soll von Chajim Rachman B i a l i k stammen, dem genialen hebräischen Dichter unserer Zeit, und es dient jetzt als Motto für eine Bialik - Festnummer der wiederauferstandenen „Hazefiroh" aus Anlaß des Dichterbesuches in Warschau. Die Festnummer ist voller Verzückung, der Personenkult feiert wahre Orgien. Dr. Sofua Thon begrüßt den Dichter als den „Genius der Nation" lnvixn 1V)' Warschawski als den „Engel des Friedens". Ein sonst vernünftiger und ganz positiv eingestellter Schriftsteller sagt: „Wie jeder in Ssrael Anteil an der Thora hat, so hat er Anteil an der Poesie", — mithi-n an Vialik. Der Epitheton tmi ist schon das wenigste, was man für den Gast hat. Diese maßlosen Ausbrüche, Ae vielleicht keinem so widerlich sind wie Bialik selbst, erklären sich aus der Oede und Armut in der neuhebräischen Poesie von heute. Sn einer Zeit, da das Zeitungswesen noch in den Anfängen seiner Entwicklung war, gab es in Rußland zwei große hebräische Tageszeitungen mit literarischem und schöngeistigem Niveau, Monatsschriften und Sahrbücher, die von Männern wie Achad Haam, Ben Sabbat selbst in seinem Kreise steht, wissen wir nicht. Wir freuten uns aber außerordentlich, jüngsthin eine Kundgebung von ihm an Palästinas Sagend veröffentlichen zu dürfen, in der er für den Sabbat, für den ganzen Sabbat in feiner vollen Verpflichtungskraft 'ehrlich und wirksam wirbt. Bialik soll ein bescheidener Mann sein, an dem Weihrauchwolken der Anbetung ohne Schaden für Geist und Seele vorüberrauschen. Wie wird er auf diesen Platzregen von abgöttischen Huldigungen in Warschau reagieren? Sollte er wirklich einmal, vielleicht vor Sahrzehnten, den oben angeführten Satz geäußert haben, so hat er im Zentrum des jüdischen Aufbaues in Palästina doch längst gelernt, daß es die Sprache allein nicht mache, daß man in der heiligen Sprache recht viel Unheiliges produzieren kann. Sn feinem-Klub wird Wert auf anTp und *l^T3n gelegt, also weiß er, daß Iiivvim nur Mittel und Vorstufe für das 1M1XV2 liunpi ist. Also wird die große Sündenschale, wenn beispielsweise auf ihr unter anderen die Sünde gegen den Sabbat oder gegen die S p e i s e g e s e tz e liegt, von der anderen mit der einzigen Sünde gegen die S Pr ach e nicht aufgewvgen werden können . . . ’ Daß Vialik gar Nicht nach Warschau kam, erfahren wir nicht aus einer spateren Nummer der „Hazefiroh", sondern aus dem orthodoxen „Jüdischen Togblatt". Man munkelt allerlei. ’ Er wäre in Wien erkrankt, Andere haben ihn aber in den Straßen T e l - A w i w s in blühender Gesundheit gesehen, die wi>r ihm von Herzen gönnen. Eine Festnuv^mer zu seinem Empfange ist ober da. Und von dieser könnte man frei nach dem obenangeführten Motto sagen: „Lägen alle Geschmacklosigkeiten der Warschauer Tarbuth-Kreise in der einen und die dieser Festsalve in ber anderen Wagschale, diese würde a l l e an deren aufm i ege n! . ." Ist der Blankokag für uns Juden diskutabel? Von Dr. Adolf Jacobus in Berlin. Seitdem im Sahre 1925 das Kalenderreform- Sonderkomitee des Völkerbundes an die Oberrabbiner S. F ü r st - Wien, S- H. Hertz- London, S. Levy - Paris,' T. Lewenstein - Zürich, und an den inzwischen verstorbenen Lucien Wolf- London die Einladung ergehen ließ, den jüdischen Standpunkt zur Ka- Sn einem solchen Augenblick hält es der Verfasser eines Artikels über „Schein und Wirklichkeit", in Nr. 16 der „Jüdischen Presse", Wien, für richtig, zu erwägen, ob nicht aus der Einführung des Blankotages geradezu ein Kiddusch Haschem entstehen könnte. Obwohl der Verfasser einsieht, daß angesichts der Gefahr des Blankotages erklärt werden könne, daß „das Judentum eine ähnliche Erschütterung in seiner bisherigen Geschichte wohl nicht einmal in dem Augenblick erlebt habe, als die erstarkte Tochterreligion den Sabbat offiziell auf den Sonntag verlegte", kann er den „Hoffnungsstrahl" nicht übersehen, der ihm in den Konsequenzen der geplanten Reform vorzuliegen scheint. Also wir sollen eine selbstmörderische Politik treiben? Also die heutigen Schwierigkeiten der Sabbatheiligung sind noch nicht groß genug? Die Beobachtung des Sabbats unter den heutigen Verhältnissen ohne Blankotag ist noch kein genügend großes Opfer, kein Kiddusch Haschem? Hat der Verfasser daran gedacht, daß, falls die Wochenendbewegung sich durchsetzen sollte, in den Sahren, in dienen der Sabbat nicht mit dem Wochenende zusammenfällt, in einer Kalenderaera mit Blankotag die sabbattreuen Süden sogar gezwungen sein würden, d r e.i Ruhetage in der Woche zu halten? Daß sie unter den heutigen Verhältnissen, trotz schwersten wirtschaftlichen Druckes, zwei Ruhetage in der Woche Halten, sollte ihnen dien Mut geben; mit dem ganzen Gewicht religiösen Ernstes vor die entscheidenden Instanzen hinzutreten und gegen eine Pseudoreform Einspruch zu erheben, die uns den Rest von Freiheit nehmen will, den die moderne Gesetzgebung uns hinsichtlich der Beobachtung des Sabbats gelassen hat. Was ist das für eine Politik, die den Gegnern Waffen in die Hände gibt! Man ist 'nicht erstaunt, wenn man eine Argumentation wie die des Herrn Verfassers in irgend einer Broschüre etwa der amerikanischen Kalenderreformer findet, denen jedes Mittel recht ist, um ihren Kalenderresvrnndeen in der Welt zum Siege zu verhelfen. Eine solche Argumentation aber in einem religiös-jüdischen Blatte zu finde,n befremdet und schmerzt. Die Frage des Blanko tag es ist f ü r u n s Iu d e n n i ch t d i s k u t a b e l. Selbst theoretische Betrachtungen darüber anzustellen, wie die Einführung des Blankotages sich innerhalb der jüdischen Gemeinschaft auswirken würde, ist von Uebel. Wir Süden sind so mit dem Wirtschaftsleben der Welt verbunden,, daß die Durch-

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